17. Januar – Myrtes Seufzen

Die Maulende Myrte schwebte in ihrem Bad wahllos durch die Gegend. Warum war sie eigentlich nie woanders hingeflogen, um dort zu wohnen? Warum war sie immer noch an dem Ort, an dem sie gestorben war? Aber sie hatte schon immer einen Hang zum Tod gehabt, besonders wenn er früh eintrat – er hatte so etwas schön Tragisches…

Myrte schwebte an einem Spiegel vorbei, sah kurz hinein, und schnell wieder fort. Sie war noch nie hübsch gewesen, deswegen hatten sie auch alle immer gehänselt, und ob ihr ihre Geisterblässe stand, konnte sie nicht recht beurteilen. Sie selbst mochte sie irgendwie, sie gab ihr etwas Mystisches, das sie vorher nie besessen hatte, doch noch war kein anderer Geist oder irgendjemand anderes darauf aufmerksam geworden – nun ja, es gab in diesem verdammten Schloss auch keinen einzigen jungen Geist außer sie selbst.

Manchmal schwamm sie durch die Abflussrohre zu den Meermenschen und unterhielt sich mit ihnen. Aber sie waren so ein strenges Volk, dass keiner mit ihr spielen wollte.

Das vermisste sie am meisten am Menschendasein: Jemanden, mit dem sie reden oder spielen konnte. Denn natürlich hatte sie auf Hogwarts Freunde gehabt, oder zumindest eine: ihre beste Freundin Annie. Ein kluges, stilles Mädchen, das immer für Myrte dagewesen war. Annie hatte sie auch besucht, nachdem sie als Geist zurückgekehrt war, doch mit den Jahren war sie, Myrte, immer verbitterter und alberner geworden, sodass man es nicht mehr lange mit ihr aushielt – sie wusste, warum Schüler nur in ihr Bad kamen, wenn sie etwas Verbotenes anstellen wollten… Dennoch war sie sehr traurig gewesen, als Annie vor einem Jahr gestorben war. Sie war nicht einmal 70 Jahre alt geworden, für Zauberer und Hexen war das nicht viel… Myrte war auf ihrer Beerdigung gewesen, versteckt hinter den Grabsteinen, und war seitdem noch trauriger und verbitterter geworden. Sie hatte gehofft, dass Annie auch als Geist zurückkommen würde, doch das war nie geschehen.

Und nun schwebte Myrte weiter in ihrem Bad umher – ohne auf einen Besuch von Annie hoffen zu können…

Sie ließ, wie schon so oft in letzter Zeit, ein herzhaftes Seufzen hören.