Die nächsten Tage waren eine einzige Qual für Severus. Es lag eine erdrückende Stimmung in der Luft und egal wann und wo er Hermine mit der Sache konfrontieren wollte, sie fand immer einen Weg ihm zu entkommen. Mit jedem Tag wuchs Severus Frustration und er spürte wie sich die Situation allmählich festzufahren drohte. Das Schlamassel fand schließlich seinen Höhepunkt als er eines Abends Hermine aus der Ferne mit dem fremden jungen Mann, dem Oger, erspähte. Er war viel zu weit entfernt um lauschen zu können, doch er erkannte die Situation sofort. Der Oger wollte sie. Severus ballte seine Fäuste. Er wusste, dass er selbst Schuld war, aber das Wissen bannte nicht die Wut die in seinem Bauch hochstieg.

Christopher Ferrington war ein gutaussehender und angesehener Mann. Seine offene Art und sein seichter Humor machte ihn bei jedermann beliebt und er konnte sich damit rühmen, schnell und einfach neue Freunde zu machen. Jeder mochte ihn, jeder außer Severus. Severus hasste ihn. Wenn Severus so überlegte, so stellte er fest, dass er ihn tatsächlich von allen Menschen und Kreaturen die er kannte am meisten verabscheute. Er hasste sein symmetrisches Gesicht, er hasste seine weißen geraden Zähne, er hasste sein dichtes, leicht welliges Haar, er hasste sein tiefes brummiges Lachen, er hasste seine breiten Schultern und seine Brust die er immer herauspresste sobald er in weiblicher Gesellschaft war, er hasste seine flachen Sprüche und seine blauen Augen, er hasste seine dichten Wimpern und seinen markanten Kiefer.

Aber was er am meisten hasste, war die Tatsache, dass dieser grober Idiot scheinbar absolut keine Probleme oder Scheu hatte mit Hermine zu sprechen und ihr den Hof zu machen. Er stellte sein Werben großmütig zur Schau und Severus verspürte die Übelkeit in sich hochsteigen. Er könnte ihn umbringen. Er könnte ihn verschwinden lassen. Niemand würde ihn verdächtigen, er würde keine Spuren hinterlassen. Severus stocherte in seinem Abendessen und ignorierte den leeren Platz neben ihm. Er war vielleicht nicht unbedingt reich an Erfahrung was das Daten betraf, doch er konnte eins und eins zusammenzählen. Vor wenigen Tagen hatte er die zwei zusammen gesehen, heute fehlte sie beim Abendessen obwohl sie laut Minerva wohl auf war. Ergo waren sie zusammen essen.

Severus warf die Gabel frustriert auf seinen Teller und erntete damit neugierige Blicke von seinen Kollegen. Er ignorierte diese und startete nach draußen. Er brauchte frische Luft. Severus stapfte durch die kalte Abendluft und malte sich sämtliche Szenarien aus die sein Herz malträtierten. Schließlich bemerkte er, dass sein schneller Schritt ihn geradewegs nach Hogsmead führten. Nach einem abgehetzten Fußmarsch stand er vor dem Dorf und atmete tief ein und aus.

Als sich sein Herzschlag beruhigte, bemerkte er die Kälte die durch seine unpassend leichten Roben in seinen Körper kroch. Mit einem Schlag seines Zauberstabes legte sich ein wärmender Film über seine Silhouette und er genoss das Gefühl. Er überlegte kurz ob er wieder umkehren sollte, er mahnte sich und erinnerte sich selbst daran, wie erbärmlich sein Verhalten war. Doch seine Neugier gewann die Überhand und er seine Beine trugen ihn schließlich in sein Verderben.

Aus dem abgelegenen Cafe strömte schummriges Licht und die Dekoration war so aufdringlich romantisch, dass Severus schlecht wurde. Von außen konnte er bereits das Paar sehen und sein Herz blieb auf einmal stehen. Während der Oger wild gestikulierend eine mit Sicherheit schrecklich langweilige Geschichte erzählte, starrte Hermine auf ihre Tasse und nickte hie und da. Sie sah umwerfend aus und Severus wünschte sich, er konnte an seiner Stelle ihr gegenüber sitzen. Nur würde er sie nicht langweilen. Er würde sie ein bisschen nerven, sie würden ein wenig streiten und schließlich würde eine Diskussion entbrennen. Er seufzte und ließ entmutigt seine Schultern hängen. Er konnte unmöglich in das Cafe gehen. Sie würde ihm das nie vergessen lassen. Er wäre das Gespött des Dorfes. Gerade als Severus resignierend umdrehen wollte, sah er wie der Oger ihre Hand ergriff und er erstarrte. Er spürte ein Monster in sich erwachen. Sollen sie doch über ihn lachen, sollen sie über ihn reden, er würde eher sterben als zuzulassen, dass seine Hermine von diesem schmierigen Troll berührt wird.

Hinter dem schnaufenden Professor schlich sich eine dunkel gekleidete Gestalt vorbei. Unerkannt verschwand sie hinter einer Hausmauer, murmelte ein paar Worte und drängte sich in eine Tür welche sich vor sie auftat.

Der Raum war leer und die Luft war stickig. Mit einem Schlag seines Zauberstabes erhellten sich einige Kerzen und tauchten den Raum in ein dumpfes Licht. Die Wände waren mit Symbolen beschmiert die an den mächtigen und bösartigen Zauberer erinnerten. Marcus sah sich um und spürte eine Welle der Erregung in seinem Körper. Dieses Verbotene übte eine ganz eigene Faszination aus die ihres gleichen suchte. Er konnte nicht anders. Er war ihr erlegen.

Als er in seiner Kindheit seine Eltern nach dem dunklen Zauberer fragte, wurde er ermahnt diesen Namen nie wieder zu erwähnen. Damit war das Thema abgehakt. In der Schule war der Name ebenfalls verboten. Niemand sprach über ihn und unter den Hufflepuffs war es sinnlos ein Gespräch über ihn zu beginnen. Es war als würde das Totschweigen eine Art ungeschriebenes Gesetz sein welches jeder befolgte. Es mag manche geben, denen das Anlass genug wäre die Sache zu vergessen, doch dieses Schweigen schürte die Neugier in Marcus nur noch mehr.

Er wollte mehr wissen, er musste mehr wissen. Wie hatte er es überhaupt geschafft so mächtig zu werden. Denn obwohl sein Name nicht genannt werden durfte, so kannte ihn jeder. Selbst er, der seine Herrschaft als ahnungsloses Kind miterlebt hatte. Er hörte so viele Geschichten und Gerüchte. Selbst wenn nur ein Bruchteil davon ansatzweise wahr waren, so war er den mächtigste Magier von dem er je gehört hatte.

Er wartete geduldig. Bald würden sie kommen und ihn hoffentlich einweihen. Er hatte lange überlegt doch schließlich konnte er nicht anders, er musste es wissen. Er würde nicht als niemand sterben, er würde dafür sorgen, dass sein Name niemals vergessen wird. Und wenn er dafür gefürchtet werden musste, sollte ihm das recht sein.