Weasley. Doch wie sollte er das Hermine mitteilen? Wie konnte er ihr nach dieser Sache erklären, dass einer ihrer besten Freunde, jemand auf den sie sich immer verlassen hatte, dem sie traute, etwas mit dem Erbe zu tun hatte. Würde sie ihm überhaupt glauben? Und welche Rolle spielte er? So sehr er sich einreden wollte, dass es nur Zufall war und ihm Puglesby vielleicht sogar absichtlich das Bild des rothaarigen Mannes zuwarf, so war er tief im Inneren von dessen Beteiligung überzeugt.
Er wusste, er konnte einen solchen Vorwurf nicht ohne Beweise machen. Es würde nicht nur sein Leben gefährden, sondern konnte auch die Beziehung zu Hermine ruinieren. Und das war etwas, was er nicht leichtfertig riskieren würde. Er brauchte Beweise, und er brauchte sie schnell.
Wenn Puglesby zumindest soviel Können in Okklumentik hatte, um ihn auszuschließen, dann würde Weasley, hätte er etwas damit zu tun, ebenfalls hart zu knacken sein. Aber wie konnte er sonst an die so dringend benötigten Beweise kommen? Und in wie weit war Weasley in der Sache verwickelt? Vielleicht war das alles ein ungewöhnlicher Zufall. Severus schüttelte den Kopf. Er wusste was er gesehen hatte. Er wünschte sich, dass seine Eifersucht ihn in diese Richtung lenken würde. Dass er sich das alles nur einbilden würde. Er wünschte sich, dass er Hermine nicht damit konfrontieren musste, dass er es ihr ersparen konnte. Doch das konnte er nicht. Und ihm lief die Zeit davon. Desto länger erwartete, desto mehr konnte sich das Erbe von dem Ausfall Puglesby erholen und einen weiteren Angriff starten. Und was wenn diesmal nicht nur er das Ziel ist? Was wenn Hermine bei ihm ist? Natürlich sind seine Gedanken angesichts seiner Rettung durch sie etwas übertrieben, doch nichts desto trotz würde er ihr Leben nicht leichtfertig riskieren.
Er kannte Weasley zu wenig um ihn einzuschätzen. Zumindest nach der Geschichte. Severus musste sich selbst eingestehen, dass er den Mann heillos unterschätzt hatte. Das etwas ungeschickte und dumme Auftreten sollte scheinbar etwas verdecken. Kurz fragte er sich, ob Hermine diese Seite von ihm kannte.
Severus hatte nicht bemerkt, dass er beobachtet wurde. Hermine musterte ihn und zog ihre Stirn in Falten.
Diese Aktion hatte etwas fürchterlich liebes an sich. Zumindest passte es absolut gar nicht zu dem finsteren Thema. Severus atmete laut aus und nahm ihre Hand. Er wog seine Optionen ab und befand schließlich, dass die zumindest diesen einen Abend noch Zeit hatten. Morgen würde er Weasley konfrontieren und er konnte nur hoffen, dass dieser unter dem Druck einknickte. Aber bis dahin, würde er die letzten ungestörten Stunden noch genießen.
Am nächsten Morgen wartete Severus ungeduldig vor der schweren Eingangstüre des Hauses am Grimmauldplatz.
Hermine beobachtete ihn belustigt von der Seite. Severus hatte es nie, absolut niemals eilig zu den Treffen.
Niemals.
Im Gegenteil, sie kamen regelmäßig zu spät weil er absichtlich trödelte. Der Tod von Puglesby nagte noch etwas an ihr. Aber eigentlich war es seltsam, wie sich Menschen ändern konnten. Die Flucht, der Krieg und das Leid was sie erleben musste, hatten sie abgehärtet. Natürlich bereute sie seinen Tod und natürlich tat es ihr leid und sie würde diesen Moment niemals vergessen. Doch alles in allem war sie genug gefasst um die Tatsache zu akzeptieren, dass es ein Unfall war. Sie wollte es nicht, und es war auch kein Versehen.
Es war schlicht und einfach Pech. Es gab Dinge, die ließen sich nicht ändern. Und nur weil sie Schuldgefühle hatte, hieß das nicht, dass sie schuldig war. Es hatte keinen Sinn sich für eine Sache verantwortlich zu fühlen, die nicht in ihrer Hand lag. Sicher sie hatte ihn angegriffen, aber er hatte Severus angegriffen. Und nicht mit einem Schockzauber.
So hart es auch klang, der einzige der Schuld an seinem Tod war, war Puglesby selbst. Er hatte sich in diese Sache verwickeln lassen, er hatte den Auftrag angenommen, er hatte Severus aufgelauert und er hatte ihn angegriffen. Dies war nun die Konsequenz. Das Schicksal meinte es scheinbar nicht gut mit dem Jungen. Hermine graute vor dem Gespräch mit seinen Eltern. Zum Glück übernahm Professor Sprout diese schwierige Aufgabe und kontaktierte die Eltern um sie über den Unfall zu informieren.
Über den genauen Hergang mussten sie noch nicht Bescheid wissen. Es waren sich alle einig, dass Eltern die ihr Kind verloren haben vor erst mit dem Verlust beschäftigt sein sollten.
Außerdem war davon auszugehen, egal in was der Junge verwickelt war, seine Eltern wussten nichts davon.
Die Tür öffnete und Harry bat sie schnell hinein. Seine Augen wirkten ernst und seine Haut wirkte fahl. Man konnte ihm sofort ansehen, dass diese ganze Sache ihn langsam auslaugte. Severus konnte auch verstehen warum. Es war seine Aufgabe für die Sicherheit zu sorgen, seine einzige Aufgabe. Und genau das misslang ihm. Er hatte kaum Hinweise, er tappte im dunklen und die Ereignisse überschlugen sich. Der Druck stieg zusehends und alle wollten von ihm Antworten, die er aber nicht hatte. Der Junge der Voldemort besiegte musste auch so einer Organisation gewachsen sein. Und genau das war er nicht.
