Severus seufzte. Er hätte niemals nach Hogwarts zurückkehren sollen. Er hätte zu Hause bleiben sollen. Die Zukunft nach der er sich sehnte, hatte er nicht verdient. Er hatte Hermine nicht verdient. Vermutlich hatte sie sich in etwas verrannt, wollte Spaß und Abwechslung und hatte dann aus irgendeiner wahnhaften Laune heraus ihn bestimmt. Sie würde das Interesse genauso schnell verlieren, wie es aufgetaucht war. Und Severus würde zurück bleiben, alleine in seinem Schmerz, enttäuscht und mit einem gebrochenem Herzen. Schon wieder.
Er hatte seine Chance auf die Liebe vor vielen Jahrzehnten erfolgreich zerstört, eine zweite würde er nicht dem selben Schicksal ausliefern. Er würde das nicht noch einmal durchstehen. Aber was blieb ihm übrig. Jede versuchte Ignoranz erlosch sobald er sie sah, jeder boshafte Gedanke verschwand wenn er ihre Stimme hörte. Severus wusste, dass er Hermine nicht einfach aus seinem Leben streichen konnte. Sie waren Kollegen und er mochte sie zu sehr, als dass er jetzt einfach einen Rückzug machen konnte. Doch er konnte ihre Position in seinem Leben verändern.
Vielleicht war es seinem verwundeten Herzen genug sie als Freundin zu haben. Vielleicht würde ihm das freundschaftliche Geplänkel reichen und seine Gedanken zum Schweigen zu bringen. Er konnte es zumindest versuchen. Sie würde bald ein anderes Objekt finden welches sie ihre Aufmerksamkeit schenken konnte, und dann wäre Severus wieder alleine- nur ohne zerstörte Hoffnungen. Immerhin konnte man nichts zerstören was es nicht gab. Unruhig fuhr er sich durch seine rabenschwarze Mähne. Er musste es versuchen und das beste hoffen.
Hermine schien die Veränderung in Severus Verhalten sofort zu bemerken. Zu ihrer Enttäuschung entzog er sich ihren Annäherungsversuchen gekonnt und blieb ihr so gut er konnte fern. Sie trafen nicht mehr zufällig Nachts aufeinander und auch sonst war er zwar in seinen Worten kein bisschen sanfter, jedoch merkte sie eine erzwungene Distanz die er scheinbar erschuf. Hermine beobachtete das Geschehen und überlegte ihren nächsten Schritt.
Was als Ablenkung anfing, verschlang ihr Herz und sie fand sich nun in einer äußerst unvorteilhaften Position wieder- sie hatte eindeutig Interesse an den finsteren und sarkastischen Mann. Hermine musste beinahe lachen. Wie zum Teufel war das passiert.
Am Anfang dachte sie, Severus fühle schlichtweg nicht dasselbe wie sie und sie fand sich damit ab. Doch mit der Zeit bemerkte sie die verstohlenen Blicke, die er ihr in scheinbar unbeobachteten Momenten zuwarf, sie hörte die Sehnsucht die sich manchmal in seinen Worten einschlich und sie kam zu der Erkenntnis, dass seine Zuneigung ihrer glich und er aus irgend einem, wahrscheinlich bescheuerten, Grund versuchte, diese zu negieren.
Hermine lächelte leicht. Er dachte zwar, er wäre der klügste Magier der je diese Hallen beschritten hatte, doch er hatte keine Chance gegen sie.
Hermine nahm die Herausforderung an. Verstohlen lugte sie auf die Seite und bedachte dem Mann der ihre Gedanken einnahm mit einem vorsichtigen Blick. Dieser fing ihren Blick und sah sofort stur nach vorne. Hermine schmunzelte, er hatte nicht die geringste Ahnung auf was er sich da eingelassen hatte.
Nicht weit der beiden Professoren saß Marcus Puglesby und stocherte entnervt in seinem Essen. Er ignorierte seine Mitschüler welche links und rechts von ihm laut lachten oder über diverse Nichtigkeiten diskutierten. Er war schon immer anders gewesen. Ruhig und verschlossen. Seine Mitschüler tolerierten ihn doch er machte sich nichts vor, sie fanden ihn merkwürdig. Sie dachten, er passe nicht zu ihnen und sie hatten recht. Er passte nicht hierher. Er wollte nicht hierher. Er war weder fair, noch besaß er viel Geduld und Freundlichkeit war nun wirklich nicht seine Stärke. Und trotzdem saß er hier. Über seinem Kopf thronte der Dachs welcher die Mitglieder seines Hauses überblickte und das gelb auf seiner Krawatte versuchte er so gut er konnte zu ignorieren. Sein Vater war ein Hufflepuff, sein Großvater war einer und so weiter. Seine Brüder und Schwestern waren Hufflepuff. Marcus fiel kein Mitglied seiner Familie ein welches nicht in Hufflepuff war. Sein ganzes Leben lang war er immer an zweiter Stelle. Loyalität, Treue und harte Arbeit. Das waren die wichtigsten Tugenden die seine Jugend bestimmten. Doch egal wie sehr er sich bemühte, die Unruhe in ihm wuchs mit jedem Jahr an. Er wusste früh, dass er nicht den Weg beschreiten würde der ihm vorbestimmt war. Er wollte mehr. Doch als der sprechende Hut mit einem Wort all seine Träume und Hoffnungen zerstörte, war es beschlossen. Er würde nicht sein Vater sein. Er würde sich nicht unterordnen. Gryffendor, Slytherin. Das waren die Häuser die Geschichte schrieben. Niemand interessierte sich für Hufflepuff. Niemand erwartete große Taten oder horrende Leistungen. Doch das würde sich bald ändern.
