Kapitel 8: In dem Hermione sich als echte Prinzessin zeigt

Der Ministeriumsball und das Ende unserer Geschichte.


Der zweite Mai nahte endlich, der Tag des Ministeriumsballs. Der Himmel war grau, aber die Temperatur mild. Hermione hatte sich Lollys Hilfe bei der Vorbereitung eines Kleides für den Ball versichert. Die Herbsttöne brachten die rotgoldenen Strähnen in ihrem Haar und die warme Farbe ihrer Augen zur Geltung. Hermione war erfüllt von einer Mischung aus Nervosität und Aufregung. Zum Frühstück knabberte sie ein Stück Toast, weil sie keinen Appetit auf mehr hatte. Da es ein Samstag und früh morgens war, befanden sich erst wenige Menschen an den Tischen; Snape saß allerdings am Lehrertisch und starrte sie an. Das hatte er in letzter Zeit oft getan. Es war kein feindseliger Blick, eher ein abschätzendes Hinsehen.

Sie nahm sich ein zweites Stück Toast, als er den Lehrertisch verließ und auf sie zukam. Er reichte ihr eine dampfende Tasse.

„Ein beruhigender Aufguss", sagte er in ihr Ohr. „Ich glaube, Sie werden mehr als nur Toast brauchen, um Ihnen Kraft zu geben."

Sie lächelte über seine Aufmerksamkeit. Er lächelte nicht zurück.

Eine halbe Stunde später wusste sie, warum.

„Bastard!" murmelte sie, während sie im Spiegel auf ihr von Flecken übersätes Gesicht starrte. Es musste Snape gewesen sein; ein Zaubertrank in ihrem Tee. Er hatte einen Nesselausschlag ausgelöst. Aber warum, zum Teufel, hatte er das getan? Nun, indem sie in den Spiegel starrte, würde sie es nicht herausfinden. Sie ging schnell hinunter in die Kerker und klopfte an seine Bürotür. Keine Antwort. Im Zaubertränke-Klassenzimmer war er auch nicht. Als sie aus der Tür trat, stieß sie direkt auf Draco Malfoy.

Er kicherte. „Also wird die kleine Muggelgeborene letztlich nicht zum Ball gehen", sagte er. „Schätze, wir werden ganz sicher einen Slytherin Schulleiter bekommen."

„Malfoy", sagte Hermione, seine Sticheleien ignorierend. „Wo ist Professor Snape?"

Malfoy grisnte. „Er ist schon weg. Ich habe ihn weggehen gesehen."

„Weißt du, wohin?"

Malfoy zuckte die Achseln. „Vielleicht trifft er sich mit meinem Vater, um um Verlängerung für die Wette zu bitten."

„Das glaube ich nicht", murmelte Hermione.


Madam Pomfrey war keine Hilfe. „Ich fürchte, es wird einfach abklingen müssen, Liebes", sagte sie. „Wenn es ein Fluch gewesen wäre, hätte ich eventuell etwas ausrichten können, aber es scheint eine normale, allergische Reaktion zu sein. Haben Sie etwas Ungewöhnliches gegessen oder getrunken?"

Ich habe einen verflixten Zaubertrank getrunken, dachte Hermione, und wie ich Professor Snape kenne, gibt es wahrscheinlich kein Gegenmittel. „Ich habe einen Kräutertee getrunken", sagte Hermione. „Das war es wahrscheinlich."

„Hier ist eine beruhigende Creme", sagte Madam Pomfrey und gab ihr einen Tiegel. „Sie sollte gegen den Juckreiz helfen."

Hermione pflanzte ein Lächeln auf ihr Gesicht, dankte Madam Pomfrey und ging davon.


Hermione ging vor dem Spiegel auf und ab. „Allergische Reaktion, meine Fresse!" murmelte sie. „Ich werde ihm eine verflixte allergische Reaktion verpassen! Bastard." Sie raufte sich frustriert die Haare. „Warum? Warum, warum, warum, warum, warum?" Vielleicht erwartete er, dass sie versagte und wollte ihr die Blamage ersparen. Wusste er nicht, dass sie es eher versuchen und versagen würde als es überhaupt nicht zu versuchen? Oder vielleicht wusste er es. „Warum?" Sie began wieder, auf und ab zu gehen, und die Worte hämmerten gleichzeitig mit ihren Schritten: allergische Reaktion, allergische Reaktion, allergische Re-… Plötzlich hielt sie inne. Ein bedächtiges Lächeln erschien auf ihrem von Flecken bedeckten Gesicht. Dann arbeitete sie sich aus ihren Kleidern, zog eine Jeans und ein T-Shirt an und zog ihre Schulroben darüber. Zehn Minuten später platzte sie in die Eingangshalle und zu den Toren hinaus und rannte zum Apparierpunkt. Eine Drehung auf dem Absatz und sie war in Muggel-London, in fünf Gehminuten Entfernung von einer 24-Stunden-Apotheke. Fünfzehn Minuten später verließ sie das Geschäft mit einer weißen Papiertüte in der Hand.

Zurück in Hogwarts zog sie eine Flasche aus der Türe. „Piriton", lautete das Etikett, „Nicht-müde-machende Formel."

Hermione folgte den Anweisungen, die der Apotheker ihr gegeben hatte und schluckte die Pillen mit einem Glas Wasser. Eine Stunde später waren ihre Flecken und der Juckreiz verschwunden. Hermione küsste die Flasche. „Antihistamine", sagte sie, „Ich liebe euch."


Niemand hätte überraschter sein können als Severus Snape, als Hermione auf dem Ball eintraf, auch wenn er es nicht zeigte. Er wusste, dass sein Zaubertrank funktioniert hatte. Es war nur logisch, dass sie in die Kerker kommen würde, um ihn zur Rede zu stellen, daher hatte er Draco den Eindruck vermittelt, er sei bereits unterwegs, während er stattdessen in den Schatten gelauert und die Flecken auf ihrem Gesicht selbst gesehen hatte. Er wusste nicht, wie sie sie überwunden hatte; kein Zaubertrank hätte das erreichen können, und er war so sehr ein Zaubertrankmeister, dass ihm die Idee einer Muggelmedizin gar nicht in den Sinn kam. Sie konnte keinen Glamourzauber tragen; die Sicherheitsmaßnahmen auf dem Ball hätten ihn verhindert. Warum, oh warum musste sie so erfinderisch sein? Natürlich wusste er, warum; sie wäre nicht Hermione, wenn sie nicht brilliant wäre. Brilliant und schön, ungezähmt wie eine Dryade, und doch würde sie so korrumpiert sein. Seine Augen ließen kein einziges Mal von ihr ab, als sie zu ihrem Tisch ging. Dort war sie unter Skorpionen, und er konnte nichts daran ändern, nur mit steinernem Gesichtsausdruck dastehen, während sie entweder gedemütigt würde oder sich der Gesellschaft von Skorpionen als deren Königin für einen Tag oder eine Woche anschloss. Er konnte nicht sagen, welche der Möglichkeiten ihn mehr abstieß.


Hermione suchte nach dem ihr zugewiesenen Sitzplatz. Statt die Ehrengäste an einem erhöhten Tisch zu platzieren, hatte der Minister es für eine gute PR-Idee gehalten, die Helden in der Menge zu verteilen, einen oder zwei an jedem Tisch. Sie ging im Geist das Protokoll durch. Als Ehrengast erwartete man von ihr, dass sie sich als Erste setzte und sich als Letzte entfernte.

Wenige Minuten später nahm Narcissa Malfoy mit dem Geraschel teurer, elfenbeinfarbener Seide neben ihr Platz. Natürlich, dachte Hermione. Sie würde sichergestellt haben, ganz in der Nähe zu sitzen. Lucius Malfoy setzte sich neben seine Frau.

„Hermione, meine Liebe", sagte Narcissa. „Ich darf Sie Hermione nennen, nicht wahr?"

Hermione neigte leicht ihren Kopf. „Nur, wenn Sie mir erlauben, Sie Narcissa zu nennen." Lasst die Spiele beginnen.

„So, es muss schwierig sein, sich auf all diese Frivolitäten zu konzentrieren, während Ihre NEWTs vor der Tür stehen", sagte Narcissa.

Erstes Gambit, dachte Hermione, erinnere jeden daran, dass ich kaum erwachsen bin. Der auf der Hand liegende Gegenschlag ist anzudeuten, dass sie eine alte Schachtel ist. Warum muss ich das tun? Sie ist immer noch eine der atemberaubend schönsten Frauen, die ich je gesehen habe. Rutscht mir alle mal mit euren Spielchen den Buckel runter. Ich werde ihnen wahre Manieren zeigen. „Welche Fächer hatten sie in Ihren NEWTs, Narcissa?"

Die Unterhaltung während des Essens setzte sich in diesem Stil fort. Ihre Tischgenossen machten zweideutige Kommentare, und bei jeder Antwort, die Hermione in Erwägung zog, wählte sie die höflichste. Sie begann sogar, sich zu amüsieren. Statt Ärger auf ihre Gegner entwickelte sich in ihr eine sprudelnde Fröhlichkeit, und ihr Lächeln wurde immer leichter. Sie sind nur Menschen, dachte sie. Traurige, bittere Leute, die gerade einen Krieg verloren haben.

Das war der Zeitpunkt, als ihr Die Idee kam.

Sie entschuldigte sich vom Tisch und ging zur Damentoilette. Dort verwandelte sie ein Pergament und einen Stift, schrieb rasch eine Notiz und versiegelte sie.

„Lolly!" rief sie.

Wie sie gehofft hatte, erschien die Hauselfe. „Was kann Lolly für Miss Hermione tun?"

„Bring diese Nachricht zu Kingsley Shacklebolt. Unauffällig. Und komm mit seiner Antwort zurück."

Die Hauselfe nickte. „Lolly wird sehr ruhig und schnell sein." Sie verschwand.

Hermione ging fünf Minuten lang auf und ab, ehe Lolly zurückkam. Auf die Rückseite ihrer Nachricht war ein Wort gekritzelt: „Ja."


Sie waren beim Käse- und Obstgang des Mahls angelangt, als sich Kingsley Shacklebolt erhob und um Aufmerksamkeit bat. „Ich danke Ihnen allen für Ihr Kommen heute", sagte er, „um mit mir den Sieg über Tom Riddle, der sich selbst Lord Voldemort nannte, zu feiern." Kingsley hielt inne, als einige im Auditorium aufkeuchten. „Besiegt durch die Hand von Harry Potter, des Jungen, der lebte." Die Zuhörer applaudierten laut. Es gab sogar einige Jubelrufe. „Aber während Harry Potter überlebte, gab es viele, die in diesem Krieg ihr Leben verloren. In Erinnerung an sie habe ich eine Gedenkmauer in Auftrag gegeben; die Namen werden heute Abend dort eingemeißelt. Hexen und Zauberer, hier ist Miss Hermione Granger."

Hermione erhob sich und trat auf die Bühne, während die Zuschauer applaudierten, wenn auch nicht so enthusiastisch, wie sie für Harry applaudiert hatten.

„Wir sind heute hier, um einen Sieg zu feiern", sagte Hermione. „Und wir sind heute hier, um derer zu gedenken, die dafür ihr Leben ließen."

Kingsley Shacklebolt reichte ihr eine Rolle Pergament und die Kugel, die verzaubert worden war, um die Worte, die sie sprach, auf der Gedenkmauer einzumeißeln. Sie öffnete die Rolle; sie war in alphabetischer Reihenfolge, nach Vornamen. Nicht, was sie erwartet hatte; es machte ihre selbst auferlegte Aufgabe sowohl einfacher als auch schwieriger. Kingsley lächelte ihr ermutigend zu. Sie fragte sich, ob er so erfreut sein würde, wenn sie vom Manuskript abwich.

Hermione wählte ihre Worte sorgfältig. „Wir ehren die Gefallenen, die dafür kämpften, woran sie glaubten." Die Worte erschienen auf der schwarzen Marmorwand, eingemeißelt in fließenden, goldenen Lettern.

„Alastor Moody."

„Albus Dumbledore."

„Amelia Bones."

Hermione fuhr mit den As fort. Dann weiter zu den Bs.

„Bathilda Bagshot."

Hermione bemühte sich, ihre Stimme für den nächsten Namen gleichmäßig zu halten, ein Name, der nicht auf der Liste stand, die sie bekommen hatte. Es war schwer, so schewr, ihren Hass beiseite zu schieben und dies zu tun. Aber wenn sie es nicht versuchte, würden sie in ein paar Generationen erneut dazu verdammt sein, diesen Krieg auszufechten. „Bellatrix Lestrange."

Die Menge murmelte. Kingsley machte eine erfolglose Geste, um sie zu stoppen, aber der Schaden, wenn es denn ein Schaden war, war bereits angerichtet.

Hermione holte tief Luft und fuhr fort. „Benjy Fenwick." Weiter ging sie und schob die Namen derer von der anderen Seite, die im Kampf gefallen waren, dazwischen. Jedes Mal, wenn sie es tat, murmelte die Menge, aber bald stoppte sogar dies und in der Halle herrschte tödliche Stille.

Sie errreichte das Ende der Liste, von beiden Listen. Nun ihr Schlusssatz. „Im Tod sind alle gleich."

Hermione gab Kingsley die Kugel zurück und ließ sie beinahe fallen, weil ihre Hände so sehr zitterten. Sie konnte aller Augen auf sich fühlen. Standhaft stand sie da; sie hatte nichts getan, wofür sie sich schämen musste.

Jemand begann zu applaudieren. Ihre Augen huschten zu dem Geräusch. Es war Severus. Beinahe lächelte er. Einen Moment später klatschte Molly Weasley, und dann fiel ausgerechnet Narcissa Malfoy ein. Danach applaudierte ihr die ganze Halle.


„Nun, Severus, du gewinnst die Wette", sagte Lucius. „Nach dieser Vorstellung, wie könnte es anders sein?"

„Es war keine Vorstellung", sagte Snape. „Sie ist eine Gryffindor; sie hat jedes Wort ernst gemeint." Sein Herz tat weh. Sie war großartig, und sie war für ihn nicht zu haben.

„Du verliebst dich nicht wieder in eine Gryffindor Muggelgeborene, oder?" neckte Lucius.

„Nein", sagte Snape. Er verliebte sich nicht; er war schon verliebt.


Der Tanz begann, sobald die Tische aus dem Weg geräumt waren, und es schien, dass jeder Reinblüter unter fünfzig Hermione um einen Tanz bat. Aber den einzigen Menschen, mit dem sie reden wollte, konnte sie nirgends entdecken. Schließlich schob sie Müdigkeit vor, zog sich in die Damentoilette zurück und warf einen Richtung-finde-Zauber.

Hermione fand Severus auf einem Balkon, wo er im Dunkeln stand.

„Sie tanzen gar nicht", sagte sie.

„Ich tanze nicht", antwortete er.

„Sie haben mir applaudiert."

„Ein momentanes Fehlurteil meinerseits", sagte Snape. „Ich versichere ihnen, ich werde es nicht wieder tun."

Sie konnte nicht sagen, ob er sie neckte oder es ernst meinte. „Es tut mir leid", sagte Hermione. „Ich musste es tun, auch wenn es … unangemessen war."

„Keine Entschuldigung nötig", sagte er. „Sie haben gewonnen."

„Ich habe gewonnen? Wir haben gewonnen?" fragte Hermione.

„Ich brauche nicht Schulleiter zu werden."

Sie lächelte. „Ja!" Dann legte sie die Stirn in Falten. „Ich schulde Ihnen immer noch eine Entschuldigung. Ich habe mit Ihrer Freiheit gespielt."

„In dem Fall", sagte er, „schulde ich Ihnen eine Entschuldigung dafür, dass ich damit gespielt habe, was Sie als Hermione Granger ausmacht." Er seufzte, ein Atemzug des Bedauerns. „Ich habe Ihnen alle Werkzeuge gegeben, die Sie brauchten, um in einem Spiel von Korruption Erfolg zu haben, und ich wusste sehr gut, was es Ihnen antun würde, wenn Sie es spielen würden." Seine Augen bohrten sich in ihre, ein Blick, der so intensiv war, dass der Rest der Welt verblasste. „Und statt Korruption haben Sie Mitgefühl gespielt und das Spiel für jedermann gewonnen." Er nahm ihre Hand und küsste ihren Handrücken. „Sie nehmen mir den Atem."

Ihre Augen schimmerten vor Tränen, und ihr Herz fühlte sich an, als ob es zerspringen wollte. „Das war es", sagte sie. „Das war es, warum Sie mir diesen Zaubertrank gegeben haben. Sie haben versucht, mich zu beschützen."

„Ich Dummkopf", sagte er und ließ ihre Hand los. „Gehen Sie wieder tanzen."

Sie schüttelte den Kopf. Dies war, wo sie sein wollte. Und sie realisierte in diesem Momen, dass es keine, dass es niemals eine Schwärmerei gewesen war.

„Geh, Kind", sagte er. „Lass mich hier im Dunklen zurück, wo ich hingehöre."

„Ich bin kein Kind", sagte sie. „Ich bin schon seit einiger Zeit kein Kind mehr."

Er schüttelte den Kopf.

„Severus", sagte Hermione und hob ihren Zauberstab, indem sie ihn in einer eleganten Kurve schwang. „Capilli comptus!"

Sein Haar wurde von einer unsichtbaren Brise zerzaust, aus seinem Gesicht geschoben und mit einem silbernen Band zusammengebunden.

„Miss Granger, bitte machen Sie keinen Fehler –"

„Kein Fehler", sagte sie. „Eine Absichtserklärung. Ein Wunsch. Eine Frage. Aber kein Fehler."

„Ich bin Ihr Lehrer", sagte er.

„Nicht mehr lange", sagte sie. „Ich kann warten."

„Ich bin zu alt –"

„Unsinn", sagte sie. „Du bist nicht einmal vierzig. Der jüngste Professor im Kollegium." Sie legte eine Hand auf seine Wange. „Bitte, versuche nicht, eine Gryffindor an Sturheit zu übertrumpfen."

„Miss Granger –"

„Hermione", korrigierte sie.

Er schloss seine Augen und tief Luft, ein Atemzug, zwei Atemzüge, drei. Dann öffnete er seine Augen und sah sie an. „Hermione", sagte er. „Capilli comptus!"

Ihr Haar wurde in einer Brise wie seiner zusammengebunden, aber dieses Mal war das Band golden. Sie lächelte.

„Miss Granger", sagte Severus, „möchten Sie gerne tanzen?"

ENDE