Irgendetwas kitzelte seine Nase. Severus erwachte und blinzelte langsam mit den Augen. Er wollte sich bewegen doch er konnte nicht, etwas drückte ihn aufs Bett. Er konnte sich nicht aufsetzen. Langsam öffnete er die Augen und sah ein Gewirr aus haselnussbraunen Locken vor sich. Er atmete tief ein und erkannte den Duft sofort. Sein Herz schlug auf einmal schneller als ihm die Bilder von der vergangenen Nacht in den Kopf schossen.
Vor ihm oder besser gesagt auf ihm lag Hermine, die regelmäßig ein und ausatmete. Anscheinend war sie noch nicht erwacht und Severus hielt den Atem an. Vorsichtig bewegte er seinen freien Arm und strich sich langsam ihre Mähne aus seinem Gesicht. Dem Gefühl nach zu urteilen waren sie beide nackt. Sein Verstand raste. Wie sollte er weiter vorgehen, was waren die gewöhnlichen Phrasen, was bedeutete ihr die Nacht? Fragen über Fragen schossen ihn durch den Kopf.
Er bezweifelte, dass er nach dieser Nacht je wieder zum Normalzustand zurückgehen konnte. Zu viel war passiert, zu viel hatte er gefühlt. Severus wusste, sein Herz, sein Körper und seine Seele waren nun ihres. Natürlich würde er das niemals laut aussprechen und allein schon der Gedanke widerte ihn beinahe an. Wenn es für sie nur ein einmaliges Erlebnis war, eine Neugier die sie trieb und nun befriedigt war? Würde er ihre Zurückweisung verkraften können? Konnte er ihr weiter gegenüber treten? Und was sollte er ihr sagen? Severus atmete tief ein und Hermine bewegte sich auf einmal. Er hielt den Atem erneut gespannt an und sein Herzschlag verdoppelte sich. Sie seufzte leise und presste sich noch näher an Severus.
Er atmete aus und genoss den Moment. Wie ein Schwamm sog er das Gefühl ihres Körpers an seinen auf und versuchte sich den Augenblick gut einzuprägen. Das Glück was er empfand durchfuhr ihn und er hätte damit in diesem Moment ohne Probleme eine Heerschar an Patroni erschaffen können. Auf einmal regte sich Hermine wieder und sie rieb sich ihre Augen. Severus starrte hinunter und wartete gespannt.
Sie hob ihren Kopf und blickte verschlafen nach oben. Sein Herz blieb stehen. Er war sich sicher niemals in seinem Leben etwas liebenswerteres gesehen zu haben. Hermine grinste leicht und legte ihren Kopf wieder an seine Brust. Sie murmelte „Guten Morgen." und sah ihn zufrieden an. Severus zog einen Mundwinkel leicht nach oben und sah sie stumm an. Er traute seiner Stimme nicht und wagte es nicht etwas zu sagen. Womöglich würde er die Stimmung nur zerstören. Sie wandte ihren Blick ab und malte gedankenabwesend mit ihrer Hand unbekannte Figuren auf seiner nackten Brust. Severus beobachtete sie und fühlte die Gänsehaut die sich bei jeder ihrer Berührungen leicht ausbreitete. Er wagte sich nicht zu bewegen und blieb passiv liegen. Der Augenblick erschien ihm wie ein Sonnenuntergang, man wollte nicht, dass er endete jedoch machte ihn jede fortschreitende Sekunde noch schöner. Auf einmal erstarrte ihre Berührung und Hermine setzte sich auf. Mit dem Rücken zu ihm schaute sie nach vorne und atmete tief ein und aus. Severus konnte nicht anders und ließ seinen Blick von ihrem Nacken zu ihren Schulterblättern, entlang der Wirbelsäule und bis nach unten zu ihrem Steißbein gleiten. Er erinnerte sich an das Gefühl der weichen warmen Haut unter seinen Händen und sein Hals verengte sich vor Sehnsucht. Gerade als er seine Hand hob um nach ihr und dem ersehnten Gefühl zu greifen, stand sie auf und zog sich an. Severus Atem stockte und er schluckte.
Warum wollte sie weg, warum blieb sie nicht bei ihm, warum sagte sie nichts. Seine Gedanken überschlugen sich und ließen ihn komplett ratlos zurück. Seine Erfahrung mit solchen Situationen war mehr als begrenzt und seine Unsicherheit ließ nicht zu, dass er etwas anderes tat als ihr beim Ankleiden zuzusehen. Zugegeben, es gab schlimmeres als verstohlen einer wunderschönen Frau beim Anziehen zu zu schauen doch Severus hatte so eine Ahnung, dass er etwas sagen sollte. Aber was? Schließlich setzte er sich auf und setzte an etwas zu sagen als sie ihn unterbrach.
„Ist schon in Ordnung, bis später beim Essen!" Selbst wenn sie versuchte ihre Stimmte so neutral wie möglich zu halten, konnte man ohne Probleme den Schmerz und die Enttäuschung heraushören und es brach ihm das Herz. Bevor er etwas entgegnen konnte verschwand sie durch die Tür und hinterließ eine drückende Stille und Kälte. Severus schlug mit der Faust gegen den Kopfteil des Bettes. Er war ein Idiot. So ein unfassbarer Idiot. Warum brachte er nicht sein verdammtes Maul auf, einmal wo es wirklich darauf ankam, dass er etwas, irgendetwas sagte, blieb er stumm. Er ließ sich fluchend rücklings in sein Bett fallen und auf einmal verursachte der verbleibende Duft nach Vanille und Hermine ein schmerzhaftes Gefühl in seinem Magen. Er konnte nur hoffen, dass er noch einmal Möglichkeit hätte all das zu sagen was er wollte und was sie unbedingt hören musste.
