„So was hab ich noch nie gemacht."

Ein sanftes Lächeln eroberte Cats trockene Lippen und sie hängte eine weitere Christbaumkugel an den weißen Kunststofftannenbaum der Tylers. Sie spürte ihr Herz vor Freude hüpfen, in ihren Fingern kribbelte es und aus dem Radio erklang leise die Melodie von Last Christmas. Stumm sang die brünette, junge Frau es mit und sie bemerkte verwundert, wie Jackie Tyler in ihrer Bewegung innehielt und sie mit einer Mischung aus Überraschung und Verständnislosigkeit anblickte. Sie drehte sich zu der blonden Frau um und lächelte breiter.

„Du nimmst mich doch auf den Arm, Cat!", warf Jackie ihr vor, die Arme in ihre Hüfte gestemmt und ihre dünnen Augenbrauen mit deutlichem Vorwurf in die Höhe gezogen.

Cat aber schüttelte ihren Kopf und einige ihrer lockigen Strähnen bahnten sich einen Weg in ihr Gesicht. Sofort schob sie diese hellbraunen Haarsträhnen wieder hinter ihre Ohren, Jackie Tyler nicht aus ihren Augen lassend.

„Noch nie.", versicherte Cat ihr und ihr Lächeln wurde leicht schief, ein leichtes Grübchen bildete sich in ihrer rechten Wange, während sie Jackie feixend ansah.

„Na dann, wird's mal Zeit.", meinte Jackie, lockerte ihre Haltung wieder auf und ging hinüber zum Esstisch, auf welchem ein paar der Präsente lagen, die es noch nicht unter den Tannenbaum geschafft hatten.

Jackie ergriff zwei Geschenke, legte eines aber wieder auf den Tisch und setzte sich, mit besorgtem Gesicht auf die Armlehne ihres Sofas. In ihren Händen hielt sie nun ein Geschenk, das mit rotem, glänzenden Papier eingewickelt war und auf dem Schild, das Cat von ihrem Standpunkt aus nicht erkennen konnte, musste Rose stehen. Bei keinem anderen Geschenk hätte Cat eine derartige Reaktion von Jackie erwartet und daher ging sie zu ihrer Nachbarin hinüber und legte ihr eine Hand auf die Schulter. Ihre braunen Augen huschten zu dem Schild hinunter und ihr Verdacht bestätigte sich. Ihr Lächeln schwand.

„Rose geht's gut, wo auch immer sie gerade steckt.", sagte Cat leise und studierte Jackies nachdenkliches Gesicht, das in diesem Augenblick auch von Unglaube geprägt war. „Sie kommt bestimmt bald wieder."

Jackie schnaubte vor Lachen und schüttelte ihr Haupt. Offenbar glaubte sie Cat nicht und ein merkwürdiges Gefühl beschlich diese. Ja, ihre beste Freundin war auf Weltreise, aber ihr musste es doch gut ergehen? Sie war doch nicht in Gefahr, oder?

Noch bevor die junge Frau sich weiter den Kopf über den Verbleib von Rose Tyler zerbrechen konnte, ertönte in der Ferne ein seufzendes, sich ständig wiederholendes und lauter werdendes Geräusch, das Cat neugierig machte. Ein derartiges Geräusch hatte sie noch nie zuvor gehört.

„Rose!", japste Jackie und beförderte das Päckchen, das an ihre Tochter adressiert war mit einem Schwung auf das Sofa.

Alarmiert sprang Jackie auf ihre Füße, entzog sich dabei Cats fürsorglicher Geste und flüchtete mit eiligen Schritten aus ihrer eigenen Wohnung. Ratlos blinzelte Cat ihr hinterher, bevor sie ihre Beine in Bewegung setzte und Roses Mutter rasch hinterher sprintete.

Draußen suchte Jackie laufend mit ihren Augen den wolkenverhangenen Horizont ab, als Cat Mickey entdeckte, der genau das Gleiche tat. Sie liefen aufeinander zu und Jackie rief nach seinem Namen.

„Jackie! Das ist die Tardis!", rief Mickey erstaunt aus und Jackie und er hielten sich an den Armen fest.

„Ich weiß, ich hab's auch gehört!", bestätigte Jackie ihm und Cat runzelte überfordert die Stirn.

Die Beiden schauten wieder zum Himmel empor und Cat fragte sich, was eine Tardis sein und was das mit Rose zu tun haben sollte. Nannten sie die Tardis das Mobil, mit welchem Rose die Welt bereiste? Tat sie das überhaupt mit einem Auto, das Tardis hieß? Warum aber schauten sie dann zum Himmel? Cats Freundin konnte ja wohl unmöglich mit einem Flugzeug oder Helikopter die Welt erkunden. Das hätte Rose ihr doch bestimmt erzählt, oder?

„Sie ist am Leben, Mickey! Siehst du, ich hab's gewusst! Sie lebt!", plapperte Jackie aufgeregt.

„Was soll das heißen, sie lebt?", hinterfragte Cat schockiert und hörte, wie das seufzende Geräusch lauter an ihre Ohren drang. „Warum sollte sie nicht am Leben sein?!"

Mickey ließ Cat mit einem Finger an seinem Mund und Psst verstummen. „Sei mal still!"

Erwartungsvoll blickten Jackie und Mickey wieder nach oben und Cat, die sich noch immer fragte, wozu das gut sein sollte, hob ebenfalls ihren Kopf.

„Wo ist sie?", fragte Jackie ungeduldig.

In diesem Augenblick erklang ein Knistern, als aus einem elektrischen Impuls am Horizont eine mitternachtsblaue Notrufzelle aus dem Nichts auftauchte. Cats Mund klappte auf, während die Notrufzelle, sich um die eigene Achse drehend, durch die Luft glitt und ein Haus zu ihrer Rechten rammte. Funken stoben durch die Luft und Cat ging zusammen mit Jackie und Mickey in Deckung, als die Notrufzelle vom Haus abprallte, gegen das auf der anderen Straßenseite stieß, dabei die aufgehängten Lichterketten abriss und schließlich schlitternd auf dem Boden landete, zwei volle Mülltonnen umwerfend.

Cat, Mickey und Jackie liefen auf die blaue Holzkiste los und alles in ihr schrie danach, dass das die Tardis sein musste. Die junge Frau erreichte noch vor Jackie und Mickey die Notrufzelle. Die Tür der Kiste war aufgesprungen und ein dunkelhaariger Mann hielt sich nach Atem ringend an dieser fest. Er war einen Kopf größer als Cat und schaute sich mit seinen braunen Augen um.

„Da wären wir ja.", keuchte der Mann. „London. Erde. Das Sonnensystem. Klasse!"

Er trat aus der Notrufzelle heraus, trug eine für ihn viel zu große, alte Lederjacke und wanderte umher. Die Tür schwang mit einem Knarzen wieder zu. Cat hatte er noch gar nicht bemerkt, bis sich seine Augen schließlich auf die schmale Gestalt der zweiundzwanzigjährigen Engländerin richteten.

„Und wer bist du?", fragte er sie und sie blickte ihn argwöhnisch an.

„Cat.", erwiderte sie perplex und bemerkte, wie Mickey und Jackie den Mann und sie erreichten.

„Jackie! Mickey! Verflixt!", rief der Mann aus und wich einen Schritt nach hinten zurück, hob seinen Arm und sprach weiter. „Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein! Sekunde!", er ging um sie herum und verstört beobachteten sie den seltsamen Mann. „Was wollte ich gleich wieder sagen? Ich wollt' euch irgendwas sagen…was Wichtiges…was war es denn? Nein, wartet, wartet!", er packte Mickey und Jackie an den Schultern und atmete schwer. „Sh, Sh, Sh, Sh…oh!", rief er enthusiastisch und ein breites Strahlen eroberte seine halbvollen Lippen. „Jetzt hab ich's! Fröhliche Weihnachten!"

Seine Stimme nahm einen brüchigen Ton an und noch bevor er ein weiteres Wort sagen konnte, brach er zusammen. Überrumpelt stürzte Cat ein paar Schritte nach vorn und fing gemeinsam mit Mickey den wundersamen Mann auf, bevor er mit dem Kopf auf den Asphaltboden aufschlagen konnte. Sie legten ihn vorsichtig hin. Cat konnte das Knarzen der Notrufzellentür ein weiteres Mal vernehmen und sie schaute perplex auf, nur, um in das Gesicht von Rose Tyler zu blicken, deren Ausdruck ganz verstört und ratlos war.

„Rose?!", sagte Cat überrascht und die Augen ihrer Freundin richteten sich auf die junge Frau.

„Cat!", entgegnete Rose nicht minder verwundert und blickte hinüber zu Mickey und ihrer Mutter, während sie aus der Notrufzelle trat. „Was ist denn los mit ihm?"

„Keine Ahnung, er ist umgekippt.", bemerkte Mickey und Cat schallte sich innerlich ob ihrer Unaufmerksamkeit gegenüber des seltsamen Mannes. „Wo ist der Doctor?!"

Sie blickte zu ihm hinab und überprüfte seine Atmung. Er atmete flach, aber atmen tat er und das beruhigte das Herz der aufgeregten Frau sehr.

„Was denn für ein Doctor?", hinterfragte Cat ahnungslos, ihren Kopf wieder hebend und zwischen Rose und Mickey hin und her schauend.

„Das ist er… er liegt direkt vor dir.", erwiderte Rose und überging Cats Aussage. „Er ist der Doctor."

„Warum sagst du denn sowas?", erkundigte sich Jackie perplex. „Das ist nicht der Doctor."

„Was für ein Doctor?!"

~.~

Cat fragte sich, ob der Mann mehr Farbe im Gesicht hätte, wäre er bei Bewusstsein. Sie musterte ihn nun schon seit Minuten der Warterei, in welchen nichts geschah. Er hatte dunkelbraunes Haar, das kurz war, aber lang genug, um verwuschelt in verschiedene Richtungen abzustehen. Ein paar Sommersprossen verteilten sich über seiner Nase, seinen Wangen und unter seinen Augen, die, wenn Cat vorhin richtig hingesehen hatte, dunkelbraun waren. Seine Nase war schmal, der Nasenrücken ungerade, verlieh ihm durch diese Asymmetrie einen Charme, den Cat nicht beschreiben konnte. Seine Lippen waren halbvoll und seine kurzen Haare schlossen mit Koteletten ab. Eigentlich fand Cat Koteletten an Männern unausstehlich. Es störte sie bei diesem seltsamen Mann aber nicht im Geringsten.

Nachdenklich musterte sie ihn und fragte sich, was für ein Mann er war. Warum nannte er sich Doctor? War das wirklich sein Name? Gehörte ihm diese fliegende Notrufzelle? Wenn Rose mit ihm unterwegs war und diese Notrufzelle fliegen konnte…

Cat seufzte leise und sie lehnte sich gegen die Wand hinter ihrem Rücken. Mit einer Hand fuhr sie sich durch die schulterlangen, lockigen Haare und zuckte sacht zusammen, als das Knallen der Wohnungstür Jackies Rückkehr ankündigte. Die Blondine rauschte in ihr Schlafzimmer, drückte ihrer Tochter ein Stethoskop in die Hand und setzte sich neben diese auf die Bettkante.

„Versuch's damit.", sagte sie. „Tine, die Blondine hat als Untermieterin eine Medizinstudentin. Sie schläft, da hab ich's einfach genommen."

Cat biss sich leicht auf ihre Unterlippe. Am liebsten hätte sie die Untersuchung des Mannes übernommen, aber da sie noch am Anfang ihrer Ausbildung zur Krankenschwester steckte, konnte sie nicht viel anrichten. Nur dafür sorgen, dass der Mann es bequem hatte und ihm viel Ruhe gegönnt werden sollte.

„Ich finde, wir sollten ihn ins Krankenhaus bringen.", kommentierte Cat und Rose schaute sie mit alarmierten Gesicht an.

„Das geht nicht, weil sie ihn einsperren würden! Und untersuchen. Ein einziger Tropfen von seinem Blut könnte die Welt verändern.", erklärte sie Cat, die verständnislos ihre Augenbrauen zusammenzog.

„Was ist er? Ein Alien?", schnaubte Cat skeptisch.

„Ja und jetzt sh!", Rose brachte Cat mit einer Handgeste zum Schweigen.

Sie steckte sich die Hörer des Stethoskops in ihre Ohren und legte das metallene Bruststück erst auf die eine seine Seite seiner Brust und dann auf die andere.

„Beide schlagen.", berichtete die junge, blonde Frau und Cat schnaubte abermals, während Rose das Stethoskop ablegte.

„Was meinst du mit beide?", erkundigte sich Jackie neugierig und Cat schaute zu ihr.

„Na ja, er hat zwei Herzen.", erklärte Rose.

„Unsinn.", meinte Cat, stieß sich von der Wand ab und schnappte Rose das Stethoskop aus den Fingern.

Rose erhob sich, um der braunhaarigen Frau Platz zu machen und Cat setzte sich auf die Bettkante neben Jackie. Ungläubig steckte sie sich die Hörer des Stethoskops in ihren Händen in die Ohren und legte, wie Rose das Bruststück erst auf die linke Seite der Brust des Mannes. Sie hörte das gleichmäßige Trommeln eines…, nein, zweier Herzen und hielt ihren Atem an. Langsam hob sie das Bruststück wieder an und platzierte es auf seiner rechten Seite. Auch von dort hörte sie das Schlagen der Herzen und sie sah Rose entrüstet an.

„Kein Scheiß.", murmelte Cat und nahm die Hörer wieder aus den Ohren.

„Sag ich doch.", erwiderte Rose augenverdrehend.

Cat legte das Stethoskop auf den Nachttisch neben dem Bett und blickte fasziniert in das Gesicht des Mannes in seinen frühen Dreißigern. Rose verließ den Raum und ging in den Flur, doch Jackie erhob abermals ihre Stimme.

„Hat er denn sonst noch etwas doppelt?", den Mund interessiert verziehend, musterte Jackie den Mann, der sich Doctor nannte und Cat verdrehte ihre braunen Augen.

„Komm jetzt endlich raus!", ermahnte ihre Tochter Jackie, steckte ihren Kopf aber nochmal in den Raum und sah zu Cat. „Passt du auf, dass er uns nicht hopps geht?"

Etwas überfordert lächelte Cat schmal, nickte aber. „Ich tu, was ich kann."

Jackie und Rose verließen beide das Schlafzimmer und Cat blieb allein mit dem bewusstlosen Mann zurück. Ein weiterer Seufzer entglitt der auszubildenden Krankenschwester und just in dem Augenblick, in welchem sie sich den Stuhl neben der Tür heranzogen hatte und sie sich auf diesen fallen ließ, keuchte der Doctor und gold-orangene Partikel stoben aus seinem Atem. Sie wirbelten sanft durch die Luft und Cat blinzelte mehrfach, als die Partikel schließlich durch das Fenster glitten und verschwanden. Ja, dachte sie, dieser Mann ist ein Alien.

~.~

„Eine Tasse Tee gefällig?", Mickey lugte mit seinem Kopf in das Zimmer und schreckte Cat aus wirren Gedanken.

Sie sah zu ihm, nickte und er trat ein, eine dampfend heiße Tasse Tee in seiner Hand, die er der brünetten Frau in die Hände drückte. Sie lächelte ihn dankbar an und sog den fruchtigen Duft des Tees in ihre Nase. Der Tee war eine Wohltat für ihre Sinne. Sie trank einen Schluck und verbrannte sich leicht an ihrer Zunge. Ihre braunen Augen huschten zum Doctor und sie seufzte.

„Mickey, wer ist dieser Mann?", fragte Cat ihn nachdenklich.

„Er ist der Doctor.", meinte dieser und setzte sich auf die Kante des Bettes.

Seine Augen ruhten kurz auf der noch immer bewusstlosen Gestalt des braunhaarigen Mannes und er runzelte die Stirn.

„Und das ist sein Name?", hakte die junge Frau nach. „Seine Eltern haben ihn Doctor genannt?" Cat verzog ihre Lippen zu einem spöttischen Schmunzeln.

Mickey grinste sie an und schüttelte seinen Kopf. „Bestimmt hat er nen richtigen Namen, aber jeder nennt ihn Doctor. Er besitzt die Tardis…, die Notrufzelle, mit der kann er durch die Zeit reisen und Planeten besuchen und sowas."

Fasziniert sah Cat wieder zum Doctor hinüber. „Was und Rose reist mit ihm durch Raum und Zeit?"

„Jap.", sagte er und Cat blickte ihren Kumpel wieder an, dessen Gesichtsausdrück trüb geworden war.

„Rose…sie mag ihn, oder?", sie nickte zum Doctor und presste ihre Lippen aufeinander.

Mickey schwieg für ein paar Momente und räusperte sich dann, seine Gesichtszüge glättend, grinste er wieder. Seine Reaktion war Cat Antwort genug. Für einen Augenblick überlegte sie es sich, ihm noch mehr Fragen über den Doctor und Rose zu stellen, aber ihre Neugier war zu stark und sie gab ihrem besseren Willen nach. Mickey war bereit, ihr ihre Fragen zu beantworten und scheute nicht eine Sekunde, ihr die Geschichten der beiden Zeitreisenden zu erzählen, die er von Rose bereits gehört hatte. Interessiert lauschte Cat ihm und vergaß schon bald den Tee zu trinken, der ihre Hände wärmte.

Die Zeit verflog rasch und gegen Abend beschloss Rose, ein Geschenk für ihre Mutter zu besorgen. Bereitwillig schloss Mickey sich ihr an und Cat, die um ihres Gewissens Willen den Doctor nicht alleine lassen und das Pärchen stören wollte, blieb wieder alleine im Schlafzimmer zurück. Als sie sich aber vergewisserte, dass er auch die nächsten Minuten im gleichen stabilen Zustand bleiben würde, den er schon seit Stunden hatte, verließ sie das Zimmer und ging zu Jackie ins Wohnzimmer.

Diese telefonierte mit ihrer Freundin Bev und Cat nutzte die Gelegenheit, sich von ihren Gedanken rundum den Doctor abzulenken, indem sie die Live-Berichterstattung über die Sonde ansah, die die Regierung zum Mars geschickt hatten. Für eine halbe Stunde verfolgte Cat die Berichte voller Interesse, bis es klingelte und Jackie, den Telefonhörer zwischen Schulter und Ohr geklemmt, einen brandneuen, bereits großzügig geschmückten Weihnachtsbaum ins Wohnzimmer beförderte.

„Hat den wer geliefert?", fragte Cat überrascht, stand auf und half Jackie den Baum aufzustellen.

„Rose muss ihn gekauft haben.", erklärte sie Cat und sagte ihrer Freundin Bev, sie würde gleich noch einmal anrufen.

Cat und Jackie verstauten den weißen, alten Aufstellbaum wieder und platzierten den Neuen im Wohnzimmer. Die junge Frau wunderte sich zwar, warum Rose nicht mit dem Weihnachtsbaum auf der Türschwelle aufgetaucht war, quittierte die Aktion der Blondine aber damit, dass sie wohl noch kein Geschenk für ihre Mutter gefunden hatte. So akzeptierte Cat den neuen Baum, der um einiges hübscher war als der Alte, auch, wenn sie nicht noch einmal die Chance hatte, den Christbaum festlich zu dekorieren. Da sie zuvor noch nie die Gelegenheit hatte, so etwas zu tun oder sie zumindest davon ausging, sie hätte es noch nie getan, trübte dies ihre Stimmung etwas.

Als Jackie wieder mit Bev telefonierte, Cat bemerkte, dass es keine Neuigkeiten von der Marssonde gab und ihr ihre Zeit im Wohnzimmer überdrüssig wurde, schaute sie wieder nach dem Doctor, schnappte sich zu ihrer Belustigung aber ein Klatschmagazin von Jackies Wohnzimmertisch. Im Zimmer war es mittlerweile dunkler geworden und Cat knipste das Nachttischlicht an, um etwas sehen zu können. Sie ließ sich wieder auf den Stuhl am Bett fallen, schlug ihre Beine über kreuz und blätterte im Magazin.

Eigentlich interessierte sich Cat für solche Dinge überhaupt nicht, aber die Umstände ließen der jungen Frau kaum Alternativen. Sie würde sich schallen, sollte etwas mit dem Doctor geschehen, während sie in ihrer Wohnung nach einem Buch suchte, das sie unterhalten konnte. Daher las sie nur ein paar Artikel, die über irgendwelche Prominente berichteten, die Cat eigentlich gar nicht interessierten und schließlich suchte sie im Nachttisch neben dem Bett nach einem Stift, mit welchem sie das Kreuzworträtsel knacken konnte, das die Herausgeber des Magazins auf Seite 58 gedruckt hatten. Sie fand einen Bleistift, biss sich auf die Unterlippe und legte mit dem Rätsel los, das einfacher war, als die junge Frau es erwartet hatte.

„Mum! Leg sofort auf!"

Die Wohnungstür flog auf, Cat zuckte zusammen und Rose stürzte gemeinsam mit Mickey hektisch in die Wohnung. Überrascht sprang Cat auf ihre Füße, schmiss das Magazin mit Stift auf den Nachttisch und folgte dem Pärchen in das Wohnzimmer. Rose riss ihrer Mutter den Telefonhörer aus der Hand, sagte Bev, ihre Anliegen hätten zu warten und legte auf.

„Was ist denn los?", fragte Cat verwirrt.

„Okay. Wir sind hier nicht sicher und müssen schnell weg, aber wohin?", antwortete sie alarmiert und Cat runzelte die Stirn.

„Mein Freund Stan wird uns aufnehmen.", warf Mickey sofort ein und Cat schnaubte.

„Der wohnt nur zwei Straßen weiter.", bemerkte sie entrüstet. „Was ist denn überhaupt los?"

„Was ist mit Mo? Wo lebt sie jetzt?", erkundigte sich Rose an ihre Mutter gerichtet und überging Cat.

„Keine Ahnung, im Peak Distrikt.", meinte Jackie skeptisch.

„Gut. Wir fahren zu Cousine Mo. Dort wird…", fing Rose an.

„He, heute ist Weihnachten! Wir fahren nirgendwohin! Wovon redest du da überhaupt?", hinterfragte Jackie argwöhnisch und ging ein paar Schritte umher.

„Der Baum…Woher hast du den? Der ist ganz neu. Woher hast du den?", fiel es Rose plötzlich auf.

„Du hast den doch gekauft, oder nicht? Jackie meinte…oh…", begann Cat und blickte zum brandneuen Weihnachtsbaum hinüber.

„Du warst einkaufen, es hat geklingelt und da stand er.", fügte Jackie hinzu.

„Ich hab den nicht gekauft.", erwiderte Rose langsam.

„Und von wem ist er dann?", erkundigte sich ihre Mutter.

Vorsichtig drängten Rose, Mickey, Jackie und Cat sich aneinander. Cat beschlich ein sehr ungutes Gefühl, das ihr den Hals verengte. Sie hielt ihren Atem an, als mit einem Mal die Lichter des grünen Weihnachtsbaumes ansprangen.

„Das darf doch nicht wahr sein…", hauchte Rose.

Dem Christbaum wurde Leben eingehaucht und er begann sich, rasch beschleunigend um die eigene Achse zu drehen. Die Rotation war so stark, dass, und Cat schnappte hektisch nach Luft, wenn der Baum sie treffen würde, sie sicher heftig verletzen oder töten würde. Er bewegte sich auf sie zu und erschrocken klammerte Cat Rose und Jackie an sich, als der Baum sich durch den Wohnzimmertisch fraß und nur Holzspäne übrigließ.

„Rose! Raus hier! Beeilt euch, schnell!", kommandierte Mickey sie, griff sich einen Stuhl vom Esstisch und hielt ihn abwehrend in die Höhe.

Rose, Jackie und Cat ergriffen die Möglichkeit der Flucht und rannten in den Flur, doch Cat und Rose machten zeitgleich Halt bei dem Zimmer, in welchem der Doctor lag.

„Warte, der Doctor!", sagte Cat alarmiert.

„Was habt ihr vor?!", fragte Jackie panisch, als Cat und Rose das Zimmer betraten.

„Wir lassen ihn nicht im Stich!", gab die brünette Frau barsch zurück.

„Mickey!", schrie Rose ängstlich, der ihnen im Wohnzimmer noch immer Zeit verschaffte.

Eilig ging Cat zum Bett hinüber, während Jackie und Rose Mickey anwiesen, das Wohnzimmer endlich zu verlassen, um nicht wie der Wohnzimmertisch zu enden. Nach wenigen Sekunden betrat er den Raum und Jackie, die vor Angst bebend am Türrahmen stand, starrte zu ihnen hinüber.

„Nein! Lasst ihn hier! Wir können ihn nicht mitnehmen!", warnte sie.

„Schnell rein hier!", kommandierte Mickey schließlich und Jackie rannte mit einem Schreien endlich in das Schlafzimmer, das Mickey direkt verschloss.

Jackie, Mickey und Cat begannen, den großen, hölzernen Kleiderschrank vor die Tür zu schieben, um ihnen noch mehr Zeit zu geben, bevor der bedrohliche Weihnachtsbaum sich in den Raum fressen konnte. Hatte das Ding ein Eigenleben? War es ferngesteuert? Wer hatte es auf sie und den Doctor abgesehen?

Rose stürzte auf das Bett des Doctors. „Doctor, wach auf!", rief sie verzweifelt.

Sie positionierten den Kleiderschrank perfekt vor der Tür und drückten sich mit ihren Rücken dagegen, während Rose zu der alten Lederjacke huschte, die sie dem Doctor vorhin ausgezogen hatten. Stattdessen trug er nun einen Schlafanzug. Sie kramte etwas daraus hervor, das aussah, wie ein silberner Stift mit blauem Endstück und drückte es dem ohnmächtigen Mann in die Hand. Cat spürte ihr Herz heftig gegen ihre Brust schlagen und fragte sich, warum in aller Welt Rose darauf kam, ihm so etwas in die Hand zu drücken.

Der Kleiderschrank erzitterte stark, als der Weihnachtsbaum von außen dagegen rotierte und Cat wichen ängstliche Laute aus der Kehle. Der Baum brach durch und Cat stürzte aus dem Weg, um nicht von den Schranktüren erschlagen zu werden. Jackie kauerte sich ängstlich an der Wand und Mickey an die freie Seite des Bettes, in welchem der Doctor lag. Cat stolperte hinüber zum Bett und starrte zum gefährlich-drehenden Weihnachtsbaum, der sich auf sie zu bewegte, als sie tief Luft holte, sich zum Doctor drehte und ihm ins Ohr flüsterte.

„Bitte, hilf uns!"

Augenblicklich richtete sich der braunhaarige Mann auf und zielte mit seinem seltsamen Gerät in der Hand auf den Weihnachtsbaum. Es surrte und der Weihnachtsbaum explodierte. Cat zuckte zusammen, plumpste mit ihrem Hintern auf den Boden und atmete erleichtert aus.

„Er war ferngesteuert.", stellte der Doctor fest. „Wer steckt dahinter?"