Die Tortur fing bereits am ersten Schultag an. Bei jeder Gelegenheit brachte Severus stichelnde Kommentare an und zu Hermines Überraschung gab es viele Gelegenheiten. Zu viele.
Zunächst versuchte sie ihn mit sachlichen Antworten zum Schweigen zu bringen, doch sie merkte schnell, dass es nichts half. Also ignorierte sie ihn. Severus hörte natürlich nicht auf und machte unermüdlich weiter.
Schließlich schaffte er es beinahe jedesmal sie aus der stoischen Reserve zu locken und seine Kommentare wurden meist von ihr gekonnt pariert. Nicht selten entstanden so hitzige Wortgefechte.
Beim Frühstück beobachtete er sie als sie sich zwei Spiegeleier auf den Teller lud und sagte beißend „Sollten Sie das wirklich essen?"
Natürlich komplett lächerlich, Hermine wog beinahe weniger als zu Schulzeiten. Minerva trieb ihm ihren Ellbogen in die Seite und Severus stöhnte schmerzerfüllt auf. Hermine grinste ihn schadenfroh an und lud sich noch ein Ei auf ihren Teller. Er verdrehte die Augen und widmete sich wieder seinem eigenen Frühstück.
Die Schulleiterin beobachtete das Paar und schüttelte den Kopf. Auch wenn Severus es vielleicht selbst noch nicht wusste, aber es gab einen Grund warum er die junge Frau scheinbar nicht in Frieden lassen konnte. Wie ein kleiner Junge neckte er sie so oft er konnte und versäumte nie eine Gelegenheit sie zu ärgern. Er hatte etwas für sie übrig, so viel war klar. Minerva seufzte innerlich. Dem Mann war etwas Glück wahrlich vergönnt. Soviel Leid was er ertragen musste, so viel Verlust den er erdulden musste, und nun endlich ein Lichtblick. Vergnügt rieb sie sich die Hände. Oh sie würde sicher gehen, dass die zwei reichlich Zeit miteinander verbrachten. Früher oder später würde die Wahrheit schon ans Licht kommen.
Severus stocherte missmutig in seinen Scrambled Eggs herumund beobachtete Hermine verstohlen aus seinen Augenwinkeln. Ihr musste inzwischen übel sein doch sie war dermaßen stur, dass sie auch das letzte Stück Ei hinunter würgte. Ihm lagen eine Hand voll schneidender Bemerkungen auf der Zunge doch er wagte es nicht sie zu äußern. Die alte Frau auf der anderen Seite war stärker als sie aussah und ihm schmerzte noch immer das Rippenpaar welches sie erwischt hatte. Obwohl er längst keinen Hunger mehr hatte, wartete er geduldig bis Hermine fertig war. Wenn Hermine sich auf den Weg machte, würde er ihr Schatten sein und sie mit möglichst viel Beleidigungen zudecken. Minerva konnte sie nicht überall schützen.
Hermine wischte sich ihren Mund ab und unterdrückte die Übelkeit die sie verspürte. Verdammter Snape. Sie hatte sich heillos überfressen und büßte ihre Torheit nun mit Bauchschmerzen. Sie schob ihren Stuhl zurück und verabschiedete sich mit einem gequälten Lächeln von der Schulleiterin. Dieses erstarb prompt als sie sah, dass Severus ihr folgte. Schnellen Schrittes zog sie durch die langen Bänke der großen Halle und wappnete sich bereits vor der nächsten Gemeinheit. Diese lies wie erwartet nicht lange auf sich warten.
Als sie den Tisch der Gryffendors passierten, steckte sich ein Schüler den Hermine als George Finnegan identifizierte, zwei längliche Biskuit unter seine Oberlippe und mimte recht erfolgreich ein Walross. Severus zog die Brauen hoch und sagte schneidend:
„Wie fühlt es sich eigentlich an, der Kopf eines so glorreichen Hauses zu sein?"
Hermine warf ihm einen abschätzigen Blick zu, blickte an Severus vorbei und fing an hämisch zu grinsen.
„Dasselbe könnte ich Sie auch fragen." Severus folgte ihrem Blick und entdeckte einen übergewichtigen Slytherin der gerade verschmiert seinen Teller genüsslich abschleckte. Severus verzog angewidert sein Gesicht und wagte es fast nicht Hermine anzusehen. Diese schritt selbstgefällig an ihm vorbei und setzte ihren Weg unbeirrt fort. Severus sah ihr nach und schüttelte den Kopf. Er weigerte sich sich geschlagen zu geben und beschleunigte sein Tempo bis er wieder mit ihr gleich auf war.
Hermine raunte und beschloss den Mann zu ignorieren. Dass er nie aufgab. Warum er es so auf sie abgesehen hatte, war ihr ein Rätsel. Seit dem ersten Moment als sie das Schloss betreten hatte, heftete er sich an ihre Fersen und kritisierte und kommentierte wo er nur konnte. Ständig hatte etwas an ihr auszusetzen, unermüdlich bewarf er sie mit schneidenden Kommentaren und andauernd suchte er die Konfrontation. Sie konnte jedes mal die Freude spüren die er hatte wenn sie auf seine Sticheleien einging.
„Ich hoffe Sie haben Ihre Horde nächstes Wochenende besser im Griff!"
Hermine verdrehte die Augen und entgegnete:
„Und warum beschäftigt Sie das?"
„Weil ich wegen irgendeiner grausamen Laune des Schicksals mit Ihnen eingeteilt bin."
Hermine raunte laut auf.
„Dann haben zumindest Sie eine gute Gesellschaft."
Mit den Worten verschwand sie in ihrem Büro und knallte hinter sich die Türe zu. Severus wollte noch etwas entgegnen doch in diesem Moment gingen eine Gruppe Hufflepuffs vorbei. Die Schüler kicherten zunächst und erstarrten dann als sie den düsteren Blick des gefürchteten Professors sahen.
Missmutig wandte sich dieser ab und machte sich auf den Weg zu seinen eigenen Quartieren.
