Severus hatte einige Örtlichkeiten im Kopf als er den Abend plante, doch keine schien ihm gut genug zu sein. Er wollte ihr etwas besonderes bieten und nicht einfach ein überteuertes Abendessen in einem uninteressanten Restaurant. Ein Spaziergang durch Hogsmead brachte ihn schließlich auf die Idee. Er kannte außer Hermine niemanden der sich darüber freuen würde und so hoffte er mit der Originalität seiner Idee den Kampf um ihre Gunst gewinnen zu können. Sie hielten ein Hermine harkte sich bei ihm unter. Er atmete tief ein und aus und schließlich spürte er das bekannte Ziehen an seinem Bauchnabel.
Das Paar bahnte sich ihren Weg durch Londons Straßen, Severus achtete darauf nicht all zu nah an ihr Ziel zu apperieren. Schließlich sollte es eine Überraschung sein und ihr es wäre für ihren Verstand ein leichtes eins und eins zusammen zu zählen. Als sie um die Ecke bogen und das rote Gebäude zu sehen war, fing Hermine an zu strahlen. Severus Wangen glühten vor Stolz und er klopfte sich mental auf die Schulter. Mitten in St Pancras, an einer lärmenden Straße, stand das eindrucksvolle Gebäude mit dem gesammelten Wissen des gesamten vereinigten Königreiches.
Die national Bibliothek. Severus hatte befürchtet, sie würde seine Idee als abgedroschen abtun, doch scheinbar war das Gegenteil der Fall. Sie beschleunigte ihren Schritt und er musste sie kurz vor dem Haupteingang bremsen. Sie sah ihn fragend an und er schüttelte seinen Kopf.
„Das ist der Eingang für Muggel."
Hermine starrte ihn mit offenem Mund an. Noch nie war sie in der magischen Abteilung der national Bibliothek, sie hatte es zwar immer schon vor gehabt, doch war der Eintritt für Muggel gesperrt, somit konnte sie nicht mit ihren Eltern hingehen. Ron und Harry konnte sie ebenfalls niemals dazu bewegen und da sie diesen Zauber nicht alleine sehen wollte, wartete sie auf ihre Gelegenheit. Ihr Herz schlug schneller bei dem Gedanken, dass sie diesen einmaligen Moment fortan mit Severus teilen konnte.
Severus führte sie zu einem versteckten Seiteneingang und als er sich vergewissert hatte, dass sie unbeobachtet waren, berührte er einige ausgewählte Steine. Sofort erschien eine verzierte Tür. Hermine zog ihre Stirn leicht in Falten. Diese banale Tür war dem was dahinter lag eindeutig nicht gerecht. Severus sah ihren enttäuschten Blick und musste schmunzeln. Er wusste der Blick würde sich in wenigen Sekunden ändern und er konnte es kaum erwarten.
Das Innere lag im starken Kontrast zum banalen Äußeren. Der Boden des Empfangs war mit einem strahlenden weißen Marmor geschmückt und die Wände waren gesäumt mit Potraits berühmter verstorbener Schriftsteller und Poeten.
Hermine bestaunte die Pracht und ließ sich von Severus weiter hinein führen. Sie betraten eine Halle die von einem Labyrinth aus meterhohen Bücherregalen durchzogen wurde. Die Decke der Halle war ähnlich wie die große Halle in Hogwarts verzaubert, und zeigte den bedeckten Himmel über London. In der Mitte der Halle waren mehrere alte massive Holztische mit Stühlen angeordnet. Alles in allem erinnerte sie an die Bibliothek in Hogwarts, nur war sie wesentlich größer und beeindruckender. Severus steuerte auf das hintere Eck der Halle zu und Hermine sah auch bald warum.
Der hinterste Tisch war gedeckt und es standen mehrere Kerzen die dem Arrangement eine romantische Note verliehen. Auf einmal blieb Hermine stehen und Severus zielstrebiger Marsch wurde abrupt gestoppt. Sie stemmte ihre Hände in ihre Hüfte und legte ihren Kopf schief. Ihr Blick hatte etwas anschuldigendes und sie schüttelte langsam ihren Kopf. Severus zog seine Brauen hoch und wartete auf ihre Erklärung.
„London, Bibliothek, Kerzen- Severus Snape.. du steckst voller Überraschungen."
Severus sah sie belustigt an und erwiderte „Was, hast du gedacht ich habe nicht mehr zu bieten als dein Oger?" Hermine lachte auf und Severus Brust schwoll bei dem Geräusch stolz an.
Der Abend verlief ganz nach seiner Zufriedenheit. Der Tisch war dank eines Zaubers von der restlichen Welt abgeschottet und sie konnten sich ungestört unterhalten. Woher das Essen kam, welches auf ihren Tellern auftauchte, konnte Hermine zwar nicht herausfinden, jedoch kümmerte sie sich auch nicht wirklich darum. Sie genoss den zwanglosen Snape, der nicht seine Umgebung mit Adleraugen beobachtete, als ob jede Sekunde ein Todesser aus einer finsteren Ecke herausspringen würde. Sie konnte ohne schlechtes Gewissen zugeben, dass er eine weit aus bessere Gesellschaft war als Christopher und sogar Ron. Ron. Hermine musste unweigerlich seufzen als sie an ihren rothaarigen Ex Freund dachte.
Dieser wurde von Severus nur beiläufig angesprochen. Sie konnte aus seiner Frage seine Neugierde heraushören doch sie beschloss den Abend nicht mit dem tragischen Scheitern ihrer letzten Beziehung zu vergiften. Sie wich der Frage geschickt aus und lenkte seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes. Er schien ihr Unwohlsein zu bemerken und schluckte den Köder ohne Umschweife. Er hoffte dennoch, dass sie ihm irgendwann ihre Vergangenheit anvertrauen würde. Immerhin kannte sie die seine.
So wie die meisten Zauberer. Um seinen Namen von der Schuld seiner Vergangenheit rein zu waschen, musste Harry Severus wahre Loyalität aufdecken. Anfangs hasste Severus ihn dafür, doch mit der Zeit konnte er den Sinn dahinter sehen und akzeptierte sein Schicksal. Er befand, dass die Menschen ohne hin über ihn reden würden, egal was er tat oder was sie über ihn wussten. Und irgendwann kam er Zeitpunkt als es niemanden mehr sonderlich interessierte. Severus würde es nie zugeben, doch es war beinahe eine Erleichterung als sein Geheimnis der Welt offenbart wurde. Es hatte zu folge, dass er selbst mit der Geschichte abschließen und die ganze Sache hinter sich lassen konnte. Zwar änderte das nichts an seinem einsiedlerartigen Lebensstil doch immerhin war es ein Fortschritt.
Doch bevor er weiter seine Gefühle in Hermine investieren konnte, musste er wissen ob ihr Herz noch an jemand anderes hing. Er dachte natürlich nicht an den Oger sondern an den Weasley. Er wusste, dass die beiden nach dem Krieg zusammen gekommen waren und, dass diese Beziehung scheinbar nun beendet war, doch das war auch schon alles. Und er brannte darauf mehr zu erfahren.
Schließlich räusperte er sich und bereitete sich vor das unangenehme Thema anzusprechen. Hermine sah ihn gespannt an und er merkte auf einmal wie sein Herzschlag sich verdoppelt hatte.
„Ich weiß dein Interesse an dem Thema ist mehr als beschränkt, dennoch sehe ich mich angesichts dieser Lage-" Severus machte eine ausladende Handbewegung zwischen sich und Hermine."- gezwungen diese Frage zu stellen." er machte eine dramatische Pause und sammelte seinen Mut zusammen. „Zwischen dir und Weasley, besteht da noch.. ist das.. gibt es da noch etwas was ich wissen sollte?" Er hielt den Atem an und schaute sie mit seinen dunklen Augen durchdingend an. Er bemerkte sofort das Zucken welches sie durchzog als er den Namen nannte. In dieser Sekunde schickte er ein Stoßgebet an alle Götter die er kannte.
