Disclaimer:

Alles, was irgendwie nach Köln 50667/Team 13 klingt (Charakter, Handlung, Dialoge, etc.) gehört RTL II.

Sämtliche Fehler (Rechtschreibung, Grammatik, sonstiges) gehört mir. Wenn ihr welche findet, gebt sie mir bitte zurück, ich werde mich um sie kümmern.


Kapitel 4

„Nix da, Junge! Hier her, sofort!", kam die Stimme meines Vaters aus dem Wohnzimmer. Ich könnte immer noch umdrehen und wegrennen. Oder ins Zimmer gehen und die Tür verbarrikadieren. Aber was sollte das bringen? Früher oder später musste ich ihm gegenüber treten, es hinauszuzögern würde es nur schlimmer machen.

Also setzte ich meine Schultasche ab und machte mich auf den Weg zu meinem Vater. Mit jedem Schritt hatte ich mehr das Gefühl zu ersticken, ich bekam nicht mehr genug Luft. Meine Hände waren schwitzig, meine Schritte unsicher. Mit gesenktem Blick stand ich schließlich vor ihm.

„Vorhin kam ein Anruf aus deiner Schule. Hast du eine Ahnung, worum es ging?" Noch war er bemüht, ruhig zu klingen. Aber ich hörte, dass er stinksauer war. Also hatte er es nicht für sich behalten. Ich zuckte mit den Schultern. „Sprich mit mir, Junge, wenn ich dich was frag!"

„Weiß nicht...", antwortete ich. Laut genug, dass er es verstand, aber leise genug, um das Zittern meiner Stimme zu verbergen.

„Lüg mich nicht an, Junge!", herrschte er mich an. „Du weißt ganz genau, dass deinem Lehrer in Sport etwas auf deinem Rücken aufgefallen ist. Und du weißt auch ganz genau, dass es niemanden etwas angeht, wie ich dich hier erziehe! Also wirst du wohl besser aufpassen, wie du in der Öffentlichkeit rumläufst!", schrie er mich an.

Ich zuckte zusammen, erwiderte aber nichts. Was denn auch? Der Schaden war angerichtet, jetzt musste ich mit den Konsequenzen leben. Ob Herrn Kaiser bewusst war, was er mit einem einzigen Anruf bewirkt hatte? Wahrscheinlich nicht, er hatte es sicher nur gut gemeint, wollte mir helfen. Wie auch immer er sich das vorgestellt hatte.

„Ab in dein Zimmer! Dir werd ich beibringen, vorsichtiger zu sein!", drohte mein Vater und schubste mich in Richtung Flur. Stolpernd ging ich zurück zu meinem Zimmer. Immer noch zitternd zog ich mein Hemd über den Kopf. Schon bei dem Gedanken an neue Schläge wurde mir übel. Dass mir schwindelig war half dabei nicht gerade. Etwas unbeholfen sank ich auf die Knie. Und wartete. Natürlich ließ er mich warten. Er wusste ganz genau, dass die Angst vor dem, was mir bevorstand mit jeder Sekunde wachsen würde.

Irgendwann kam er dann schließlich durch die Tür, mein Rücken schmerzte bereits von der Anspannung. Er sagte kein Wort, das einzige Geräusch was das des Gürtels, als er ihn abnahm. Bitte nicht! Bitte nicht den Gürtel! Nicht schon wieder! Wäre ich nicht so verspannt hätte ich nur noch stärker gezittert. Stille Tränen der Verzweiflung rannen über mein Gesicht. Ich war wehrlos, ich konnte nichts gegen die kommenden Hiebe tun.

Das Leder zischte durch die Luft, die Schnalle traf meinen Rücken. Erst ein paar Augenblicke später realisierte ich den Schmerz. Ich krümmte mich nach vorne, griff nach der Bettkante, um nicht zu Boden zu fallen. Wie aus weiter Entfernung hörte ich meinen Vater etwas von 'Weichei' oder 'Schwächling' murmeln. Es ging gnadenlos weiter, ich hatte den Eindruck, er schlug noch härter zu als zuvor. Ich sackte gegen das Bett, versuchte immer noch, den Rücken wegzudrücken. Aber ich konnte nirgendwohin ausweichen. Der Gürtel traf mich wieder und wieder, jeder einzelne brutale Schlag vibrierte durch meinen Körper. Längst spürte ich vereinzelt Blut über meine Haut rinnen. Ich hielt meine Augen fest verschlossen, die Tränen entkamen trotzdem. Nach einer Ewigkeit hörte er endlich auf. Nach Atem ringend klammerte ich mich an die Bettkante. Als ich die Augen öffnete war meine Sicht verschwommen, ich nahm kaum etwas richtig war.

„Lass dir das eine Lehre sein! Und wenn's nicht hilft wartet mehr auf dich!" Die Worte kamen dumpf und leise bei mir an, auch wenn er zweifellos lauter gesprochen hatte. Mir fehlte die Kraft, irgendeine Reaktion zu zeigen. Er schien keine zu erwarten, da ich kurz darauf die Tür zugehen hörte.

Erschöpft und immer noch außer Atem ging ich zu Boden. Ich wusste nicht, wie lange ich so liegen blieb, bis ich den Willen aufbrachte, aufzustehen. Ich suchte mir frische Kleidung zusammen und taumelte ins Bad, sicher gehen konnte ich nicht. Aber die kühle Dusche musste sein, ich brauchte einen klaren Kopf, es standen schließlich noch Hausaufgaben an.

Das Wasser biss in meinen Rücken und brachte mich schlagartig zurück zu vollem Bewusstsein. Ich lehnte mich gegen die Wand und ließ mich langsam auf die Knie sinken. So verharrte ich einige Zeit, bis der Schmerz langsam nachließ.

Zurück in meinem Zimmer setzte ich mich an den Schreibtisch und machte mich an meine Hausaufgaben. Mein Blick schwamm und meine Gedanken kreisten sinnlos umher, dennoch schaffte ich es irgendwann, wenigstens etwas halbwegs vernünftiges aufzuschreiben. Nicht meine beste Leistung, aber unter den Umständen das einzige, was ich zu Stande brachte. Auch wenn ich Hunger hatte, entschied ich mich, Abendessen ausfallen zu lassen, ich war viel zu müde. Kraftlos ließ ich mich auf mein Bett fallen und war fast sofort eingeschlafen.


Irgendwann am frühen Morgen kam mein Vater ins Zimmer gestürmt. Ich blinzelte schlaftrunken in das grelle Licht und begann gerade erst zu begreifen, was vor sich ging, da traf mich auch schon der Rohrstock völlig unvorbereitet hart auf meinen Rücken. Ein unfreiwilliges Stöhnen entkam mir.

„Ruhe!", zischte mein Vater wütend. Ich biss in mein Kissen und ertrug die Prügel ohne einen weiteren Laut. Oder zumindest ohne hörbaren Laut. Nach nur wenigen Minuten war er fertig. Er beugte sich zu mir herunter.

„Heute wirst du besser aufpassen, oder du wirst dir wünschen, nie geboren worden zu sein." Wünschte ich mir sowieso schon, aber das musste er ja nicht wissen. Er versetzte mir noch eine Ohrfeige über den Hinterkopf, dann ließ er mich wieder in Ruhe.

Ich schaute auf die Uhr, 5:30 Uhr, noch ein bisschen Zeit. Also blieb ich liegen und wartete, bis mein Rücken nur noch dumpf pochte. Wiederwillig stand ich schließlich doch auf, es hatte ja eh keinen Sinn, länger zu warten. Immerhin war heute Freitag, danach erst mal zwei Tage keine Schule. Allerdings hieß das auch, dass ich wahrscheinlich in der Wohnung festsaß. Schule gab mir wenigstens ein paar Stunden Ruhe von meinem Vater. Auch wenn er in der Zeit sowieso arbeitete und ich somit auch zuhause sein könnte.


In der ersten Pause kam Herr Kaiser auf mich zu. Wunderbar, ihn konnte ich nun wirklich nicht gebrauchen. Warum hatte er auch anrufen müssen? Konnte er sich nicht denken, dass das nach hinten los gehen würde? Er hatte genau das Gegenteil von dem erreicht, was er sicherlich zu bezwecken versucht hatte.

„Hallo Raphael! Alles gut bei dir?", fragte er fröhlich. Nicht echt, er wollte nur seine Sorge überspielen. Es hätte auch gut funktioniert, wenn ich nicht geahnt hätte, was er vorhatte.

„Alles bestens", log ich und versuchte, ein möglichst glaubwürdiges Lächeln aufzusetzen. Er schien es zu kaufen und lächelte zurück.

„Das freut mich zu hören. Wenn du Sorgen oder Probleme hast, kannst du gerne zu mir kommen. Das weißt du, oder?" Ich nickte, ich wollte das Gespräch so schnell wie möglich beenden und wieder meine Ruhe haben. Herr Kaiser gab sich damit zufrieden und verschwand wieder unter den anderen Schülern. Ich atmete erleichtert aus. Zum Glück hatte er mich nicht mit irgendwelchen belanglosen Fragen gelöchert.