13. Februar – Nachtpatrouille

Es war Nacht und Filch durchlief die Korridore des riesigen Schlosses auf der Suche nach Schülern, die es wagten, nicht in ihren Betten zu sein. Oh, wie er diese ganze Bagage hasste! Nie hatte sich jemand bei ihm für seine Arbeit bedankt, nie wurde er wertgeschätzt. Die meisten würden sich wünschen, er würde einfach gehen und nie wiederkommen. Aber sie hatten ja keine Ahnung, wie das Schloss dann aussehen würde! Oder wie viele Schüler bösartigen Unfug des Nachts anstellen würden!

„Miau", machte Mrs Norris, die plötzlich aus einem Nebengang hergesprintet war, aufgeregt.

Filch wusste, was das bedeutete – Mrs Norris war vermutlich so etwas wie seine beste Freundin, die einzige, die ihn mochte und wertschätzte: Ein Schüler war unterwegs.

Schnell hechtete Filch seiner Katze hinterher, eine Kerzenlampe in seiner Hand. Mrs Norris führte ihn ein Stockwerk höher und in den Westflügel, bis sie plötzlich stehen blieb – sie waren angekommen.

„Zeig dich!", zischte Filch und bemühte sich, angsteinflößend zu wirken. Langsam schlich er den Flur entlang, doch alles war still. Nach ein paar Minuten grummelte er niedergeschlagen: „Ist wohl schon wieder weg…", drehte sich um – und war plötzlich von unsichtbaren Seilen gefangen. Er fiel auf den Boden, die Lampe zerbrach, das Licht erlosch. Wie ein Fisch an Land wand er sich, doch er konnte sich nicht befreien.

Mrs Norris erging es nicht besser. Hilflos miaute sie.

„Hilfe!", rief Filch. „Hilfe!" Doch wer sollte ihn hören? Außer ihm schliefen alle.

Wenn er ein Zauberer wäre, könnte er sich im Nu befreien. Einfach nur eine kleine Zauberformel denken und er wäre wieder frei. Aber er war kein Zauberer, sondern ein Squib, und das wussten die Schüler genau oder ahnten es zumindest.

Er hörte auf, sich zu wehren und zu rufen – es hatte ja doch keinen Sinn – und verspürte plötzlich das Bedürfnis zu weinen, so wie man es tat, wenn man sich ungerecht behandelt und gedemütigt fühlte…