Severus war am Ende. Seit wenigen Tagen änderte Hermine ihren Kurs komplett und ging scheinbar in die Offensive über. Und er hatte absolut nichts entgegen zu setzen. Zunächst dachte er, dass die scheinbar ungewollten Berührungen, die Blicke und die Begegnungen allesamt unglückliche Zufälle waren, doch nun war er sich sicher- diese Hexe heckte etwas aus. Wenn er es nicht so genießen würde, würde er sie verfluchen. Stattdessen verfluchte er sich selbst. Warum musste sein Herz immer schneller schlagen wenn sie in der Nähe war, und dann zu allem Überfluss beinahe aussetzen wenn sich ihre Finger flüchtig berührten. Warum musste er sie immer ansehen und hielt ihrem Blick aber dennoch nicht stand. Warum spürte er nachts in seinem Bett oder morgens in der Dusche ihre Lippen auf den seinen. Und warum konnte er absolut nichts dagegen tun. Severus seufzte. Er hoffte inständig seine passive Maske der Ignoranz würde sie zum Aufgeben bewegen, denn sie war kurz davor seine Mauer zu durchbrechen.
Und sie hatte es schließlich geschafft. Severus rauchte vor Wut. Diese verfluchte Hexe. Severus wusste nicht wen er mehr hassen sollte, Minerva, Hermine oder diesen muskulösen Schönling der unverhohlen seine Dummheit aus seinem Mund fließen ließ und auch noch den Nerv besaß Hermine zu umwerben.
Er hätte die Aufsicht einfach ablehnen sollen. Er hätte sich krank melden sollen. Er hätte Minerva zum Teufel schicken sollen! Aber nein er ging mit. Und sie war natürlich ebenfalls dabei. Wie sollte es auch anders sein, anscheinend war ihm einfach keine Ruhe gegönnt. Er mied sie so gut es ging und verzog sich nach einigen erfolgreichen Ausweichmanövern ins Drei Besen. Rosmerta machte einen unangebrachten Scherz und fragte ihn, ob er seinen Feuerwhiskey Marathon fortsetzen wolle, Severus warf ihr einen mürrischen Blick zu und bestellte lediglich ein Butterbier.
Er setzte sich in die hinterste Ecke und hoffte inständig, dass ihn niemand finden würde. Doch nicht einmal eine halbe Stunde später ging die Tür auf und Hermine stand mit mehreren Büchern in ihren Armen da. Sie suchte das Lokal mit ihren Augen ab und Severus senkte den Kopf. Anscheinend bemerkte sie ihn nicht, denn sie ging schnurstracks auf die Bar zu. Und dort saß er. Severus' Nemesis. Groß und schön und dumm.
Er sprach ein paar Worte zu Hermine und zu allem Überfluss lachte sie auch noch, vermutlich nur aus Höflichkeit. Severus streckte seinen Kopf um einen besseren Blick zu erhaschen und starrte das Paar hasserfüllt an. Gefühle der Eifersucht durchzogen ihn und er musste seine ganze Kraft dafür aufwenden nicht sofort aufzustehen und hinzustürzen. Leider konnte er die Worte die sie wechselten nicht verstehen, aber er vermutete, dass sie nicht gerade von Sinnhaftigkeit geprägt waren. Als Hermine ihren Blick ein weiteres mal durch das Lokal warf, versteckte er sich diesmal nicht und machte sich so unauffällig wie er konnte bemerkbar. Sie sah ihn an und wollte gerade auf ihn zu gehen. Severus triumphierte innerlich. Doch auf einmal hielt sie der Oger zurück und sie wechselten wieder ein paar Worte. Severus kochte.
Vor lauter Wut wollte er gerade aufstehen als die zwei zusammen das Lokal verließen. Severus erstarrte in seiner Bewegung. Das konnte nicht ihr ernst sein. Sie tat es nur um ihn zu ärgern, und es funktionierte hervorragend. Er knallte das Geld für sein Butterbier auf den Tisch und rauschte den Beiden nach. Als er auf der Straße stand und Hermines Lockenkopf suchte, fand er sie in der Begleitung von dem Troll. Er trug ihre Bücher. Severus verengte seine Augen und wünschte dem Mann diverse Krankheiten, Schmerzen und Flüche an den Hals. Er verharrte unbemerkt und beobachtete das Paar. Sie unterhielten sich scheinbar wunderbar. Auf einmal sammelten sich ein paar Schüler um Hermine und Severus fiel erleichtert ein, dass sie sich wieder auf den Weg zurück ins Schloss machen mussten. Der Troll sah Hermine mit einem Blick an, der Severus zur Weißglut trieb. So schmachtend und besitzergreifend. Er wusste, dass er sie mit dem selben Blick bedachte- jedoch tat er das nur wenn er sich sicher war, dass keiner hinsah und nicht so unverhohlen in aller Öffentlichkeit. Der Troll verabschiedete sich und Severus stürmte umgehen an Hermines Seite. Diese grinste ihn frech an und wartete scheinbar auf sein Kommentar, welches er nicht lange zurückhalten konnte.
„Ein neues Traumpaar."
„Anscheinend."
„Darf man schon gratulieren?"
„Das wird sich noch weisen."
„Geben Sie ihm Unterricht oder kann er bereits lesen und schreiben?"
„Da er mir versprochen hat zu schreiben, nehme ich es stark an."
Severus schnaubte.
„Ich kann mir keinen unwillkommeneren Brief vorstellen."
„Dann ist es ja ein Glück, dass er an mir interessiert ist und nicht an Ihnen."
„Oder ein Unglück." Murmelte Severus. Leider hörte sie es.
„Wenn Sie wollen, lege ich ein gutes Wort für Sie ein." Sie zwinkerte ihm vergnügt zu und er verengte seine Augen. Gerade als er etwas sagen wollte setzte sich die Gruppe in Bewegung und Hermine ließ ihn stehen. Verdutzt sah er ihr nach. Er hatte mit vielem gerechnet, aber sicherlich nicht mit dem. Auf was hatte er sich da bloß eingelassen.
Marcus befand sich mehrere Meter hinter der Gruppe die sich auf den Rückweg zum Schloss befand. Wie so oft stapfte er alleine durch den erdigen Weg und starrte in seinen Gedanken versunken vor sich hin. Er ging den Nachmittag noch einmal in seinen Gedanken durch. Während seine Mitschüler in den Honigtopf schwirrten und begeistert die Schaufenster mit ihren Gesichtern verschmierten, setzte er sich früh ab und verschwand in einer abgelegenen Seitengasse. Er kramte noch einmal den Zettel den er vor wenigen Tagen erhalten hatte und obwohl er die Zeilen bereits auswendig konnte las er sie sich zur Sicherheit noch einmal durch. Die Uhrzeit und der Ort stimmte. Doch wo war der mysteriöse Absender? Auf einmal hörte er hinter sich ein Räuspern und er wandte sich erschrocken um. Der ältere Mann kicherte heiser und entschuldigte sich bei ihm.
„Ich wusste du würdest kommen."
„Was wollen Sie von mir?"
„Die Frage ist, was willst du?"
„Wer sind Sie?"
„Sagen wir es so, ich bin der jenige der dir helfen kann."
„Helfen? Wobei?"
„Deinen tiefsten Wunsch wahr zu machen."
Marcus starrte den Mann an und hörte in der Nähe ein paar Stimmen die sich lautstark über die Preise von Zonkos beschwerten. Er drehte sich nach den Stimmen um und sah eine kleine Gruppe Ravenclaws vorbeiziehen. Als er sich wieder dem geheimnisvollen Mann widmen wollte, war dieser verschwunden. In der Backsteinwand war ein kleiner Zettel eingeklemmt. Marcus war sich sicher, dass dieser zuvor noch nicht da war und nahm ihn vorsichtig in seine Hand. Er warf noch einmal einen Blick über seine Schulter und als er sichergestellt hatte, dass er wirklich alleine war öffnete der den Zettel.
„Warte auf weitere Anweisungen."
Während er den Schülern nach trottete, spielte er mit einer Hand mit dem zerknüllten Stück Papier. Er versuchte sich einen Reim aus dem Ganzen zu machen aber es gelang ihm nicht. Lediglich sein Instinkt warnte ihn, er konnte die Gefahr fühlen. Doch gleichzeitig war er von seiner Neugierde so gepackt, dass er es nicht über sich brachte den Zettel einfach so weg zu werfen. Woher kannte ihn der Fremde? Und auf was für Anweisungen sollte er warten?
