19. Januar – Hallelujah

Es war schon dunkel und Harry war auf dem Weg zum Gryffindorgemeinschaftsraum, als er plötzlich etwas Seltsames hörte. Abrupt blieb er stehen und zog seinen Zauberstab. Doch als er genauer hinhörte, bemerkte er, dass es nur jemand war, der ein paar Gänge weiter entfernt sang.

Harry folgte dem Klang, denn er wollte wissen, wer den Mut hatte, einfach so mitten auf dem Gang zu singen – schließlich konnte jeder ihn hören. Je näher er kam, desto mehr konnte er über die Stimme herausfinden: Zum einen war sie weiblich und zum anderen sang sie wunderschön. Als er noch näher heranging, konnte er auch den Text ausmachen:

I've heard there was a secret chord

That David played, and it pleased the Lord

But you don't really care for music, do you?

It goes like this, the fourth, the fifth

The minor falls, the major lifts

The baffled king composing Hallelujah

Hallelujah, Hallelujah

Hallelujah, Hallelujah

Harry kannte das Lied sogar, weil es manchmal im Radio im Ligusterweg gespielt wurde. Eilends und dennoch versucht, kein Geräusch zu machen, ging er um die nächste Ecke und hatte die Stimme endlich gefunden. Doch zu seiner großen Überraschung war es ein Mädchen mit langen, roten Haaren, das dort an einem offenen Fenster stand und sich all ihr Leid von der Seele sang: Ginny.

I did my best, but it wasn't much

I couldn't feel, so I tried to touch

I've told the truth, I didn't come to fool you

And even though it all went wrong

I'll stand before the Lord of song

With nothing on my tongue but Hallelujah

Hallelujah, Hallelujah

Hallelujah, Hallelujah

Hallelujah...

Die Stille, die diesem letzten Klang folgte, war im wahrsten Sinne des Wortes magisch. Harrys Herz pochte laut, obwohl er nicht wusste, warum. Doch er wusste, dass er Ginny nie wieder mit gleichen Augen würde ansehen können, wie vor ihrem Lied. Vor vollkommener Überwältigung fiel ihm sein Zauberstab aus der Hand und kam laut klappernd auf dem Boden auf.

Ginny drehte sich erschrocken zu ihm, erkannte ihn – und wurde feuerrot im Gesicht.

„Ähm, hi, Ginny", sagte Harry, weil ihm nichts Besseres einfiel, während er seinen Zauberstab aufhob.

„Hey, Harry", grüßte Ginny leise zurück. „Wie lange stehst du da schon?"

Harry ging zu ihr. „Eine Weile", gab er zu.

Sie blickte verlegen aus dem Fenster und schwieg.

„Du hast schön gesungen", fügte er daher hinzu.

Da sah sie ihn erstaunt an und lächelte. „Danke."

„Ähm, bitte…", erwiderte er verlegen. „Ich, ähm… geh dann mal wieder. Zum Gemeinschaftsraum. Es ist ja schon spät…"

„Ich komm mit", meinte sie fröhlich und stellte sich neben ihn.

Auf dem ganzen langen Weg zum Gemeinschaftsraum schwiegen sie, doch Harry konnte nicht umhin, sie dauernd anzusehen. Sie sah plötzlich so anders aus als sonst, auch wenn er nicht genau sagen konnte, inwiefern sie sich geändert hatte.

Auch sie warf ihm ab und zu einen Blick zu – und jedes Mal, wenn sich ihre Blicke trafen, schauten sie schnell woanders hin, während ihre Herzen wild klopften.