5. Vertrauen und Macht

Ken hatte sich auf einiges gefasst gemacht, als die Tür aufglitt, aber nicht auf das, was er sah. Oder vielmehr zuerst nur hörte – zwei dunkle, melodische Stimmen, die in perfekt aufeinander abgestimmtem Klang voller Höflichkeit gleichzeitig fragten: „Soll ich Verwalter Teléss etwas von Euch ausrichten?"

Der sich langsam verbreiternde Türspalt gab den Blick auf Nalen frei, der gerade die Hand vom Sensor nahm und sich in den Raum hineindrehte – offenbar hatte er gleichzeitig mit Ken die Automatik betätigt. Schräg hinter ihm, an einem Schreibtisch, auf dem nur ein Pad und eine altmodische Aktenmappe lagen, stand der Ithorianer. Die vorstehenden Augen links und rechts des Kopfes, der auf einem gebeugten Hals mit zwei seitlichen Mündern ruhte, blickten den Twi'lek in aller Gemütsruhe an.

„Danke, das ist nicht nötig. Ich werde mich selbst wieder bei ihm melden, wenn er zurück ist."

Nalens Antwort klang nicht minder höflich. Von der Erregung, die Ken kurz zuvor noch gespürt hatte, keine Spur. Zumindest nicht offensichtlich. Und Ken war im Augenblick viel zu verblüfft, um Nalens Aura erneut unter die Lupe zu nehmen. Was zur Hölle war das hier? Ein Höflichkeitsbesuch statt der erwarteten Geiselnahme?

„Verzeiht, mein Herr, aber wir haben neue Gäste. Wie kann ich Euch behilflich sein?" fragte der Ithorianer an Nalen vorbei, er hatte Ken inzwischen bemerkt.

Ken schaffte es, Qyzen, der neben ihm auf dem Gang stand, einen Wink zu geben, dass seine Waffe hier nicht vonnöten war, bevor sie gänzlich in das Blickfeld des Ithorianers gerieten. Das fehlte ja noch, dass sie jetzt hier den Eindruck erweckten, als würden sie mit gezogenen Waffen das Büro des Verwalters stürmen wollen.

Dann drehte sich Nalen, der Ken bisher halb verdeckt hatte, auch schon zur Tür um. Er zog die Augenbrauen zusammen, als er sich plötzlich Ken gegenübersah, der gerade in einer raschen, unauffälligen Bewegung den Griff seines Lichtschwerts wieder an den Gürtel hakte. In der gleichen Bewegung löste er das Etui mit seinem Kom-Gerät von der Halterung und öffnete es, als hätte er die ganze Zeit über nichts anderes als das im Sinn gehabt. Seine angespannte Miene wechselte zu gelassener Diplomatenhöflichkeit.

„Ah gut, Ihr habt sein Büro also schon gefunden", wandte Ken sich in unverfänglichem Ton an Nalen und erwiderte sein tiefes Stirnrunzeln mit einem forschenden Blick. Aber auch jetzt wirkte der Twi'lek zwar etwas irritiert, aber in keiner Weise aggressiv. Als Ken nun doch ein paar Sekunden opferte, um über die Machtaura Nalens Emotionen zu lesen, bestätigte dies seinen Eindruck. Er spürte zwar die tief sitzende Wut des Twi'lek wie eine beständig glühende Magmakugel, aber sie war unter Kontrolle. Dem Ithorianer galt sie definitiv nicht.

Ken trat an Nalen vorbei ins Büro hinein und nickte dem Ithorianer grüßend zu. „Mein Name ist Ken'arryn, ich bin im Auftrag des Jedi-Tempels von Tython zurzeit auf Coruscant tätig."

„Ich habe davon gehört. Wie geht es der Jedi Yuon Par?"

„Nicht so gut, leider."

„Das bedaure ich." Der breite Kopf des Ithorianers neigte sich leicht, während er kurz mit den seitlichen Augen blinzelte.

Die innere Ruhe, die dieses Wesen schon die ganze Zeit über ausstrahlte, überzeugte Ken endgültig davon, dass es hier wirklich keine Auseinandersetzung gegeben hatte. Er war mehr als erleichtert darüber. Das änderte aber nichts daran, dass er sich gerade wie ein kompletter Idiot vorkam. Trotzdem beschloss er, den Moment für eine erste Kontaktaufnahme zu nutzen:

„Ist Verwalter Morran Teléss im Senat? Wir würden in Kürze gern eine Angelegenheit mit ihm besprechen, die mehrere Parteien auf Tython betrifft."

Der Ithorianer schüttelte langsam den Kopf. „Wie ich Eurem Begleiter schon sagte – Verwalter Teléss weilt in den nächsten Tagen nicht auf Coruscant. Er wird direkt nach der heutigen Sitzung nach Alderaan abfliegen. Ich vertrete ihn während seiner Abwesenheit. Mein Name ist Deraal."

‚Alderaan … da würde ich auch gern mal wieder hin', dachte Ken. „Wann wird er denn zurückerwartet?"

„In acht Tagen. Soll ich dem Verwalter bei seiner Rückkehr etwas ausrichten oder möchtet Ihr einen Termin?"

„Danke, jetzt noch nicht. Wie mein Begleiter schon sagte – wir melden uns zu gegebener Zeit." Ken tippte das Datum, das die Wiederkehr des Verwalters bezeichnete, in sein Gerät ein, um dem Ding in seiner Hand einen Anschein von Nutzen zu geben, und nickte dem Vertreter freundlich zu.

„Ich wünsche noch einen angenehmen Tag."

Der Ithorianer lächelte zum Abschied breit mit beiden Mündern. Ken hätte den Anblick zweifellos kurios gefunden, wären seine Gedanken nicht mit etwas ganz anderem beschäftigt gewesen. Er bat Nalen, der ihn die ganze Zeit mit schmalen Augen beobachtet hatte, mit einer Handbewegung, ihm zu folgen, und verließ das Büro.

Der Gang, auf den sie traten, war leer wie zuvor. Ken schwieg, während er Qyzen und Nalen von der Tür fortführte. Falls Deraal wieder herauskam, musste er sie nicht unbedingt hören. An einer kleinen Sitzgruppe zwei Kreuzungen weiter blieb Ken stehen und drehte sich um. Noch immer fehlte seinen rastlosen Gedanken ein Puzzlestück, um diese Begebenheit richtig einordnen zu können. Er fasste Nalen ins Auge, der ihn herausfordernd anblickte.

„Was, bitte, sollte das eben?!"

Kens Frage klang schärfer, als er es eigentlich zulassen wollte. Und genauso scharf kam sie zurück: „Das gleiche könnte ich Euch fragen, Jedi! Der Ithorianer hat vielleicht nicht gesehen, dass Ihr Eure Waffe in der Hand hattet, aber ich schon!"

„Antworte erstmal!" knurrte Qyzen. „Wieso bist du verschwunden? Was wolltest du beim Verwalter?" Misstrauen vibrierte in seiner Stimme. Das gleiche Misstrauen, das auch in Ken erwacht war und das wie ein enger Ring um seinen Brustkorb lag.

Nalen verzog den Mund. „Eigentlich wollte ich nur ein Stück beiseite gehen, als Ihr Eure Nachricht bekamt, damit Ihr Euch ungestört unterhalten konntet. Aber als ich sah, welche Planetenregion in diesem Gang sitzt, wurde ich neugierig. Ich wollte den Kerl sehen, der meinem Dorf jegliche Unterstützung verweigert hat! Der uns zu Illegalen erklärt hat, denen man nicht helfen darf! Ich wollte ihm in die Augen sehen, bevor ich ihm in aller Deutlichkeit ins Gesicht sage, was ich von ihm und seinen Entscheidungen halte! … Bei allen Göttern, was habt Ihr denn gedacht? Dass ich ihm etwas antun will? Oder sein Büro in die Luft sprenge?"

In seiner Stimme lag Entrüstung. Ken antwortete wahrheitsgemäß: „Wir haben befürchtet, dass Ihr ihn angreifen würdet. Als Geisel nehmt, um seine Unterstützung zu erzwingen. Oder Schlimmeres, ja."

Ein Moment des Schweigens folgte seinen Worten. Ken entdeckte in Nalens Miene eine Betroffenheit, die er nicht erwartet hatte. Im nächsten Augenblick verbarg der Twi'lek sie hinter Selbstironie und Distanz.

„Damit wäre ich ja wirklich weit gekommen. Mitten im Senatsgebäude, wo es vor Leuten nur so wimmelt, allein, ohne Waffen und mit einem Jedi in Reichweite, der mich schon einmal besiegt hat. Für wie dumm haltet Ihr mich?"

„Dumm nicht unbedingt", erwiderte Qyzen. „Aber du bist unberechenbar. Du hast Kräfte, die anderen gefährlich werden können. Und du denkst nicht nach, bevor du dich und uns in Schwierigkeiten bringst! Das ist das Problem!"

Ken erwartete eine heftige Entgegnung auf Qyzens Worte. Aber stattdessen holte der Twi'lek tief Atem und bezwang sich. Dann richtete er seinen durchdringenden Blick auf Ken. „Seht Ihr das auch so?"

Ken fühlte sich nicht recht wohl in seiner Haut. Das, was Qyzen gesagt hatte, war auch ihm durch den Kopf gegangen. Aber der Gedanke, die ganze Zeit auf einer falschen Fährte gewesen zu sein, verstärkte sich immer mehr. Er musste einfach wissen, ob ihre Übereinkunft wirklich Bestand haben würde oder nicht.

„Ich sehe es ähnlich, ja. Hört mir bitte zu, Nalen. Vorhin erst habt Ihr zu Qyzen gesagt, dass Ihr es Euch durchaus vorstellen könntet, zu solchen Mitteln zu greifen, wenn sie Erfolg versprächen. Ihr tragt viel Wut in Euch – auf alle, die Eurem Dorf die Unterstützung verweigert haben, die es verdient. Es ist noch gar nicht lange her, dass Ihr Euch schon einmal von ihr habt leiten lassen. Und dann verschwindet Ihr plötzlich, ohne ein Wort, und taucht im Büro eben jenes Verwalters wieder auf! Was hätten wir denn denken sollen? Als ich mit Hilfe der Macht nach Euch suchte, habe ich Euren Zorn gespürt! Ich kann nicht zulassen, dass Ihr hier jemanden angreift. Notfalls hätte ich Euch wieder mit der Waffe in der Hand aufgehalten!"

„Ich gleichfalls - mit dem größten Vergnügen", knurrte Qyzen.

Ken verzog das Gesicht. „Also ich bin verdammt froh, dass es nicht nötig war."

Nalen seufzte und schwieg einen Moment, bevor er sagte: „Ich wusste, dass es nicht einfach werden würde … Ihr traut mir beide noch nicht über den Weg."

Ken konnte nicht anders, als diese Aussage mit einem Nicken zu bestätigen. Bis eben hatte er nicht einmal geahnt, dass Qyzens Misstrauen auch in ihm selber steckte. Es widersprach dem, was er sich selbst zur Maxime gemacht hatte. Aber es war da und das musste er akzeptieren, auch wenn es ihm nicht gefiel.

„Ich würde Euch gern vertrauen, aber Ihr macht es uns in diesem Fall nicht gerade leicht."

Nalen blickte mit gerunzelter Stirn zurück in Richtung des Büros, auch wenn man es von hier aus gar nicht mehr sehen konnte. Dann sah er wieder Qyzen und zuletzt Ken an. Seine Miene war so ernst wie am vergangenen Abend.

„An eurer Stelle hätte ich wahrscheinlich das gleiche gedacht. Aber ganz egal, was ich von diesem Kerl halte und was ich ihm schon alles an den Hals gewünscht habe – ich werde ihn nicht angreifen! Nicht heute und auch nicht, wenn er zurückkommt! Ich weiß, mein Wort zählt im Moment wohl nicht allzu viel, aber es ist so! Wenn Ihr meinen Zorn spüren konntet, dann könnt Ihr ja wohl auch das feststellen … mit diesem Jedi-Sinn, von dem sie im Tempel immer geredet haben. Bitte, nur zu."

Die Emotionen anderer Leute zu lesen war eine Fähigkeit, die Ken nur ungern einsetzte. Gefühle gehörten jedem selbst und jeder sollte selbst entscheiden, wie viel er davon preisgeben wollte. Aber es gab Situationen, in denen er darauf zurückgriff, um einer wichtigen Sache wirklich sicher zu sein. Und dies war so ein Moment. Zumal Nalen ihn praktisch dazu aufforderte.

Auge in Auge mit dem Twi'lek öffnete Ken seine Sinne. Diesmal sehr aufmerksam und länger als die Sekunden, die er sich im Büro zugestanden hatte. Es war leicht, Nalens Machtaura zu lesen – viel leichter als bei einem der Jünglinge, mit denen Ken einmal gearbeitet hatte. Auch vorhin im Büro war kein Widerstand zu spüren gewesen. Was auch immer Rajivaris Holocron ihn gelehrt hatte – seine Emotionen konsequent zu beherrschen oder einen wirksamen Schutzwall gegen jemanden zu errichten, der nach ihnen forschte, hatte nicht dazugehört.

Die glühende Kugel aus Wut, die Ken vorhin tief in Nalen gespürt hatte, war immer noch da. Sie strahlte stetig durch alle Schichten in der Machtaura, aber momentan war sie unter Kontrolle. Verglimmende Enttäuschung und Ärger darüber, den Verwalter verpasst zu haben – und damit die Gelegenheit, ihm entgegenzuschreien, was seinetwegen auf Tython geschah. Nein, Nalen würde ihn nicht bedrohen oder verletzen, auch wenn sich ein Teil seiner Wut gegen ihn richtete. Den Willen dazu konnte Ken nicht finden. Nur die Überzeugung, dass das nichts bringen würde. Die schmerzliche Erinnerung, dass er genug in blinder Wut angerichtet hatte, was er niemals ungeschehen machen konnte. Er würde nicht zulassen, dass so etwas noch einmal geschah. Er hatte gehofft, Ken würde ihm zumindest soweit vertrauen können. Aber er akzeptierte, dass dem nicht so war. Mit dem bitteren Gefühl, dass er es noch nicht verdiente.

‚Ganz falsch liegt er damit ja nicht', dachte Ken und meinte, ein tadelndes „Nicht so schnell, Padawan!" von Meister Joren zu hören. Wieder einmal. Er kam sich ertappt vor. Offenbar hatten er und Qyzen sich wirklich geirrt.

Ken unterbrach die mentale Verbindung, bevor die Trauer um die drei Toten, die dicht unter der Oberfläche des Jetzt lauerte, als nächstes nach ihm griff. So weit wollte er gar nicht eindringen. Es ging viel zu schnell und zu leicht! Meister Bakarn hatte recht, Nalen brauchte nicht nur eine Ausbildung in seinen Machtfähigkeiten, er benötigte genauso dringend einen eigenen Schutz.

„Es ist in Ordnung, Qyzen. Er wollte den Verwalter nicht angreifen und er wird es auch in Zukunft nicht tun." Obwohl Ken zu Qyzen gesprochen hatte, sah er dabei immer noch dem Twi'lek fest in die Augen. „Ich hätte eigentlich wissen müssen, dass Ihr so weit nicht gehen würdet. Nicht mehr. Da war ich wohl etwas voreilig in meiner Einschätzung."

Nalen zog ein wenig die Brauen zusammen. Er schien sich zu fragen, worauf Ken bei seiner Prüfung gestoßen sein mochte. Dann erschien zu Kens Überraschung ein schiefes Grinsen auf seinem Gesicht. „In manchen Dingen bin ich auch nicht gerade für meine Geduld bekannt. Scheint so, als hätten wir wirklich mehr gemeinsam, als es auf den ersten Blick aussah."

„Sieht so aus." Ken grinste zurück, mit dem befriedigenden Gefühl im Bauch, dass sie gerade wieder einen Schritt aufeinander zu getan hatten.

„Du klingst, als wärst du dir sehr sicher", erwiderte Qyzen, nicht vollends überzeugt.

„Die Macht lügt nicht. Und er hat mich bisher auch nie angelogen." ‚Im Gegenteil. Nalen hat mir immer klar und deutlich gesagt, wann er mich mal wieder umbringen wollte.' Zu kurios, dass Ken jetzt bei diesem Gedanken beinahe lächeln musste.

„Dich hat er nicht hinters Licht geführt. Mich schon", knurrte Qyzen. „Aber ich weiß von Yuon, dass ihr Jedi weiter und tiefer sehen könnt als andere. Wenn du ihm in dieser Sache vertraust, muss ich es wohl akzeptieren."

„Ich habe kein Interesse mehr daran, Euch zu hintergehen, Qyzen Fess." Dass Nalen diesmal eine respektvollere Anrede wählte, ließ Ken vermuten, dass er seine Uneinigkeit mit Qyzen allmählich wichtiger nahm als zuvor. „Gebt mir wenigstens die Chance, das zu beweisen!"

„Wir werden sehen", erwiderte Qyzen ungerührt. Ken seufzte im Stillen. Qyzen konnte wirklich ein verdammt harter Brocken sein. „Wichtiger ist, dass du damit aufhörst, zu handeln, bevor du denkst! Sonst zerstörst du, was ihr erreichen wollt, bevor ihr überhaupt angefangen habt."

„Sagt man Euch auch ständig, was Ihr zu tun oder zu lassen habt, Trandoshaner?" Nalen schüttelte unwirsch den Kopf, aber Qyzens Bemerkung schien ihm trotzdem zu denken zu geben. Wieder blickte er zurück in Richtung des Büros, während Qyzen es wohl für unter seiner Würde befand, darauf zu antworten.

„Qyzen hat da nicht ganz unrecht", sagte Ken, dem diese Sache auch wichtig war. „Was wäre wohl passiert, wenn der Verwalter da gewesen wäre und Ihr ihm … hm … Eure Meinung an den Kopf geworfen hättet?"

„Wahrscheinlich hätte er mich rausgeworfen", antwortete Nalen widerwillig. Seine Miene verfinsterte sich, während er den Gedanken weiterverfolgte. „Und wir hätten einen noch schwereren Stand als ohnehin schon."

„Korrekt." Ken hob eine Augenbraue. „Das wäre ein ziemlich mieser Anfang für unsere diplomatische Mission gewesen. Beim nächsten Mal lasst mich besser als ersten durch diese Tür gehen. In Ordnung?"

Nalen nickte sein Einverständnis. Dann warf er Qyzen einen äußerst unbegeisterten Blick zu. „Ihr hattet tatsächlich Recht, Trandoshaner. Das gefällt mir nicht."

„Mir schon", entgegnete Qyzen mit einem scharfzahnigen Grinsen. „Hattet beide Glück heute, dass der Verwalter gar nicht da war. Jedi mit Lichtschwert im Büro mag er bestimmt auch nicht gern. Gibt immer Brandlöcher im Teppich."

Ken gelang es nicht ganz, sein Lachen mit einem Husten zu tarnen. „Danke, Qyzen. Ich merke es mir." Selbst in Nalens Mundwinkeln zuckte es leicht, als bemühte er sich, ein Grinsen zu unterdrücken. Es war ein seltsamer Moment der Übereinstimmung, den sie zum ersten Mal alle drei gemeinsam teilten. Ken hätte ihn gern noch ein paar Sekunden länger genossen, aber da gab es noch etwas, das er klären musste, bevor sie weitergingen.

„Wisst Ihr eigentlich wirklich, was Ihr mir vorhin gestattet habt, Nalen? Als Ihr mich aufgefordert habt, Euch mit der Macht zu überprüfen?"

Der Twi'lek runzelte die Stirn. „Das denke ich doch. Rauszufinden, ob ich vorhatte, dem Verwalter etwas anzutun. Warum fragt Ihr?"

„Weil es mehr gewesen ist als das." Was hatten sie ihm im Tempel eigentlich darüber erzählt? Wahrscheinlich hatte er nur irgendeine Bemerkung gehört, ohne es wirklich zu verstehen. Ken entschied, dass das bei weitem nicht genug war.

„Wir lesen die Emotionen in der Machtaura und alles, was damit zusammenhängt. Das ist eines der Dinge, die unsere Jünglinge ziemlich früh lernen. Bei sich selbst und bei anderen. Und sie lernen auch, wie man sich dagegen schützt, dass jemand unbemerkt in sie hineinsehen kann. Ihr dagegen könnt Euch gar nicht schützen. Ihr seid wie ein offenes Buch für jeden, der hineinsehen will, bis hin zur letzten Seite, die Ihr nie jemandem zeigen wolltet. Und Ihr würdet es nicht einmal mitbekommen. Oder habt Ihr mich bemerkt? Jetzt oder vorhin im Büro?"

Nalen schüttelte den Kopf. Sein blaues Gesicht verlor etwas an Farbe.

„Was habt Ihr …?"

„Ich bin nicht viel weiter gegangen als bis zur Antwort auf meine Frage. Aber es gibt genug Leute, die nicht anhalten, bevor sie alle Informationen haben, die sie interessieren." ‚Für den ersten Sith, der dir über den Weg läuft, wärst du ein gefundenes Fressen', dachte Ken. Er war überrascht von seiner Besorgnis und der Verantwortung, in der er sich gegenüber dem unerfahrenen Twi'lek plötzlich fühlte. Lieber Himmel, wenn ihm das jemand vor ein paar Tagen gesagt hätte, er hätte laut darüber gelacht.

„Das heißt, jeder dahergelaufene Jedi kann das tun, was Ihr vorhin getan habt, und noch mehr, ohne dass ich es merke und ihn davon abhalten kann?" Der Gedanke schien Nalen gar nicht zu gefallen.

„Jeder", bestätigte Ken, amüsiert von seiner Wortwahl. „Nicht zu vergessen unsere Freunde von der dunklen Seite der Macht. Aber damit Ihr versteht, wovon ich rede, müsst Ihr es selbst einmal erlebt haben. Ich denke, Ihr könntet diese Fähigkeit auch beherrschen. Jeder Jüngling kann die Machtaura lesen, wenn der Geist des anderen offen ist. Ihr habt mir einen Blick in Eure gestattet – also ist es nur fair, wenn ich das gleiche tue."

Bei Nalens überraschtem Gesichtsausdruck musste Ken jetzt wirklich lächeln. Mit einem langsamen, tiefen Ausatmen senkte er den Schutzwall, den er wie jeder Jedi schon früh gelernt hatte, um sein Innerstes zu errichten.

„Ihr habt doch sicher schon einmal bewusst die Machtaura eines Jedi gespürt, seit Ihr diese Kräfte entdeckt habt."

„Bei Eurer Meisterin, als sie mich einmal aufsuchte. Und auch bei Euch."

„Gut. Das hier ist nicht viel anders – Ihr müsst meine Machtaura nur etwas länger und genauer betrachten. Versucht es einfach!"

Nalens Augen weiteten sich plötzlich. Ken spürte, dass ihn tatsächlich etwas Suchendes berührte – wie in den Übungen mit Meister Joren. Er verstärkte die unsichere Verbindung mit Hilfe der Macht und gab ihr Halt. Ken war sich jetzt sicher, dass Nalen lesen konnte, was er ihm zeigen wollte. Seine neuerwachte Sorge, dass der Twi'lek durch seine Unerfahrenheit in Gefahr geraten mochte. Seine Erleichterung, weil Nalen ihn nicht hintergangen hatte – und weil er in Bezug auf seine Absichten die Wahrheit sagte. Bedauern darüber, dass das Misstrauen ihn so schnell und gründlich übermannt hatte. Und ein Gefühl von Zusammengehörigkeit, das Ken noch vor Kurzem nicht für möglich gehalten hatte, und das den Twi'lek in seine kleine Gemeinschaft mit Qyzen mit einschloss.

Ken löste die Verbindung behutsam auf und zog seinen Schutzwall wieder hoch. Im Gegensatz zu Nalen konnte er weitaus besser bestimmen, was seine Machtaura weiterspiegelte und was nicht und wann er fand, dass es genug war.

Nalen schien mehr oder anderes zu lesen bekommen zu haben, als er erwartet hatte, das sah Ken ihm an. Er ließ ihm etwas Zeit, zu begreifen, was da eben passiert war. Schließlich konnte Ken sich noch gut an die eigene Unsicherheit erinnern, mit der er zum ersten Mal diese Übung mit Meister Joren ausgeführt hatte. Immerhin wusste man vorher nie so genau, was man dabei über den anderen und über sich selbst erfahren würde.

Dann sagte Ken eindringlich: „Ihr seid nicht mehr auf Tython, Nalen. Hier auf Coruscant gibt es Wesen aus allen Ecken der Galaxis. Ich kann nicht ausschließen, dass nicht auch jemand in die Angelegenheit verwickelt ist, der sich der dunklen Seite der Macht bedient. Schließlich sind Artefakte verschwunden, mit denen nur jemand etwas anfangen kann, der die Macht zu nutzen versteht. Und jemanden wie Euch würde so einer nur zu gern in die Finger kriegen: machtbegabt, aber noch unerfahren, und – versteht mich nicht falsch – beeinflussbar durch die Gefühle, die Ihr in Euch tragt."

„Und was kann ich dagegen tun?" fiel Nalen Ken mit seiner Frage beinahe ins Wort. „Ich bin froh, dass mein Kopf wieder mir gehört! Das soll auch so bleiben!"

„Man kann sich gegen eine solche Beeinflussung von außen schützen, das ist Bestandteil unserer Ausbildung. Wenn Ihr wollt, bringe ich Euch die Grundlagen bei, solange wir zusammen unterwegs sind und Zeit dafür finden."

Nalen brauchte nicht lange, um darüber nachzudenken. Die Vorstellung, dass sich das, was er gerade hinter sich gebracht hatte, noch einmal wiederholen könnte, missfiel ihm zutiefst. „Gut … solange Ihr damit keinen Jedi aus mir macht."

„Hab ich nicht vor."

„Dann bin ich einverstanden."

Ken sah, wie Qyzen seine knochigen Augenbrauen ungläubig hochzog. Aber er verzichtete auf eine seiner typischen Bemerkungen. Stattdessen reckte er in einem von Nalen unbeobachteten Moment den Daumen seiner Klauenfaust mit einem beifälligen Nicken in die Höhe. Ken bemühte sich, nicht zu breit zu grinsen. Wo hatte Qyzen denn diese nur allzu menschliche Geste aufgeschnappt?

Ken wusste, dass die Grundlagen, die er Nalen beibringen wollte, für diesen nur ein erster Schritt sein würden, um seine Kräfte und damit auch sich selbst besser beherrschen zu lernen. Aber es war ein Anfang.

‚Ich bin neugierig, wie Meisterin Yuon auf Nalen reagiert', dachte Ken, als sie sich der Krankenstation näherten. „Sie hat ja auf Tython seine Holo-Nachricht bekommen, in der er mich warnte, was mir passieren würde, wenn ich ihm weiter in die Quere käme …' Aber vielleicht war diese Begegnung auch eine Chance, ihren Geist von dort, wo er immer öfter und länger verweilte, zurück in die Wirklichkeit zu reißen.

Eine Tür neben ihnen öffnete sich und Pharen, Finns Assistentin, trat mit einem Kopfschütteln auf den Gang hinaus. Als sie Ken und seine Begleiter erblickte, hellte sich ihre besorgte Miene auf. „Ihr seid schon da – das ist gut. Vielleicht könnt Ihr Eure Meisterin beruhigen. Ich kann's anscheinend nicht mehr." Sie seufzte und öffnete erneut die Tür, um die drei eintreten zu lassen, folgte ihnen aber nicht.

Ken wechselte einen Blick mit Qyzen und ging als erster hinein. Es war nicht Meisterin Yuons Quartier, sondern einer der Behandlungsräume. Attros Finn, der mirialanische Arzt, wandte ihnen gerade den Rücken zu. Ihm gegenüber, zwischen einem Computerterminal mit Drehstuhl und einer Liege, stand Kens Meisterin, schaute nervös nach links und rechts und wirkte wie ein in die Ecke gedrängtes Tier. Sie war eine Frau um die fünfzig, mit ersten Falten im schmalen Gesicht, hochgestecktem braunem Haar und normalerweise einem herzlichen Lächeln. Es tat Ken weh, sie so verängstigt zu sehen.

„Beruhigt Euch, Yuon. Hier will Euch niemand wehtun", sprach der junge Arzt mit sanfter Stimme auf seine Patientin ein. Er blickte sich kurz um, als er die Schritte der Besucher hörte. Auch seine Miene nahm einen erleichterten Ausdruck an, nachdem er Ken und Qyzen entdeckte. Der dritte im Bunde bekam noch einen neugierigen Blick ab, bevor Meisterin Yuon sich zu Wort meldete:

„Ja, ja, Attros. Aber die Dunkelheit naht … und vielleicht … will ich Euch ja wehtun?"

‚Ich höre wohl nicht recht', dachte Ken irritiert. Das klang überhaupt nicht nach der Yuon Par, die er kennengelernt hatte. Von einem Moment zum anderen veränderte sich auch ihr Gesicht. Es nahm einen berechnenden, fast bösartigen Ausdruck an. „Ja, ich denke … ich will Euch sämtliche Knochen brechen. Ich will sie knacken hören … knack … knack …"

Ken überlief es kalt. Yuon Par sah aus, als mache ihr diese Vorstellung wirklich Spaß. Ken warf seinen Gefährten einen Blick zu. Qyzen an seiner Seite zischte leise und blinzelte nervös. Ken konnte sein Unbehagen fast körperlich spüren. Nalen hielt sich im Hintergrund und beobachtete das ganze mit einem tiefen Stirnrunzeln.

Ken löste sich aus der kleinen Gruppe und trat auf seine Meisterin zu. Qyzen folgte ihm einen Moment später, während Finn sich etwas zurückzog, um die beiden ungestört mit der Jedi-Meisterin sprechen zu lassen.

„Kommt zu Euch, Meisterin! Ihr wollt niemandem wehtun! Was immer es ist, das Euch so zusetzt, kämpft dagegen an!"

Yuon Par hob fragend eine Augenbraue. „Kämpfen? Ich weiß gar nicht, wovon du redest. Und überhaupt - was sind schon ein paar kaputte Knochen unter Freunden?" Ihr Lächeln bei diesen Worten sah besorgniserregend aus. „Wer bist du überhaupt?"

„Ken'arryn, Euer Padawan. Erinnert Ihr Euch nicht mehr?"

Doch die Miene der Frau zeigte keinerlei Wiedererkennen. Stattdessen wurde aus dem hintergründigen Lächeln ein selbstzufriedenes Grinsen. „Mein Padawan? Ach ja ... ich hatte einen Padawan. Ich schickte ihn in den Kampf gegen die Fleischräuber. Sie haben ihn verzehrt mit Haut und Haaren."

Ken stellten sich die Nackenhärchen auf. In welcher verdrehten Welt war Yuons Geist nur gefangen?

„Falsch. Er steht hier vor dir, Yuon", mischte sich Qyzen ein. „So lebendig wie ich."

„Und du bist …?"

„Qyzen. Euer Freund. Ich war zuletzt bei Euch auf Tython."

Yuon schüttelte den Kopf. „Qyzen? Oh nein. Den haben die Fleischräuber auch verzehrt."

„Das stimmt nicht", widersprach Nalen plötzlich. „Ich habe die beiden getötet."

‚Was hat er denn vor?' dachte Ken, während er sich halb umdrehte und Nalens provozierendes Lächeln bemerkte.

In Meisterin Yuons Blick erwachte zum ersten Mal so etwas wie Interesse. Sie wandte sich dem Twi'lek zu, der noch immer hinter Ken und Qyzen stand und sich nicht von der Stelle rührte.

„So? Wer sagt das? Sollte ich dich kennen?"

„Nalen Raloch. Das solltet Ihr."

Yuon betrachtete ihn mit einer gewissen Neugier. Dann lachte sie – nicht herzlich wie sonst, sondern scharf und verächtlich. „Ach, der Twi'lek, der mit der Macht spielte und sich an ihrem dunklen Feuer verbrannte! Nein, du hast sie nicht getötet. Du wolltest es, aber du hast versagt." Ihr Blick fand Ken mit einem plötzlichen Erkennen. „Auch die Fleischräuber haben versagt."

Der heftige Ruck an Kens Gürtel kam ohne Vorwarnung. Sein Lichtschwert löste sich und sauste auf Meisterin Yuons plötzlich erhobene Hand zu. Ken griff instinktiv danach, kam aber zu spät. Er konnte nur noch ungläubig zusehen, wie Yuon es auffing und sofort aktivierte.

„Dann ist es wohl an mir."

Der grüne Strahl flammte auf und zischte auf Kens Oberkörper zu.

Die rechte Hand noch erhoben vom vergeblichen Griff, spreizte Ken sofort die Finger und zog einen Machtschild vor sich hoch. Gerade noch rechtzeitig. Der Schild bebte von Yuons kraftvollem Schlag. Ken gab mehr Macht hinein und stabilisierte ihn.

„Hört auf damit, Meisterin! Was habt Ihr denn vor?!"

Ein abwesendes Lächeln lag auf Yuons Gesicht. Statt einer Antwort drehte sie Kens Lichtschwert und brachte den nächsten Schlag an. Ken wich ihm aus. ‚Nein', dachte er fassungslos. ‚Das ist doch jetzt nicht wahr!'

Sein Schild lenkte die grüne Klinge ab. Sie summte dicht an ihm vorbei und kam schon wieder herangewirbelt – in einem unmöglichen Winkel. Ken riss hastig den Schild herum, oh verflucht, das würde knapp werden … aber da, wo er die Lücke in seinem Schutz erahnte, prallte der Energiestrahl gegen etwas Unsichtbares. Ken spürte einen zweiten Machtschild, der seinen eigenen zum Teil überlagerte und den Bereich abdeckte, den er selbst nicht so schnell hatte schützen können.

‚Danke, Finn!', dachte Ken aufatmend. Gut, dass der nicht nur Arzt war, sondern auch ausgebildeter Jedi. Aber jetzt musste Ken endlich handeln, statt weiter auszuweichen. Während Yuon erneut die Waffe in Position brachte, teilte Ken den Machtfluss zwischen Schild und Angriffshand. Er sammelte die Kraft, so schnell es ging, und warf Yuon einen heftigen Energiestoß entgegen. Seine Meisterin taumelte mit einem wütenden Aufschrei ein paar Schritte zurück. Sie zog nun ihrerseits einen Machtschild vor sich hoch, von dem Ken wusste, dass er schon im Training nur allzu oft an ihm gescheitert war.

Ken fühlte, wie sein Magen sich verkrampfte. Ein waffenloser Kampf gegen ein Lichtschwert war eine brandgefährliche Angelegenheit. Noch viel schlimmer aber war, dass es sich um Yuon handelte, die da auf ihn einschlug. Anscheinend mit der festen Absicht, ihn zu verletzten oder gar zu töten. Und er wollte keines von beidem! Aber er kam nicht nahe genug an sie heran, um sie mit Hilfe der Macht zu betäuben, solange sie sein Lichtschwert hatte. Und mit diesem Machtschild müsste er sie nun auch noch hinterrücks angreifen.

Verflucht noch mal!

Plötzlich war Qyzen da. Mit dem stumpfen Ende seiner Stabwaffe zielte er auf Yuons Hinterkopf, um sie niederzuschlagen. Aber Yuon war schneller. Sie schleuderte den Trandoshaner mit einem Machtstoß quer durch den Raum, so dass er gegen einen Metallschrank prallte. Fläschchen klirrten darin gegeneinander. Finn sprang hastig aus dem Weg. Er hielt einen Injektor in der Hand, den er gerade von einer Ablage genommen hatte.

Ken bemerkte überrascht, dass der zweite Schild immer noch da war. Aber er hatte keine Zeit, um darüber nachzudenken. Er versuchte, Yuon das Lichtschwert mit einem gezielten Machthieb aus der Hand zu schlagen. Aber er kam nicht durch ihren Schild. Die Frau nahm seine Energie auf. Sie drehte sich einmal um sich selbst und schlug erneut zu, das Gesicht vor Grimm verzerrt.

Wieder ein Aufprall, den Ken aber kaum spürte. Aus seinen zwei Schilden war plötzlich einer geworden. Die Energie summte leise in Kens Ohren und in seinem Arm – die eigene und eine zweite, die er kannte und die seinem Schild noch mehr Kraft gab. Aus dem Augenwinkel sah Ken jetzt auch, wo sie herkam. Nalen stand schräg hinter ihm, eine Hand in seine Richtung ausgestreckt, und beobachtete konzentriert jede Bewegung, die Yuon und er machten. Als Ken sich bewegte, um in eine bessere Angriffsposition zu kommen, folgte er ihm mit seiner Hand.

Ken biss sich auf die Unterlippe. Sollte er …?

Ja.

„Nalen, übernehmt ihn für mich!"

Noch im Rufen zog Ken die Macht aus dem Schild zurück, spürte gleichzeitig, wie der Twi'lek an seiner Stelle Kraft hineinfließen ließ. Yuon hob den Kopf, zog die Augenbrauen zusammen und funkelte Nalen an. Ihn, der sich die ganze Zeit betont abseits gehalten hatte, hatte sie gar nicht in den Kampf einbezogen. Und genau den Moment, in dem sie entschied, wem die nächste Attacke gelten sollte, brauchte Ken. Er griff mit der Macht nach dem Stuhl, der am Computerterminal stand, und schlug Yuon damit von hinten die Füße weg. Ihr Schild flackerte. Noch im Sturz drückte Ken seine abgelenkte Meisterin mit einer Woge aus Macht auf den Boden nieder. Qyzen war sofort an seiner Seite, trat mit verbissener Miene auf ihre Hand und presste sie samt Lichtschwertgriff auf den Boden, wobei er es vermied, dem grünen Energiestrahl zu nahe zu kommen.

Finn eilte ebenfalls heran, drückte den Injektor gegen Yuons Hals und hielt ihre andere Hand fest, mit der sie nach ihm schlug. Zum Glück wirkte das Medikament schnell. Yuons Bewegungen wurden schlaffer, ihre Hand sank zu Boden. Sie blinzelte angestrengt. Bevor der Schlaf sie übermannte, sah sie Ken mit einem Blick an, der eindeutig verzweifelt war.

„Helft mir!" flüsterte sie. Dann schlossen sich ihre Augen.

Endlich konnte Ken loslassen und sein Lichtschwert deaktivieren, bevor dessen Strahl noch jemanden oder etwas im Raum traf. Er löste vorsichtig Yuons Finger vom Griff und hakte ihn wieder an seinen Gürtel.

Erst jetzt gestattete Ken sich ein Aufatmen. Das Blut summte immer noch in seinen Ohren. Das Summen der Kraft, die Nalen ihm geliehen hatte, wurde leiser und verschwand.

„Ist jemand von euch verletzt?" wollte Ken wissen.

Finn und Qyzen schüttelten die Köpfe. Finn hockte neben Yuon, kontrollierte Puls, Atmung und Herzschlag. „Ihr fehlt auch nichts, bis auf die leicht gequetschten Finger. Sie wird jetzt schlafen, bis zur nächsten Dosis. Jetzt muss ich sie sedieren, sonst stirbt hier noch jemand! Und ich werde sie dauerhaft unter Bewachung stellen. Kommt, wir müssen sie auf die Liege heben."

Qyzen drückte Ken seine Stabwaffe in die Hand, während er Finn dabei half. Er sprach kein Wort, sein Echsengesicht sah immer noch finster und verbissen aus. Aber der Griff, mit dem er Yuon festhielt, war vorsichtig und sanft. Ken sah, dass er ihr Worte zuflüsterte, die er aber nicht verstand.

Ken schloss die Finger um den Stab und versuchte, dem Wirrwarr in seinem Kopf Herr zu werden. Seine Meisterin hatte ihn angegriffen. Was war mit ihr nur los?!

Er hörte Schritte, dann trat Nalen zu ihm. Ken fühlte sich prüfend gemustert, ob er bei dem Kampf etwas abbekommen hätte. „Was ist mit ihr passiert?" fragte der Twi'lek leise und beunruhigt, den Blick auf die reglose Jedi-Meisterin gerichtet. „Das ist nicht die Yuon Par, an die ich mich erinnere."

„Nein. Das ist sie nicht." Ken seufzte und schüttelte müde den Kopf. „Das ist diese seltsame Krankheit. Oh Mann, geht das jetzt so weiter? Gegen jemanden kämpfen zu müssen, bei dem ich es gar nicht will, ist einfach nur … Davon habe ich wirklich genug!" Wenn er Yuon bei diesem Kampf verletzt oder gar getötet hätte, dann … Ken holte tief Atem und versuchte mit wenig Erfolg, diese deprimierenden Gedanken aus seinem Kopf zu vertreiben.

„Ihr ist nichts passiert", rief Nalen ihm noch einmal ins Gedächtnis.

Ken nickte und blickte ihn von der Seite an. „Und mir auch nicht. Dieser eine Hieb hätte mich ohne Euren Schild wahrscheinlich erwischt. Danke für Eure Hilfe." Vorhin hatte er noch gedacht, er müsse auf den Twi'lek achtgeben. Nun war es ganz anders gekommen.

„Besser zwei Schilde an der richtigen Stelle als keiner, oder?"

Ken musste nun doch lächeln. „Ehrlich, ich bezweifle, dass ich es noch geschafft hätte, den Schlag abzuwehren. Ihr seid ziemlich gut mit dem Machtschild. Das hätte ich Euch bei der kurzen Ausbildung gar nicht zugetraut."

Nalen nahm die Anerkennung in Kens Worten mit demselben winzigen Lächeln entgegen, das Ken schon gestern bei ihm gesehen hatte. „Ihr wart aber auch nicht schlecht. Ich möchte nicht ohne Waffe gegen ein Lichtschwert antreten müssen. Ich habe zwei Schläge von ihr gebraucht, bis ich den Schild aufgebaut hatte. Bei Euch ging das viel schneller."

„Dann ist das wohl noch etwas, das wir bei Gelegenheit ein bisschen üben sollten."

Nalen hob eine Augenbraue. „Vielleicht. Und Ihr solltet etwas mehr auf die Deckung Eurer linken Seite achten. Die war es nämlich wieder. Ich hatte es Euch ja schon geschrieben."

‚Was?' dachte Ken verdutzt. Dann fiel ihm Nalens Nachricht wieder ein. Beinahe hätte er gelacht. „Stimmt. Habt Ihr. Hm … wie wär's, wenn Ihr Euch wieder ein ordentliches Vibro-Schwert zulegt? Vielleicht könnt Ihr mir ja das beibringen, was Meister Joren offenbar nicht geschafft hat?"

Der Twi'lek schien sich einen Moment lang zu fragen, ob Ken das ernst meinte. Dann schlich sich ein amüsiertes Funkeln in seine Augen. „Keine schlechte Idee. Bevor ich jedes Mal einen zweiten Schild vor Euch aufbaue …"

„Autsch!" Ken lachte jetzt wirklich leise und verzog das Gesicht. „Erwischt. Ihr seid ja genauso schlimm wie Qyzen. Jede Wette, dass der mir das auch noch unter die Nase reiben wird."

Nalen blickte zur Liege hinüber, wo der Trandoshaner immer noch leise zu der schlafenden Frau sprach und sich dann mit einer Frage an Finn wandte. „Sie kennen sich schon länger, oder?"

„Meisterin Yuon erzählte mir, sie hätte Qyzen vor vielen Jahren das Leben gerettet, als eine giftige Schlange ihn biss. Seitdem sind sie Freunde." Die heitere Stimmung, die Ken kurzzeitig erfasst hatte, verflüchtigte sich wieder. „Es frisst ihn auf, dass er ihr nicht helfen kann, auch wenn er's nicht gern zeigt."

„Dann verstehe ich, warum er vor dem Senat so ungeduldig wurde."

„Recht hatte er. Ihr seht ja, wie es um Meisterin Yuon steht. Ich weiß nicht, wie viel Zeit uns noch bleibt." Ken beobachtete, wie Finn nickte, seiner Meisterin eine Hand auf die Stirn legte und die Augen schloss. Wenn sein Medikament Yuon Pars Körper beruhigt hatte, so half die Macht vielleicht ein wenig ihrer verwirrten Seele. Zumindest versuchte Finn es, bestimmt nicht zum ersten Mal. Ken biss sich auf die Unterlippe und zwang seine Gedanken von der ungewissen Zukunft zurück in die Gegenwart.

„Wir sollten uns auf jeden Fall noch austauschen, welche Machtfähigkeiten wir beherrschen, bevor wir uns in Coruscants unterste Ebenen stürzen. Besser, wir wissen vorher, wo wir uns ergänzen und wo wir ein Auge darauf haben müssen."

Nalen nickte zustimmend. „Ich habe bisher nur wenige Dinge gelernt, die meisten ziemlich offensiv. Ich hätte zum Beispiel Eure Meisterin nicht niederschlagen können, ohne sie zu verletzen. Deshalb habe ich mich in Eure Angriffe auch nicht eingemischt."

‚Wenn Qyzen noch mal behauptet, Nalen würde nie nachdenken, bevor er etwas tut, dann erzähle ich ihm was', dachte Ken. „Es hat sich so angefühlt, als hättet Ihr Eure Kraft direkt auf mich übertragen, nicht nur auf den Schild. Das ist ungewöhnlich für jemanden, der die Macht erst seit kurzem nutzt. Ich würde das nicht schaffen. Das war es auch, was Ihr mit … mit Euren drei Freunden gemacht habt, richtig?"

Die Erinnerung glitt wie ein Schatten über Nalens Gesicht. Trotzdem antwortete er: „Ich brauche mehr Zeit, um einen permanenten Schild für jemanden zu erschaffen. Aber es ist die gleiche Methodik, ja." Er schwieg einen Moment und sagte dann leise und immer noch etwas ungläubig: „Ihr habt mir vorhin wirklich Euer Leben anvertraut, als Ihr die Macht aus Eurem Schild zurückzogt. Das … hätte ich nicht erwartet."

‚Ich auch nicht', dachte Ken. Ihm wurde diese Tatsache im Nachhinein ebenfalls erst so richtig bewusst. Ja, er war ein Risiko eingegangen. Schließlich hatten sie bisher immer nur gegen- und noch nie miteinander gekämpft. „Ich hatte nicht besonders viel Zeit zum Nachdenken. Ihr wart mit Eurem Schild zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle. Und ich brauchte mehr Kraft und eine Ablenkung, um zu Meisterin Yuon durchzukommen. Zu zweit war's leichter."

„Das meinte ich nicht."

„Das weiß ich. Ich war mir in dem Moment einfach sicher, dass Ihr das tun würdet, was nötig ist. Und das habt Ihr ja auch."

Irgendetwas veränderte sich in dem Blick, mit dem der Twi'lek Ken ansah. Ken konnte nicht einmal genau sagen, was. Er forschte gerade der Frage nach, wie es ihm möglich war, Nalen schon nach so kurzer Zeit voll und ganz als Gefährten zu akzeptieren. Wann hatte das angefangen? Gestern, als er das Gefühl hatte, über diesen Abgrund zu gehen und ihn hinter sich zurückzulassen? Auf dem Weg hierher, nachdem er in Nalens Machtaura gelesen hatte? Erst vorhin, als er erkannte, von wem der schützende Machtschild kam?

„Es sollte mehr Jedi wie Euch auf Tython geben. Dann wäre manches vielleicht gar nicht passiert", murmelte der Twi'lek. Dann verschränkte er die Arme vor dem Körper und runzelte die Stirn, als hätte er mehr gesagt, als er eigentlich wollte.

Während Ken noch überlegte, was er darauf erwidern sollte, kamen Qyzen und Finn zu ihnen herüber. Qyzen streckte mit düsterer Miene die Hand aus, um seine Stabwaffe von Ken wieder in Empfang zu nehmen. „Kein guter Tag heute für Yuon, kleiner Jäger", sagte er bedrückt. „Der Heiler will sie nicht mehr aufwachen lassen, bis wir gefunden haben, was ihr hilft."

Ken schwieg betroffen und blickte zu der reglosen Frau auf der Liege. Keine schöne Vorstellung … aber bevor es noch schlimmer wurde, gab es wohl keinen anderen Weg.

„Es geht nicht anders", betonte Finn, der auch nicht glücklich darüber wirkte. „Mit dieser Aggressivität ist sie eine Gefahr für sich und alle um sie herum."

Nalen runzelte bei diesen Worten die Stirn. „Es gefällt mir nicht, was aus Eurer Meisterin geworden ist, Ken'arryn. Sie … erinnert mich an das, was mit mir passierte." Er machte eine Kopfbewegung, als wollte er etwas Unangenehmes aus seinen Gedanken wischen. Finn, der den Neuzugang im Team aufmerksam angeschaut hatte, schien noch um einiges neugieriger zu werden. Er öffnete den Mund zu einer Frage, doch Nalen kam ihm zuvor: „Seid Ihr Jedi sicher, dass es eine Krankheit ist und nichts anderes?"

„Ihr meint, dass irgend etwas oder irgend jemand ihren Geist beeinflusst?" fragte Ken beunruhigt.

Der Twi'lek nickte, aber Yuons Arzt schüttelte den Kopf. „Meister Bakarn, Meisterin Shan und die Jedi-Ärzte, die sie auf Tython untersuchten, haben nichts dergleichen gespürt. Und mir ist auch nichts aufgefallen. Es gibt mehr als genug Krankheiten, die einem die Sinne verwirren können, daran muss niemand schuld sein. Darüber braucht ihr euch also keine Sorgen zu machen. Euer Ziel ist das Noetikon."

„Das finden wir", sagte Nalen, und es klang wie ein Versprechen, als er Ken und Qyzen anblickte. „Sie soll nicht so bleiben, wie sie jetzt ist. Ich werde uns nicht noch einmal wegen irgendetwas aufhalten."

‚Jetzt ist er wirklich dabei', dachte Ken. ‚Nicht mehr nur für mich, sondern auch für Meisterin Yuon. Vielleicht sogar für Qyzen, auch wenn er das wahrscheinlich nie zugeben würde. Ja, wir werden es schaffen. Das müssen wir einfach!'

Qyzen nickte knapp. Dass er dabei einen seiner spitzen Kommentare unterließ, wertete Ken als Fortschritt.

„Eins interessiert mich", mischte sich Finn ein. Aufmerksam musterte er den Twi'lek. „Ich frage mich, warum sie keinen mehr zu erkennen schien – außer Euch."

„Mich und ihren Padawan", erinnerte Nalen und fügte nach einer kurzen Pause und einem Blick zu Ken hinzu: „Wir hatten eine etwas … spezielle Art, uns kennenzulernen. Das vergisst sie bestimmt nicht so schnell."

‚Du bist ein Meister der Untertreibung', dachte Ken. Er sah die wachsende Neugier in Finns Miene und gebot den nächsten Fragen vorsorglich Einhalt: „Das ist eine längere Geschichte. Die erzähle ich Euch vielleicht mal, wenn das alles hier vorbei ist."

Finn sah enttäuscht aus. „Ich bestehe darauf, Ken'arryn! Bis dahin muss ich mir wohl aus dem, was ihr und Yuon da vorhin ausgetauscht habt, etwas zusammenreimen. Das allein ergibt schon eine ziemlich interessante Geschichte ... Ihr seid kein Jedi, oder?" wandte er sich wieder an Nalen.

„Die Götter mögen mich davor bewahren", murmelte Nalen in einem Tonfall, der Ken und Finn zu einem Schmunzeln verleitete.

„Aber Ihr könnt mit der Macht umgehen, das habe ich eben gemerkt."

„Wovon sprecht Ihr?" wollte Qyzen wissen. Ken fiel ein, dass der Trandoshaner als einziger Nicht-Machtnutzer gar nichts von Nalens Eingreifen mitbekommen hatte.

„Er hat mir vorhin einen ziemlich fiesen Hieb vom Leib gehalten", antwortete Ken und erklärte ihm kurz, was passiert war.

Qyzen maß den Twi'lek mit einem langen Blick. „Du kannst wohl doch mehr als Ärger machen", stellte er in seiner direkten Art fest.

„Ich bin hier, um ihm zu helfen. Für gewöhnlich halte ich mein Wort."

Nalen klang sehr ernst, als er das sagte. Ken ahnte, dass da wieder Kreth in seinen Gedanken war. Dieser unglückselige Vorfall würde ihn wohl noch eine ganze Weile nicht loslassen. Aber was immer Rajivaris Einfluss damals mit ihm angestellt hatte, Ken wusste jetzt, dass er sich im Notfall auf den Twi'lek verlassen konnte. Und das war ihm viel wert.

„Das will ich auch hoffen", knurrte Qyzen, klang aber nicht mehr ganz so abweisend wie zuvor. „Und du solltest etwas mehr auf deine Verteidigung aufpassen, Ken. Wirst sonst nicht alt als Jedi."

Ken warf Nalen einen ‚Hab ich's nicht gesagt?'-Blick zu. „Ich weiß. Wir trainieren das noch."

„Ihr?" Qyzen blinzelte skeptisch. Dann schüttelte er den Kopf. „Euch soll einer verstehen. Letztens geht ihr euch noch an die Kehle und jetzt wollt ihr zusammen trainieren?"

‚Glaub mir, ich habe mich auch schon gefragt, was hier gerade mit uns beiden passiert', dachte Ken. Nach dem ganzen Hin und Her dieses Vormittags fiel es ihm viel leichter, mit Nalen umzugehen, als er anfangs befürchtet hatte. Und er hatte den Eindruck, dass das auf Gegenseitigkeit beruhte.

„Die Wege der Macht sind manchmal verschlungen und unergründlich", erwiderte Ken deshalb mit möglichst viel Jedi-Weisheit in der Stimme und einem verschmitzten Lächeln. Nalen sagte nichts dazu, sah aber aus, als wäre er mit Kens Kommentar voll und ganz einverstanden. Finn dagegen hätte wohl zu gern doch noch eine Frage gestellt. Ihm war mit Sicherheit klar geworden, dass an den verrückt klingenden Worten von Meisterin Yuon mehr Wahres dran sein mochte, als es den Anschein hatte. Aber er akzeptierte Kens Ablehnung von vorhin und wechselte das Thema:

„Es ist übrigens eine Nachricht von Meister Bakarn für Euch gekommen, Ken'arryn. Die ist aber schon ein paar Tage alt. Fragt mich nicht, in welcher kaputten Relaisstation die verlorengegangen ist, um jetzt erst wieder aufzutauchen."

„Ich glaube, ich weiß schon, was Meister Bakarn mir darin mitteilen wollte. Schickt sie mir bitte trotzdem. Und dann habe ich noch zwei Bitten an Euch, bevor wir uns wieder an die Arbeit machen. Zum ersten brauchen wir einen Raum, wo wir ungestört ein paar Sachen ausprobieren können."

„Den kriegt ihr. Und was noch?"

„Wir möchten Nachrichten nach Tython schicken. Wir müssen ein paar wichtige Angelegenheiten klären und Informationen einholen. Können wir Eure Verbindung über den Senat nutzen? Die war immer noch die schnellste und stabilste."

„Wenn nicht gerade ein Totalausfall ansteht." Finn seufzte, etwas genervt von der in Mitleidenschaft gezogenen Technik. „Aber momentan funktioniert wieder alles. Das sollte also kein Problem sein. Hängt das zufällig mit dieser Geschichte zusammen, die Ihr mir vielleicht irgendwann mal erzählen wollt?" fragte er mit einem Augenzwinkern.

„Das tut es", bestätigte Ken. „Könntet Ihr die Antworten automatisch an meinen und an Nalens Verbindungscode weitersenden lassen?"

„Bei Euch kein Problem, Ihr seid sozusagen ein Offizieller. Bei Eurem Freund sieht's leider anders aus. Wenn ich jemand Fremdes ins Senatsnetz einbinde, krieg ich massiven Ärger."

„Dann lasst alles über meinen Kontakt laufen, ich leite es weiter." Ken hatte zwar eigentlich vermeiden wollen, in die Kommunikation von Nalen eingebunden zu sein, aber die Hauptsache war, es ging überhaupt.

Finn nickte. Er stellte den Drehstuhl wieder auf die Füße, um den sich noch gar keiner gekümmert hatte, und machte sich an seinem Terminal zu schaffen.

„Also her damit."

Ken holte sein Kom-Gerät heraus und sah an einem vertrauten Blinken der Anzeigen, dass Nalen ihm seine Nachrichten gerade zugeschickt hatte. Bei ihm waren es auch mehr geworden – fünf statt der erwarteten drei. Ken sandte sie weiter an Finns Computer, klappte sein Gerät zu und hatte das unangenehme Gefühl, als müsse er seine Schultern lockern, weil irgend etwas darin steif und verspannt war.

„Fertig", sagte Finn kurz darauf. Auf seinem Bildschirm leuchtete ein „Erfolgreich gesendet".

Ken holte tief Atem, während er auf die Anzeige starrte. Er wusste nicht, was ihn erwarten würde, wenn Antworten von Benneths und Lians Familien kamen. Wenn überhaupt welche kamen. Aber damit musste er klarkommen.

Als Ken endlich seinen Blick von der Statusmeldung löste, tat das auch Nalen. Ein paar Herzschläge lang sahen sie sich in gegenseitigem Verständnis an. Sie wussten beide, dass die Zeit des ungewissen Wartens jetzt erst anfing. Und dass man sie am besten mit Aktivität ausfüllte.

Ken gab sich einen Ruck. „Zeigt uns bitte den Raum, Finn! Wir haben noch einiges vor."