30. Januar – Auf dem Friedhof

Es war still, es war kalt und es war dunkel. Doch all dies störte Severus Snape nicht im Geringsten. Determiniert mit den Händen in den Taschen seines schwarzen Mantels vergraben ging er über den Friedhof in Godric's Hollow, während seine Schritte im frisch gefallenen Schnee störend laut knirschten. Es war kurz vor Mitternacht, da Severus auf gar keinem Fall irgendjemandem begegnen wollte und er der Meinung war, zu dieser Zeit die besten Chancen dafür zu haben.

War er traurig? War er wütend? Er konnte seine Gefühle nicht beschreiben. Er fühlte sich einfach nur leer und stumpf – und das nun schon seit 14 ½ Jahren… Seit sie fort war… und es seine Schuld war, dass sie sterben musste…

Schließlich hatte er den richtigen Gang erreicht und stand vor einem weißen Marmorgrabstein.

Der letzte Feind, der zerstört werden wird, ist der Tod.

Jedes Mal, wenn Severus hier war, dachte er über diesen Spruch nach. Wie sollte man den Tod zerstören können? Indem man unsterblich wurde? Aber dieser Gedankengang war doch gerade das Unheil allen Übels! Sonst hätte der Dunkle Lord sich niemals für ihre Familie interessiert. Sonst wäre sie schließlich noch da… bei ihm… mit ihm vielleicht sogar…

Man konnte den Tod nicht besiegen, irgendwann traf es jeden. Sie hatte es schon vor langer Zeit getroffen – wann würde es endlich ihn treffen, damit er wieder bei ihr sein konnte? Erst, wenn ihr Sohn ohne ihn zurechtkommen würde. Hoffentlich bald…

Vom Kirchturm neben dem Friedhof ertönten dumpf zwölf Glockenschläge. Es war Mitternacht.

Severus starrte auf das Grab vor sich, auf ihren Namen und murmelte mit einem kleinen, halb verbitterten Lächeln: „Alles Gute zum Geburtstag, Lily."