Cat fühlte sich machtlos. Sie fühlte sich in ihrem eigenen Körper fremd und auch wenn sie nach wie vor mit ihren eigenen Augen sehen konnte, wie Cassandra Cats Körper den Doctor hinterher hüpfen ließ, der die Tür mit seinem Schallschraubenzieher geöffnet hatte. Er bedachte Cassandra mit einem missbilligenden Gesichtsausdruck, bevor er eine Hand ausstreckte und Rose hinaufzog.

„Schön, dich wiederzuhaben,", sagte er lächelnd zu Rose und Cat spürte das plötzliche, kurze Aufflammen von Eifersucht. Er beschallte die Tür, damit sie zu ging und wandte sich Cassandra wieder zu. Du magst ihn, stellte eine zynische Stimme in ihrem Kopf fest und Cat erschrak, konnte aber keine körperliche Reaktion zeigen. „Raus da, Cassandra, gib uns Cat zurück."

„Oh, jetzt halt doch mal die Luft an.", antwortete Cassandra schnippisch und Cat wünschte, sie könnte wenigstens ihre Augen genervt verdrehen. Cassandra schaute an Cats Körper hinunter und ein süffisantes Lächeln fand sich auf ihren Lippen wieder. „Ich mag diese Cat. Hübsches Gesicht, schmale Figur und ihre Hormone rasten nicht aus.", sie schenkte Rose einen kurzen Blick, die lediglich angewidert den Mund verzog und redete weiter: „Aber ihre Gedanken nerven."

Der Doctor und Rose erwiderten auf Cassandras Monolog nicht, sondern stießen weiter vor, um den kranken Menschen zu entgehen. Er öffnete eine weitere Tür mit seinem Schallschrauber und sie fanden sich plötzlich im Patientenzimmer wieder, in welchem das Gesicht von Boe mit seinem Alter kämpfte. Frau Clovis reckte sich ihnen mit einem Stuhl entgegen, den sie in ihren Händen umklammert in die Höhe hielt, um die kranken Menschen abzuwehren. Mit einem Kampfesschrei kam sie auf sie zu und der Doctor hob abwehrend seine Arme.

„Wir sind ungefährlich, ungefährlich, ungefährlich! Wir sind sauber, sauber, sehen Sie, sehen Sie!", stammelte er und zeigte ihr seine Hände. Cassandra und Rose taten es ihr gleich.

„Zeigen Sie mir Ihre Haut!", schnappte Frau Clovis barsch.

„Sehen Sie! Alles gut! Sehen Sie! Sie haben uns nicht berührt!", erklärte der Doctor und Frau Clovis stellte den Stuhl langsam auf den Boden.

Der Doctor packte seinen Schallschraubenzieher in seine innere Anzugstasche. „Was läuft hier? Wie ist der Stand der Dinge?"

„Kein Laut von den anderen Stationen. Wir sind wohl als einzige übrig. Aber ich hab versucht, die Quarantäne zu umgehen.", sagte sie und lief ein paar Schritte auf sie zu und in die Richtung der großen Fensterfront hinter ihnen, die ihnen New New York zeigte. „Könnte ich ein Signal nach New New York schicken, käme eine private Eingreiftruppe."

„Vergessen Sie das.", sagte der Doctor und Cat hätte erleichtert aufgeatmet, wenn sie könnte. „Das würde die Quarantäne gefährden."

Frau Clovis Gesichtsausdruck wurde wütend und sie ging an ihnen vorbei. „Ich will hier drin nicht sterben.", grummelte die Frau.

„Kein einziger Keim dieser Krankheiten darf nach außen dringen.", sagte der Doctor warnend und zeigte mit dem Finger auf New New York. „Sie bringen zehn Millionen Menschen da draußen in Gefahr. Nun schalten Sie das ab!"

„Nicht, wenn es mich hier rausbringt!", warf Frau Clovis barsch zurück.

„Na gut. Fein.", antwortete der Doctor angewidert. „Dann muss ich Sie ebenfalls aufhalten. Aufgepasst.", er lief voran und rief: „Rose, Novizin Hame, Cat, alle eben! Verzeihung, Euer Gnaden!", sagte er, als er am Herzog von Manhattan vorbeiging. „Bringen Sie mir die intravenösen Lösungen für jede einzelne Krankheit! Beeilung!", wies er an und kramte seinen Schallschrauber aus der Anzugstasche.

Alle eilten, um seinen Aufforderungen nachzugehen und Cat bewunderte, wie der Doctor es schaffte, die Leute dazu zu bewegen, ihm zu helfen und seinen Anweisungen Folge zu leisten. Er war der geborene Anführer, doch irgendetwas störte die junge Frau auch daran.

Der Doctor beschallte ein Metallgestell am Bett des Herzogs von Manhattan und schnappte dann ein goldenes Kordelseil auf, das er sich um den Oberkörper wickelte. Cassandra griff sich ein paar der Lösungen und eilte genau wie die anderen Leute zu dem Doctor, um ihm diese zu überreichen. Sie hängte die Beutel mit Rose an das Seil des Doctors und als Cassandra gerade ihren letzten Beutel an ihm befestigte, sprach er zu ihr.

„Und? Wird das funktionieren?"

„Weiß nicht.", gab Cassandra verwirrt zurück. „Wie soll es funktionieren?"

Cat hätte sich am liebsten mit der flachen Hand auf die Stirn geschlagen. Du schnallst es nicht, oder?, dachte sie und etwas sagte ihr, dass Cassandra sie so verstehen konnte. Cat analysierte ihre Situation und plötzlich sah sie Bilder vor ihrem inneren Auge aufblitzen, die nicht ihr gehören konnten.

Es waren Bilder von Rose und dem Doctor, doch der Doctor sah vollkommen anders aus. Cassandra hatte ihn so aber in Erinnerung und Cat registrierte, dass der Doctor vor seiner Regeneration so ausgesehen haben musste. Er trug dieselbe Lederjacke, in welcher er auch das erste Mal vor ihre Augen getreten war. Außerdem hatte er sehr kurzes, braunes Haar, hellblaue Augen, eine markante Nase und große Ohren.

Cassandras Ausdruck änderte sich von einem ratlosen zu einem genervten. Sie schürzte ihre Lippen und der Doctor zog seine dunklen Augenbrauen zusammen. „Was ist?", fragte er sie.

„Ach, dieses dumme Gör forstet in meinen Erinnerungen herum.", entgegnete Cassandra.

Hör auf damit!, befahl ihr eine Stimme im Kopf und Cat hätte gegrinst, wäre es ihr möglich.

Doch Cat hörte nicht auf. Plötzlich sah sie etwas, das aussah, wie Haut, die an einer Vorrichtung gespannt und befestigt war. Die Haut hatte Augen und Mund und Cat wusste, dass Cassandra so ausgesehen hatte, bevor sie erst in Roses Körper, dann dem vom Doctor und schließlich den von Cat gesprungen war. Das Wörter Schönheit und Operationen kamen ihr in den Sinn.

Das Gesicht des Doctors erhellte sich durch ein leichtes Grinsen etwas und er sprang hinüber zu den geschlossenen Aufzugtüren, die er mit seinem Schallschrauber nun öffnete.

„Die Aufzüge sind abgeschaltet!", sagte Cassandra und der Doctor stützte sich mit beiden Händen an den Seiten des Aufzuges ab und spähte hinunter.

Das wird er wissen, du Dumpfnase, kommentierte Cat ungehalten in ihrem Kopf.

„Ich bin keine Dumpfnase.", murmelte Cassandra verärgert und Rose schenkte ihr einen verwirrten Blick, während der Doctor wieder kurz grinste.

„Für mich absolut ausreichend. Wird dir Cat vermutlich auch gesagt haben.", erklärte der Doctor und wandte sich vom Aufzug ab, um ein wenig zurückzulaufen. „Dann mal los!", sagte er, platzierte den Schallschraubenzieher in seinem Mund und rannte auf den Aufzug zu.

„Du wirst doch nicht…-!", rief Cassandra ungläubig im selben Augenblick aus, wie Rose sagte: „Doctor!"

Der Doctor hielt sich am Aufzugskabel fest, umklammerte dieses mit seinen Beinen und begann, die Metallvorrichtung vom Bett des Herzogs am Stahlseil zu befestigen.

„Was glaubst du, was du da machst?", hinterfragte Cassandra verärgert.

„Ich gehe runter.", antwortete der Doctor ihr mit seinem Schallschrauber im Mund.

Cassandra stöhnte genervt und Rose biss sich auf ihre Unterlippe, bevor sie fragte: „Und was machen wir jetzt?"

Der Doctor sah sie an und nickte ihr zu. „Du bleibst hier. Beruhig die Leute, sei für sie da, kümmer dich um sie.", wies er sie an und widmete sich dann Cassandra. „Na, komm!"

Roses Gesichtsausdruck wurde nachdenklich, aber sie tat, was der Doctor ihr sagte und verschwand zurück zur Krankenstation. Cassandra blickte derweil den Doctor zögernd an und hob ihre Augenbrauen.

„Nicht in einer Million Jahren!", versprach Cassandra ernst.

„Ich brauche noch zwei Hände.", fing der Doctor an. „Wie wäre es?", erwartungsvoll blickte er Cassandra an, die ihre Augenbrauen hob und unschlüssig am Rand des Fahrstuhlschachts stand. „Wenn du so verzweifelt am Leben hängst, dann leb doch ein bisschen!"

„Tür verriegeln.", schnarrte die Stimme von Frau Clovis und Cassandra drehte sich ängstlich zum Gang herum um, welchen die kranken Menschen langsam entlanggingen.

Sie drehte sich wieder zum Doctor, nahm schließlich Anlauf und sprang auf seinen Rücken. Sie klammerte sich haltsuchend an ihm fest und Cat spürte, wie sowohl Cassandras Aufregung als auch ihre eigene ihren Körper übermannte.

„Langsam verstehe ich, was sie an dir findet.", kommentierte Cassandra und Cats Gedanken rasten. Hatte sie…? „Du bist total verrückt!"

„Und abwärts!", sagte er, ohne auf ihre Aussage einzugehen und betätigte die Vorrichtung, womit sie das Stahlseil rasend hinunterfuhren.

Cat hätte gerne vor Freude und vor lauter Adrenalin gelacht, als sie das Stahlseil hinunterglitten. Cassandra hingegen schrie vor Angst und als sie den Fahrstuhl erreichten, der ziemlich weit unten war, hopste Cassandra mit wackligen Beinen vom Rücken des Doctors.

„Auch eine Methode, um abzunehmen.", murmelte Cassandra und rückte Cats Kleidung zurecht, die ein wenig verrutscht war.

„Wenn ich es dir sage, nimmst du diesen Hebel.", orderte der Doctor und deutete auf eben diesen auf dem Fahrstuhldach.

„Aber hier ist immer noch Quarantäne. Wir können nicht raus!", widersprach Cassandra.

„Nimm den Hebel!", brüllte er barsch und Cassandra wich überrascht ein wenig zurück, bevor sie stumm den Hebel ergriff und der Doctor begann, die intravenösen Beutel in einen großen Tank zu füllen, der sich auf dem Fahrstuhldach befand. „Ich braue einen Cocktail zusammen. Ich kenn mich ein wenig mit Medizin aus."

Als Doctor sollte man das auch, kommentierte Cat in ihren Gedanken und durch Cassandras ängstliche, starre Fassade brach ein kleines Lächeln.

Der Doctor riss die Beutel mit den Zähnen auf und arbeitete sich von Beutel zu Beutel. Cassandra beobachtete ihn mit Argusaugen, wich aber auch ein paar Mal vor den Spritzern zurück, die aus dem Tank wieder hinaussprangen.

„Du wirst all deine Kraft brauchen, um diesen Hebel zu halten.", sagte er und sprintete hinüber zu der Dachluke des Fahrstuhls, um sie zu öffnen. „Aber halt ihn in Position.", beteuerte er warnend, bevor er in den Fahrstuhl hineinkletterte.

„Und was tust du?", hinterfragte Cassandra panisch.

Er stützte sich am Dach des Fahrstuhls ab und sah sie eindringlich an. „Ich hab einen Termin. Der Doctor hat Sprechstunde!"

Mit diesen Worten sprang er in den Fahrstuhl hinunter und Cat hätte ihre Augen gerne verdreht. Hatte er sich diesen Scherz nicht ersparen können?

Cat hörte das Schallen des Schraubenziehers und sie vermutete, dass der Doctor die Fahrstuhltüren aufgezogen haben musste. Doch aus Cassandras Blickwinkel konnte sie nicht erkennen, was er tat.

„Ich bin hier drin. Kommt zu mir!", sagte er plötzlich und Cassandra japste leise.

„Halt doch die Klappe!", fuhr sie ihn zischend an.

„Nimm den Hebel!", wiederholte der Doctor nur noch einmal und Cassandra umfasste den metallenen Hebel mit beiden Händen. „Kommt und berührt mich! Kommt schon, ich bin hier drin. Kommt schon!"

„Einleitung Desinfektionsstufe eins.", sagte die weibliche, automatisierte Stimme, die durch den Fahrstuhl hallte.

„Kommt schon!", forderte der Doctor wieder mit lauter Stimme. „Kommt schon!"

Cassandra und Cat hörten das Rauschen von Wasser und Cats Freude erreichte sogar ein wenig die starre Cassandra.

„Kommt her. Kommt her.", meinte der Doctor dieses Mal leiser und Cat vernahm das Ächzen und Stöhnen der kranken Menschen. „Alles, was sie tun wollen, ist es weiterzugeben. Gebt es weiter!"

„Was weitergeben? Weitergeben? Was?", erkundigte sich Cassandra verwirrt.

Ich sag ja, Dumpfnase, flötete Cat amüsiert in ihren Gedanken und Cassandra verzog verärgert ihr Gesicht.

„Gebt es weiter!", frohlockte der Doctor währenddessen.

Skeptisch wartete Cassandra auf eine Antwort des Doctors. Das Wasser stoppte und Cassandra spähte hinunter, wo der Doctor ihr gestikulierte, dass sie hinunterkommen sollte. Er half ihr, hinabzuspringen und sie hielt sich argwöhnisch an ihn.

„Was wurde weitergegeben? Hast du sie getötet? Sie alle?", fragte Cassandra neugierig.

„Nein.", erwiderte der Doctor mit einem breiten Grinsen und wandte sich ab. „Du löst deine Probleme auf diese Art." Er ging hinaus in die Eingangshalle des Krankenhauses und Cassandra folgte ihm kritisch. „Ich bin der Doctor und ich heile die Menschen."

Plötzlich kam eine junge Frau zu ihm. Sie war im selben grauem, dreckigen Kittel gekleidet, wie auch alle andere Menschen und umarmte den klatschnassen Doctor. „Alles ist gut. Hey! Und weiter geht es, Süße.", sagte er mit warmer Stimme und Cat spürte ihr eigenes Herz einen Hüpfer machen. Der Doctor erblickte einen Mann und wies dem Mädchen an, sich zu ihm zu gesellen. „Geh zu ihm, so ist es gut…"

Er ließ sie los und sie tapste mit vorsichtigen Schritten auf den Mann zu. Der Doctor wandte sich von ihr ab und packte die Schultern eines Mannes, dessen Blick verträumt und interessiert war.

„Hier entsteht eine neue Unterart, Cassandra. Eine brandneue Lebensform. Neue Menschen!", er ließ den Mann los und ging von einer Person zur nächsten. „Sieh sie dir an! Sieh doch!", rief er begeistert. „Von Katzen versorgt, großgezogen im Dunkeln, durch Schläuche gefüttert…", er fuhr sich durch die nassen, braunen Haare. „aber absolut und vollständig am Leben!", er drehte sich mit enthusiastischem Strahlen zu Cassandra um und deutete mit dem Finger auf sie. „Und du warst an ihrer Erschaffung beteiligt!", er wandte sich wieder ab und widmete sich den neuen Menschen. „Die menschliche Rasse macht einfach weiter, verändert sich weiter. Das Leben will raus! Ha!"

~.~

Später am Abend nahm das N.N.Y.P.D. die Schwesternschaft fest und half den neuen Menschen. Der Doctor und Cassandra erreichten die Station 26, wo Rose mit erleichtertem Grinsen zu ihnen stieß. Sie schauten zu, wie eine bekannte Katzennonne von den Polizisten abgeführt wurde und sowohl Cassandra als auch Cat bemerkten den nachdenklichen Ausdruck im Gesicht des Doctors, als er Novizin Hame hinterherblickte.

„Das Gesicht von Boe!", rief er plötzlich aus und lief voran. Cassandra und Rose folgten ihm.

Das Gesicht von Boe war einziger Patient noch übrig und in Cat erweckte es den Anschein, als hätte er nur auf den Doctor gewartet. Tatsächlich war das Gesicht dieses Mal erwacht und es wirkte erholter, aber dennoch erschöpft.

„Lagst du nicht im Sterben?", fragte der Doctor neugierig.

„Es gibt heute Besseres zu tun. Der Tod kann warten.", erwiderte das Gesicht von Boe durch Telepathie.

Cat stutzte in ihren Gedanken und Cassandra schnaubte angewidert. „Oh, ich verabscheue Telepathie. Jetzt hab ich auch noch ein dickes Gesicht in meinem Kopf…"

„Sh!", machte der Doctor und Cassandra verdrehte die Augen, während sie in einer abwertenden Position das Gesicht von Boe betrachtete.

„Ich war des Universums müde, Doctor, aber du hast es mich mit neuen Augen sehen lassen.", fuhr das Gesicht von Boe fort, ohne auf Cassandras Aussage einzugehen.

Der Doctor trat hervor und beugte sich hinunter, um mit dem Gesicht auf Augenhöhe zu sein. „Es gibt ja Legenden, die behaupten, du seist eine Million Jahre alt."

„Oh.", machte das Gesicht von Boe. „Das wäre unmöglich."

Cat hörte den amüsierten Ton aus seiner Stimme heraus und sie hätte gegrinst. Sie mochte das Gesicht von Boe.

„Tatsächlich?", hakte der Time Lord nach. „Aber gab es da nicht etwas, das du mir mitteilen wolltest?"

„Das große Geheimnis.", fügte das Gesicht hinzu.

„So lautet die Legende.", schloss der Doctor neugierig.

„Das hat noch Zeit.", quittierte das Gesicht von Boe, sah erst Rose und dann Cat/Cassandra kurz an.

„Oh nein, wie schade!", meinte der Doctor jammernd.

„Wir werden uns wieder begegnen, Doctor. Zum dritten und zum letzten Mal. Dann wirst du alles erfahren. Bis zu diesem Tag…", mit diesen telepathischen Worten löste sich das Gesicht von Boe in einem türkisen, funkelnden Schimmer auf.

„Wirklich mysteriös…, ein, ein Lehrbuchbeispiel für Mystizismus.", bemerkte der Doctor und richtete sich schließlich wieder auf, um sich Cassandra zu nähern. „Und nun zu dir."

Seine warnende Stimme ließ Cassandra ein wenig zurückweichen und Panik in ihr aufflammen. Sie verschränkte die Arme vor der Brust. „Aber alle sind zufrieden…, alles ist bestens. Du hast sie wieder.", sie deutete kurz auf Rose, die stutzte. „Lass mich gehen…"

„Du hast lang genug gelebt.", sagte er. „Verlass Cats Körper und mach ein Ende, Cassandra."

Cassandra hielt sich eine Hand vor den Mund, als Tränen aus ihren Augenwinkeln quollen und sich ein Gefühl der Enge und der Angst in ihr ausbreiteten. Cat spürte, wie sie Mitgefühl für diese Frau empfand und das trotz ihrer barschen und nervigen Art.

„Ich will nicht sterben.", japste sie erstickt.

„Das will niemand.", erwiderte der Doctor.

„Hilf mir.", forderte Cassandra verzweifelt.
„Das kann ich nicht.", sagte er ernst.

Plötzlich tapste Cassandras Diener zu ihnen und ein hoffnungsvolles „Meine Herrin!" verließ seinen Mund. Cat fühlte, wie Erleichterung Cassandra übermannte und sie wusste, dass ihr Chip am Herzen liegen musste, auch wenn sie sich vorhin noch anders über ihn mokiert hatte.

„Du lebst ja noch!", bemerkte sie erleichtert.

„Ich habe mich beschützt. Nur für euch, meine Herrin.", erklärte Chip schwärmend und Cassandra fiel etwas auf.

„Ein Körper…", wisperte sie. „Und nicht nur das, ein Freiwilliger!"

Der Doctor blickte sie an und Cat fluchte in ihren Gedanken. Wag es nicht!

„Wag es nicht.", sagte der Doctor und stimmte Cat damit zu. „Er hat sein eigenes Leben!"

„Halt die Klappe, willst du deinen Körper zurück oder nicht?!", schnaubte Cassandra währenddessen an Cat gerichtet laut und sowohl der Doctor als auch Rose stutzten kurz.

„Aber ich verehre meine Herrin.", protestierte Chip und sah vom Doctor zu Cassandra. „Sie wäre mir willkommen!"

„Kommt nicht in Frage, Cassandra…!", widersprach der Doctor, doch es war zu spät, als Cassandra mit einem Atemhauch Cats Körper verließ und sich die Machtlosigkeit Cats in Luft auflöste.

Der Doctor hob seine Arme in Frustration und raufte seine Haare, doch reagierte schnell, als Cat vor lauter Erschöpfung das Gleichgewicht verlor. Er fing sie auf und hielt sie fest in seinen Arm, um ihren Sturz abzufangen und Cat blinzelte matt.

„Geht es dir gut?", fragte der Doctor sie sanft und Cat nickte überfordert.

Ihr Schädel brummte, aber sie fühlte sich schlagartig besser, da sie die Kontrolle über ihren Körper wiedererlangt hatte. Noch länger und sie wäre wahnsinnig geworden, ja, sie hätte sogar sterben können. Der Doctor half ihr vorsichtig wieder beim Gleichgewichtfinden und sie schaffte es, auf ihren wackligen Beinen stehenzubleiben.

„Ja.", hauchte Cat und errötete leicht, als sie sah, wie nahe sie dem Doctor war.

„Willkommen zurück.", lächelte der Doctor sanft.

Er ließ sie los und ihr Blick huschte automatisch zu Rose, die sie mit einem seltsamen Gesichtsausdruck bedachte. Cat zog ihre Augenbrauen zusammen, doch widmete sich schnell wieder der Situation.

„Oh, grundgütiger, ich bin eine Witzfigur.", sagte Cassandra mit Chips Stimme, seine Arme musternd in die Höhe haltend.

„Es tut mir leid, Cassandra, aber du kannst da nicht bleiben.", erzählte der Doctor und Cassandra stützte ihr Kinn, dem Doctor zuhörend, auf ihrer Hand ab. „Ich bringe dich in die Stadt, wo du in eine Zellkultur schlüpfen kannst und dann wirst du vor Gericht gestellt."

„Naja, das klingt recht dramatisch.", meinte Cassandra nachdenklich. „Wahrscheinlich mein bester Auftritt und sicher mein bester Hut.", witzelte sie grinsend Cat kurz ansehend und fasste sich an Chips graue Kappe. „Aber ich fürchte, die Zeit wird knapp.", Cat registrierte, wie Cassandras Augen sich mit Angst füllten. „Der arme, kleine Chip ist nur ein Halblebender. Er hat so viel durchgemacht.", Cassandra blinzelte kurz. „Sein Herz rast schrecklich…, er wird schwächer.", sie stutzte kurz. „Ich glaube nicht, dass er du-", sie verlor ihr Gleichgewicht und der Doctor und Cat stürzten auf Cassandra zu, um sie vor dem Fall auf den Boden zu bewahren.

Casandra fiel auf die Knie. Rose, der Doctor und Cat knieten sich neben sie und der Doctor untersuchte sie mit seinen Augen. „Was ist?", fragte er.

„Alles bestens…", keuchte Cassandra und hielt sich eine Hand an die Brust. „Ich sterbe…", sagte sie und Cat seufzte leise, als ihre Augenwinkel sich mit Tränen füllten. „Aber das ist gut so…"

„Ich bringe dich in die Stadt.", wiederholte der Doctor.

„Nein, bloß nicht.", bat Cassandra sanft. „Dieser Planet ist so neu. Da ist für mich und Chip kein Platz mehr.", sie schluckte einmal und Cat spürte, wie ihr die Tränen über die Wangen rannen. „Du hattest recht, Doctor, es ist Zeit zu sterben…und das ist gut."

Der Doctor, Rose und Cat halfen Cassandra auf. „Komm, ich kann noch etwas für dich tun.", bot der Doctor ihr an und sie geleiteten sie hinaus.

~.~

Der Doctor öffnete die Tardistür und Cat hörte die Geräusche einer Party, die in vollem Gange war. Der Time Lord führte die Zeitreisenden an, Cassandra war in einen dunklen Umhang gehüllt und Cat hatte sich ihre Kapuzenjacke übergeworfen. Cat sah, wie Cassandra staunend umherblickte, den vollen und reich geschmückten Raum komplett ins Visier nehmend. Sie standen in der Ecke des Raumes und auf der anderen Seite stand eine junge, hübsche, blonde Frau, die von lachenden und bewundernden Menschen umringt war.

Cassandra drehte sich zum Doctor herum. „Ich danke dir.", sagte sie ehrlich und Cat lächelte sanft.

„Nun geh und nur kein Blick zurück.", meinte der Doctor.

Rose beugte sich vor und flüsterte Cassandra lächelnd ins Ohr. „Viel Glück."

„Es war schön, dich kennenzulernen…", sagte dann auch Cat und Cassandra drehte zu ihr herum.

Cassandra lächelte sie an und öffnete den Mund, um etwas zu sagen, zögerte dann aber für ein paar Sekunden. Schließlich näherte sie sich Cat und flüsterte ihr etwas zu: „Sag's ihm."

Cat blinzelte und errötete. Sie war froh, dass es so dunkel im Raum war, sodass man ihr nicht ansehen konnte, was die zwei Worte von Cassandra in ihr ausgelöst hatten. Cassandra entfernte sich von ihr und den Anderen und trat in den Raum hinein. Cats Lächeln fiel in sich zusammen, als sie die Szene verfolgte, die sich abspielte.

Cassandra konfrontierte ihr jüngeres Ich mit wahrhaftig ernstgemeinten Komplimenten. Ihr jüngeres Ich wollte ihr erst keinen Glauben schenken, doch als Cassandra ihre Worte wiederholte, war die jüngere Version von ihr gerührt. Doch plötzlich kollabierte Cassandra in Chips Körper und Cats Augen verließen erneut einige Tränen. Traurig sah sie zu, wie das jüngere Ich von Cassandra Chips Körper Trost spenden wollte, sie auffing und liebevolle Worte zu ihr sprach, doch diese konnte die ältere Form von ihr nicht mehr vernehmen. Sie war in den Armen ihrer Selbst verstorben und die verzweifelten Hilferufe von der jüngeren Cassandra wurden von den übrigen Partygästen nicht wahrgenommen, während sie sich so um Chip/Cassandra kümmerte.

In Stille betraten Rose, der Doctor und Cat wieder die Tardis. Cat musste an Cassandras letzte Worte denken, die an sie gerichtet waren. Sag's ihm. Ihre braunen Augen huschten zu Rose und sie schluckte diese Worte hinunter. Nein, sie konnte nicht. Er liebte Rose und Rose liebte ihn. Wer war Cat, sich in diese Beziehung einzumischen. Ihre Gefühle für den Doctor blieben unerwidert und damit hatte sie sich abzufinden.