Brüder! Wir können stolz auf uns sein."
Ein lautes Aye raunte durch die Runde. Und wurde von dem Klirren der aneinander gestoßenen Gläser gefolgt. Gierig wurde getrunken obwohl man den allgemeinen Gemütszustand nicht als nüchtern bezeichnen konnte. Marcus nippte leicht und musste sofort das grausame Kratzen in seinem Hals unterdrücken. Angewidert stellte er sein Glas wieder hin und befand, dass er auch ohne den Fusel zur Gruppe gehören konnte.
Während der verhüllte Mann vorne seine wütende Rede hielt und dabei ein wenig lallte, ließ er seinen Blick durch den Raum schweifen. Früher saß er in der hintersten Ecke, noch nicht zugehörig und alleine. Nun saß er inmitten des Erbes. Er hatte sich bewiesen. Er war dabei. Seine rechte Handfläche brannte trotz Heilzauber noch immer und er wagte sie nicht zu bewegen. Vorsichtig drehte er seine Hand auf den Handrücken und murmelte ein paar lateinische Phrasen. Plus etiam in morte. Sofort stöhnte er auf. Die Schmerzen durchzogen seinen gesamten Arm und erfassten ihn mit einer Wucht, dass ihm der Atem fehlte. In wütendem rot zeigte sich in seiner Handfläche ein schemenhafter Totenkopf sowie, kaum zu erkennen, eine Schlange die sich langsam um ihn schlang. Jede Bewegung des Tieres brannte wie Feuer auf der Haut. Sofort schüttelte er die Hand und das Zeichen verschwand. Es gab kaum etwas auf das er stolzer war. Jeder der hier saß trug dasselbe Mal an der Hand. Jeder der hier saß, verspürte damals den selben Schmerz.
„...Severus Snape."
Sofort schnellte sein Kopf in die Höhe und er schenkte dem Redner wieder seine ganze Aufmerksamkeit.
Ein zustimmendes Raunen ging durch die Runde.
„Er ist gefährlich für uns. Er hat den Lord, seine Brüder und uns verraten! Dieser Verrat kann nicht toleriert werden! Wenn wir Erfolg haben wollen, muss er sterben. Das sind wir jedem Einzelnen Bruder und jeder Schwester schuldig."
Wieder hallte ein Aye durch den stickigen Raum. Ein Paar verhüllte Gestalten standen sogar auf und klopften mit ihren Fäusten auf den Tisch. Marcus Herz klopfte. Er war in Hogwarts. Er war derjenige der Zugang zu ihm hatte. Sie würden ihm diese Aufgabe geben. Und dann, wenn er es tat, war er unsterblich. Niemand würde jemals den Zauberer vergessen, der den Verräter Severus Snape umgebracht hatte. Sein Name wäre in jedem Geschichtsbuch. Der Hufflepuff der den dunklen Lord rächte.
Mitten in seinen Gedanken wurde er unterbrochen.
„Marcus?"
Er stand sofort auf und brüllte voller Eifer „Ich mache es."
„Gut. Ich habe auch nichts anderes von dir erwartet. Du wirst uns stolz machen."
Marcus nickte und blickte über die Kopfe seiner Brüder hinweg. Ein einziger Schritt, ein einziger Tod trennte ihn von der Unsterblichkeit.
„Puglesby? Ein Hufflepuff?" Severus sah Hermine zweifelnd an. Es war nett von ihr, dass sie ihn scheinbar wirklich ernst genommen hatte und nun absichtlich einen Hufflepuff verdächtigte, aber auch unnötig.
Hermine stöhnte entnervt auf. „Du warst es doch, der gemeint hat dass JEDER es sein könnte. Warum nicht er?"
Severus suchte verzweifelt nach einem Grund.
„Weil er.. er ist so.. still. Und unscheinbar. Er hätte nicht das Zeug dazu andere für die Sache zu begeistern."
„Bekomm das bitte nicht in den falschen Hals, aber wie warst du in deiner Schulzeit?"
Hermine betete, dass sie nicht den nächsten Streit vom Zaun brechen würde.
Severus lehnte sich nachdenklich zurück. Einerseits war er froh, dass ihr Treffen mit Potter und Weasley abgesagt wurde, aber nun wünschte er sich fast zumindest einen der Idioten, vorzugsweise Potter, herbei um diesem Thema entgehen zu können. Sie hatte recht. Leider. Puglesby war ihm nicht unähnlich. Er war damals ebenfalls ein Außenseiter. Still und fast immer allein. Ausgenommen wenn ihn James Potter und seine Freunde aufsuchten um ihm das Leben zur Hölle machten.
„Trotzdem, nur weil jemand ein Außenseiter ist, heißt das nicht, dass er automatisch verdächtig ist."
„Ich weiß, das meine ich auch gar nicht. Ich weiß nicht. Ich habe einfach ein ungutes Gefühl bei ihm. Wie er sich benimmt, wie er dich ansieht. Und wenn ich darüber nachdenke, hat er sich seit diesen Vorfällen verändert."
„Dazu kann ich nichts sagen, mir ist er nie aufgefallen."
Hermine stand von ihrem Stuhl auf und ging zu Severus. Liebevoll strich sie ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
„Ich sage ja nicht, dass er es war, aber wir sollten dennoch vorsichtig sein. Verstehst du was ich meine?"
Severus nickte und schloss seine Augen. Geschickt zog er sie auf seinen Schoß und umarmte sie fest. Hermine grinste und genoss den Kontakt. Als er sein Gesicht in ihre Haare vergrub seufzte er. Konnte es nicht einmal einfach sein?
