Kapitel 9: Epilog
Szenen vom Ministeriumsball, auf dem es Tanz, Streit, Diplomatie und Unterhaltung gibt.
Mit Severus zu tanzen war einfach, weil Hermione sich nicht darum sorgte, wohin sie ihre Füße setzte. Mit Severus zu tanzen war schwierig, weil Hermione nicht einmal daran dachte, wohin sie ihre Füße setzte. Eine seiner Hände war auf ihrer Taile und die andere an ihrer Schulter – solch ein korrekter Abstand, und dennoch fühlte sie sich so schwindelig, als sei es ein Kuss gewesen. Sie konnte nicht aufhören zu lächeln. Seinen Gesichtsausdruck würden diejenigen, die ihn nicht kannten, nicht als Lächeln bezeichnen – nur eine kleine Aufwärtsbewegung seiner Lippen – aber die Wärme in seinen Augen ließ Hermione nicht daran zweifeln, dass er genauso froh war, in ihren Armen zu sein, wie sie in seinen.
Sie bemerkte die Blicke nicht, aber Severus bemerkte sie.
„Dringe ich in jemandes Territorium ein?" Sein Beinahe-Lächeln verblasste nicht.
„Was?"
„Der jüngste Mister Weasley bedenkt uns mit einem tödlichen Blick." Er hörte sich eher amüsiert als verärgert an.
Hermione runzelte die Stirn. „Der Idiot! Wir haben uns über Weihnachten getrennt; er sollte es besser wissen." Sie hob ihre Augenbrauen zu Severus. „Warum bist du nicht sauer auf ihn?"
Severus' Lippen zuckten. „Weil ich dein Band trage und er nicht."
Hermiones Lächeln kam zurück. „Sehr gutes Argument."
Der Tanz endete viel zu bald. Zögernd trat Hermione von Severus weg. „Ich werde mit Ron sprechen. Wenn du einen mädchenhaften Schrei hörst, ist es nicht meiner."
Severus grinste.
„Du und Snape? Wenn dieser –", setzte Ron an zu sprechen.
„Wenn ich die Worte ‚schmieriger Idiot' von deinen Lippen höre, wirst du für den Rest des Abends Spinnen rülpsen."
Ron erbleichte.
„Ich bin nicht dein Eigentum, Ronald Bilius Weasley! Wie kannst du es wagen, darüber auszurasten, mit wem ich tanze?"
„Ich raste nicht aus. Du bist diejenige, die mich anschreit."
„Ich schätze es nicht, angestarrt zu werden", sagte Hermione.
„Ich habe nicht dich angestarrt", sagte Ron.
„Oder meinen Tanzpartner", sagte sie. „Es geht dich nichts an."
„Ich bin dein Freund", sagte Ron. „Darf ich nicht besorgt um dich sein?"
„Besorgt? Sei nicht albern."
„Es ist nicht albern", sagte Ron. „Schau, ich konnte sehen, dass du glücklich dabei warst, als du mit ihm getanzt hast. Der ganze Raum konnte es sehen. Das ist es, weshalb ich besorgt bin."
Hermione runzelte die Stirn. „Du bist besorgt, weil ich glücklich bin. Vielen Dank, Ron."
„Je glücklicher du bist, desto mehr wird es schmerzen, wenn er etwas Unverzeihliches tut", sagte Ron. „Und das wird er. Dies ist Snape; du weißt, dass er dich verletzen wird."
„Das wird er nicht!"
„Er hat Harry für Dinge verantwortlich gemacht, die sein Vater ihm angetan hatte. Das ist kaum vernünftig. Er hat eine Reizschwelle, die so kurz ist wie die Zündschur an einem Knallfrosch."
„Genau wie du", betonte Hermione. „Daher weiß ich schon, wie ich damit umzugehen habe."
Ron sah bestürzt aus. „Gutes Argument." Seine Lippen zuckten, als er ein Lächeln unterdrückte.
„Was?"
„Snape. Kanarienvögel."
Hermione unterdrückte ihr eigenes Lächeln bei der Vorstellung. „Wenn es notwendig ist."
„Er würde sie wahrscheinlich verschwinden lassen oder so", sagte Ron.
„Aber er würde dennoch verstehen, worum es geht."
„Das hoffst du."
„Er ist klüger als du, Ron", sagte sie.
Ron zog ein Gesicht. „Du hast dich in seine Intelligenz verliebt, oder? Das passt."
Sie seufzte. „Ich glaube nicht, dass er seine Gefühle jemals zugegeben hätte, hätte ich nicht zuerst gehandelt."
„Du hast ihn geküsst, nicht wahr?"
Hermione lächelte. „Es gab keine Küsse ... bisher."
Ron legte sich die Hände über die Augen. „Oh, ich möchte mir mein Hirn ausscheuern."
„Du bist derjenige, der das Thema Küsse angesprochen hat."
Ron verzog das Gesicht. „Tu es einfach nicht vor meinen Augen, okay?"
„Es wird keine Küsse geben, ehe die Schule vorbei ist."
„Dem Himmel sei Dank!"
„Und keine Schimpftiraden über ihn in meiner Gegenwart, oder es gibt Spinnen."
Ron schauderte. „Ihr passt zueinander; du bist genauso furchteinflößend wie er."
„Miss Granger", sagte eine weiche, kultivierte Stimme, „würden Sie mir die Ehre dieses Tanzes erweisen?"
Sie sah zu Lucius Malfoy auf. „Ist es eine Ehre?"
„Sie haben meine Toten geehrt, ich ehre Sie", sagte er.
Es ist leichter, den Toten zu vergeben als den Lebenden, dachte sie. Trotzdem muss ich so weitermachen wie bisher. Sie akzeptierte seine Hand.
„Nebenbei", fügte er hinzu, als er sie auf die Tanzfläche zog, „ist Severus mein Freund. Umso mehr Grund, sich gegenüber seiner Dame herzlich zu benehmen."
„Ich glaube, dafür muss ich Ihnen danken", sagte Hermione.
„Tatsächlich?"
„Hätte es Ihre Wette nicht gegeben, wären wir nicht zu einer Enverständns gekommen", sagte sie.
Seine Augen schweiften kurz zu dem Band in ihrem Haar. „Ich gebe zu, dass ich überrascht bin", sagte er. „Nicht über Severus – er hatte immer eine Schwäche für Gryffindor Muggelgeborene – aber über Sie."
„Und ich dachte, Sie sagten, er sei Ihr Freund", erwiderte sie. „Sie kennen sicher seine besseren Qualitäten?"
„Aber es sind solche Slytherin Qualitäten, von denen ich nicht glaube, dass eine Gryffindor sie zu schätzen in der Lage wäre."
„Ich meine, dass Treue, Brillanz und Scharfsinn universelle Qualitäten sind, nicht wahr?"
„Aber ich bezweifle, dass Sie seine Slytherin Gerissenheit schätzen."
„Natürlich schätze ich sie", sagte Hermione. Sie produzierte ein liebliches, falsches Lächeln. „Ohne diese Gerissenheit hätte Voldemort eventuell gewonnen."
„Touché."
Severus erspähte Hermione auf der anderen Seite des Raums, wo sie es sich in einem Sessel gemütlich machte. Zu viel getanzt, meine Liebe? Er ging am Getränketisch vorbei und schnappte sich zwei Gläser Punsch auf dem Weg zu ihr hinüber. Severus reichte ihr ein Glas und setzte sich neben sie, während er an seinem Glas nippte.
Hermione dankte ihm gedankenverloren, während sie die Stirn runzelte. „Weshalb muss er diese Spiele spielen?"
Severus sah in die Richtung, in die ihr Blick ging. Lucius Malfoy tanzte mit Luna Lovegood. Severus fragte sich, was Lucius zu Hermione beim Tanzen gesagt hatte. „Weil er ein Slytherin ist und immer sein wird."
„Nein, ist er nicht", konterte sie. „Er hat aufgehört, ein Slytherin zu sein, als er seinen Abschluss gemacht hat." Er konnte sehen, wie sich Ideen in ihrem Kopf verknüpften, während sie sprach, als ob sie nur auf einen einzigen, weiteren Faden gewartet hätten, um das Muster klar erscheinen zu lassen. „Und dennoch klammert er sich daran, jeder klammert sich daran, als ob es ihre Existenz definiert. Aber es definiert sie nicht, es setzt sie gefangen. Der Körper ist davongegangen, aber der Geist lebt immer noch zwischen den vier Türmen von Hogwarts. Dies ist der Grund, weshalb der Krieg begann; nicht einfach Reinblüter gegen Schlammblüter, sondern Slytherin gegen Gryffindor, eine Generation nach der anderen, seit Godric mit Salazar Streit hatte."
Severus schluckte die vertraute Bitterkeit. Sie meinte es gut. Das tat sie immer. In seiner Stimme war nur ein Hauch von Hohn, als er sagte, „Also wirst du eine Kampagne starten, um Slytherin abzuschaffen, wie du die Hauselfen befreien wolltest?"
„Natürlich nicht!" sagte Hermione. „Ich würde lieber das Haussystem komplett abschaffen."
Er verdrehte die Augen. Typisch Gryffindor. „Weder der Schulrat noch die Eltern würden das dulden. Jahrhundertealte Traditionen können nicht so einfach umgestoßen werden. Slytherin, Ravenclaw, Hufflepuff und Gryffindor werden bleiben, solange Hogwarts steht und es einen Sprechenden Hut zum Sortieren gibt." Ein spekulativer Ausdruck wanderte über ihr Gesicht, und Severus sprach, ehe sie etwas noch Lächerlicheres vorschlagen konnte wie zum Beispiel, den Hut zu zerstören. „Du wirst die Existenz von Slytherin hinnehmen müssen, egal, für wie dunkel du es hältst."
„Genau das ist es", sagte Hermione. „Dumbledore hatte Unrecht; er war von dem ganzen, dummen System geblendet. Er dachte, jeder Gryffindor sei automatisch gut, und jeder Slytherin sei automatisch schlecht. Kein Wunder, dass der Orden hauptsächlich aus Gryffindors bestand."
„Und die Todesser waren hauptsächlich Slytherins", sagte Severus mit einem sauren Zug um den Mund. „Das beweist sicher, dass Albus recht hatte?"
„Ausgerechnet du kannst das nicht glauben!" protestierte Hermione.
„Vielleicht bin ich die Ausnahme, die die Regel bestätigt." Ich bin kein guter Mann, meine Liebe, egal, wie gerne du das denken möchtest.
„Nein, du bist die Ausnahme, die die Regel widerlegt", sagte Hermione. „Du hast die Gryffindorideale nicht wie ein gefügiger, kleiner Anhänger angenommen, du hast gegen Voldemort mit aller Gerissenheit, die du besitzt, gekämpft. Stell dir vor, wie viel eher der Krieg gewonnen gewesen wäre, wäre der Orden vielseitiger gewesen. Stattdessen haben dich die meisten davon wie Dreck behandelt, weil du nicht wie sie warst. Dies ist abgrundtief dumm!"
„Kämpfe meinetwegen nicht gegen Windmühlen", sagte Severus, gegen seinen Willen gerührt. „Du kannst es nicht ändern. Es werden immer wir gegen sie sein."
„Nein, nein, das ist der Knackpunkt", sagte Hermione. „Es gibt kein wir-gegen-sie, es gibt nur uns. Hass nährt sich von Hass, immer und immer wieder. Hass und Ignoranz und Blindheit. Salazar Slytherin war blind von seinen Vorurteilen und verewigte diese Blindheit in seinem Haus, also war es voll von Reinblütern und Halbblütern, die nichts über Muggelgeborene wussten, und das machte es einfach für sie zu hassen. Dieser Hass brachte Hass zurück, besonders unter den Gryffindors. Kein großer Schritt von ‚Slytherins sind alle reinblütige Muggelhasser' zu ‚Alle Slytherins sind böse, und man kann ihnen nicht trauen', nicht wahr? Es waren nicht Slytherin Gerissenheit und Ehrgeiz, die sie zu Feinden gemacht hatten, es war die Annahme, dass sie bereits Feinde waren. Wenn diese Gerissenheit ein Verbündeter ist, wird sie zum Vorteil. Und warum glauben Leute, dass Ehrgeiz Selbstsucht bedeutet? Es gibt Ehrgeiz für Gutes genauso wie Ehrgeiz für Schlechtes."
„Ich versichere dir, mein Ehrgeiz ist völlig selbstsüchtig." Gerade jetzt beinhaltete dieser Ehrgeiz, sie um den Verstand zu küssen. Aber das konnte er kaum in der Öffentlichkeit tun. Und in privater Umgebung war er nicht sicher, ob er es beim Küssen belassen wollte. Die nächsten beiden Monate würden die längsten seines Lebens werden.
Ihre Augen trafen sich. Es gab nichts mehr als ihre Augen und seinen Herzschlag.
Jemand räusperte sich. „Professor Snape. Miss Granger."
Severus sah auf. Eine hochgewachsene, dünne Gestalt mit einem spitzen Hut stand vor ihnen. „Schulleiterin."
Minervas Lippen waren zu einem dünnen Strich zusammengepresst. „Was bedeutet diese unschickliche Vorstellung? Ein Lehrer – und eine Schülerin! Wie lange geht das schon so?"
Hermione errötete, aber Severus lehnte sich bedächtig zurück und schaute auf seine Uhr. „Siebenundzwanzig Minuten."
„Entschuldigung?" sagte Minerva.
„Und das solltest du", gab Severus zurück. „Traust du mir immer noch nicht?"
Jetzt war Minerva an der Reihe zu erröten. „Pardon, Severus."
„Wir haben nichts getan als reden", sagte Hermione ernst. „Professor Snape hat überhaupt nichts Unangemessenes getan."
Severus deutete auf den Platz neben ihnen. „Setz dich zu uns, Minerva. Wir haben über das Haussystem diskutiert. Miss Granger möchte es abschaffen."
„Unmöglich!"
„Das habe ich ihr versichert", sagte Severus.
Minerva setzte sich neben Hermione. „Warum um Himmels Willen würden Sie die Häuser abschaffen wollen?"
„Es ist, wie der Sprechende Hut sagte – Hogwarts ist geteilt, seit die Gründer Streit hatten, und alles, wozu dies führt, sind Kriege wie dieser", sagte Hermione. „Fein, wir können die Häuser nicht abschaffen, aber meine Güte, so, wie Hogwarts angelegt ist, ist es praktisch unmöglich, Leute aus anderen Häusern auch nur kennenzulernen, geschweige denn, sich mit ihnen anzufreunden! Jeder einzelne Schritt, den man in Hogwarts tut, ist nach Häusern getrennt: essen, schlafen, Unterricht, lernen, Sport. Die einzigen Dinge, die erforderlich sind, sind schlafen und Sport."
„In der Tat, die Welt würde enden, wenn man den Quidditch Cup abschaffte", sagte Severus gedehnt. Wider Willen war er fasziniert. Gab es tatsächlich einen erreichbaren Kompromiss?
„Aber die Stundenpläne wurden immer nach den Häusern angelegt", sagte Minerva. „Um den Unterricht auf deren Bedürfnisse zuzuschneiden."
„Das ist Unsinn, und du weißt es", sagte Severus. „Wenn das der Fall wäre, hätten Slytherin und Gryffindor niemals gemeinsam Zaubertränke."
„Und wäre es nicht viel einfacher, wenn Sie die Stundenpläne der Erstklässler vorher erstellen könnten, anstatt darauf warten zu müssen, bis sie sortiert sind?"
„Ja, ich verstehe, das ist ein Argument", sagte Minerva.
Severus' Mund zuckte. „Man könnte es unter dem Deckmantel einer Stundenplanreform einschleusen."
Minerva sah ihn böse an. „Es wäre eine Stundenplanreform, Severus. Es gibt überhaupt keine Notwendigkeit, es einzuschleusen."
„Ihr Gryffindors habt kein Verständnis für Tricks", sagte Severus.
„Oh, doch", sagte Hermione. „Wir überlassen das nur lieber den Experten."
Severus grinste. „Noch weitere, brilliante Ideen, um die Häuser zum Durchmischen zu zwingen?"
Hermione runzelte gedankenvoll die Stirn. „Nun, Sie müssen die Schüler nicht nach Häusern bei Essen platzieren, oder? Außer bei den Festen am ersten und letzten Tag des Schuljahrs, meine ich. Wie wäre es, wenn es kleinere Tische statt nur der vier großen gäbe? Es ist nicht unmöglich – für den Weihnachtsball gab es andere Tische, erinnern Sie sich?"
„Die Hauselfen –" begann Minerva.
„Würden die Herausforderung genießen", betonte Severus.
„Stimmt", sagte Minerva.
„Vielleicht könnten die Schüler dazu ermutigt werden, die Große Halle für Lerngruppen zu nutzen. Ein Ort, der weniger still ist als die Bibliothek, aber ruhiger als die Gemeinschaftsräume", sagte Hermione. „Es ist sehr schwierig zu lernen, wenn Leute Zauberschnippschnapp spielen!"
„Es ist auch schwierig zu lernen, wenn man verhext wird", sagte Severus trocken.
„Und es ist auch schwierig, zum Unterricht zu gehen, wenn man verhext wird", gab Hermione zurück. „Bedeutet das, dass es verboten werden sollte, zum Unterricht zu gehen?"
„Überhaupt nicht", sagte Severus. „Ich zeige nur auf, dass solch eine Nutzung der Großen Halle Aufsicht bräuchte."
„Oh, meldest du dich freiwillig, Severus?" sagte Minerva mit einem Zwinkern in den Augen.
Severus biss nicht an. „Präfekte sollten genügen, da sie für Disziplin innerhalb des Hauses sorgen."
„Vielleicht", sagte Minerva. Sie wandte sich zu Hermione. „Alle Ihre Ideen haben etwas für sich, Miss Granger, aber ich bin nicht sicher, ob der Schulbeirat zustimmen würde."
„Oh, keine Sorge des Schulbeirats wegen, Minerva", sagte Severus selbstgefällig. „Zufällig schuldet Lucius mir einen Gefallen."
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Vielen Dank allen Leserinnen und Lesern, die der Geschichte bis zum Schluss treu geblieben sind. Ich freue mich über die vielen Favoriteneinträge, Empfehlungen und Kommentare und gebe das positive Feedback mit großem Vergnügen an die Autorin weiter. Danke!
