Die Meldungen in den Zeitungen überschlugen sich. Zwar hatte sich jedes Blatt diese Neuigkeiten selbst zurecht gelegt, immerhin wollte man ja das meiste dabei rausholen, doch allein die Schlagzeile in der der Name Weasley sowie Todesser stand sorgte für die nötigen Verkaufszahlen. Severus hielt sich wie immer fern und entzog sich den ewig eifernden Nachrichten.
Er kannte die Wahrheit, er war schließlich dabei, er brauchte keine erfundenen Halbwahrheiten und aufgebauschte Statements von angeblichen entfernen Bekannten. Außerdem hatten sie die mehr als genug um die Ohren als sich über so etwas zu ärgern. Hermine musste vor mehreren Tribunalen über den Vorfall mit Puglesby aussagen und ihr Zauberstab wurde untersucht um einen Mord auszuschließen.
Hermine ließ sich nichts anmerken, doch Severus sah wie die Sache sie mitnahm. Zweifel nagten an ihr. Und die dauernden Fragen machten die Situation nicht besser.
Ein Leben zu nehmen war niemals leicht. Schon gar nicht das eines Kindes. Und egal wie gerechtfertigt Hermines Handeln war, sie würde es ewig in Frage stellen. Hermine war niemand der etwas auf sich beruhen ließ und sich mit dem eigenen Scheitern einfach zufrieden gab. Sogar jetzt noch erwischte er sie an warmen sonnigen Tagen auf einem Besen. Wenige Meter über der Erde und das Gesicht angstverzerrt.
Egal wie sehr er sie mit ihrem Ehrgeiz aufzog, er verstand sie. Und er glaubte auch, dass gerade sein Verständnis für sie der Punkt war, indem sie für einander geschaffen waren. Er verstand ihren Drang immer das Beste aus sich herauszuholen, immer weiter zu lernen und es zu versuchen selbst wenn man am Ende war. Und genau das war ihr Fluch. Sie würde sich ewig fragen wie sie den Tod verhindern hätte können. So wie er über Lilys Tod nachgrübelte, so würde sie sich über Puglesbys Tod das Hirn zermatern. Sie würde nie aufhören.
Zumindest lenkte sie die Geschichte mit Puglesby von Rons Verrat ab. Über Potter konnte man nicht dasselbe sagen. Sogar Severus war tatsächlich erschrocken über die Wandlung des Mannes. Er war auf einmal Jahrzehnte gealtert, ernst und grimmig blickte er drein. Er lachte nicht mehr und selbst wenn sich seine Gesellschaft mit allen Mitteln bemühte, konnte sie ihm nie mehr als ein müdes Grinsen entlocken.
Seine Frau war ihm auch keine Hilfe. Die Weasleys hatten genug mit der zweiten Tragödie in der Familie zu tun. So war er alleine mit dem Scherbenhaufen in seinem Inneren. Und zu Severus Unglück, zog ihn das noch näher an Hermine und auch ihn. Natürlich hatte Hermine nicht die Kraft oder die Feinfühligkeit sich mit ihm über Ron zu unterhalten, so lag es an Severus. Dieser war zwar mehr als unbegeistert von seiner neuen Aufgabe, doch es blieb ihm nichts anders übrig als sich Harry anzunehmen. Hermine konnte nicht auch noch ihn verlieren.
Es gab Dinge, die hätte Severus niemals, nicht in tausend Jahren, vorhergesehen. Zum Beispiel, hätte er niemals gedacht, dass er Voldemort überleben würde. Geschweige denn, dass er eine Beziehung mit Hermine führen würde. Doch dass er mit einem Potter am Abend beisammen sitzen, und sich seine Vermutungen und Sorgen anhören würde, nein. Niemals hätte Severus das erwartet. Niemals. Es waren wahrlich verrückte Zeiten. Wie verrückt, sollte sich schon bald herausstellen.
