Das wütende Kratzen Severus' Feder hallte von den kühlen Steinmauern wieder. Sein Gesicht war nur wenige Zentimeter von dem Pergament entfernt dessen Inhalt er gerade mit beißend roter Farbe zerriss. Vermutlich hat der arme Verfasser Severus Hass nicht verdient. Vermutlich hatte er damit gar nichts zu tun. Vermutlich war seine Arbeit wesentlich besser als die Worte die er dafür bekam. Doch in diesem Moment wollte Severus nichts davon wissen. Er war wütend. Er wusste nicht genau warum. Aber er brauchte ein Ventil dafür, und da er Hermine an der Tafel zurück gelassen hat, er keine Schüler vor sich hatte oder sonst wen den er ankeifen konnte, musste nun das Pergament daran glauben. Mit einem lauten Klack verabschiedete sich Severus Schreibfeder. Entnervt knallte er sie in die Ecke und murmelte einen unverständlichen Fluch in dessen Richtung. Gerade als er eine neue Feder holen wollte bemerkte er, dass er nicht alleine war. In respektablem Abstand stand Hermine und beobachtete ihn amüsiert. Sofort verengten sich seine Augen und er wollte ihr etwas hässliches an den Kopf werfen. Doch als er sie so ansah fielen ihm keine Beleidigungen ein, beziehungsweise es fielen ihm keine ein die er nicht sofort bereuen würde.
Also verwarf er den Gedanken wieder und schnaufte in ihre Richtung. Als er ihr verhaltenes Lachen hörte musste er beinahe auch grinsen. Es war lächerlich, dessen war er sich bewusst. Sie hatte ihn nicht angegriffen. Er fühlte sich keinem einzigen Slytherin verpflichtet. Er hatte in seiner Jugend weder da noch dort Freunde. Es behandelte ihn keiner nett. Woher sollte also jetzt diese neu gefundene Loyalität kommen? Er konnte es sich selbst nicht erklären. Auch wenn er das nie zugeben würde, alles was Hermine von sich gab hatte ein unheimliches Gewicht für ihn. Ihre Meinung bedeutete ihm alles. Und der Gedanke sie könnte etwas schlechtes von ihm denken, machte ihn fertig. Es war ihm durchaus bewusst, dass sie ein äußerst ungewöhnliches Paar waren. Er hatte immerhin einen Spiegel zu Hause und er erinnerte sich an sein Geburtsdatum. In seinen Augen hatte er sie nicht verdient. Nicht einmal ansatzweise. Doch nur weil er und alle anderen das wusste, hieß das nicht dass sie das wissen musste. Zumindest noch nicht. Scheinbar war sie der Meinung, dass er ihr ebenbürtig und ihrer Zeit und Gefühle wert ist. Und wenn es nach Severus ging, konnte das durchaus immer so bleiben.
Als ob die gemeinsamen Treffen mit Weasley und Potter nicht genug an seinem Selbstbewusstsein nagten, so vermag jedes ihrer Kommentare seine Welt zum Einsturz zu bringen. Innerlich seufzte er. Er war erbärmlich. Wie ein Schulmädchen. Als er leicht zu sich selbst den Kopf schüttelte, spürte er zwei zierliche Arme die sich um ihn schlangen. Unweigerlich schloss er seine Augen und lehnte sich gegen die Berührung. Lange hatte er anscheinend nicht durchgehalten.
„Noch wütend?"
„Vielleicht."
Auf einmal spürte er einen leichten Kuss an seinem Hals und sofort breitete sich Gänsehaut auf seinen Armen aus.
„Jetzt?"
„Ein wenig."
Noch ein Kuss, diesmal fester.
„Und jetzt?"
„Mhhh."
Severus ergab sich. Er hatte keine Chance.
