Das Rätsel von Hogwarts

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Kapitel 5 -JERA-

Ginny Weasley erstarrte inmitten der Bewegung. Dort drüben, auf der gegenüberliegenden Seite des Gemeinschaftsraumes, in einem der großen, hochlehnigen Sessel beim Kamin, lehnte Tom Riddle – ein Stück Pergament in den Händen und…

… das seltsame zischelnde Geräusch, das ihr so bekannt vorgekommen war, kam von dort.

Trotz der späten Stunde war er noch immer korrekt gekleidet. Nicht einmal den Umhang seiner Schuluniform hatte er abgelegt. Und – es hatte ganz den Anschein, als lese er etwas ab, von jenem Pergament, das er da in den Händen hielt. Was ging hier vor?! Was hatte dies alles zu bedeuten?!

Mit einem Mal fühlte Ginny sich mehr als unbehaglich. Instinktiv wich sie in den Schutz eben jener Schatten zurück aus denen sie eben erst hervorgetreten war. Tom hatte sie bisher noch nicht bemerkt – so hoffte sie zumindest. Doch sie war sich geradezu sicher, dass er bei all dem – was immer dort vor sich ging – nicht beobachtet werden wollte!

Die Verwirrung stand ihr deutlich ins Gesicht geschrieben, als sie nun langsam und vorsichtig, weiter in die dämmrige Nische bei der Treppe zurückwich. All die feinen Härchen in ihrem Nacken richteten sich auf und eine plötzliche, unerwartete Furcht bemächtigte sich ihrer, welche sie zunächst gar nicht einzuordnen vermochte. Dann jedoch begannen Erinnerungen aus den Tagen ihres ersten Hogwartsjahres aufzusteigen – wütende, zischend geäußerte Laute – Bruchstücke des vertrauten Klanges einer ansonsten unbekannten Sprache…

'Reiße! ~ Zerreiße! ~ Töte!' *1)

Lang verdrängte, geflissentlich gemiedene Erinnerungen und Empfindungen von Furcht, Verrat, Schmerz und Bedauern brachen sich Bahn – fluteten mit dem Klang seiner Stimme heran… und Bilder traten ihr vor Augen, von denen sie nicht einmal zu sagen vermochte, ob sie denn nun lediglich auf Vermutungen und Nacherzählungen der Ereignisse gründeten oder tatsächliche, wirkliche Erinnerungen waren...

… da war – ein jüngeres Bild ihrer selbst, wie sie – scheinbar fremdbestimmt – umherwandelte, scheu, verständnislos und furchtsam…

… ein weiteres, wie sie auf ihrem Bett saß, eine Schreibfeder in der Hand, über ein kleines, schwarzes Buch gebeugt. Tränen verschleierten ihren Blick, ehe er starr und unfokussiert wurde... und…

…tote von Hagrids Gartenzaun baumelnde Hähne – erwürgt oder mit durchschnittener Kehle – deren in stetig feinen Rinnsalen herabrinnendes Blut schmutzige kleine Pfützen auf dem schlammigen Boden bildete….

…Blut und Federn an ihren Händen – ihrem Haar – und dem langen weißen Nachthemd, das sie – auch in dieser Erinnerung – trug…

Beinahe panisch blickte Ginny an sich hinunter, doch da war nichts – nichts außer glattem, weißem Tuch – rein, und unberührt.

… Eine andere Szene – in einer anderen Nacht – ein dunkler Gang und – eine Botschaft – von ihrer eigenen Hand in scharlachroten, bluttriefenden Buchstaben an die Wand geschrieben …

'DIE KAMMER DES SCHRECKENS WURDE GEÖFFNET. FEINDE DES ERBEN, NEHMT EUCH IN ACHT' *2)

Die Kammer. Tom. Das Zischen einer Schlange…

Auch dies war Tom Riddle – und daran war überhaupt nichts Schönes!

Mit einem erstickten Aufkeuchen stolperte Ginny weiter zurück in den Schutz der Schatten, tat dies jedoch so eilig und ungeschickt, dass sie sich dabei mit dem Fuß im Saum ihres Nachthemdes verfing und hinfiel. Zu ihrem Entsetzen brach das Zischen daraufhin ganz plötzlich ab – verstummte augenblicklich. Er hatte sie gehört! Sie musste hier weg. Er durfte sie nicht entdecken!

Vorsichtig zog sie sich weiter in die Schatten zurück, sorgsam darum bemüht, jegliches weitere Geräusch zu vermeiden. Wenn sie sich ganz still verhielt – vielleicht würde er dann nicht nachsehen?!

Obgleich sie es anfangs nicht einzuordnen vermocht hatte, so war sich Ginny nun sicher, worum es sich handelte: Parsel. Schlangensprache.

Dabei hatten die seltsamen, zischenden Laute gar nicht so geklungen, wie Ginny sie in Erinnerung hatte. Nicht von Wut und Angriffslust getrieben, sondern vielmehr interessiert und verwundert – ja beinahe als lese er etwas, dass ihn in höchstem Maße erstaunte und in Atem hielt. Verstanden hatte sie allerdings noch immer kein Wort.

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Tom Riddle hätte schreien mögen, so frustriert war er.

Den gesamten Abend über hatte er auf eine Gelegenheit gewartet mehr über Salazar Slytherins Vermächtnis in Erfahrung zu bringen und nun, da auch die letzen seiner Hausmitglieder endlich den Gemeinschaftsraum verlassen und sich zu Bett begeben hatten, brannte er förmlich darauf mehr zu erfahren.

Kaum aber hatte er das uralte Stück Pergament mit den Händen entrollt und zu lesen begonnen – um jene Stelle zu finden an welcher er am Nachmittag so plötzlich unterbrochen worden war – da ließ ihn ein Geräusch abermals aufschrecken.

Allarmiert blickte er in Richtung der Treppen, von wo es gekommen war. Er konnte niemanden sehen. Und doch war er sich beinahe sicher, dass irgendjemand in den Schatten dort lauerte. Ihn – belauerte? Einen Augenblick lang verhielt er sich ganz still und lauschte.

Wenn ihn nun tatsächlich jemand gehört hatte?! Er musste sicher gehen. Und er musste vorsichtiger sein. Es war viel zu gefährlich! Er durfte das Pergament niemals wieder im Gemeinschaftsraum lesen.

Als er sich nun aus dem Sessel erhob, um nachzusehen, hörte er deutlich, wie jemand eilig die Treppe zu den Mädchenschlafsälen heraufeilte.

'Könnte – sie – es gewesen sein?!' fragte er sich mit ungewohnt heftiger Verunsicherung. 'Doch nein – vermutlich nicht!' wie er einräumen musste. Er war einfach so überaus fokussiert auf dieses seltsame Mädchen, dass er zuerst an sie gedacht hatte. Doch wenn es nicht sie gewesen war – wer sonst mochte dann dort herumgeschlichen sein? Und wie viel hatte dieser jemand gehört?

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Mit zitternden Knien ließ sich Ginny mit dem Rücken gegen die schwere dunkle Tür ihres Schlafraumes gelehnt zu Boden gleiten. Blicklos starrte sie in die Dunkelheit. Das Geräusch ihres eigenen, fliegenden Atems klang überdeutlich und beängstigend laut in ihren Ohren.

Wenn nur keines der anderen Mädchen jetzt aufwachte – und ihren Namen rief!

Ihr Herz schien einen Schlag auszusetzen, als die Schritte auf dem Gang draußen vor ihrer Tür zum Stillstand kamen.

Er war es.

Er hatte sie gefunden.

Er wusste, dass sie es gewesen war.

Voldemort – Nein –Tom – Er war direkt vor dieser Tür und er – was nur würde er jetzt bloß tun!?

Gerade als sie glaubte, die Anspannung nicht länger ertragen zu können, wandte er sich ab. Sie konnte hören, wie seine Schritte sich entfernten und schließlich verklangen.

Restlos erleichtert tastete sie sich durch die Dunkelheit und kroch zurück in ihr Bett. Die schweren Samtvorhänge schienen ihr ein willkommener Schild gegen die Schrecken und Finsternis dort draußen zu sein. Ihre eigene Angst jedoch blieb bestehen. Nur langsam verebbte die blinde Panik die sie empfand und es dauerte eine ganze Weile, ehe sich ihr rasender Herzschlag und fliegender Atem schließlich beruhigten.

Sie fand nicht viel Schlaf in dieser Nacht. Bilder, der neu heraufbeschworenen düsteren Erinnerungen suchten sie abermals heim. Wieder durchlebte sie all die Schrecken, jener Tage und fühlte sich ganz krank bei dem Gedanken daran, was sie getan hatte.

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Die fröhliche Atmosphäre am Frühstückstisch ließ die beängstigende Entdeckung der letzten Nacht geradezu unwirklich erscheinen.

Und der Duft von gebratenem Speck, Eiern, Tee und Orangensaft erfüllte den weiten von Sonnenlicht durchfluteten Raum.

Es versprach ein weiterer, strahlend schöner Tag zu werden.

Und auch Tom erschien Ginny nun, im hellen Tageslicht so normal und harmlos, dass sie sich die nur wenige Stunden zuvor empfundene nahezu irrationale Furcht kaum noch zu erklären vermochte. Mehr und mehr traten die beängstigenden Bilder ihrer Erinnerungen in den Hintergrund.

Dennoch war sie kaum in der Lage, ihn anzusehen. Bereits zwei Mal, waren ihre Blicke einander an diesem Morgen begegnet und jedes Mal war sie es gewesen, welche den Blick zuerst abgewandt hatte.

Doch selbst wenn sie nicht zu ihm hinüber blickte, konnte Ginny geradezu spüren, dass er sie ansah. Es ließ sie sich seltsam unbehaglich und angespannt fühlen – gerade so, als müsse sie sich betont unbeteiligt und unbeeindruckt geben, gerade so, als merke sie nicht, wie oft und intensiv der Blick seiner dunklen Augen auf ihr ruhte. Sie fragte sich noch immer, ob er wusste, dass sie es gewesen war, die ihm in der vergangenen Nacht nachspioniert hatte.

So war Ginny mehr als froh darüber, als plötzliches Gekicher und ein nicht eben sanftes Anstupsen Rabias, ihre Aufmerksamkeit schließlich von Tom und seinen Blicken ablenkten.

Als sie den Kopf hob, bemerkte Ginny, dass einige, der ältesten Slytherins die Halle betreten hatten. Ihr Blick blieb sofort an einem großen silberblonden Jungen hängen, der ganz genauso aussah, wie – Draco… Sogar seine Augen waren von der gleichen silbergrauen Farbe.

Rabia, die ihrem Blick gefolgt war, lehnte sich zu ihr herüber und flüsterte: "Das ist Lucretius. Jetzt wirst du die seltene Gelegenheit haben zu beobachten,wie Cathrina nervös wird. Guck mal, wie rot sie wird."

Sie hatte ganz recht. Kaum dass sie ihren Cousin entdeckt hatte, erschien ein Hauch von Farbe auf Cathrinas aristokratisch blassen Malfoy-Wangen. Ein Hauch, der ihr, wie könnte es anders sein , überaus gut zu Gesicht stand und die außerordentliche Schönheit ihrer Züge auf das Vorteilhafteste zur Geltung brachte.

'So schön möchte ich auch mal rot werden' dachte Ginny mit einer Mischung aus Neid und Bewunderung. Doch der Hauch von Röte auf Cathrinas Wangen vertiefte sich mit offensichtlichem Steigerungspotenzial, als sich Lucretius nun auf dem Platz ihrem gegenüber niederließ und sie ansprach. "Hi Cat," begrüßte er sie mit einem herzlichen Lächeln. "Hast du Mum's Brief gekriegt?"

"Ja, hab ich, Lu," murmelte Cathrina mit nun hochrotem Kopf und sah dabei immer noch außerordentlich bezaubernd aus. Das Malfoys, gleich welchen Geschlechts, so lächeln konnten, hätte Ginny gar nicht gedacht.

Rabia rollte indes die Augen und flüsterte: "Es ist nur Cat und Lu für die Beiden. Muss irgend so ein Überbleibsel aus ihrer Kindheit sein, kein anderer würde es wagen, sie so zu nennen."

Rabia war ihr bisher in keiner Weise hämisch oder boshaft erschienen, und Ginny war sich sicher, dass sie es nicht wirklich böse meinte und nahm zudem an, dass die unzähligen Belehrungen und Bevormundungen, wie Cathrina sie bei jeder Gelegenheit so bereitwillige von sich gab in gewisser Weise nach einem Ausgleich verlangten…

Dennoch, irgendwie, tat ihr das blonde Mädchen leid!

Es konnte nicht leicht sein, hier, inmitten der Großen Halle unter den neugiereigen Blicken all ihrer Mittschüler mit ihrem Cousin zu reden, von dem jeder wusste, dass sie ihn heiraten würde und in den sie offenbar entsetzlich verliebt war.

Arme Cathrina!

Scheinbar ohne ihr eigenes Zutun wanderten Ginnys Augen kurz darauf wieder die lange Reihe ihrer Mitschüler entlang, bis sie erneut dem Blick eben jener schönen dunklen Augen begegnete, die sie offenbar noch immer intensiv und eindringlich beobachteten. Ein heißer Schreck durchzuckte sie in eben diesem Moment und augenblicklich senkte sie den Blick wieder.

"Was – ähm, haben wir denn heute als Erstes?" erkundigte sie sich nun rasch und so beiläufig, wie möglich.

"Oh, Mittwochs haben wir immer erst mal eine Doppelstunde PHZ," bemerkte Rabia – es klang wie ein abfälliges Schnauben, "aber anschließend gibt's dafür Pflege Magischer Geschöpfe. Das wird die gefallen! Das heißt – falls du's belegt hast, meine ich…"

"Ja, hab ich," versicherte Ginny rasch. "Aber was zum Teufel ist PHZ? Ich glaub nicht, dass das eins meiner Fächer ist!"

Rabia lachte daraufhin laut auf. "Oh keine Sorge, ich mag's auch nie glauben!"

"Es bedeutet 'Praktische Haushalts-Zauber'," erklärte Lilith mit einem schüchternen Lächeln, "alle hassen es, aber unglücklicherweise ist es ein Pflichtfach und von daher unvermeidlich."

"Wie Pflichtfach?" fragte Ginny verwirrt. "Sie bringen uns Haushaltszauber bei?! Hier im Unterricht?"

"Ach bloß Kochen, Putzen, Waschen und Bügeln ach ja –und Kinderpflege natürlich!" schaltete sich nun wieder Rabia ein. Auf Ginnys noch immer verständnislosen Blick fügte sie dann ein wenig milder hinzu: "Weißt du, die ganze Sache an sich ist ja nicht mal so schlimm – kann mir gut vorstellen, dass wir's tatsächlich mal brauchen können. Aber – der ganze Benimm-Klimbimm, den sie uns dabei auftischen – naja…'Ein wohlerzogenes Mädchen hier – und eine anständige junge Dame da…' Es ist nervig, sag ich dir!"

"I-im Ernst jetzt?" fragte Ginny fassungslos. "So was lernen wir in der Schule? Auch die Jungs?"

"Nee-e-" brauste Rabia nun auf das Heftigste auf. 'Die Jungs', schienen in dieser Hinsicht ihr Stichwort zu sein.

"Die haben mal wieder mehr Glück als Verstand. Die – haben in der Zwischenzeit 'Fliegen für Fortgeschrittene.'"

"Ach?! Haben wir denn überhaupt keinen Flugunterricht?" fragte Ginny nun sichtlich irritiert.

"Oh doch, natürlich! Aber – das kannst du mit den Flugstunden der Jungen nun wirklich überhaupt nicht vergleichen und – es ist einfach nur unendlich – langweilig sag ich dir…"

"Ach komm schon, Rabia, so hör doch auf," warf Lilith nun begütigend ein, "so schlimm ist es nun auch wieder nicht. Wenigstens lassen sie uns heutzutage nicht mehr im Damensitz reiten, wie es noch in den Tagen meiner Großmutter üblich war."

"Abgesehen von Cathrina meinst du wohl, ja?" spottete Rabia noch immer leicht säuerlich. Offenbar war das Fliegen ein weiterer, ganz wunder Punkt für sie.

Lilith hingegen schüttelte den Kopf. "Sie mag das selbst kein bisschen – das weißt du ganz genau! Und es ist sicher nicht ihre Schuld! Sie kann nichts dafür, dass ihre Eltern darauf bestehen. Du weiß doch wie traditionsbewußt und umm… speziell die Malfoys sind!"

Ginny konnte an dieser Stelle ein Schnauben nur schwer unterdrücken. 'Warum nur überrascht mich das nicht im Geringsten?' fragte sie sich.

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Nach PHZ, welches sich als genauso – befremdlich – herausstellte, wie Ginny es erwartet hatte, stürmten die beiden Mädchen schließlich befreit hinaus auf die Ländereien.

Strahlender Sonnenschein umfing sie als sie auf die weite, leicht ausgedörrte Rasenfläche hinaustraten und sich anschickten zur 'Pflege Magischer Geschöpfe' hinunter zu wandern.

Nur sie und Rabia hatten dieses Fach belegt, wie Ginny erfahren hatte. Cathrina, Lilith und Olive hatten stattdessen Arithmetik gewählt.

Obgleich es nicht später als 9.30 Uhr am Morgen war, so war es doch bereits ziemlich warm und so folgte Ginny kurzerhand Rabias Beispiel, die Ärmel der weißen Bluse, welche zu ihrer Schuluniform gehörte, bis zu den Ellbogen aufzurollen.

Am Seeufer, in einiger Entfernung konnten sie eine Reihe, in schwarze Umhänge gekleideter Gestalten auf ihren Besen erkennen. Ginny blieb stehen und schirmte dabei die Augen mit der Hand gegen das gleißende Sonnenlicht ab, um sie näher zu betrachten.

"Sind denn die Jungs noch nicht mit ihrer Fliegerei fertig?" fragte sie verblüfft, doch Rabia schüttelte den Kopf.

"Oh doch, sind sie," erklärte sie. "Das da sind nicht unsere Jungs. Das sind die aus der Fünften."

Ein weiterer, freudiger Schreck durchzuckte Ginny bei dieser Erkenntnis. Die Fünfte – Toms Klasse! Tom Riddle auf einem Besen! Sie verrenkte sich schier den Hals um einen Blick auf ihn zu erhaschen, doch vergebens. Erst ein wissender, jedoch kommentarloser Blick Rabias ließ sie inne halten. Sie würde vorsichtiger sein müssen. Und sie würde sich seinen Stundenplan beschaffen müssen, um für Situationen wie diese gewappnet zu sein. Ja, ganz genau das würde sie tun… Sie…

Das Geräusch eilig herannahender Schritte auf dem trockenen Sommergras lies Ginny nervös über die Schulter zurück blicken. Doch es waren nur David und Argus, die zu ihnen aufzuholen versuchten.

"Hey, Rabia, Ginny wartet doch mal!", keuchte David.

"Naa – haben die 'lieben Mädchen' auch brav ihre PHZ gelernt? feixte David. "Was denn! Was denn? Habt ihr uns heute etwa keinen Kuchen mitgebracht!'" setzte er, bei Rabias finsterem Gesichtsausdruck noch dramatisierend hinzu.

Rabia warf ihm daraufhin einen wenig begeisterten Blick zu. "Das haben wir schon durch – du Dumpfbacke…und wenn du nicht gleich deine große Klappe hältst, dann werden die 'lieben Mädchen' dich das Fürchten lehren. Zumindest dieses liebe Mädchen hier! Ginny ist, wie ich fürchte, viel zu nett dafür!"

"Ach?! Sparst du dir das denn nicht lieber für deine herzallerliebsten Freunde – die Weasley-Zwillinge – auf?" spottete David, klapperte dann plötzlich mit den Augenlidern und rief mit demonstrativ mädchenhaftem Singsang: "Oh Gregory, wenn du das nicht auf der Stelle bleiben lässt, dann wird dir das soooo leid tun! Ich werde dir … Auu, au… Aua!"

Ein recht grober Rippenstoß jedoch, brachte ihn zum Schweigen. "Sieh dich vor, 'Dumbie'," warnte Rabia an dieser Stelle mit funkelnden Augen. "Du bewegst dich da auf äußerst dünnem Eis, möchte man sagen!"

"Ok, ok, kein Grund mich umzubringen!" An dieser Stelle trat ein übermütiges Zwinkern in David's blaue Augen. "Aber – Nun, da wir gerade von Eis reden – Wie wär's mit einem netten, faulen Nachmittag am See? Mit Schwimmen, Wasserschlacht und einer Menge Eiscreme? Wären die 'werten jungen Damen' geneigt uns zu begleiten? Wir würden uns sogar verpflichten das Eis zu organisieren, stimmt's Argus?"

"Stimmt," bestätigte dieser mit einem schüchternen kleinen Lächeln.

Perplex blickte Ginny zwischen den Dreien hin und her, darum bemüht auch diese neue, seltsame Entwicklung zu verdauen. Rabias Verwirrung hatte jedoch offenbar andere Gründe, denn ihr Kopf flog nun voller Überraschung zu David herum. "Habt ihr denn nachher kein Quidditch Training?" fragte sie erstaunt.

"Keine Spur! Das fällt heut' aus," erklärte dieser mit strahlendem Lächeln.

"Na dann –" lachte Rabia und nickte.

Vor der kleinen hölzernen Hütte, welche in Ginnys eigener Zeit einmal Hagrids Zuhause sein würde, erwartete sie eine junge Frau in einem schlichten, vergissmeinnichtblauen Gewand. Das lange, honigblonde Haar trug sie zu einem unordentlichen Knoten geschlungen und ihre hellbraunen Augen blickten ihnen freundlich entgegen.

"Das ist Mrs. Norris," erklärte Rabia mit gedämpfter Stimme. "Sie ist eine der nettesten Lehrer, die wir haben. Jeder – mag sie!"

"Mrs. Norris?!" keuchte Ginny erstaunt.

"Ja," fuhr Ginnys neue Freundin nun im Flüsterton fort, "es ist sehr traurig. Sie ist eine Witwe, weißt du? Ihr Ehemann war ein Auror, so heißt es und er wurde getötet, im Kampf gegen Grindlewalds Sympathisanten… Deshalb sieht sie auch manchmal so entsetzlich traurig aus, glaube ich…"

Sprachlos starrte Ginny die wunderschöne junge Hexe an. Mrs. Norris konnte kaum älter als mitte Zwanzig sein. Allerhöchstens! Sie begrüßte die Klasse mit einem freundlichen, jedoch tatsächlich sehr traurigen kleinen Lächeln, ehe sie sie um die Hütte herum, an dem ordentlich gemulchten Kürbisbeet vorbeiführte, in welchem ein stolz dreinblickender Hagrid ihr einen zappelnden und sich windenden Niffler entgegenhielt.

"Hier is' der Ausreißer, Mrs. Norris," verkündete er triumphierend. "Hat versucht sich in die Erde zu wühlen – abba ich hab'n trotzdem gekriegt!"

Es war schwer zu sagen, wer von beiden schmutziger war, der Niffler, oder der breit grinsende Junge, der inmitten des Kürbisbeetes auf dem Bauch lag. Ginny konnte sich ein Grinsen kaum verkneifen. Was für ein unbedarfter, fröhlicher Junge Hagrid doch einst gewesen war.

"Das ist Rubeus Hagrid," lachte Rabia und winkte ihm zu. "Er ist jünger als wir, auch wenn er so entsetzlich groß ist. Erst im dritten Jahr – und ein Gryffindor, aber wirklich nett. Er liebt alle Arten von Tieren – besonders die großen und gefährlichen und er hilft Mrs. Norris sich um all die magischen Geschöpfe zu kümmern. Ich finde das sehr nett von ihm."

"Ich bin ihm schon begegnet," erklärte Ginny mit einem Lächeln. "Er hat mir den Weg zu Professor Dippets Büro gezeigt, gestern."

"Oh ja, das kann ich mir vorstellen," lachte Rabia, "er gerät immer in irgendwelche Schwierigkeiten, armer Kerl! Aber ich mag ihn trotzdem sehr gern."

Nach einem kurzen Gespräch mit Hagrid, in welchem sie ihm die dringende Empfehlung gab, sich vor der nächsten Unterrichtsstunde ein wenig herzurichten, führte Mrs. Norris die Klasse einen schmalen, grasbewachsenen Pfad entlang zu einer kleinen Wiese am Rand des Verbotenen Waldes. Wilde Blumen sprenkelten das hohe, gelblich ausgeblichene Sommergras und unzählige Vogelstimmen zwitscherten in den nahegelegenen Baumwipfeln. Dort, auf einem hölzernen Pfosten, saß ein wunderschöner etwa schwanengroßer, scharlachroter Vogel, den Ginny sofort erkannte.

Fawkes.

Seine langen goldroten Schwanzfedern glitzerten im Sonnenlicht und nicht wenige Schüler machten ihrer Bewunderung Luft, bei diesem Anblick. Der Phönix jedoch drehte lediglich kurz den Kopf, ob dieser Begeisterungsrufe.

Mrs. Norris schien sich über die allgemeine Begeisterung zu freuen. "Ganz recht, Thema unserer heutigen Unterrichtsstunde ist – der Phönix."

Sie lächelte. "Professor Dumbledore war so freundlich uns dazu seinen Familiar zur Verfügung zu stellen. Sein Name ist Fawkes und er ist an die vierhundert Jahre alt. Vermutlich sogar noch älter. Es ist außerordentlich schwer, das genaue Alter eines Phönix zu bestimmen. Kann mir jemand von Ihnen sagen, wieso? Ja, Miss McGonagall?"

"Der Phönix kann ein außerordentlich hohes Alter erreichen, da er in der Lage ist in Flammen aufzugehen, wenn seine Zeit gekommen ist und als Küken aus der eigenen Ache wiederzuerstehen." *3) gab Minerva voller Aufregung zur Antwort. Ihre Wangen hatten beim Anblick des Phönix und der Erwähnung Professor Dumbledores einen rosigen Schimmer angenommen.

Ginny fand auch diese Entdeckung außerordentlich interessant. Genau wie Hermione, klang auch Minerva ganz so, als habe sie das Lehrbuch verschluckt. Als sie nun tief Atem holte, um zu einer weiteren Erklärung anzusetzen, huschte ein Lächeln über Mrs. Norris' Gesicht.

"Ja, das ist korrekt, Miss McGonagall. Sehr gut, in der Tat. Fünf Punkte für Gryffindor, aufgrund ihres extensiven Wissens."

Damit wandte sie sich wieder der Klasse zu. "Wie Miss McGonagall bereits ausführte, regeneriert sich ein Phönix von Zeit zu Zeit, indem er in Flammen aufgeht. Daher empfiehlt es sich auch, stets eine feuerfeste Schachtel dabeizuhaben, wenn man mit einem Phönix auf Reisen geht. Dies kann sich als äußerst nützlich erweisen, an einem Tag des Feuers. Nun ja – weiß irgendjemand von Ihnen, wo Phönixe üblicherweise leben?"

Wieder schoss Minervas Hand augenblicklich in die Höhe, doch diesmal ignorierte Mrs. Norris dies und rief stattdessen Rabia auf.

"Der Phönix nistet auf Berggipfeln, in Ländern wie China, Ägypten und Indien," antwortete diese. *4)

"Gut gemacht, Miss Aydin."

"Was wissen wir sonst noch über den Phönix? Ja, Mr. Weasley?"

"Er trägt die Gryffindor Farben," erklärte Frederic mit erstaunlicher Ernsthaftigkeit, doch schalkhaft blitzenden Augen. Ein kollektives Aufstöhnen ging durch die Klasse und sogar Mrs. Norris rollte die Augen. "Es tut mit aufrichtig leid Sie enttäuschen zu müssen, Mr. Weasley, doch das möchte ich ernsthaft bezweifeln! Versuchen Sie es noch einmal, bitte."

"'Tschuldigung, Ma'am," murmelte Ginnys Großvater nun und ein breites Grinsen glitt über sein jungenhaftes, sommersprossiges Gesicht, bevor er weit ernsthafter fortfuhr: "Der Phönix ist ein sanftes Wesen, das niemals beißt oder tötet – und er ernährt sich von Pflanzen." *5)

"Das ist richtig, Mr. Weasley – wie schön. So verliert Gryffindor keine Hauspunkte aufgrund Ihrer vorherigen Unverschämtheit. Gibt es noch etwas zu ergänzen?"

Diesmal hob allein Ginny die Hand.

"Sie müssen die neue Schülerin sein, Miss Otis, nehme ich an?" fragte Mrs. Norris und Ginny nickte bestätigend. Sie fühlte sich mit einem Mal entsetzlich unbehaglich Zentrum des allgemeinen Interesses zu sein.

"Nun, dann bitte – " ermutigte die Lehrerin sie.

"Ein Phönix ist in der Lage große Lasten zu tragen," begann Ginny zunächst zaghaft, gewann jedoch rasch an Entschlusskraft und Sicherheit als sie fortfuhr: "sein Gesang ist magisch und dazu befähigt Mut und Entschlusskraft derer zu stärken, welche reinen Herzens sind – wohingegen er den Willen jener, welche Übles im Schilde führen zu schwächen, und Furcht in ihren Herzen zu schüren vermag. Darüber hinaus achtet er jede seinem Meister entgegengebrachte wahre und aufrichtige Treue und Wertschätzung und er belohnt dies indem er die Person, bei welcher er derartiges verspürt, ebenfalls akzeptiert. Phönixtränen besitzen heilende Kräfte und – seine Schwanzfedern können als magischer Kern eines Zauberstabes Verwendung finden." *6)

"Das ist ganz hervorragend, Miss Otis! Zehn Punkte für Slytherin. Sagen Sie, haben Sie irgendwelche Erfahrung im Umgang mit Phönixen?"

Ginny wurde rot vor Freude, schüttelte jedoch den Kopf. Sie hatte nicht angeben wollen. Vorsichtig sah sie sich um, doch niemand schien sich daran zu stören, oder ihr die gewonnenen Hauspunkte zu missgönnen. Auch das war ein wenig anders, als sie es in einem Slytherin/Gryffindor Kurs erwartet hätte.

"Also dann! Ich möchte, dass Sie jetzt alle vortreten und versuchen, mit Fawkes Verbindung aufzunehmen. Einzeln bitte! Und machen Sie dabei keine hektischen Bewegungen. Ein Phönix ist zwar nicht unbedingt scheu, aber – stolz und leicht zu verärgern, ähnlich einem Hippogriff. Nicht viele Zauberer können sich rühmen, einen Phönix gezähmt zu haben. Dies ist auch der Grund, weshalb der Phönix eine 4fache X Einstufung nach der M. O. M. Klassifikation erhalten hat." *7)

"Da fällt mir ein: Wie kommt es zu dieser Einteilung? Ich meine, wer setzt sie fest, weiß, das vielleicht jemand? Mr. Filch, haben Sie irgendeine Idee?"

Der arme Argus lief knallrot an, als er angesprochen wurde, blieb die Antwort jedoch nicht schuldig. "D-das Zaubereiministerium, Ma'am," stammelte er sichtlich nervös.

"Sehr gut, Mr. Filch. Slytherin erhält fünf weitere Punkte, für diese Antwort," erklärte Mrs. Norris mit einem herzlichen Lächeln. Dann wandte sie sich an den Rest der Klasse, um mit dem Unterricht fortzufahren.

"Wenn ich sage 'kommunizieren', so spreche ich von Telepathie. Niemals sollten Sie einen Phönix in einer Weise rufen, wie Sie es vielleicht bei einem Hund tun würden. Es würde ihn beleidigen. Beugen Sie stattdessen den Arm und legen Sie die Fingerspitzen an Ihre Schulter, um sich abzustützen – ein Phönix ist schwer. Dann sprechen Sie den Vogel an – allein in Gedanken – und warten. Wenn Sie Glück haben, erhalten Sie vielleicht eine Reaktion, doch selbst wenn nicht, ist dies noch lange kein Zeichen von Misstrauen oder gar Ablehnung. Phönixe sind äußerst eigen. Ich erwarte nicht wirklich, dass Fawkes zu irgendjemandem von Ihnen fliegt. Ich will lediglich, dass Sie eine Vorstellung davon gewinnen, wie ein Phönix zu behandeln ist. Es ist äußerst selten, dass er einer solchen Einladung nachkommt – und als eine eben solche sollten sie Ihr tun stets betrachten, als eine Einladung – niemals jedoch als Befehl."

"Mr. Dumbledore, ich denke, wir beginnen am Besten mit Ihnen, da der Vogel Sie bereits kennt."

Die gesamte Klasse hielt den Atem an, als David nun vortrat. Er beugte den Arm und legte die Fingerspitzen an die gegenüberliegende Schulter, ganz wie Mrs. Norris es ihnen erklärt hatte. Sein Blick traf auf den von Fawkes.

Zunächst geschah überhaupt nichts. Dann veränderte der Phönix seine Position, balancierte ein Stück auf der dem Zaun entlang und entfaltete seine prächtigen Schwingen.

Ein Raunen ging durch die Klasse und ein Ausdruck größter Selbstzufriedenheit trat auf Davids Gesicht. Im nächsten Moment jedoch, faltete der Vogel die Flügel wieder und drehte, dem nun recht niedergeschmettert dreinblickenden Jungen seine zweifellos majestätische Rückseite zu.

Während David zumindest eine Reaktion in Fawkes hervorgerufen hatte, so bemühten sich Frederick, Gregory und Argus ohne jeglichen Erfolg.

Dann war Minerva an der Reihe.

Nervös trat sie vor und richtete nun ihrerseits ihre Aufmerksamkeit auf den scharlachrot gefiederten Vogel. Und Fawkes neigte den anmutigen Kopf zur Seite und betrachtete sie einige Sekunden, genau und eingehend. Dann, urplötzlich, breitete er seine Schwingen aus und erhob sich in die Luft. Langsam und würdevoll nahm er den dargebotenen Platz ein. Minervas Knie gaben beinahe nach, unter seinem beträchtlichen Gewicht, doch sie bemühte sich nach Kräften, stand zu halten. Mit zitternden Fingerspitzen liebkoste sie die weichen, scharlachroten Federn und Fawkes lies es geschehen, machte keinerlei Anstalten, den Platz auf ihrem Arm zu verlassen.

Mrs. Norris war ebenso verblüfft, wie die Klasse. "Das war eine wirkliche Überraschung, Miss McGonagall! Ich hätte dergleichen nicht erwartet. Bitte bringen Sie Fawkes nun zu seinem Platz auf dem Zaun zurück und bedanken Sie sich. Dazu dürfen Sie nun gern auch laut mit ihm sprechen."

Mit unter der Last des Phönix unsicheren Schritten legte Minerva die kurze Strecke zurück und Fawkes hüpfte von ihrer Schulter zurück auf den Zaun.

"Also mich überrascht das überhaupt nicht! Du bist schließlich oft genug im Büro meines Onkels. Stimmt's, Minnie?" bemerkte David bei Minervas Rückkehr mit spöttischem Unterton. "Denkt sicher, du gehörst zur Familie…" Minerva sagte dazu nichts, sondern wandte sich ab. Doch Ginny konnte sehen, dass sie bis an die Haarwurzeln errötete.

Weder Rabia, noch Sean Black hatten Glück mit dem Phönix, er ignorierte sie schlichtweg. Dann jedoch, kam die Reihe an Ginny.

Sie trat also vor und Fawkes hob seinen wunderschönen Kopf um sie anzublicken, gerade so, als wisse er nicht recht, was er von ihr halten sollte. Ginny spürte, wie sich ihr Puls beschleunigte. Erkannte er sie etwa? Doch – wie – sollte das möglich sein?! Sie würde ihm erst in – Wann? – Nun, etwa fünfzig Jahre später begegnen. Da – konnte – er sie doch einfach nicht erkennen!?

Doch möglicherweise hatte Zeit auch eine ganz andere Bedeutung für ein Geschöpf, wie einen Phoenix.

Im nächsten Moment jedoch legte Fawkes den Kopf weit zurück – lies eine Reihe der aller wunderbarsten Töne erklingen, die man sich nur vorzustellen vermochte – und verschwand in einem Wirbel auffliegender Federn.

Für einige Sekunden herrschte atemlose Stille. Das sanfte Summen der Bienen und Hummeln im hohen Gras und das Vogelgezwitscher in den Baumwipfeln, waren die einzigen Geräusche auf der stillen, sonnigen Waldwiese.

Neun Augenpaare starrten auf die Stelle, an welcher Fawkes sich soeben scheinbar in Luft aufgelöst hatte. Allein einige zu Boden taumelnde, scharlachrote Federn erinnerten an seine Anwesenheit.

Schließlich jedoch schien zumindest Mrs. Norris ihre Stimme wiedergefunden zu haben, doch sie klang zittrig und ein wenig brüchig, als sie mit zutiefst erstauntem Gesichtsausdruck zu einer Erklärung anhob: "Das – war Phoenix Gesang," erklärte sie beinahe ehrfürchtig. "Ich selbst habe dergleichen nie zuvor gehört. Eine wahrlich außergewöhnliche Reaktion, die Sie in dem Vogel hervorgerufen haben, Miss Otis!"

"Was das plötzliche Verschwinden betrifft," durchbrach Mrs. Norris das jetzt unverhohlen aufkommende Geflüster, "nun – auch dies ist eine Besonderheit des Phönix. Genau wie der Dircawl, kann auch er verschwinden, um an anderer Stelle wieder aufzutauchen. Ich bin mir sicher, dass sich Fawkes bereits wieder in Professor Dumbledores Büro befindet."

"Vielleicht könnte Minerva einmal nachsehen," murmelte David mit einer unverkennbaren Priese Sarkasmus. "Ich bin mir sicher es macht ihr nichts aus."

Minerva, die bei Fawkes' erstaunlicher Reaktion auf die neue Slytherin Schülerin einen heftigen Stich verspürt hatte, errötete auch bei diesem Kommentar bis an die Haarwurzeln. Mit einem unsicheren kleinen Lächeln schielte sie zu Ginny hinüber. Ganz so, als wolle sie abwägen, ob dieser Rotschopf denn gar so schlecht sein könne, wenn sich sogar Dumbledores Familiar dazu herabließ für sie zu singen.

Am Nachmittag entschied sich Ginny nicht mit den anderen hinunter an den See zu gehen, sondern beschloss stattdessen in die Bibliothek zu gehen. Rabia, die ihr, hilfsbereit wie sie nun einmal war, ihre Begleitung angeboten hatte, hatte unermesslich erleichtert ausgesehen, als Ginny dies Angebot dankend abgelehnt hatte.

An einem strahlend schönen Tag wie diesem, war es hier in dem großen, weiten Raum angenehm kühl und sehr still. Die Atmosphäre ähnelte der einer alten, dämmrig erleuchteten Kirche und der Geruch nach Staub und alten Büchern erfüllte die Luft.

Nur eine einzelne Tasche lag auf einem der Tische. Ein paar Bücher, Pergament und Schreibfedern waren daneben ausgebreitet und Ginny fragte sich gerade, wer sonst wohl, verrückt genug sein mochte, einen heißen Sommernachmittag hier drin zu verbringen, als ihr Blick auf ein kleines, nur allzu vertrautes schwarzes Buch fiel, das wiederzusehen sie niemals erwartet hätte.

A/N: Den größten Teil der Hintergrundinformation über denPhönix habe ich 'Fantastic Beasts & Where To Find Them' einem kleinen Ergänzungsbuch zur Harry Potter Serie oder Band 2, 'Der Kammer des Schreckens' entnommen. Die Idee mit der Schachtel für einen 'Tag des Feuers' und die generelle Art und Weise einen Phönix zu behandeln, entspringen dabei allerdings meiner eigenen Vorstellung.

JERA, die Rune dieses Kapitels, ist die 12 Rune des älteren Futhark mit dem Lautwert J. Sie mag tatsächlich und wörtlich ‚Jahr' bedeuten.

Sie mag sich allerdings auch auf die Interaktion von Gegensätzen, wie Sommer/Winter untereinander beziehen und steht für – sich über einen langen Zeitraum entwickelnde – einander beeinflussende Beziehungen welche, nicht erzwungen werden können, sondern sich langsam entwickeln müssen. Darüberhinaus spiegelt sie die Harmonie innerer Veränderungen im Einklang mit dem Wandel der äußeren Welt und symbolisiert den Zyklus des Lebens und des Universums. Alles bewegt sich im richtigen Rhythmus.

Ich empfinde diese Rune als stimmig um die sich langsam entwickelnden – noch unausgesprochenen – Emotionen und Beziehungen der verschiedener Charaktere zu repräsentieren, welche in diesem Kapitel im Fokus stehen.

Überlappend, bilden die kleinen Zeichen, welche die Absätze dieses Kapitels gliedern, die Rune JERA.

Quellennachweis:

* 1) frei nach: Harry Potter und die Kammer des Schreckens, Kapitel 7, Seite 126

* 2) Harry Potter und die Kammer des Schreckens: Kapitel 8, Seite 145, (Zeilen 14 und 15)

* 3) 4) 5) 6) 7) frei nach: 'Fantastic Beasts & Where To Find Them' Seite 32

Serpentina