21. Januar – Eine spannende Schachpartie

„Hast du Lust, eine Runde Schach zu spielen?", schlug Ron vor und Harry nickte.

„Ich nehm schwarz", meinte Harry, als sie das Spiel aufgebaut hatten.

„Okay, dann fang ich an", sagte Ron. Er kannte den Muggelspruch: Weiß beginnt, Schwarz gewinnt, wohl nicht.

Er begann mit einem klassischen Zug, indem er seinen Bauern von e2 auf e4 vorziehen ließ.

Harry tat es ihm auf seiner Seite spiegelverkehrt gleich.

Zug um Zug ging es voran – sie verloren viele Figuren, mussten die meisten opfern, die anderen verloren sie aus Nachlässigkeit. Schweigend und hoch konzentriert spielten sie, bis:

„Spielt ihr etwa schon wieder Schach!", entrüstete sich Hermine, die gerade hereingekommen war. „Habt ihr eure Zaubertrank-Hausaufgaben denn schon gemacht?! Und was ist mit dem Aufsatz für Professor McGonagall? Wenn ihr schon wieder nachlässige Texte abgebt, wird sie Gryffindor sicher Punkte abziehen. Und solltet ihr nicht sowieso besser für die ZAG lernen?!"

„Hermine!", rief Ron aufgebracht. „Nicht jetzt – wir sind mitten im Spiel."

„Jetzt hab ich meine Strategie vergessen!", ärgerte sich Harry.

Hermine gab nur einen frustrierten Laut von sich und verschwand – vermutlich in die Bibliothek.

Eine halbe Stunde später hatte Ron nur noch seinen König, einen Turm und einen Springer, und Harry seinen König, einen Läufer und einen kleinen Bauern. Von nun an dauerte es länger, bis sie sich zum nächsten Zug entschieden hatten, und noch länger, bis Ron Harry seinen Läufer wegnahm.

„Du weißt, dass wir ein Unentschieden haben, wenn du meinen Bauern auch noch schlägst", sagte Harry nach einer Weile.

„Ja, aber viel kannst du mit dem nicht anfangen. Sobald du versuchst, ihn gegen eine Dame einzutauschen, steht mein Turm bereit."

„Lieber Unentschieden als Verlieren", murmelte Harry. Er verlor oft gegen Ron…

Gegen acht kam Hermine wieder herein. „Spielt ihr etwa immer noch?!", rief sie fassungslos.

„Siehst du doch", meinte Ron nur genervt.

Hermine sah sich das Spielfeld an. „Aber ihr seid ja gleich fertig", meinte sie dann beruhigt.

„Wieso denn das?", fragte Harry verwundert. Für ihn sah die Sache hoffnungslos aus.

„Na ja", erklärte Hermine und griff ins Spiel ein. „Ron zieht seinen Turm hier hin, dann muss Harry seinen König dahin spielen, damit er nicht im Schach steht, und dann kann Ron seinen Springer hierhin setzen – und schachmatt." Hermine warf Harrys König um und das Spiel war beendet.

Die beiden Jungs starrten erst auf das Spielfeld und dann zu Hermine.

„Wie… wie…", stammelte Ron.

Hermine zuckte mit den Schultern. „Das sieht man doch auf einen Blick. Jetzt könnt ihr ja endlich eure Hausaufgaben machen." Und zufrieden grinsend setzte sich in den Sessel neben ihnen und fing an zu lesen.

Ron blinzelte ein paar Mal verdutzt, dann nahm sein Blick etwas Träumerisches an: Hermine war einfach die Beste…