Als sie im Dorf ankamen, schwärmten die Schüler geschäftig aus. Hermine machte sich mit Severus auf ihren Fersen zielstrebig auf den Weg zu ihren lang erwarteten Büchern und dachte im Stillen, dass Severus' Gesellschaft gar nicht so unerwünscht war wie sie anfangs gedacht hatte. Natürlich schaffte er es wie kein anderer ihre Nerven zu strapazieren doch sie musste sich eingestehen, dass seine Aufmerksamkeit nach dem Drama mit Ron eine mehr als willkommene Abwechslung war. Mit Schaudern dachte sie an sie vergangenen Monate zurück und die endlosen Diskussionen, Streitigkeiten und Beleidigungen die sie erdulden musste. Schließlich kam sie zu dem Resultat, dass sie und Ron einfach nicht für einander bestimmt waren. Der Krieg barg eine ganz andere Situation und Stimmung als der Alltag und ihre Beziehung war definitiv nicht für diesen gemacht. Leider sah Ron das etwas anders und verkraftete die Trennung weniger gut, somit war sie gezwungen den gesamten Weasley Clan zu meiden- und dieser beinhaltete nun auch Harry. Hermine fühlte die Traurigkeit in ihr aufsteigen und verspürte eine Sehnsucht nach ihren Freunden. Severus beobachtete sie wie so oft aus seinen Augenwinkeln und bemerkte sofort den Wandel ihrer Stimmung. Es gefiel ihm ganz und gar nicht, vor allem da er nicht wusste woher der Stimmungswechsel kam.
„Es gibt bestimmt ganz spannende Malbücher für Sie!"
Zu seiner Erleichterung zog sie einen Mundwinkel nach oben und konterte geschickt mit
„Oder eine Leselupe für Sie!"
Severus grinste und war ein wenig stolz, dass er ihre schlechte Stimmung so leicht verscheuchen hat können.
Im Buchladen verlor er Hermine sofort aus den Augen, also schmökerte er ein wenig bis er sich schließlich in einen bequemen Polstersessel fallen ließ und geduldig wartete. Er hörte im hinteren Bereich Hermines Stimme als sie mit Mr Throt, dem Inhaber des Geschäfts sprach. Er bemühte sich und spitzte seine Ohren, doch er konnte nur wenige Wortfetzen verstehen.
„Geben Sie mir bitte Bescheid wenn es eintrifft!"
„Natürlich."
„Versprochen?"
„Ja, versprochen."
Der ältere Mann lachte und Hermine tauchte am Ende des Ganges vor Severus auf. Er ärgerte sich ein wenig nicht mehr gehört zu haben, behielt aber wie immer seine Maske der Gleichgültigkeit. Als sie ihn erreichte, hob er fragend eine Braue und hoffte insgeheim sie würde ihm die von ihm begehrte Information mitteilen doch sie ignorierte seinen fragenden Blick und sagte lediglich
„Ich bin soweit."
„Alle Bilderbücher durch?"
Hermine grinste und er atmete seufzend betrachtete den Stoß Bücher den sie wackelig auf ihren Armen balancierte und nahm ihn ihr wie selbstverständlich ab und verstaute ihn mittels Magie in seiner Jackentasche. Hermine beobachtete das Geschehen mit glitzern in den Augen und bedankte sich.
Das ungewöhnliche Paar schlenderte still durch das geschäftige Dorf und Severus fluchte ein paar Mal als er einer Gruppe Schüler ausweichen musste. Diese waren jedoch so im Bann des Dorfes gefangen, dass sie weder den schimpfenden Professor noch die Punkte die abgezogen wurden bemerkten. Hermine lachte laut auf und amüsierte sich prächtig. Er sah sie strafend an und verdrehte die Augen.
„Warum habe ich nach jeder Begegnung mit ihren Protegés das dringende Bedürfnis nach einem Whiskey?"
Sie lachte leise über seinen Missmut zeigte auf die vermorschte Fassade des Gasthauses Drei Besen. Severus nickte und folgte Hermine in das Gasthaus. Die Luft war stickig und Severus musste sich einige Sekunden an das schummrige Licht gewöhnen. Er wählte einen etwas abgelegenen Tisch und zog Hermines Stuhl für sie heraus. Diese sah ihn etwas überrascht an, kommentierte sein Tun jedoch nicht.
Severus Herz klopfte auf einmal etwas schneller und die Situation erinnerte ihn eher an ein intimes Treffen als ein zwangloses Betrinken mit einer Kollegin.
Er ließ seine plötzliche Nervosität an seinen Hände aus und versteckte diese unter dem dunklen Holztisch. Sein Mund wurde trocken und er überlegte was er sagen sollte. Hermine schien den plötzlichen Wechsel nicht zu bemerken und ließ ihren Blick durch das belebte Gasthaus schweifen. Auf einmal bemerkte die Professor Trelawney an der Bar sitzen. Es sah ganze so aus als würde sie gerade diverse Hiobsbotschaften prophezeien die sie mit wildem Gefuchtel eindrucksvoll in Szene setzte. Hermine schmunzelte und wollte gerade Severus ihren Fund mitteilen als sie bemerkte wie er sie mit aufgerissenen Augen anstarrte. Sie erschrak beinahe aufgrund der ungewohnten Emotion in seinem Gesicht und Severus erwachte aus seinem Stupor.
„Bitte was?"
Hermine grinste leicht und nickte in Richtung der schrägen Kollegin. Er brauchte ein paar Sekunden bis er diese ausmachte und sein ausdrucksloses Gesicht verzog sich zu einem amüsierten Grinsen.
„Wie viele Tode sie wohl schon vorhergesagt hat."
Severus wollte gerade etwas entgegnen als Madame Rosmerta am Tisch auftauchte.
„Snape? Und Granger? Welch ungewöhnlicher Anblick."
Sie stemmte ihre Hände auf ihre ausladende Hüfte und atmete tief ein. Ihr Dekolletee wölbte sich aufdringlich nach oben und sogar Hermine hatte Probleme nicht schamlos hinzu starren. Severus Augen verengten sich jedoch und ruhten abfällig auf ihrem Gesicht. „Feuerwhiskey. Zweimal." Die Frau schien ein wenig beleidigt und nickte leicht. Hermine sah ihr nach und musste unweigerlich grinsen.
„Ich erinnere mich wie Ron sie immer angeschmachtet hatte."
Severus zog seine Brauen hoch und sagte missbilligend.
„Wohl kaum eine Überraschung, hirnlose Idioten tendieren meist dazu sich auf so banale Attribute zu konzentrieren."
Hermine lachte laut und Severus genoss einmal mehr den Laut den er verursacht hatte.
Rosmerta kam erneut und stellte den Professoren kommentarlos zwei Gläser des feuerroten Getränks auf den Tisch. Hermine bedankte sich und nahm sogleich das Glas in die Hand. Sie prostete Severus zu und trank die dampfende Flüssigkeit in einem Zug leer. Severus war so überrascht, dass ihm untypischerweise die Kinnlade hinunterfiel und er beide Brauen bis fast an den schwarzen schimmernden Haaransatz hochzog. Als sie mit einem lauten Zischen ausatmete und sie ihn mit einem spitzen Blick bedachte, tat er es ihr gleich und kippte sein Getränk ebenfalls hinunter.
Das Geschehen wiederholte sich so lange bis Severus nicht mehr in der Lage war mitzuzählen. Bei jeder anderen Person wäre er längst aufgestanden und hätte der Dummheit ein Ende gesetzt, doch aus irgendeinem Grund war es ihm unmöglich Hermine mit dem letzten Getränk gewinnen zu lassen. Sein Magen flehte ihn bereits an der Selbstzerstörung Einhalt zu gebieten und auch sein Kopf warnte ihn und er sah sich schon mit schrecklichen Kopfschmerzen am nächsten Morgen, doch Hermine schien komplett unbeeindruckt zu sein.
Dachte er, in Wirklichkeit verfluchte sie ihren verdammten Stolz der sie nicht aufhören ließ. Sogar Rosmerta beobachtete das Paar amüsiert mit einer Spur Argwohn aus der Ferne. Sie wusste, dass die zwei Professoren eigentlich noch die Schüler ins Schloß bringen sollten und wunderte sich über deren untypische Gedankenlosigkeit. Sie entschied die Vernunft zu spielen und untersagte den Zweien ein weiteres Getränkt. Severus sah sie dankbar an und bezahlte die Rechnung. Hermine wollte ihm zuvorkommen doch sie hatte keine Chance. Der Alkohol entfaltete seine Wirkung und verlangsamte ihre Sinne.
Auf dem Weg zurück waren Hermine und Severus derart damit beschäftigt, ihre Beeinträchtigung geheimzuhalten, dass sie kein Wort sprachen. Die Schüler bemerkten zum Glück nichts davon und tratschen zufrieden über ihre Einkäufe. Im Schloss angekommen zerstreute sich die Gruppe und die zwei Professoren fanden sich alleine wieder. Die Frische Luft und der Marsch hatten den Großteil des Alkohols vertrieben und Hermine musste sich zumindest nicht mehr konzentrieren nicht umzufallen. Severus sah sie an und hätte am liebsten gelacht, wenn er nicht selbst um nichts besser dran gewesen wäre. Er haderte mit sich selbst und jede Faser seines Körpers flehte ihn an es nicht zu tun aber er konnte nicht anders.
„Nun ich nehme nicht an, dass Sie Interesse an einer Fortsetzung haben, nachdem die Sonne bald untergeht und ihre Bettgehzeit längst überfällig ist." Er bereute seine Worte sofort.
Hermine sah in herausfordernd an. Man konnte beinahe die Überwindung spüren die es sie kostete.
„Wenn das Altersheim auf Sie verzichten kann."
Severus schrie innerlich. Verdammt. Er war so ein Idiot.
