Drei Tage vergingen. Drei Tage ohne ein Lebenszeichen von Hermine. Severus wurde mit jeder Stunde mürrischer. Er war sich seines Verlustes bereits sicher. Die vergangenen Wochen mit Hermine kamen ihn wie eine einzige große Lüge vor. Als wäre er nur der Lückenbüßer, als wäre er es nicht Wert, dass sie bei ihm blieb. Severus schmorte jeden Abend mit einer Flasche Whiskey in seinen Quartieren. Er versuchte ihr Gesicht zu verdrängen, ihre Augen zu vergessen, doch er konnte es nicht. Diese Erinnerungen haben sich in sein Hirn gebrannt. Niemals würde er diese vergessen. Severus hatte genug Erfahrung mit solchen Dingen, dass er wusste, er würde bis zu seinem letzten Atemzug Hermines Gesicht vor sich sehen. Aber was half es. Sie hatte sich anscheinend entschieden. Für Weasley und gegen ihn. Egal was er tat, egal wie sehr er sich bemühte, am Ende war er immer der Verlierer. Severus schnaubte. Er hätte es wissen müssen. Eigentlich war es seine eigene Schuld. Er hätte es einfach wissen müssen. Seine Gedanken wurden durch ein leises Klopfen durchbrochen.

Severus ließ vor Schreck beinahe sein Glas fallen und sah auf die Türe. Er stand langsam auf und bereitete sich mental auf das vor, was womöglich auf der anderen Seite auf ihn warten würde.

Hermine wartete ungeduldig vor Severus Quartieren. Nervös stieg sie von einem Bein auf das andere. Sie hoffte ihre Abwesenheit hatte nicht all zu viel Schaden angerichtet, doch gleichzeitig wusste sie- sie war absolut notwendig und unumgänglich. Sie konnte sich nicht ewig vor dem Gespräch drücken und gerade jetzt mit einem neuen Mann in ihrem Leben, gab es keinen Weg drum herum.

Die Tür ging auf und Severus starrte Hermine mit einem erschreckend ausdruckslosen Gesichtsausdruck an. Als ob es die vergangenen Wochen nie gegeben hatte. Als ob die Berührungen, die Witze, die Blicke niemals passiert waren, starrte er sie an wie eine Fremde. Hermine schluckte.

„Kann ich herein kommen?" Ihre Unsicherheit war in jedem ihrer Worte hörbar, doch Severus verwundetes Herz war zu erstarrt um darauf zu reagieren.

„Warum."

Die Kälte in seiner Stimme verursachte eine unangenehme Gänsehaut auf ihrem Rücken.

„Ich würde sehr gerne mit dir Reden, Severus."

„Dann sprich."

Hermine seufzte. Sie wusste, es hatte keinen Sinn mit ihm zu diskutieren. Severus war in seinem Trotz und Schmerz gefangen, selbst wenn er wollte, würde es sein Stolz nicht zulassen klein bei zu geben.

„Nun gut, also ich habe die letzten Tage damit verbracht wieder Kontakt mit Harry, Ginny und auch Ron herzustellen-" „Faszinierend." „-und vor allem denke ich, dass ich Ron nun ein für alle mal klar gemacht habe, dass er und ich niemals passieren wird. Niemals. Ich hatte das Gespräch schon viel zu lange vor mich her geschoben."

Severus zog seine Brauen hoch. Er musste zugeben, dass er das nicht erwartet hatte. Auf einmal war da ein sanfter Schimmer Hoffnung in seiner Finsternis. Ein kleiner Silberstreif am Horizont der ihn hoffen ließ was er längst begraben hatte.

„Und da das jetzt geklärt ist, würde ich gerne mit dir besprechen wie es jetzt weitergeht. Mit uns." Hermine schloss ihre Rede ab und starrte Severus gespannt an. Dieser war perplex. In wenigen Minuten hatte sie es wieder einmal geschafft, all seine Pläne, seine Gedanken und seine Vorstellungen auf den Kopf zu stellen.

„Möchtest du herein kommen?" Er machte einen Schritt zur Seite und hoffte sie würde der Einladung folgen. Alles in allem erinnerte Hermine diese Geste an ihre erste gemeinsame Nacht. Ähnlich wie damals lag eine Spur Unsicherheit und Nervosität aber auch Vorfreude in der Luft.

Hermine nickte leicht und ging in die Wärme. Kurz überlegte sie, ob sie Severus das ganze Gespräch mitteilen sollte, doch es schien er nicht der richtige Zeitpunkt zu sein. Ron hatte sie gefragt, ob es jemand anderen in ihrem Herzen gebe. Hermine wollte voller Inbrunst mit Ja antworten, doch sie wusste, ihr Freund war gerade nicht in einem Gemütszustand um so einen Schlag zu verkraften. Im Prinzip war es auch nicht von Bedeutung wann ihre Freunde von Severus und ihr erfuhren. Herr Gott sie wusste ja selbst nicht einmal wo sie standen. Aber immerhin hatte sie dafür gesorgt, dass sie eine richtige Chance hatten. Wenn er das wollte. Sie konnte nur hoffen, dass er sie wieder in sein Herz lassen würde.

„Also?" Severus sah sie mit hochgezogenen Brauen an. Er trug seine gewohnte Maske der Gleichgültigkeit und saß mit überschlagenen Beinen in seinem Sessel. Innerlich brodelte er. Es war eine Mischung zwischen Nervosität, Angst, Wut und Hoffnung die seinen Körper durchzogen und er war einmal mehr für seine scheinbar übermenschliche Selbstbeherrschung dankbar.

Hermine saß ihm gegenüber und hatte sichtbar mehr Probleme ihre Gefühle zu bändigen. Ihre Nervosität strahlte geradezu nach außen und ihr wippender Fuß unterstrich die Unruhe zusätzlich. Schließlich atmete sie tief ein und ihr zitterndes Bein erstarrte.

„Wie gesagt, da mit Ron alles geklär-"

„Und wie ist das geklärt?" Unterbrach er sie hart. Er konnte nicht mehr auf Vermutungen bauen, er musste es wissen.

Hermine wich seinem stechenden Blick aus und Severus Misstrauen wuchs in ihm.

„Ich habe ihm unmissverständlich klar gemacht, dass er mein Freund ist und nicht mehr. Niemals mehr."

Severus nickte langsam. Er wusste nicht was er hören wollte doch irgendetwas sagte ihm, dass sie etwas verheimlichte. Doch was war es? Und die viel wichtigere Frage, war das wichtig?

„Also?" Nun war Hermine an der Reihe ihn fragend anzuschauen und auf einmal wurde Severus schrecklich nervös. Was sollte er ihr sagen. Er wusste was er empfand, aber er war sich nicht sicher ob er seine Gefühle der letzten Woche vergessen konnte. Er wusste nicht ob er je der Mann sein konnte, der eine funktionierende Beziehung führte. Und all diese Fragen machten ihn Unsicher. Ein Gefühl welches er hasste. Schließlich bemerkte er, dass die Stille schon zu lange vorherrschte und beschloss seine Zweifel zu äußern.

„Ich bin nicht sicher."

Sobald er Hermine ansah, bereute er seine Wortwahl sofort. Er spürte diese Niedergeschlagenheit die er immer fühlte sobald es Hermine schlecht ging und er wusste, ihre Schicksale waren unwiderruflich mit einander verknüpft. Egal was er tat, egal ob er es versauen würde oder ob sein Herz erneut brechen würde – sie war der einzige Mensch der es brechen durfte. Sie war der einzige Mensch der es Wert war es zu versuchen.

„Aber ich würde es gerne versuchen." Er hoffte inständig sie würde zwischen den Zeilen lesen und seine Hingabe aus seinen knappen Worten hören. Ihr Strahlen war Antwort genug. Auf einmal sprang sie auf und bevor er reagieren konnte warf sie sich auf ihn. Er ächzte übertrieben und schmunzelte als sie ihm einen leichten Schlag auf die Brust gab. Als sie ihr Gesicht in seinen Nacken vergrub, reagierte sein Körper auf den Kontakt und er spürte wie seine Arme sich um ihre zierliche Form schlangen. Als sich ihre Hände auf Wanderschaft begaben reagierte auch ein anderer Körperteil von ihm und er seufzte genüsslich. Ihre Abwesenheit steckte noch immer in seinen Knochen und er schämte sich beinahe über sein Verlangen nach Hermine. Schließlich ließ ihn ein vorsichtiger Kuss all seine Sorgen vergessen und er gab sich ganz und gar dem vermissten Gefühl hin. Sein Körper schaltete auf Autopilot und er war froh seine Gedanken zumindest für den Abend zum Schweigen gebracht haben.