Als Ken am nächsten Morgen auf den Flur der Herberge trat, fühlte er sich wie gerädert. Die Nacht war einfach zu kurz gewesen. Aber er hatte getan, wozu er sich am Abend entschlossen hatte. Obwohl es ihm weiß Gott nicht leicht gefallen war. Zwei Holonachrichten an die Familien von Benneth und Lian warteten auf seinem Kom-Gerät auf ihre Übertragung.
Dazu kam eine Botschaft an die Matriarchin des Dorfes, in der er sie über Nalens Verbleiben auf Coruscant unterrichtete und sie bat, ihre Nachrichten an die Familien weiterzuleiten. Außerdem hatte er ihr mitgeteilt, dass er sich des Problemfalls Kalikori annehmen würde, und sie um Informationen über frühere Verhandlungen mit der Republik und dem Jeditempel gebeten. Das gleiche hatte er auch für Satele Shan und Jaric Kaedan aufgenommen. Ken konnte sich Meisterin Shans zusammengezogene Augenbrauen und den missbilligenden Gesichtsausdruck von Meister Kaedan beim Ansehen lebhaft vorstellen. Er war sich nicht einmal sicher, ob einer von beiden ihm überhaupt Informationen zustellen würde. Am besten hielt er sich erstmal an Meister Bakarn, wenn er neben seinen Aufgaben im Senat dafür Zeit fand. Der würde ihn vielleicht noch am ehesten unterstützen.
Zuletzt hatte Ken noch einen kurzen Film für Rusa aufgezeichnet, um ihr zu zeigen, wofür er ihr Geschenk nutzte. Eine Wassermeditation war einfach das Beste gewesen, was er machen konnte, um hinterher Ruhe und wenigstens noch etwas Schlaf finden zu können.
In dem kleinen Gastraum der Herberge saßen Qyzen und Meister Bakarn an einem der Tische. Die anderen verspäteten Frühstücksgäste ließen mindestens einen Tisch Abstand zu den beiden. Qyzen hatte wohl wieder einmal jeden, der sich an einen der Nachbartische setzen wollte, mit seinem breitesten, hintergründigsten Trandoshanerlächeln bedacht, bei dem die Reißzähne in seinem Gebiss besonders gut zur Geltung kamen. Jeder, der das zu Gesicht bekam, setzte sich so weit weg von ihm wie möglich. Neugierige Mithörer inklusive.
Ken nahm bei den beiden Platz und entdeckte erfreut eine dampfende Kanne mitten auf dem Tisch.
„Ihr seht aus, als hättet Ihr eine anstrengende Nacht hinter Euch", sagte Meister Bakarn. Hörte er da eine gewisse Neugier in seiner Stimme?
„Das war sie. Aber das war es wert." Ken unterdrückte ein Gähnen und goss sich einen Becher dieses belebenden schwarzen Getränks ein, das er hier kennen und schätzen gelernt hatte. Nach ein paar Schlucken fühlte er sich wach genug, um den beiden kurz von seiner gestrigen Unterredung zu berichten.
In Meister Bakarns Miene las Ken, wie erwartet, Einverständnis. Qyzen dagegen grollte leise, als er von Kens Entscheidung erfuhr. „Ich traue ihm nicht, dem Trickser", wiederholte er. „Ist unberechenbar."
„Wirst du es trotzdem versuchen, Qyzen? Auch wenn es dir widerstrebt?" Ken blickte seinen Kameraden ernst an. Qyzen knurrte. „Wenn es sein muss … Du bist der Herold. Ich folge. Aber ich werde ihn keine Sekunde lang aus den Augen lassen!"
„Danke, mein Freund." Mehr konnte Ken für den Anfang nicht erwarten.
Qyzen machte eine wegwerfende Handbewegung. „Was ist mit der Kraft, die er hat? Du hast nicht gesagt, ob er nun lernen wird."
„Darüber haben wir gestern noch nicht gesprochen. Wir hatten erst einmal das zu klären, was uns beide betraf. Und dann musste ich Nalen mitteilen, dass in all dem Schlamassel noch ein weiterer Freund von ihm sein Leben verloren hat. Das war genug für einen Abend."
„Alles hat seine Zeit", nickte Meister Bakarn und goss sich noch einen Tee ein.
Qyzen schnaubte leicht entrüstet. „Es ist aber wichtig, kleiner Jäger! Du sagtest, er reißt Höhlen ein. Will nicht neben einem Haus stehen, wenn er nicht kontrollieren kann, was er tut."
„Das mit der Höhle sah schon ziemlich kontrolliert aus", meinte Ken und fand es etwas erstaunlich, wie schnell er bereit war, den Twi'lek zu verteidigen. Oder zumindest die Einschätzungen zu korrigieren, die Qyzen von ihm hatte.
„Nalen ist nicht verrückt. Nicht mehr. Er ist … auf der Suche nach etwas, würde ich sagen. Das, was auf Tython geschehen ist, hat uns beide verändert. Und trotzdem teilen wir denselben Weg. Er hat ein paar Fähigkeiten, die uns dabei helfen können, mit unserer Aufgabe weiterzukommen, dessen bin ich mir sicher. Und ich werde ihn und seine Leute dabei unterstützen, eine Lösung für das Fleischräuberproblem zu finden. Auch wenn das kein offizieller Auftrag des Jedirates ist."
Ken sah Meister Bakarn an und erwartete Widerspruch. Aber stattdessen blickte er in ein nachdenkliches Gesicht.
Qyzen, der Ken gegenübersaß, hob ruckartig den Kopf. Ken folgte dem Blick des Trandoshaners und sah Nalen im Eingang des Gastraumes stehen. Der Twi'lek kam zu ihrem Tisch, nickte grüßend in die Runde und nahm auf dem vierten Stuhl Platz. Ken bemerkte, dass auch Nalen ziemlich übernächtigt wirkte. Offenbar hatte er seinem Entschluss ebenso wie Ken sofort Taten folgen lassen.
Wie zur Bestätigung dieses Gedankens hielt Nalen Ken das Kom-Gerät entgegen. „Ich bin fertig."
„Ich auch. Finn wird denken, ich richte ein Jedi-Postfach bei ihm ein. Aber er wird nichts dagegen haben. Behaltet das Gerät erstmal. Ich sagte doch, ich leihe es Euch, bis Meisterin Yuon wieder gesund ist."
„Ich werde darauf achtgeben." Nalen legte das Etui auf den Tisch und begegnete Qyzens starrem Blick. Misstrauen und Ablehnung sprachen offen daraus. „Ken sagte, du wirst uns begleiten, Trickser. Dann sei es so. Aber ich warne dich. Tu etwas, das ihm oder Yuon Par schadet, und du bereust es!"
„Das habe ich nicht vor. Also werden wir wohl miteinander auskommen", antwortete Nalen mit stoischem Gleichmut.
Qyzen schnaufte verächtlich ob dieser Vorstellung und lehnte sich wortlos auf seinem Stuhl zurück.
Ken wusste nicht, ob er im Stillen seufzen oder lächeln sollte. Das konnte interessant werden mit den beiden … gut, dass Nalen sich nicht aus der Ruhe bringen ließ. Er wechselte einen Blick mit Meister Bakarn, dem wohl etwas Ähnliches durch den Kopf ging, denn um seine Mundwinkel zuckte es leicht.
„Kaffee?" fragte Ken und schob Nalen einen Becher zu. „Es gibt nichts besseres, um nach einer Nacht fast ohne Schlaf wieder munter zu werden."
Misstrauisch musterte der Twi'lek die schwarze Flüssigkeit, die Ken ihm da eingoss. Trotzdem probierte er davon und verzog das Gesicht. „Bitter."
„Aber wirkungsvoll."
„Ich habe schon davon gehört, dass Menschen seltsame Dinge zu sich nehmen … nur wegen der Wirkung." Nalen warf dem Getränk noch einen schrägen Blick zu und bediente sich dann lieber aus einer Obstschale.
„Ach, hört auf. Als ob es auf Eurem Fest des Erwachens nur Wasser zu trinken gäbe."
Nalen hielt kurz damit inne, einer pelzigen Frucht die Haut abzuziehen. „Stimmt wohl … aber das war nie etwas für mich."
„Geht mir ähnlich. Aber das Zeug hier ist einfach gut." Ken gönnte sich noch einen großen Schluck und widmete sich dann endlich seinem Frühstück. Als er Meister Bakarns Schmunzeln entdeckte, erwiderte er es gutgelaunt. Der ältere Jedi verstand genau, was Ken gerade beabsichtigte. Normalität herstellen. Außerdem fühlte es sich einfach gut an, mit Nalen über so etwas Banales wie zu bitteren Kaffee zu diskutieren. Viel besser als all das, was hinter ihnen lag. Dass er endlich dabei war, einige wichtige Dinge auf den richtigen Weg zu bringen, tat sein Übriges dazu, dass Ken heute in weitaus besserer Stimmung war als in den Tagen zuvor.
„Ihr sagtet vorhin, Ihr wollt Euch der Lage in Kalikori annehmen, auch ohne einen Auftrag des Rates", kam Meistern Bakarn wieder auf ihr unterbrochenes Gespräch zurück. „Dabei wart Ihr erst eine sehr kurze Zeit auf Tython. Warum ist Euch das so wichtig?"
Nalen blickte zu ihm herüber. Ken sah ihm an, dass dies eine Frage war, die er sich auch schon gestellt hatte.
„Aus mehreren Gründen, einige davon habe ich schon im Rat genannt. Wenn es der Weg unseres Ordens ist, denen zu helfen, die Hilfe brauchen, dann hat er auf Tython kläglich versagt. Nachbarn sollten sich nicht gegenseitig ignorieren, schon gar nicht, wenn die Bedrohung des einen leicht auch zur Bedrohung des anderen werden kann. Es dürfte Euch ja nicht entgangen sein, dass es inzwischen auch einige Zusammenstöße der Fleischräuber mit Padawanen gab."
Meister Bakarn nickte mit gefurchter Stirn, während Nalen überrascht die Augenbrauen hob. Diese Neuigkeit hatte man wohl bisher im Inneren des Tempels halten können.
„Wir haben euch vor so etwas gewarnt. Aber ihr wart euch zu sicher. Man könnte sagen, es geschieht euch recht", kommentierte er das mit einem harten Unterton.
„Es waren junge Schüler, die in die Hände der Fleischräuber gefallen sind – von denen kann keiner was für eine Entscheidung des Rates!" erwiderte Ken befremdet, obwohl er ihn irgendwie auch verstehen konnte.
„Auch die Twi'lek, die den Fleischräubern zum Opfer fielen, konnten nichts für die Entscheidung des Rates!" Nalens Tonfall war eisig. Aber er sah bei seinen Worten nicht Ken, sondern Meister Bakarn an. Ohne eine Miene zu verziehen erwiderte der Jedi seinen Blick. „Wir waren nie genug und nicht gut genug ausgerüstet, um unser Dorf wirklich schützen zu können. Jeder, der starb, nachdem ihr uns abgewiesen habt, starb auch euretwegen, Jedi! Aber vielleicht war das so gewollt. Was zählt schon das Leben eines ‚illegalen Pilgers', wenn es die Bedrohung von den eigenen Toren fernhält!"
„Das denkt man in Kalikori?" Meister Bakarn klang schockiert. „Dass wir euch opfern – für unsere Sicherheit?"
Nalen sparte sich eine Antwort.
„Nicht nur das, fürchte ich", murmelte Ken an seiner Stelle. Bei sich registrierte er, dass die Beziehung zwischen den ‚Lagern' wohl noch schlechter war als er dachte. Während die Jedi sich in ihrem Tempel und hinter bürokratischen und rechtlichen Vorgaben verschanzt hatten, waren in Kalikori Misstrauen und Hass gegen sie gewachsen. Das würde nicht einfach werden. Denn es waren nicht nur Fleischräuber und Twi'lek, die sich hier gegenüberstanden, die Jedi standen ebenfalls mittendrin. Und nicht gerade auf einer guten Position.
„Du verurteilst die Jedi, Trickser?" Qyzen lachte fauchend. „Ausgerechnet du?"
Nalens Augen wurden schmal. „Wer sonst ist hier, um für meine Leute zu sprechen, Trandoshaner?"
„Wenn er es nicht täte, würde ich es tun", entgegnete Ken, ruhig und mit Bedauern in der Stimme. Es gefiel ihm nicht, so etwas über den Orden sagen zu müssen, aber das änderte nichts an dem, was er darüber dachte.
„Aber ich denke nicht, dass Eure Vermutung zutrifft, Nalen – dass man Eure Leute als Opfer ansieht, deren Leben nichts wert ist. Sonst wäre man im Tempel wohl anders mit Euch umgegangen. "
Ken hatte keinen Vorwurf in seine Worte gelegt, dafür konnte er Nalens Ansichten zu gut nachvollziehen. Aber Nalen schien es als solchen zu empfinden, er senkte kurz den Blick. Als er Ken wieder ansah, wich die Härte langsam aus seinen Zügen.
„Das stimmt wohl, Ken'arryn. Mir wurde geholfen, auch wenn ich nicht verstehe, warum mir und nicht so vielen anderen auch."
‚Jedes Leben ist es wert, gerettet zu werden', dachte Ken. Einer der Leitsätze des Ordens. Im gleichen Moment hörte er, dass Meister Bakarn ebendiesen Satz laut aussprach und hinzufügte, was er ihm gestern Abend gesagt hatte: „Aber man kann nicht immer jeden retten, auch wenn man es gern möchte. Wir können nicht jede Schlacht schlagen, die man uns aufdrängen will! Bei den Kämpfen auf Coruscant wurde unser Haupttempel zerstört. Wir suchten einen neuen Ort, um uns zu sammeln und unsere Padawane auszubilden. Und wir entschieden uns für Tython, den alten Sitz unseres Ordens, um diesen wieder aufzubauen. Wir sind ein Tempel der Lehre, es befinden sich weitaus mehr Schüler in seinen Mauern als Lehrmeister oder Kämpfer. Es sind viele Kinder darunter. Sie zu schützen und auszubilden ist unsere vorderste Pflicht!"
Aber entband das auch von den anderen Pflichten, die der Orden sich selbst auferlegt hatte? Ken hörte den Zweifel, die sich selbst noch unbeantwortete Frage aus Meister Bakarns Worten heraus.
Auch Nalen schien das zu bemerken, er verzichtete diesmal auf eine scharfe Entgegnung. Stattdessen sagte er nach einer kurzen Pause und fast etwas widerwillig: „Von Zeit zu Zeit kamen einige eurer Padawane in unser Dorf, um unsere Lebensweise kennenzulernen. Ich fand sie immer ziemlich lästig. Aber sie haben sich nicht von uns abgewandt, auch wenn sie nichts weiter taten als im Weg zu stehen und Fragen zu stellen."
Ken musste lächeln. Genau dasselbe hatte er bei seinem ersten Besuch in Kalikori ebenfalls getan. Nalen sah es und hob die Augenbrauen, ein wenig amüsiert. Er musste wohl auch gerade an ihre erste Begegnung in der Höhle zurückdenken. Bevor er Ken die Wahl ließ, die Beine in die Hand zu nehmen oder unter den herabstürzenden Felsbrocken begraben zu werden wie die Fleischräuber, die er in die Höhle gelockt hatte. Aber Nalen wurde sofort wieder ernst und setzte hinzu: „Ich wusste nicht, dass Ihr so viele junge Schüler in Eurem Tempel beherbergt. Gerade die Jungen sollte es nicht treffen. Aber die unseren brauchen den Schutz genauso wie die euren!"
‚Es trifft immer auch die Kinder', dachte Ken bedrückt. ‚Kalikori, die Familien auf Alderaan, im schlimmsten Fall vielleicht auch die Jünglinge vom Jedi-Tempel, wenn wir keine Lösung finden…' Leise fragte er: „Nalen, warum hat Bahlea ihre Tochter nicht zum Tempel gebracht, als sie so krank war? Oder jemanden geschickt, damit sie Medizin bekommt, wenn es im Dorf keine gab?"
Nalen presste die Lippen aufeinander. Sicher war er in diesem Moment in Gedanken bei Kreth. „Warum sollte sie, Ken'arryn? Jeder im Dorf weiß, dass man von den Jedi keine Hilfe erwarten kann." Seine Stimme klang müde.
„Ihr Vater ist tot, Meister Bakarn", sagte Ken in das Stirnrunzeln des Älteren hinein. „Er hat sich lieber in das Gebiet der Fleischräuber und Mankas gewagt und dort auf der Suche nach Zutaten für die Medizin sein Leben verloren, statt im Tempel um etwas zu bitten, was man ihm leicht hätte geben können. Und wahrscheinlich auch gegeben hätte. Sie haben kein Vertrauen mehr zu uns! Wenn das so bleibt, dann wird die Auseinandersetzung mit Nalen nicht die letzte gewesen sein. Dann wird es wieder Verletzte oder gar Tote geben, die es nicht hätte geben müssen, auf welcher Seite auch immer! Es ist unsere verdammte Pflicht, für diese Angelegenheit eine Lösung zu finden."
Aus dem Augenwinkel sah Ken Nalens Nicken. „Nicht nur eure, Ken'arryn. Meine ist es genauso. Ich will nicht, dass sich das wiederholt, was wir beide erlebt haben."
Meister Bakarn schwieg lange und starrte in seinen kalt gewordenen Tee. Qyzen schwieg auch – Ken wusste, dass der Trandoshaner diese Sache als eine der Jedi und Twi'lek betrachtete, in die er sich nicht einzumischen gedachte.
Nalen hielt sich gleichfalls zurück. Ken war ihm dankbar dafür, spürte er doch, dass in Meister Bakarn gerade etwas vorging, das zu ihren Gunsten umschlagen konnte. Oder ins Gegenteil.
Nach einer gefühlten Ewigkeit seufzte Meister Bakarn tief und schüttelte den Kopf. „Ich fürchte, Ihr habt Recht, junger Jedi. Ihr ebenfalls, Nalen. Es … ging mir im Kopf herum seit Ihr das erste Mal vor dem Rat gesprochen habt, Ken'arryn, aber … vor sich selbst zuzugeben, dass man womöglich in einer Sache versagt hat ist nicht gerade leicht."
Also ging es den älteren Meistern manchmal auch nicht viel anders als ihm selbst, bemerkte Ken mit Erstaunen und einer gewissen Erleichterung.
„Es sieht so aus, als hätte ich einiges aus den Augen verloren, was direkt vor unseren Toren geschieht. Vielleicht war ein Blick von außen genau das, was uns bisher fehlte." Meister Bakarn rieb sich das Kinn. Sein Blick wanderte nachdenklich von Nalen zu Ken. Dann beugte der Jedi sich vor.
„Es ist Euch Ernst damit, diese Aufgabe zu übernehmen?"
Ken nickte und deutete auf das Etui mit seinem Kom-Gerät. „Ich fange an, das den entsprechenden Leuten mitzuteilen und Informationen einzuholen. Mit oder ohne offizielle Erlaubnis."
Ein Lächeln huschte über Meister Bakarns Gesicht. „Mit oder ohne … Man merkt, wer Euch ausgebildet hat. Ihr könntet einen Antrag stellen, um das ganze offiziell zu machen. Noch ist Euch außer der Suche nach einer Heilmöglichkeit für Yuon kein Auftrag zugewiesen worden. Und meine Kollegen auf Tython scheinen mir nach den letzten Ereignissen eher geneigt, die Beziehungen zu Kalikori neu zu überdenken."
Er tippte mit den Fingerspitzen auf den Tisch, die Stirn noch immer in Falten gelegt. Dann schlug er mit der Hand gegen die Tischkante.
„Nein. Wir machen es anders. Sobald meine Gespräche im Senat beendet sind, werde ich selbst im Tython-Tempel beantragen, dass Ihr mit diesem Fall offiziell beauftragt werdet. Da es Euer erster sein wird, werde ich vorschlagen, Euer Mentor zu sein, da Euer Meister Joren immer noch nicht erreichbar ist und Yuon … nun ja. Was haltet Ihr davon?"
„Was für eine Frage! Ich bin einverstanden!" Kens Müdigkeit war wie weggeblasen. Das war weit mehr Unterstützung, als er von Meister Bakarn erwartet hatte. Ken drehte sich zu Nalen um, wollte sehen, wie der Twi'lek diese Neuigkeit aufnahm. Nalen wirkte immer noch skeptisch, er schien Kens Zuversicht nicht zu teilen. Ken fragte sich, wie die letzten Unterredungen zu dieser Sache wohl abgelaufen waren.
Eine Antwort darauf erhielt er sofort, denn Nalen sagte mit Misstrauen in der Stimme: „Beim letzten Mal, als wir um Hilfe baten, habt Ihr wie die anderen dagegen gestimmt. Wenn Ihr jetzt anderer Meinung seid – warum versucht Ihr nicht selbst, Eure Ratsmitglieder zu überzeugen? Ihr habt doch einen höheren Rang als Ken'arryn. Wollt Ihr ihn vorschicken, damit Ihr Euren Ruf nicht beschädigt, falls der Rat wieder ablehnt?"
Meister Bakarn schüttelte den Kopf. „Es ist sein Gedanke gewesen. Sein Weg und sein Ziel. Das werde ich ihm nicht nehmen. Er hat jedes Recht auf diesen Auftrag. Und jedes Recht auf meine Unterstützung. Außerdem hat Ken'arryn bisher nur gelernt, Verhandlungen zu führen. Dies wird seine erste derartige Aufgabe in der Praxis sein. Aber er hat schon bewiesen, dass er solch einer Verantwortung gewachsen ist. Wenn wir unseren jungen zukünftigen Botschaftern nichts zutrauen würden, hätten wir Alten auch ziemlich viel zu tun."
‚Der Satz hätte von Meister Joren stammen können', dachte Ken. Es freute ihn, dass Meister Bakarn ihn für fähig hielt, diese Aufgabe meistern zu können. Und warum auch nicht? Er hatte es schließlich gerade geschafft, das erste Ratsmitglied für ihre Sache zu gewinnen.
Nalen akzeptierte Meister Bakarns Antwort mit einem Nicken. „Ich hatte bisher wenig gute Erfahrungen mit euch Jedi von Tython", sagte er mit gerunzelter Stirn. „Aber Ken'arryn ist … anders. Und Ihr habt dafür gesorgt, dass mein Geist wieder klar ist. Ich werde versuchen, Euch zu vertrauen, Meister Bakarn. Ich hoffe, es wird zu unser aller Nutzen sein."
„Auch ich werde versuchen, Euch zu vertrauen, Nalen Raloch", erklärte der Jedi-Meister mit einem feinen Lächeln. „In gewissem Sinne tue ich es bereits, sonst hätte ich Euch nicht hierher mitgenommen, obwohl so ziemlich jeder im Tempel den Kopf darüber geschüttelt hat."
„Ich glaube, Eure Jedi-Brüder waren froh, mich wieder los zu sein." Ken hörte die leise Ironie in Nalens Stimme. „Aber ich danke Euch dafür."
„Schön", knurrte Qyzen. „Nachdem das jetzt geklärt ist, können wir dann endlich mit dem fortfahren, weswegen wir eigentlich hier sind?"
