Disclaimer: I do not own Naruto. All rights belong to Masashi Kishimoto!
Kapitel VII
cravings
Haruno Sakura wurde unwirsch aus ihrem Schlaf gerissen, als sich eine langgliedrige Hand um ihre Kehle legte und zudrückte. Sofort setzte ihr Fluchtreflex ein und sie versuchte von ihrem Angreifer abzurücken, doch er hielt ihren Körper unter seinem gefangen und verstärkte seinen Griff nur noch weiter. Schreckgeweitete smaragdgrüne Augen trafen auf verschleierte Graue. Ein gleichgültiger Ausdruck stand in seinem Gesicht geschrieben, welches sie Itachi zuschrieb. Stellte sich nur die Frage: Wieso tat er ihr das an?
Die junge Frau bemerkte, wie ihre Kräfte immer weiter schwanden; helle Flecken tanzten an den Rändern ihres Sichtfeldes. Bald wäre sie diejenige, die diesmal das Bewusstsein verlieren würde, geschweige denn ihr Leben.
Ein Wimmern drang zwischen ihren zusammengepressten Lippen hervor, während sie versuchte seine Hände von ihrem Hals wegzuzerren. Der Laut schien ihn nachdenklich zu stimmen, denn ein Runzeln bildete sich auf seiner Stirn, die von pechschwarzen Strähnen eingerahmt wurde. Auch sein Griff wurde lockerer, und Sakura schnappte augenblicklich nach dem neuen Sauerstoff, bevor er es sich wieder anders überlegen würde.
»Warum?«, japste sie im nächsten Augenblick, als er seine Hand zwar immer noch leicht um ihre Kehle gelegt hatte, sie aber ansonsten ungerührt ansah.
»So leichtsinnig«, murmelte er in die Stille des Raumes hinein. Noch immer verschmolz sein trüber Blick mit dem ihren, während sie keuchend nach Luft schnappte. Ihm war nicht einmal anzumerken, was er vor ein paar Minuten im Begriff war zu tun.
Ärger wallte in ihrem Inneren auf und bahnte sich einen Weg an die Oberfläche, als er ihr noch ein Stückchen näher kam, sodass seine schwarzen Strähnen ihr Gesicht leicht kitzelten. Und dann schoss ihr in den Sinn, dass Itachi eigentlich noch im Bett liegen sollte, sich ausruhen und erholen sollte. Und doch pinnte er sie mit seinem Gewicht auf ihr Bett. Ungerührt, so schien es, beobachtete er jede Regung, die sie tat und ließ dennoch nicht vollends von ihrem Hals ab. Dass der Uchiha jetzt schon wieder in der Lage war, einen Menschen umzubringen, war bemerkenswert, wenn nicht fragwürdig.
»Geh von mir runter«, forderte Sakura dann unvermittelt. Seine Stirn runzelte sich leicht, da er die Augenbrauen zusammenzog.
»Iie«, raunte er samtig weich und kam ihrem Gesicht mit dem seinen immer näher. Die junge Frau hatte erwartet, dass er irgendwann zum Stillstand kommen würde. Möglichst bevor ihre Nasenspitzen sich berührten und die Wärme in ihre Wangen schoss, doch er senkte sich immer weiter zu ihr hinab. Bevor er jedoch mit seinen Lippen die ihren streifen konnte, veränderte er den Winkel und somit auch seine Richtung. Die Hand, die zuvor ihren schlanken Hals umfasst hatte, fuhr in ihre rosanen Locken und packte zu. Mit einem Keuchen warf sie ihren Kopf in den Nacken und gewährte ihm freien Zugang zu ihrer misshandelten Kehle. Sakura wusste nicht wieso, aber es war ob seiner vorherigen Handlung kein Vertrauensbruch ihrerseits entstanden. Töricht. Sollte sie nun nicht mit schreckgeweiteten Augen von ihm abweichen? Stattdessen offenbarte sie ihm eine ihrer verwundbarsten Stellen und lud ihn geradezu dazu ein, ihr bereits wundes Fleisch zu zerfetzen.
Doch der Ältere tat niemals das, was von ihm erwartet wurde.
Als seine Lippen auf ihre sensibilisierte Haut trafen, war es als würde ein Feuerwerk durch ihre empfindliche Haut gejagt. Ein weiteres Keuchen entfloh ihren Lippen, als sie bemerkte, dass die seinen weich und sanft waren. So unendlich sanft, dass es einen wunderbaren Kontrast zu dem Zug an ihrem Haar darstellte.
Itachi konnte sich nicht mehr stoppen, während er leichte Küsse auf ihrem Hals verteilte, kurz an einer besonders misshandelten Stelle verharrte und daran nippte, ehe er mit seiner ausgiebigen Wiedergutmachung fortfuhr. Er bedankte und entschuldigte sich bei dieser jungen Schönheit auf eine höchst unverschämte Art und Weise, doch er konnte nicht aufhören sie zu liebkosen. Überall in dieser geräumigen Wohnung roch es nach ihr. Dieser süßliche, frische Duft vernebelte seine Sinne und ließ ihn Dinge tun, die er womöglich noch nie im Begriff war zu tun. Nicht auf diese Art zumindest. Und doch konnte er nicht umhin eine tiefe Zufriedenheit zu empfinden, während sie sich unter ihm wand, sich ihm entgegenstreckte und krampfhaft zu unterdrücken versuchte, ihrem Entzücken Ausdruck zu verleihen. Er war noch nicht bereit, sie aus seinem Griff zu befreien, und wahrscheinlich würde er es auch nie mehr sein. Sie hatte ihn verzaubert, was noch niemand zuvor bei ihm geschafft hatte. Jedenfalls niemand außerhalb seiner Familie. Er war sich nicht sicher, wie sie es geschafft hatte oder wie er dem entfliehen könnte. War es ihre fürsorgliche Ader oder ihre mutige Erscheinung gewesen, die ihn zu ihr zog? Eine Antwort auf diese Frage würde er womöglich nicht in nächster Zeit erhalten, denn ihm entglitt immer mehr die Kontrolle über sein eigenes Handeln, und somit auch über seinen Verstand.
Er bemerkte zufrieden, wie sich zierliche aber schwielige Hände mit starkem Griff in seine schwarzen Locken stahlen und ihm wurde sogleich bewusst, dass er dieses Gefühl nicht mehr missen wollte. Viel zu lange war es her, dass er den weiblichen Körper erkunden durfte. Aber es war nicht nur ihr Körper, der ihn zu ihr trieb, sondern auch ihr Wesen. Haruno Sakura war etwas Besonderes für ihn. Nur das »Warum« konnte er nicht genau benennen.
Es frustrierte den Uchiha, dass er keine klaren Fakten benennen konnte, die ihre Anziehung zueinander erklären könnte. Und dass sie genauso sehr von ihm angetan war, wie er von der jungen Frau, war nicht zu übersehen. Allein die Umstände, in denen sie beide steckten, ließen keine Zweifel daran, dass sie ebenso bereit war die Konsequenzen für ihr gemeinsames Handeln zu tragen wie er es war. Er wollte sie. Mit Haut und Haar, Leib und Seele, von Kopf bis Fuß. Ein Eingeständnis, welches er nicht erwartet hätte, beziehungsweise davor gewappnet war.
Sakura konnte und wollte diese Situation nicht verstreichen lassen oder analysieren, sodass ihr Kopf rauchte, sie wollte es nur genießen. Ihn wollte sie genießen, solange sie es noch konnte. Lange würde er nicht in Konoha bleiben können. Vielleicht einen Tag, bestenfalls zwei. Zudem musste sie den Umstand beachten, dass sie noch immer als unzuverlässige Quelle galt und deshalb unter Beobachtung der ANBU stand. Ino hatte auch einen Wohnungsschlüssel; die Blondine könnte also jeden Moment durch ihre Haustür spaziert kommen und sie mit einem Nukenin im Bett erwischen. Wortwörtlich.
Der Mann über ihr glitt gerade zart mit den Lippen über ihren Hals, bis hin zu ihrem Kinn, und schob sich etwas weiter hinauf zu ihrem Gesicht. So wie vorhin, nur mit direktem Körperkontakt. Seine Lider waren zur Hälfte gesenkt, was ihm einen verrucht verführerischen Ausdruck verlieh. Die Linien auf seinen Wangen stachen nun in dem Dämmerlicht hervor, und verliehen ihm diesen verwegenen Zug um die Augen. Auch seine Lippen wurden köstlich hervorgehoben, waren sie doch durch seine Liebkosungen an ihrem empfindlichen Hals errötet. Er sah zum Sterben schön aus und verströmte Sinnlichkeit gepaart mit etwas Schmerz, doch Sakura sah nur ihn. Itachi.
Seine einladenden Lippen senkten sich auf ihre vollen, die leicht offen standen, da ihr immer mal wieder ein Laut der Lust entfuhr. Verschwunden waren die Gedanken von eben, wenn sie daran dachte, wie er wohl schmecken würde. Wie er sich bewegen würde, wenn sie seine Lippen endlich auf ihren spürte. Die Rosahaarige hatte schon einige Küsse geschenkt bekommen, doch keinen der vorherigen hatte sie so sehnlichst erwartet wie diesen, den Itachi ihr nun endlich gab. Erst war er seicht, kaum spürbar. Doch als er die anfängliche Befangenheit überwunden hatte, pressten sich seine Lippen verlangend auf ihre. Dabei entfloh ihrem Mund ein hörbares Stöhnen, welches durch seinen gedämpft wurde. Es war atemberaubend – sinnlich –, und sie genoss absolut jede Sekunde, solange es andauerte.
Nach einigen Augenblicken, die Sakura so vorkamen als wären sie nur Sekunden gewesen, wanderte seine Hand, die in ihren Haaren verweilt hatte, zu ihrem Hals, glitt über ihr Schlüsselbein und dann hinunter zu den Außenseiten ihrer Brüste. Und war zuvor ihr Verhalten von Leidenschaft und Lust geprägt, so schwenkte es nun zu Unbehagen um, und Rastlosigkeit zog in ihrem Inneren ein.
»Nicht, bitte«, konnte sie zitternd hervorbringen. Ihre Stimme war schwach und sie bebte, aber beides war der unbändigen Lust zuzuschreiben, die dieser tödliche Mann in ihr entfacht hatte.
Als er zu ihr hinunterblickte, spürte er deutlich ihre Beklommenheit, hüllte sie die beiden doch nun ein wie ein dicker Umhang. Er wollte sie nicht dazu drängen, etwas zu tun, das sie nicht wollte. Man konnte vieles von Uchiha Itachi sagen, aber er war kein Frauenschänder!
Mit einem knappen aber nachdrücklichen Nicken, lehnte er sich wieder etwas weiter von ihr zurück. Er wusste, dass es sie noch immer nach ihm verlangte, aber es war wohl besser für sie beide, wenn sie keine weiteren Risiken eingehen würden.
Die Haruno verspürte ein zunehmend unbehagliches Gefühl in der Magengegend, als ihr bewusst wurde, wen sie da gerade abgewiesen hatte. Uchiha und Abweisungen, oder gar Niederlagen? Das war einfach nicht miteinander zu vereinbaren, und Sakura verspürte den unbändigen Drang, ihre Beweggründe erklären zu müssen.
»Es ist nicht«, fing sie an leise zu wispern, musste aber den Blick von Itachi abwenden, um vernünftig denken zu können, »Es ist nicht so, dass ich dich nicht … will. Es ist nur …«
»Sakura«, unterbrach er sie mit sanftem Ton in der tiefen Stimme, »Du musst dich nicht vor mir rechtfertigen.« Sogleich schoss ihr smaragdgrüner Blick wieder zu seinem Gesicht. Was sagte er da? Jeder normale Mensch hätte nun eine vernünftige Erklärung verlangt, warum sie sich gegen diese Art von Verbindung sträubte. Und er ließ es einfach so entgleiten? Warum?
»Ich möchte aber, dass du verstehst, warum ich es nicht auf eine höhere Ebene getragen habe, oder es dazu habe kommen lassen«, erwiderte die Rosahaarige nun beharrlich.
»Das ist nicht nötig, Sakura«, erklärte er, ebenfalls auf seinem Standpunkt beharrend, »Ich weiß, dass du mich willst.« Ein Luftschnappen ihrerseits war zu vernehmen, ob seiner dreisten Behauptung. Obwohl es weniger eine Behauptung war als eine simple Feststellung.
»Und sei versichert, ich will dich ebenso. Aber ich möchte auch, dass du es genießt von mir berührt zu werden. Also wenn du noch nicht dazu bereit bist, dich mir hinzugeben, dann tu es nicht.« Eine kleine Pause entstand, in der Sakura seine Worte Revue passieren ließ. »Denn wenn ich dich mir nehme, dann will ich alles von dir.«
Das kam jetzt gänzlich … unerwartet. War das das Wort, welches sie für eine treffende Beschreibung der neuesten Ereignisse wählen würde? Ja, unerwartet. Wirklich und wahrhaftig unerwartet.
Nie, nicht einmal in irgendeinem Traum, hätte sie sich erhofft, diese Worte aus Uchiha Itachis Mund kommen zu hören. Nicht in einer Millionen Jahre hätte sie vorhersehen können, dass ihr Herz sich ob seiner Worte so erwärmen würde. Und niemals wäre ihr auch nur in diesem Moment eingefallen an all die Konsequenzen zu denken, die ihre Verbindung nach sich ziehen würde. In diesem Moment zählte nur er!
Wie von selbst hob sich ihre rechte Hand an seine Wange. Er zuckte nicht zusammen oder wich ihr in irgendeiner Weise aus, sondern ließ sie einfach gewähren.
»Sag so etwas nicht, wenn du es nicht ernst meinst«, wisperte sie in die aufgekommene Stille hinein.
Itachi verzog bei ihren Worten keine Miene, sondern neigte sich ein wenig hervor. Kurz bevor sich ihre Lippen erneut treffen würden, sagte er leise aber bestimmend: »Ich sage nichts ohne Grund, Sakura.« Zum ersten Mal fiel der Haruno auf, dass der Dunkelhaarige ihren Namen benutzt hatte. Ohne Suffix, nur ihr Vorname. Und sie liebte den Klang seines dunklen Timbres, wie jede einzelne Silbe ihres Namens von seiner Zunge rollte. Ein Schaudern glitt über ihre Haut, ehe sich Gänsehaut auf eben dieser bildete. Sakura hätte nie erwartet, dass die bloße Erwähnung ihres Namens so eine Wirkung auf sie haben könnte. Aber sie mochte es. Nein, begehrte es sogar.
Sie fuhr die Furche in seiner Wange nach, die so charakteristisch für seine Erscheinung war, ehe sie lächelnd sagte: »Aber wir kennen uns doch gar nicht. Wie kannst du denn so etwas voraussagen, wenn du mich nicht kennst, Baka?«
Er hätte sie dafür tadeln sollen, dass sie ihn einen Dummkopf schimpfte, tat es aber nicht, sondern schmiegte sich an die Hand, die noch immer an seiner Wange lag.
Sie hatte aber nicht ganz Unrecht mit ihrer Feststellung, weswegen er es ihr freistellte Fragen zu stellen. Im ersten Moment war sie geschockt ob solch einer Gelegenheit, doch dieses Verhalten hielt nicht lange an, war sie doch recht neugierig, was das Mysterium Uchiha Itachi betraf.
»Nun … Also …«, begann Sakura zu stottern. Was sollte sie einen Nukenin, der als gemeingefährlich galt auch fragen? Etwa was seine Lieblingsfarbe war? Bestimmt nicht.
Amüsiert hob der Ältere eine Augenbraue, als er das Herumdrucksen Sakuras bemerkte. Er wusste, was sie eigentlich wissen wollte, aber so einfach würde er es ihr nicht machen. Wenn sie etwas wissen wollte, sollte sie danach fragen.
Schließlich konnte die Rosahaarige sich doch noch dazu durchringen etwas halbwegs Intelligentes zu sagen: »Du weißt genau, was ich wissen möchte. Aber – und das ist ausschlaggebend – ich werde dich nicht bitten, mir von dem Vorfall mit deinem Clan zu berichten, denn ich denke, dass es dir überlassen sein sollte, wann du mir davon erzählen möchtest. Dennoch kann ich dir nicht versprechen nicht doch nach einigen Einzelheiten zu fragen, wenn mir etwas unschlüssig erscheinen sollte. Auch weiß ich, dass es unglaublich schmerzhaft sein muss über das Thema Familie zu sprechen, also schlage ich vor, dass wir das erst einmal beiseite schieben.«
»Wie kommst du darauf, dass es belastend ist, darüber zu reden?«, stellte er die ausschlaggebende Frage.
Sie zuckte mit den Schultern und antwortete ehrlich: »Weil du, Itachi, mir nicht wie der gefühllose Bastard vorkommst, der du vorgibst zu sein. Wie ich darauf komme? Ganz einfach. Ich fühle mich in keinster Weise von dir bedroht. Zugegeben, du hast mich vorhin wirklich kalt erwischt, aber ich bin der Meinung, dass du mir nur zeigen wolltest, was du hättest tun können, wenn du tatsächlich die Absicht gehabt hättest, mir zu schaden. Schon bei unserem ersten Treffen hättest du mich umbringen können, ganz abgesehen von den darauffolgenden Möglichkeiten. Nun jedoch sitzt du hier, bietest mir an, dich kennenzulernen. Du möchtest eine Bindung mit mir eingehen. Und genau das sagt mir, dass dir Bindungen etwas bedeuten. Du hast Gefühle, du versteckst sie nur ziemlich gut. Und ich wette, dass Sasuke kein Sterbenswörtchen davon erfahren soll, stimmt's? Du willst ihn im Dunkeln lassen, damit er dich als das Monster sieht, dass du vorgibst zu sein.«
Diese Frau. Sie war scharfsinnig, intelligent und schön. Das konnte eine explosive Mischung sein. Er hatte, während sie mit ihrer Ausführung fortfuhr, gespürt, wie sein Körper sich immer weiter anspannte. Haruno Sakura war gefährlich, selbst für ihn. Oder gerade für ihn? Itachi musste zugeben, dass er die Antwort zu dieser Frage lieber nicht erfahren wollte.
Nachdem Sakura mit ihrem kleinen Vortrag geendet hatte, bemerkte sie sehr schnell, das etwas nicht stimmen konnte. Zudem fiel ihr nun auch auf, dass sich Itachis Gesichtsausdruck im Allgemeinen verdunkelt hatte.
»Gomen, ich wollte dich in keinster Weise kränken oder Ähnliches. Es ist mir einfach nur aufgefallen. Und nun werde ich endlich meinen Mund halten, denn ich bemerke, dass ich anfange zu plappern.« Mit einem seltsam falschen Lächeln schloss sie ihren Versuch, sich zu erklären. Die Rosahaarige hatte auch nach all diesen Jahren ihre Begabung, in den denkbar schlechtesten Momenten seltsame Sätze auszuquasseln, nicht verloren. Und wenn sie nervös wurde oder die Stimmung schlagartig kippte, so wie jetzt, dann war es am schlimmsten. Sie hasste diese Angewohnheit. Wie so viele.
Mit einem leichten Kopfschütteln signalisierte Itachi ihr, dass sie sich nichts zu schulden hatte kommen lassen, was er auch noch einmal deutlich betonte, indem er das Wort ergriff: »Du hast recht, ich möchte nicht, dass Sasuke etwas davon erfährt. Er hasst mich, und so soll es auch bleiben.«
Sakura versuchte erst gar nicht, sich in diese Angelegenheit einzumischen, oder ihn gar umzustimmen. Es war Itachis Entscheidung, wie er damit umging. Und Sasuke hatte vor Jahren klargestellt, dass er nicht wollte, dass sie oder Konoha, sich in irgendeiner Art und Weise in sein Leben drängten. Also beließ sie es dabei und setzte sich ein Stückchen weiter auf, weswegen Itachi ein wenig von ihr abrücken musste.
»Ich hab doch eine Frage, und ich möchte, dass du sie mir ehrlich beantwortest«, durchbrach die junge Frau die befremdende Stille, die sich zwischen ihnen ausgebreitet hatte, »Wie steht es in Wahrheit um deine Augen?«
Mit einem »Nicht gut« ließ sie sich wohl nicht so einfach abspeisen, weswegen der Schwarzhaarige eine ausführlichere Version anschlug: »Ich sehe gerade noch so. Die Farben verschwimmen ineinander. Es ist wie ein dichter Nebel, der aus verschiedenen Farbschattierungen besteht.«
Sakura hätte nicht erwartet, dass er ihr geradeheraus antworten würde, sondern einfach eine sporadische Antwort in den Raum gestellt hätte. »Niemand hat es bis jetzt bemerkt?«
»Iie, nicht einmal Kisame weiß es«, stellte er klar und setzte sich ebenfalls auf, sodass eines seiner Beine angewinkelt war und er seinen Arm darauf abstützen konnte.
Nach einer kurzen Weile, in der sie beide still dagesessen hatten, erwiderte die Haruno: »Ich würde sie mir nachher gern mal ansehen, wenn du mich lässt. Aber vorher müssen wir beide erst einmal was essen.«
»Hai«, stimmte er ihr daraufhin zu und folgte ihr dann in die Küche.
Sakura stand schon eine ganze Weile in ihrer offenen Küche und versuchte sich daran Onigiri zu machen, während der Dunkelhaarige am Tisch Platz genommen hatte und sie dabei beobachtete, wie sie den geräucherten Lachs in kleine Würfel zerteilte. Der Reis kochte bereits auf der heißen Herdplatte, also stellte sie den Herd aus, ließ den Topf aber auf der langsam abkühlenden Platte stehen. In diesem Moment fiel ihr wieder einmal ein, wie sehr sie es eigentlich genoss ihre eigenen Speisen zuzubereiten. Nun musste es nur noch ihrem Gast schmecken, dann war sie vollends zufrieden.
Sie spürte seine Blicke in ihrem Rücken, woraufhin sich ein wohliges Kribbeln in ihrem Nacken ausbreitete und ihre Wirbelsäule entlangschoss. Leise Schritte, die kaum zu vernehmen waren, kündeten an, dass er ihr immer näher kam. Sie genoss seine Nähe, wunderte sich aber zunehmend, dass er ihre Gegenwart ebenfalls zu suchen schien. Die Haruno konnte noch immer nicht fassen, was er ihr an diesem Morgen offenbart hatte. Er wollte sie. Alles von ihr. Und allem Anschein nach legte sie es ihm einfach so zu Füßen. Freiwillig. Der Uchiha hatte schon so viele Gräueltaten begangen, dass es sie erschaudern ließ, wenn sie darüber nachdachte, und doch schien sie ihn nicht dafür zu verurteilen. Iie, es schien nicht nur so. Sie verurteilte ihn nicht. Aus einem Bauchgefühl heraus hatte sie sich dazu entschlossen ihn kennenzulernen. Nicht als Nukenin und Verräter ihres Dorfes, nicht als hervorragender Shinobi, sondern als Mann. Den Mann, der er war, wollte sie ergründen. Aber sie entschied sich auch dazu, es nicht zu verheimlichen. Einen erneuten Vertrauensbruch ihres Dorfes gegenüber würde sie nicht verkraften. Sakura wollte niemanden anlügen müssen.
Ihre Gedanken wurden jäh unterbrochen, als er kurz hinter ihr stehenblieb und ihr die rosanen Locken zur Seite strich. Diese Intimität, mit der er sie berührte, ließ sie anfangs stutzen, hatte sie sie doch nicht bei ihm erwartet. Seine Berührungen waren zart und beinahe kaum zu spüren, sie waren liebevoll. Wie konnte ein Mann, der nur Schrecken und Tod brachte, so liebevoll mit ihr umgehen als wäre sie etwas Zerbrechliches? Sie verstand es nicht, genoss es aber dafür umso mehr.
Die junge Frau erzitterte, als Itachi mit seinen Fingerspitzen über ihre Haut strich, von der einen Schulter zur anderen. Vereinzelt konnte er leichte Erhebungen von bereits verblassten Narben unter seinen Fingerkuppen vernehmen. Und einmal mehr führte er sich vor Augen, dass sie – wie er – ein Shinobi war. Er machte nicht den Fehler, sie zu unterschätzen, doch ihr Charakter ließ sie nicht wie einen typischen Shinobi erscheinen. Sie war warmherzig, offen und lebensfroh. Sie versuchte es gelegentlich zu verstecken, doch ihre Vergangenheit war nicht vollends verschwunden. Nicht nur die helle Farbe ihrer Haare oder ihre lebhaften, strahlenden Augen ließen sie wie eine harmlose Puppe wirken, sondern auch ihr warmes, helles Lachen oder die spielerischen Bemerkungen verrieten, dass sie nicht immer ein Elite-Shinobi, sondern mal ein ganz normales Mädchen gewesen war. Unschuldig und rein. Wer war er, dass er ihr dies nehmen wollte, oder gar nehmen konnte?
»Was bedrückt dich?«, durchbrach sie verwundert die Stille. Gerade eben war noch alles in Ordnung gewesen, doch dann hatte sich die Stimmung zwischen ihnen beiden verändert, war wehmütig geworden.
»Warum lässt du mich hier sein?« Eine kleine Pause entstand, in der sie bereits über eine Antwort nachdachte, ehe er seine Stimme ein weiteres Mal erhob: »Warum gehst du dieses Risiko ein, obwohl du unter Beobachtung stehst?«
»Du hast es bemerkt«, stellte sie, nicht weiter überrascht, fest. Natürlich hatte er es bemerkt. Er musste doch beobachten, was vor sich ging.
»Ich«, Sakura musste sich kurzzeitig unterbrechen, um die richtigen Worte für ihre Anziehung zu ihm zu finden, »Ich bin mir nicht sicher, aber es fühlt sich so richtig an in deiner Nähe zu sein. Natürlich bin ich mir darüber bewusst, dass du nicht ewig hier bleiben kannst … und ich will es so lange genießen, wie es andauert. Es ist als würde ich von dir angezogen werden, verstehst du?«
Wieder entstand eine bedeutungsschwangere Pause, ehe sich die geschmeidige Stimme Itachis erhob: »Wie kannst du das in Worte fassen, was ich nicht zu beschreiben vermag?«
»Ich glaube, du kannst es, weißt aber instinktiv, dass es zu einer Schwachstelle werden kann«, erklärte die Haruno, »Allerdings nur, wenn du es zu einer werden lässt.« Bei ihren letzten Worten legte sie das scharfe Messer beiseite, mit dem sie den Lachs in kleine Stückchen gewürfelt hatte, und schaute über ihre Schulter, wo ihr sogleich die verschleierten Augen Itachis entgegenblickten. Trotz dessen sie ausgeblichen wirkten und er nicht mehr viel zu sehen schien, verlor sie sich in dieser Tiefe, die sie ausstrahlten. Sakura wusste nicht, ob es nur ihr so ging, aber sie hatte das Gefühl als würde er auch in ihre tiefsten aller Tiefen blicken können. Sie glaubte normalerweise nicht an solch abwegige Theorien, dass die Augen die Pforten zur Seele waren, aber sie glaubte an Zuneigung. Und wenn ein Mensch wie Itachi sich ihr gegenüber zu öffnen versuchte, würde sie sicher nichts dagegen unternehmen. Wie konnte ein Mann ihr nach so wenigen, gemeinsamen Momenten bereits so viel bedeuten, dass sie ihn am liebsten nicht mehr gehen lassen wollte? Es war so absurd.
Noch immer strichen Itachis Hände langsam über Sakuras Körper, so langsam und gleichmäßig, dass die Rosahaarige sich vorstellte er wäre eine immerwährende Konstante in ihrem Leben. Dass sie nur für diese Berührungen lebte, dass nur sie beide existierten. Aber so war es nicht. Sie hatte ein eigenes Leben, ein Leben ohne Itachi, das ihren Freunden, ihrer Familie und ihrem Dorf gehörte.
»Ich werde es nicht geheim halten«, verkündete die junge Frau in demselben Atemzug, in dem dieser Gedanke aufgetaucht war.
Doch die Berührungen des Schwarzhaarigen blieben; er haderte keine einzige Sekunde, als er ihre Worte vernahm. »Das verlangt auch niemand von dir.« Seine Stimme und Worte jagten Schauer über ihren Rücken und sie erbebte erneut. Dieser Mann hatte so viel Verständnis, und es stand in direktem Widerspruch zu seinem »eigentlichen« Charakter. Kakashi-sensei hatte sie vor ihm gewarnt. Doch wieso? Viele hatten unvorstellbare Angst vor ihm. Doch wieso? Wieso nur hatte sie dieses Gefühl, dass niemand den Uchiha wirklich kannte oder gar verstand? Sakura aber wollte ihn verstehen können; sie wollte wissen wie er war, denn ihr war bewusst, dass sie ihn von nun an nicht mehr vergessen konnte. Ihn nicht mehr wegstoßen konnte, selbst wenn es jemand von ihr verlangen würde. Sakura wollte ihn in ihrem Leben einfach nicht mehr missen.
Langsam wandte sie sich in seinen Armen zu ihm um, ohne auch nur einmal seinen Blick freizugeben. Es war als würde sie von ihnen verschlungen werden, als könnte er nicht genug von ihrem Anblick bekommen. Doch genau so ging es auch ihr. Sakura konnte sich nicht an diesem mysteriösen Mann sattsehen. Egal in welcher Situation sie sich auch befanden, ihr Blick fand immer den seinen.
Ihre schlanke Hand wanderte seine herauf, die an ihrer Hüfte ruhte, schlängelte sich nur mit den Fingerspitzen einen Weg über seinen Arm, hinauf zu seiner Schulter und seinen Hals, bis sie schließlich sanft an seiner Wange verharrte. Noch immer war es ihr unbegreiflich, was eine Berührung – egal von wem sie ausging – bei ihr auslöste. Sie fühlte sich beinahe euphorisch und konnte nicht aufhören, seine Haut unter ihrer spüren zu wollen. Es war wie eine Sucht, die sie miteinander verband. Er war ihre Droge, während sie die Seine darstellte. Unbegreiflich, aber nicht zu leugnen. Sie war einfach da.
Allmählich verringerte sie den Abstand ihrer Körper, indem sie sich auf ihre Zehenspitzen begab und sich vorbeugte. Diesmal würde sie mutig sein, würde sich nicht von seiner kontrollierten Fassade einschüchtern lassen und einen Rückzieher machen. Zu oft hatte sie den Drang, ihn berühren zu wollen, unterdrücken müssen. Doch dieses Mal ergriff sie selbst die Initiative und presste hauchzart ihre Lippen auf seine. Es war beinahe nur ein Streifen ihrer Lippen, aber sie hatte ihn, ohne seine Erlaubnis einzuholen, intim berührt. Dass er sie nicht wegstieß oder auswich bedeutete ihr mehr als sie hätte in diesem Moment ausdrücken können.
Ganz im Gegenteil sogar. Er beugte sich ein Stück zu ihr herunter und zog sie mittels seiner warmen Hände noch näher zu sich heran. Dann lagen seine Lippen auch schon verlangend auf den ihren und Sakura konnte nicht anders als seiner Leidenschaft mit der gleichen Intensität entgegenzukommen. Diese Gier zu spüren war berauschend und die Rosahaarige klammerte sich an den Uchiha, der noch immer Oberkörper-frei in ihrer Wohnung herumlief, wobei seine Haut zum Großteil noch immer von Verbänden bedeckt wurde. Ihre kurzen Fingernägel bohrten sich in die weiche Haut seiner Brust, während er ihre Unterlippe mit der Zungenspitze anstupste. Ohne zu zögern gewährte sie ihm Einlass, wurde sie doch selbst von einer Welle der Lust übermannt.
In dem Moment, in dem sich Itachis Zunge einen Weg in ihre Mundhöhle bahnte, um die ihrige zum Spielen aufzufordern, tat der Dunkelhaarige einen Schritt nach vorne, sodass Sakura mit ihrer Kehrseite an die Arbeitsfläche der Kücheneinrichtung stieß. Ein Laut der Überraschung entwich der Haruno, währenddessen Itachis Kuss immer hungriger und drängender wurde. Immer mehr rückte der rationale Teil ihres Denkens in den Hintergrund, indes die Leidenschaft in den Vordergrund trat.
Erst das laute Schellen an der Haustür ließ sie ertappt auseinander fahren und erschrocken innehalten.
»Geh!«, war das erste Wort, welches Sakura über die Lippen kam, als sie sich soweit gefangen hatte, dass sie schwer atmend aber einigermaßen klar denkend vor Itachi stand. Dabei bemerkte sie, dass er sein Sharingan aktiviert hatte und sie nun wieder ausdruckslos ansah. Keine zwei Sekunden später machte sie sich auf den Weg Richtung Haustür. Sie vertraute darauf, dass ihr derzeitiger Mitbewohner so aufmerksam war und seinen Mantel mit den markanten Wolken darauf mit in das Zimmer nahm, in welches er auch immer verschwunden war, denn als sie sich ein letztes Mal umblickte, war er wie vom Erdboden verschluckt.
Ein Anflug von Panik breitete sich in ihr aus, als sie die Tür etwas zu überschwänglich öffnete und niemand anderes als Neji davorstand. »Ohayo, Neji. Was ist los?«
»Guten Morgen? Sakura, hast du mal auf die Uhr geschaut? Wir waren heute morgen zum Training verabredet«, erklärte er sein plötzliches Auftauchen und verengte daraufhin misstrauisch seine schönen Augen.
Sakura hätte sich dafür ohrfeigen können, dass sie vergessen hatte Bescheid zu sagen, dass sie nicht zum Training kommen konnte. »Gomen, Neji. Ich bin gestern erst spät ins Bett gekommen.«
»Das sind wir alle«, stellte er deutlich unzufrieden fest.
Es fühlte sich wie eine Ewigkeit an, seitdem sie ihre Freunde gesehen hatte, dabei waren es gerade einmal ein paar Stunden gewesen. So viel war seitdem geschehen, was noch immer kaum zu begreifen war.
Zwischen dem Dunkelhaarigen und Sakura entstand eine unangenehme Stille, währenddessen Neji die Haruno mit kritischen Augen musterte. Schließlich ergriff er noch einmal das Wort und fragte: »Bist du gerade eben erst aufgestanden?«
»Hai«, war ihre einsilbige Antwort. Manchmal könnte sie sich selbst dafür in den Hintern beißen, dass sie nicht so kreativ und spontan war, was das Lügen anging. Es brachte sie nur in Schwierigkeiten. Große Schwierigkeiten.
»Das bedeutet dann wohl, dass wir heute nicht noch einmal trainieren gehen. Lass uns«, Neji brach seine Ausführung kurzzeitig ab und sprach dann mit wesentlich distanzierterem Ton weiter, »Lass uns das einfach verschieben.«
Mit einem wehmütigen Nicken stimmte sie ihrem Teamkollegen zu, ehe sie noch einmal das Wort erhob: »Gomen, Neji, ich hab's einfach vergessen.«
Ohne noch einmal zurückzublicken, ging der Dunkelhaarige. Sie wollte ihn nicht anlügen, aber sie musste erst mit Tsunade-shishou darüber sprechen. Sie war die Godaime, und sie war es, die entscheiden würde, mit wem sie darüber sprechen durfte und vor wem sie es geheim halten sollte. Ausflüchte, nichts als Ausflüchte, flüsterte eine leise Stimme in ihrem Kopf, als sie sich schließlich auch abwandte und die Tür wieder schloss.
Nachdem er Sakuras Wohnung verlassen hatte, schlug er sogleich den Weg zu dem ANBU ein, der vor ihrem Gebäude stationiert war. Seine Teamkollegin und Freundin hatte ausgesehen, als wäre sie gerade erst ihrem Bett entsprungen: völlig zerzauste Haare, nur ein übergroßes T-Shirt am Leib und seltsam geschwollene Lippen. Tatsache war jedoch, dass die junge Frau ein Frühaufsteher war. Es war bereits nach Mittag und sie sollte sich noch immer nicht fertig gemacht haben? Das kam ihm sehr verdächtig vor. Natürlich hätte er auch einfach sein Byakugan aktivieren können, um nachzuschauen, aber das wäre ein Vertrauensbruch, den er nicht einzugehen wagte.
Das ANBU-Mitglied hatte sich in einem der höheren Bäume in der Umgebung zurückgezogen, damit keiner der Dorfbewohner Verdacht schöpfen konnte, dass er hier herumlungerte.
Mit einem kleinen Satz befand sich nun auch Neji auf dem erhöhten Sitz und fand sich wenig später vor einem schlanken Jüngling mit Maske hockend wieder. Anscheinend oblag es nicht oberster Priorität Sakura zu überwachen, wenn die Godaime einen Neuling einsetzte. Natürlich waren alle ANBU-Mitglieder mehr als qualifiziert für ihren Rang, aber die Rosahaarige war ebenfalls ein ANBU. Wenn sie sich dazu entscheiden sollte den jungen Mann anzugreifen, stehe nach noch nicht einmal fünf Minuten fest, wer diesen Kampf gewinnen würde. Das waren allerdings nur reine Spekulationen. Niemals würde der Hyuuga annehmen, dass seine Teamkollegin jemanden aus Konoha angreifen würde. Dafür achtete sie ihr Dorf und die Menschen darin viel zu sehr.
»Wie sieht's aus?«, fragte Neji schließlich den Jüngeren, hielt aber seinen Blick auf das Gebäude gerichtet.
»Alles ist soweit ruhig, Hyuuga-senpai«, antwortete sein Gegenüber mit einem leichten Anflug von Desinteresse. Es wurde ihm allein schon bei dem Gedanken langweilig, einer Iryounin den ganzen Tag folgen zu müssen. Langweilig und nochmals langweilig.
Neji wandte sich nicht einmal von dem Zuhause seiner Kameradin ab, als er betont gleichgültig nachfragte: »Ist jemand bei ihr?«
Der Junge wunderte sich über eine solche Frage, konnte der Ältere doch selbst nachschauen, wenn er wollte. Doch er fragte nicht weiter nach und antwortete stattdessen: »Es hat niemand die Wohnung verlassen, und außer dir ist auch niemand zu ihr gekommen. Ansonsten ist nicht viel zu erkennen, außer man hat natürlich das Byakugan.« Ein neckischer Tonfall hatte sich in die Stimme des Jüngeren geschlichen. Es war nicht bös gemeint, sondern nur eine Tatsache, die er dem Dunkelhaarigen aufzeigen wollte. Natürlich wusste Neji das auch selbst. Es kam ihm nur so falsch vor eine Freundin auszuspionieren. So unendlich falsch. Und doch wünschte er sich, dass er einfach alle Prinzipien über Bord werfen könnte. Doch das tat er nicht. Das verbat ihm sein Stolz. Er würde nicht zu einem eifersüchtigen Monster mutieren. Außerdem gab es nichts, worauf er Anspruch erheben könnte. Absolut gar nichts.
Mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend, wandte sich Neji zum Gehen, wobei er noch einmal über seine Schulter zurückblickte und dann sagte: »Unterschätze sie nicht! Sie wurde immerhin von der Godaime selbst unterrichtet.«
»Hai«, erwiderte der Jüngere mit fester Stimme. Der Hyuuga konnte aber heraushören, dass er mit seiner Vermutung richtig gelegen hatte. Sakura hätte ihn in fünf Minuten besiegt gehabt. Sie hasste es unterschätzt zu werden.
Mit einem kleinen Lächeln war die Haruno wieder an ihre vorherige Tätigkeit zurückgegangen für Itachi und sich selbst Essen zuzubereiten. Sie hatte bereits den Reis mit Sushi-zu gewürzt und wartete nun ab, dass er kalt werden würde. Währenddessen schnitt sie die Noriblätter in gleichgroße Streifen. Den Uchiha hatte sie nicht mehr gesehen, seitdem Neji an der Tür geklopft hatte, verspürte aber auch nicht das Bedürfnis ihn zu rufen. Irgendwann würde er schon von selbst aus seinem Loch hervorgekrochen kommen, wenn er bereit dafür war.
In dem Gästezimmer, in welchem Sakura ihn in der Nacht zuvor hatte schlafen lassen, saß nun ein brütender Mann, der sich immer wieder fragte, wie er nur so von dieser Frau beeinflusst werden konnte, dass er selbst nicht mehr auf seine unmittelbare Umgebung achtete. Er musste lebensmüde sein, dass er einfach in feindliches Gebiet eindrang und sich von einer Frau überrennen ließ. Lebensmüde.
Aber immer, wenn sie ihn berührte, fühlte er sich so lebendig. Er spürte geradezu das Leben, welches unter ihrer Haut pulsierte und in ihren Adern floss. Und er wollte es so sehr spüren. Er wollte dieses Gefühl verinnerlichen und nicht mehr missen wollen. Itachi wollte sie. Und wie oft beschlich ihn der Zweifel ob dieses Umstands. Er wollte sie. Es war geradezu einfach festzustellen. So schnell, wie er in ihrer Nähe die Kontrolle verlor und um sich herum alles ausblendete, war es mehr als offensichtlich, welche Wirkung sie auf ihn hatte. Doch dieser Umstand beruhte auf Gegenseitigkeit. Auch sie gab sich ihm immer schneller und intensiver hin. Vorhin hatte sie den Kuss begonnen, der immer hitziger geworden war, desto mehr Zeit verstrich. Sie beide verlangten nach dem jeweils anderen; entweder sie akzeptierten es oder wehrten sich mit allen Kräften dagegen, doch das würde nur Leid über sie beide bringen. Warum also saß er noch hier und dachte über eine Antwort nach, die er doch eigentlich schon in den Händen hielt? Er würde diese Chance auf ein wenig Glück in seinem Leben nicht verstreichen lassen. Und wenn sich jemand – oder etwas – ihnen in den Weg stellte, würde er dieses Hindernis überwinden. Mit ihr gemeinsam. Denn er würde diese Verbindung nicht zu einer Schwäche werden lassen, sondern sie in Stärke umwandeln!
Als er wieder zu ihr ins Wohnzimmer schritt, hatte er sich eines ihrer T-Shirts übergeworfen, die sie normalerweise zum Schlafen trug. Es passte ihm beinahe perfekt, nur spannte es etwas zu sehr an seiner Brust, was es seltsam eng erscheinen ließ. Auch seine Haare hatte er gerichtet und in einem lockeren Zopf zusammengefasst. Ihr war vorher nie wirklich aufgefallen, dass er eine Kette trug. Doch entgegen ihrer Erwartungen ließ sie ihn eher maskuliner erscheinen als weiblicher. Sakura beschlich das Gefühl, das nichts, nicht einmal die unzähligen Narben, die seinen Körper überzogen, ihn entstellen konnte. Nein, sie unterstrichen eher noch die ehrfurchtgebietende Aura, die er unablässig ausstrahlte.
Sakura wurde jäh aus ihren Gedanken gerissen, als Itachis geschmeidige Stimme zu vernehmen war: »Wir sollten in Zukunft vielleicht achtsamer sein.« Die Rosahaarige glaubte es sich nur eingebildet zu haben, aber sie hatte so etwas wie ein amüsiertes Zucken seines Mundwinkels gesehen. Ja, sie musste es sich eingebildet haben.
Atemlos schaute sie zu ihm herüber; sein Sharingan hatte er wieder deaktiviert. »Hai.«
Nachdem sie eine Weile nichts zueinander gesagt hatten, fiel Sakura auf, dass sie noch immer den Teller in der Hand hielt, den sie eigentlich auf den Tisch hatte stellen wollen. Stattdessen war sie auf halbem Wege stehen geblieben, um ihn betrachten zu können.
Albern. Es war albern. Ihr Verhalten war albern.
Sie führte sich auf, als wäre sie ein kleines verliebtes Mädchen, das beim bloßen Anblick ihres Schwarms errötete und beschämt den Blick senkte. Doch die Rosahaarige war kein kleines Mädchen mehr. Sie war eine Frau. Eine starke Frau, die wusste, was sie wollte. Wieso nahm sie es sich dann nicht einfach, wenn es in greifbarer Nähe gelegen war? War sie feige? Hatte sie Angst?
Sie hatte durchaus Angst verletzt zu werden, aber sie hatte keine Angst dieses Wagnis einzugehen. Nicht bei diesem Mann. Noch immer hatte sie das Gefühl bei ihm sicher zu sein. Er würde sie nicht anlügen, hatte er es doch nicht nötig sie anzulügen.
Also was, verdammt nochmal, hielt sie davon ab diese starke Frau zu sein? Eindeutig war es dieser kleine Teil in ihr, der sie vor die Wahl stellte: Konoha oder Itachi? Feindschaft oder Verlangen?
Sakura musste es Tsunade-shishou erzählen. Sie musste sich jemandem anvertrauen, auch auf die Gefahr hin, das eben dieser jemand, ihr Urteil verkünden würde. Danach würde sie sich besser fühlen und nicht mehr diese Last auf ihrem Herzen spüren müssen.
Mit diesem einen Gedanken überwand sie die letzten Schritte, die sie von dem großen Tisch trennten und stellte den Teller mit den Onigiri darauf ab.
»Komm! Du musst etwas essen.« Und mit diesen Worten setzte sie sich, blickte ihn mit einem warmen Lächeln an, welches den Raum erhellte.
Der Tag neigte sich so langsam seinem Ende zu, was auch den Abschied zwischen Itachi und Sakura unaufhörlich näher rücken ließ.
Sie hatten den Tag damit verbracht zu reden. Über völlig belanglose Dinge, wie beispielsweise ihre Erfahrungen als Shinobi. Die Haruno bemerkte sofort, dass der Dunkelhaarige eine Begabung dafür besaß Geschichten anregend aber realistisch auszuschmücken und wiederzugeben. Auch liebte sie es seinem dunklen Timbre zuzuhören. Die Geschmeidigkeit seiner Stimme faszinierte sie immer wieder aufs Neue und zog sie somit in seinen Bann.
Bewusst ließ sie jedoch die wenigen Missionen ihres Genin-Teams aus, da sie vermutete, dass es Itachi wehmütig stimmen würde, über seinen Bruder nachzudenken. Auch wollte sie ihn in keinster Weise bedrängen etwas von sich preiszugeben, was er geheim halten wollte.
Natürlich wollte sie den Schwarzhaarigen ergründen. Aber wenn es geschah, dann nur auf seine Art und Weise. Vertrauen musste man erst aufbauen. Man konnte nicht von jetzt auf gleich von jemandem verlangen, dass er einem seine dunkelsten Geheimnisse vor die Füße legte. Es brauchte Zeit und Geduld. Und Sakura war bereit zu warten, denn sie hatte das Gefühl, dass es sich lohnen würde.
Nun standen sie unter dem dunklen Nachthimmel und beobachteten die funkelnden Sterne. Die junge Frau hatte dem Uchiha ein sauberes Oberteil, etwas zu essen und einen unauffälligeren schwarzen Mantel besorgt, sodass es nicht so auffallen würde, dass ein Akatsuki über die Dächer Konohas hinwegfegte. Der ANBU, der sie bewacht hatte, war kurz nach Sonnenuntergang verschwunden. Vermutlich wurde er zu einer kurzen Konsultation zum Hokage gerufen. Sakura war sich jedoch sicher, dass sie niemand beobachtete, als sie sich voneinander verabschiedeten. Mit ihrem feinen Gespür für Chakra hätte sie einen herannahenden Menschen bemerkt.
Auf der verlassenen Lichtung, die im seichten Mondlicht erstrahlte, verharrten sie für ein paar wenige Augenblicke. Sakura fiel der Abschied nicht leicht, wusste sie doch, dass sie sich für unbestimmte Zeit nicht wiedersehen würden. Es tat ihr in der Seele weh, nicht zu wissen, wo er sich herumtreiben würde. Was er tun würde. Sie machte sich Sorgen um den älteren Uchiha, und bedachte man den Umstand, dass er das letzte Mal mit einem klaffenden Loch im Bauch aus heiterem Himmel in ihrer Wohnung aufgetaucht war, hatte sie auch guten Grund dazu.
»Itachi«, durchbrach sie die wehmütige Stille und wandte sich ihm zu, nur um zu bemerken, dass er sie bereits wissend ansah, »Ich …«
»Sch«, unterbrach er sie leise und wandte sich ihr nun vollends zu. Eine seiner rauen Hände legte sich auf ihre Wange, nur um diese sogleich mit dem Daumen zärtlich zu liebkosen. Hätte er eine Wahl würde er sie nicht verlassen. Doch er musste sich um seinen kleinen Bruder kümmern und den Schein wahren den Akatsuki anzugehören. Er konnte ihrem Flehen nicht nachkommen bei ihr zu bleiben. Zu genießen.
»Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir uns begegnen, Sakura«, hauchte er leise und bestärkend gegen ihre vollen Lippen, ehe er sie in einem leidenschaftlichen Kuss einfing und sie gleichzeitig näher an sich heranzog. Ihre weiblichen Kurven schmiegten sich an seinen harten Körper, während sich ihre grazilen Hände in seine schwarzen Strähnen vergruben. Er sehnte sich so sehr nach ihren Berührungen und dem Gefühl ihrer Haut auf seiner, dass ihn für einen kurzen Augenblick die Lust übermannte und sein Kuss härter wurde – verlangender. Ein leises Stöhnen, gedämpft durch seinen Mund auf ihrem, durchbrach die Stille. Hektisches Atmen war zu vernehmen, als Itachi das Bento zu Boden fallen ließ, welches Sakura ihm mitgegeben hatte, und seine nun freie Hand in ihrem rosanen Haar vergrub. Die junge Schönheit in seinen Armen genoss diesen Anflug von Leidenschaft durch und durch, sehnte sich nach mehr und lehnte sich seinen sinnlichen Lippen entgegen, hieß seine Lust willkommen.
Erst aufgrund des zunehmenden Luftmangels trennten sich die beiden ineinander Verschlungenen voneinander und schnappten hastig nach Luft. Nun ja, Sakura tat dies. Itachi jedoch schien nur ein wenig außer Atem und blickte der Rosahaarigen in ihre vor Lust verschleierten, faszinierenden Augen. Er konnte sich gar nicht an ihr satt sehen, so einnehmend war ihre Gestalt.
»Küss mich nicht so, wenn du vorhast zu gehen«, warnte die junge Frau, als sie wieder zu Atem gekommen war.
Ein kurzes Zucken seiner Mundwinkel war seine Antwort, bevor er mit rauer Stimme erklärte: »Doch, genau so küsse ich dich, bevor ich gehe. Du sollst wissen, wie sehr ich mich nach dir verzehre.«
Keine Sekunde später stand Sakura allein auf dem feuchten Gras der Lichtung und starrte mit weit aufgerissenen Augen den Fleck an, an dem bis vor kurzem noch Itachi gestanden hatte. Dann legte sich ein liebevolles Schmunzeln auf ihre Lippen, während ihre smaragdgrünen Augen wässrig schimmerten. Sie würde ihn wiedersehen, keine Frage.
Es war nun mitten in der Nacht und eine rosahaarige Kunoichi schlenderte durch die Straßen Konohas. In ihrer rechten Hand hielt sie eine große, volle weiße Flasche Sake und in der Linken zwei Schälchen zum Einverleiben des Reisweins. Sie hielt es für eine gute Idee zu solch später Stunde mit einem Friedensangebot zu ihrer Shishou zu gehen, da sie im Begriff war dieser alles zu beichten. Dass sie einen Nukenin geheilt hatte – zweimal –, dass sie ihn bei sich aufgenommen und ihn beschützt hatte, dass sie ihn geküsst hatte. Und trotz allem war sie glücklich. Sakura war nicht glücklich, dass Itachi gegangen war, sondern dass er ihr unmissverständlich gezeigt hatte, wie sehr er sie wollte. Wie sehr er diese Bindung wollte. Und ja, es stimmte sie glücklich zu wissen, dass der Mann, den sie über die Maßen begehrte, auch an ihr interessiert war. Zum ersten Mal in ihrem Leben fühlte sich Haruno Sakura nicht nur zufrieden oder gut, sondern ernsthaft und vollkommen glücklich.
Nach einem etwas längeren Fußmarsch und dem kleinen Abstecher in eine Bar, um den Sake zu besorgen, erklomm sie die wenigen Stufen zum Hokage-Turm, wo sie kurz von zwei Shinobi, die Dienst hatten, beäugt wurde. Normalerweise ließ sich keiner mehr zu solch einer unchristlichen Stunde draußen blicken. Es sei denn man wollte nach Hause oder kam gerade von einer Mission zurück, um Bericht zu erstatten. Doch dies traf auf die Haruno keineswegs zu. Sie würde ein viel persönlicheres Gespräch mit dem Hokage führen müssen. Viel persönlicher.
Als sie vor der massiven Doppeltür zum Büro der Godaime stand, klopfte sie respektvoll an, wartete allerdings nicht auf eine Erlaubnis einzutreten. Denn wie erwartet, hatte Tsunade-shishou ihren Kopf auf ihre Arme gebettet und war bereits in Sphären abgedriftet, die mit der Arbeit eines Hokage nichts mehr zu tun hatten. Sanftes Schnarchen erfüllte die Stille des großen Raumes.
Die junge Frau trat langsam an den großen Schreibtisch heran, der von unzähligen Dokumenten und Akten übersät war und stellte die noch warme Flasche Reiswein darauf ab. Daraufhin stellte sie die zwei Schälchen daneben und begoss sie mit der milchig weißen Flüssigkeit. Eines der Schälchen stellte sie unmittelbar vor Tsunade-shishous Nase hin, während sie sich das andere Gefäß schnappte, sich auf einen der Sessel für Gäste plumpsen ließ und wartete.
Die ersten Anzeichen für das Erwachen der blonden, vollbusigen Frau waren bereits zu erkennen. Gelegentlich schüttelte ein Zucken ihren Oberkörper. Dann folgte das Schnüffeln, wie Sakura es gern nannte. Man könnte meinen, dass der Hokage der fünften Generation einen besonders ausgefeilten Geruchssinn ausgeprägt hatte, was Alkohol anging.
»Wach?«, fragte Sakura mit einem Schmunzeln in die Stille hinein.
Ein Murren folgte auf diese Frage, ehe die Ältere leicht ihren Kopf hob und das Schälchen in einem Zug leerte. »Das war schon mal ein guter Anfang.«
Ein leises Lachen erfüllte den Raum, ehe Sakura großzügig anbot: »Bedien dich ruhig!« Mit einem Nicken auf die große Flasche voll Hochprozentigem machte sie unmissverständlich klar, was sie meinte. Und die Godaime sagte zu solch einem Angebot natürlich nicht »nein«.
Nach einem zweiten und dritten Schälchen Sake wandte sich die Braunäugige an die Jüngere und fragte: »Gut. Womit hab ich es verdient, dass mich meine hochgeschätzte Schülerin zu solch später Stunde noch belästigt?«
Die Haruno kam gleich zu ihrem Anliegen, ohne groß drumherum zu reden: »Es geht um Itachi.« Bei diesen Worten blickte die Blondine auf, ehe sich ihre hellen Augen zu Schlitzen verengten.
»Er war hier«, gab die Rosahaarige preis, »Er war verletzt und er brauchte Hilfe. Ich konnte ihn nicht sich selbst überlassen. Und ich konnte ihn Konoha nicht ausliefern.«
»Loyalität, Sakura«, begann Tsunade-shishou ihre Ausführungen, wurde allerdings von ihrer ehemaligen Schülerin unterbrochen.
»Ich werde nichts verheimlichen, wenn es um die Sicherheit dieses Dorfes geht. Aber – und das ist ausschlaggebend – ich werde nicht mein Glück für Konoha opfern«, erklärte Sakura, »Und nein, es liegt nicht an Sasuke. Ich gebe zu, dass sie sich ähneln, denn immerhin sind sie Brüder. Aber sie sind zwei komplett verschiedene Charaktere. Zwei verschiedene Menschen. Und ich habe mich entschieden: Ich möchte nicht außerhalb dieses Dorfes leben. Hier sind meine Freunde, meine Familie. Ich werde immer Konoha gegenüber loyal sein. Aber ich werde auch ihm gegenüber Loyalität schwören. Zu gleichen Teilen.«
Die flache Handfläche der Godaime prallte auf den Schreibtisch und ließ ihn unheilvoll erzittern, ehe ihr Temperament die Überhand ergriff: »Das kann doch nicht dein Ernst sein? Wie kommst du nur dazu einen Nukenin unter deinem Dach zu beherbergen? Was hast du dir nur dabei gedacht, du dummes Mädchen? Er benutzt dich! Er nutzt deine Warmherzigkeit aus, Sakura. Und du lässt dich auch noch auf sein krankes Spielchen ein? Wieso?«
Die junge Frau hatte sich den lautstarken Ausruf ihrer Shishou geduldig angehört, ehe sie abwägte, ob es klug wäre mit der Tür ins Haus zu fallen. Ihr blieb anscheinend keine andere Wahl als mit gänzlich offenen Karten zu spielen. »Weil ich mich zu ihm hingezogen fühle.« Ein verächtliches Schnauben erfüllte den Raum.
»Weil er mich fasziniert. Weil ich mich bei ihm sicher fühle. Weil er mir das Gefühl gibt stark zu sein. Weil ich jedes Mal, wenn er mich berührt, erzittere und nach mehr verlange. Weil er mir dieses Verlangen nicht verwehrt, sondern mich darin bestärkt«, erwiderte die Haruno und blickte der Godaime dabei fest in die Augen. Ein sanftes Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie ihren kleinen Ausbruch an Gefühlen beendete und die letzten Worte über ihre Zunge rollten.
»Du kannst so ein gefühlsduseliger Dummkopf sein«, stellte der Hokage fest und beruhigte sich ein wenig, »Was macht dich so sicher, dass er genauso empfindet?«
»Ich könnte dir sagen, dass die Art, wie er mich küsst oder berührt für sich spricht, aber im Endeffekt würde dir dies nichts bedeuten. Also sage ich dir ganz offen und ehrlich: nichts. Nichts macht mich sicher oder würde meine Beweggründe absichern, denn die Wahrheit weiß nur er allein«, antwortete die Rosahaarige.
Ein tiefes Seufzen schlüpfte zwischen den rosigen Lippen ihrer Shishou hervor, ehe sie nachfragte: »Also gut. Was hat er denn zu dir gesagt, bevor ihr …?«
»Dass er mich will«, sagte sie ehrlich, »Und er hat gesagt, dass er auf mich wartet, bis ich so weit bin, mich ihm … hinzugeben.«
»Gut. Das ist nun eine mehr als deutliche Aussage. Nichtsdestotrotz gilt er noch immer als Nukenin und steht im Bingo-Buch. Ich heiße diese Verbindung absolut nicht gut, aber ich überlasse es deinem Urteilsvermögen, wenn du dich dazu entscheiden solltest dich weiter mit ihm zu treffen. Wenn ihr beiden allerdings erwischt werdet oder eure Beziehung in die Brüche geht, wirst du allein die Konsequenzen tragen müssen«, erklärte die Godaime in ihrer Funktion als Autoritätsperson, »Auch wirst du mir von euren Treffen berichten. Jedes noch so winzigste Detail wirst du mir berichten, haben wir uns verstanden? Und ich verlange, dass du regelmäßig zu einer Untersuchung im Krankenhaus erscheinst. Du und Itachi, ihr werdet ab sofort zusammenarbeiten, ohne dass es zu sehr auffällt, immerhin ist er ein Akatsuki. Ich werde dir in der nächsten Zeit mehr Einzelmissionen geben, in denen zu Informationen beschaffst. Über Sasuke, über Akatsuki, über einfach alles. Unser Ziel ist es – wenn möglich – beide Uchiha nach Konoha zurückzubringen. Und du, Sakura, wirst der Kernpunkt dieser Operation sein. Ich vertraue dir, Sakura, aber wenn diese Mission auffliegt, werde nicht einmal mehr ich, dich vor den Konsequenzen deiner Handlungen retten können, das muss dir bewusst sein.«
»Wakatta, Tsunade-sama«, nickte Sakura ihre neue Mission ab und nahm sie somit dankbar an.
Ein verächtlicher Laut entfloh Tsunade-shishous Lippen, ehe sie sprach: »Du törichtes Gör, wer hat dir eigentlich erlaubt, dich in einen Nukenin zu verlieben?«
Sanftes, helles Lachen erfüllte den Raum, nachdem die Godaime ihre Beobachtung ausgesprochen hatte. Liebe. Hai, vielleicht war Sakura auf dem besten Weg sich in den Schwarzhaarigen zu verlieben.
Sake wurde in ihr Schälchen geschüttet, als dieses leer auf dem Rand des breiten Tisches stand.
»Wann ist er gegangen?«, fragte die Blondine betont desinteressiert.
»Kurz bevor ich hierhergekommen bin, um dir alles zu sagen«, antwortete die Jüngere und sah aus den Fenstern hinaus, die eine atemberaubende Sicht auf Konoha ermöglichten. Selbst bei Nacht genoss sie diesen Ausblick. Vielleicht sogar mehr als am hellen Tage.
»Du weißt nicht, wann du ihn das nächste Mal wiedersehen wirst«, stellte die Godaime daraufhin fest, »Aber sei versichert, wenn er dich so sehr begehrt, wie du es beschrieben hast, wird er einen Weg finden, um zu dir zurückzukehren.« Ihr Blick war seltsam in die Ferne gerichtet, als sie diese Worte sprach, deswegen nahm Sakura an, dass Tsunade-shishou an längst vergangene Tage dachte.
»Dan?«, fragte die Rosahaarige leise und wehmütig nach. Sie hatte einst die Geschichte des Geliebten der Godaime gehört. Sie hatte ihn geliebt und auf dem blutigen Schlachtfeld verloren. Nicht einmal sie Iryounin konnten alles heilen. Sakura empfand tiefe Trauer für die verlorene Liebe ihrer Shishou, konnte sie doch erahnen, wie die Blondine unter dem Verlust gelitten haben musste.
Es schien als hätte sie die Ältere aus ihren Gedanken gerissen, als diese sich etwas weiter aufrichtete und ihren Blick auf ihre ehemalige Schülerin fixierte. »Iie, nur eine verblasste Erinnerung.«
»Verrate mir eines, Sakura«, erhob die Ältere ihre Stimme erneut, nachdem sie eine Weile die Stille genossen hatten, »Warum hast du dich dazu entschieden zu mir zu kommen? Du hast beim ersten Mal schließlich nichts gesagt.«
»Schuld? Ich wollte allerdings nicht nochmal euer Vertrauen so missbrauchen, wie ich es vor drei Wochen getan habe. Versteh mich nicht falsch. Ich kann sehr gut für mich allein sorgen, aber, indem ich Itachi vertraue, könnte ich euch in Gefahr bringen. Und ich wollte, dass ihr wisst, mit welcher möglichen Gefahr ihr es zu tun bekommen könntet«, erläuterte die rosahaarige Frau und lehnte sich in dem Sessel etwas vor.
»Du sprichst immer von uns, dabei bist du es, die in größter Gefahr schwebt«, argumentierte die Godaime dagegen und kniff ihre schönen Augen dabei leicht zusammen. Begriff dieses Mädchen denn überhaupt, in was für eine Lage sie sich selbst hineinkatapultiert hatte? Konnte sie wirklich so naiv sein und glauben, dass sie ohne einen Kratzer diesem Dilemma entkommen konnte?
»Und doch lässt du mich diesen Weg gehen, wenn ich ihn denn einschlagen wollte«, stellte die junge Frau fest.
Ein Aufseufzen erfüllte die Stille, ehe Tsunade-shishou antwortete: »Manchmal kann man die Menschen nicht davor bewahren, verletzt zu werden. Besonders nicht die Dickköpfigen.« Bei diesem Satz schlich sich ein triumphierendes Grinsen auf Sakuras rosige Lippen.
Es war ihm nicht leicht gefallen, sie dort auf der Lichtung stehen zu lassen. Viel lieber hätte er sich ein weiteres Mal in ihr verloren und seinem Verlangen, sie zu erkunden, nachgegeben. Doch auch er musste irgendwann seinen Pflichten wieder nachkommen. Und diesen Entschluss fasste er zur richtigen Zeit, denn keine zwei Stunden später wurde er von Pain kontaktiert und dazu aufgefordert, sich mit Kisame an der Grenze zu Otogakure zu treffen. Erst dort würden sie weitere Informationen zum Verlauf ihrer nächsten Mission erhalten.
Doch während er in den Baumkronen von Ast zu Ast glitt, konnte er an nichts anderes denken als an die Geschmeidigkeit ihres nach Mango duftenden Haars, oder die rauen Innenflächen ihrer zierlichen Hände. Er konnte sich an ihre vollen, rosigen Lippen erinnern, wie sie die seinen liebkosten. Und wie es sich angefühlt hatte ihre nackte Haut auf seiner zu spüren, wie sich ihre wohlgeformten Brüste an seine harte gepresst hatten, während seine Hände auf Wanderschaft gegangen waren. Noch immer pulsierte die Lust durch seinen Körper, doch er wäre nicht Uchiha Itachi, wenn er sich und seine Triebe nicht kontrollieren könnte. Zuerst musste er diesen Auftrag erledigen, dann konnte er sich wieder dieser exotischen Schönheit annähern, nach der es ihn so sehr verlangte. Doch bis dahin musste er sich noch einige Zeit gedulden. Bis die Zeit reif war.
