Remus Lupin erwachte am Morgen nackt und völlig blutverschmiert in einer morschen Baumhöhle.

Was hatte er getan?

Das schlimmste an den Verwandlungen waren nicht die Schmerzen oder der Wahnsinn, sondern dass er jedes Mal keinerlei Erinnerung an das Geschehene hatte. Er hätte seine besten Freunde ermorden können, er hätte es nicht gewusst.

Remus saß zusammengekauert da und weinte. Lange und leise ließ er seinem emotionalen Schmerz freien Lauf. Unter Tränen rappelte er sich auf und kroch an den Rand der Höhle. Draußen erblickte er einen Hund, den er nur allzugut kannte.

„Du solltest doch verschwinden, du Narr!", sagte Remus leise.

Tatze erhob sich und leckte ihm fürsorglich die Wunden an seinem Körper aus. So wie er es früher immer getan hatte. Remus ließ es sich gefallen. In seinem jetzigen Zustand konnte er eh nicht ins Schloss zurück.

Er hörte wie sich Sirius zurück verwandelte. Er hielt ihm seine Hand entgegen.

„Komm.", sagte er und winkte mit einem Zauberstab. „Ich glaube, den hast du verloren."

Remus nahm Sirius Hand und sie disapperierten. Zusammen tauchten sie vor einer alten Waldhütte auf. Remus sank zu Boden und eine Horde streunender Hunde kam bellend und schwanzwedelnd auf sie zugestürmt. Sie begrüßten ihr werwölfiges Herrschen. Remus kraulte einen nach dem anderen hinter den Ohren.

„Hier lebst du?", fragte Sirius.

„Mehr Abgeschiedenheit gibt es für einen Werwolf nicht.", sagte Remus und ging hinein.

Innen war es rustikal aber gemütlich eingerichtet. Sirius ließ sich gleich auf die Couch fallen als habe er immer hier gewohnt.

„Du kannst nicht hier bleiben.", sagte Remus aus dem Bad heraus, während er seine Wunden verarztete.

„Schade eigentlich. Als Hund würde ich mich hier doch gut machen.", gab Sirius zu bedenken.

Remus kam aus dem Bad und holte einige Klamotten aus dem Schrank.

„Hier." Er warf Sirius eine saubere Hose und einen alten Pullover entgegen. Mehr konnte er nicht entbehren. „Und wasch dich mal."

„Und wenn ich ein ganz lieber Hund wäre?"

„Das schaffst du nie und nimmer. Du magst einfach zu sehr dein Schlammbad."

„Okay, keine Schlammbäder.", schwor Sirius.

Remus zog sich die saubere Unterhose hoch und stemmte die Arme in die Seite.

„Okay, vielleicht ein paar Wochen, aber ich kann nichts versprechen. Ich … ich muss erstmal nachdenken."

„He, es war nicht deine Schuld.", sagte Sirius. „Hätte uns der olle Schniefellus nicht dazwischengepfuscht, dann ..."

„Nein, darum geht es nicht. Ich meine, ich hab in dem ganzen Chaos meinen Trank vergessen. Wäre das nicht passiert, dann hätten wir Pettigrew und du wärst ein freier Mann."

„Nein, Rem, das stimmt nicht.", entgegnete Sirius.

„Doch, es ist wahr. Ich bin nicht dafür gemacht unter Menschen zu leben. Es ist viel zu gefährlich. Ich hätte mich niemals von Dumbledore dazu überreden lassen dürfen."

Remus setzte sich neben Sirius und holte eine Tafel Schokolade aus der Couchritze.

„Sag mal, wo hast du die denn überall liegen?", fragte Sirius.

„Du wärst überrascht.", antwortete Remus und lächelte. Er wickelte die Tafel aus und biss ein großes Stück ab.

Die Geschichte geht weiter in

REQUIEM – 4. Akt