14. Februar – Fortes fortuna adiuvat

Er würde es tun – egal, was seine Freunde sagten. Er würde sie fragen!

Der Viertklässler Jonathan Strange stand mit wild klopfendem Herzen in der Eingangshalle und wartete auf Marianne Haster. Er schaute immer wieder zu der Treppe, von der sie – hoffentlich allein – kommen würde, um in die Große Halle zum Frühstück zu gehen. Die Große Halle war rosa und mit Herzen geschmückt, sehr passend zum heutigen Valentinstag. Und deswegen würde er auch Marianne fragen, denn wenn nicht heute, wann sonst? Und warum auch nicht? Schließlich war sie das intelligentestes, hübscheste, mutigste, hilfsbereiteste und freundlichste Mädchen, das er kannte. Außerdem mochten sie beide Quidditch, ihr gemeinsames Lieblingsfach war Verwandlung und ihre Lieblingseissorte Vanille. Wie konnte man da nicht zusammenpassen?

Er wartete noch weitere zehn Minuten – qualvolle zehn Minuten, in denen er sich genau überlegte, was er sagen würde – als Marianne zusammen mit ihrer Zimmergenossin Luna Lovegood die Treppe herunterkam. Die beiden unterhielten sich und schienen angeregt zu diskutieren.

„Aber, Luna, du kannst doch nicht ernsthaft glauben, dass es diese Viecher gibt!"

„Natürlich gibt es die."

Jetzt oder nie, dachte er, bevor er sich räusperte und fragte: „Marianne?"

Sie blickte ihn an mit ihren schönen, braunen Augen, ein wenig verwundert, erwiderte aber: „Ja?"

„Kann ich kurz mit dir reden. Alleine."

„Klar." Sie wandte sich an Luna. „Geh schon mal vor, ich komm gleich nach."

Diese nickte und hüpfte vergnügt in die Große Halle.

„Was gibt's denn, Jonathan?", wandte sich Marianne wieder an ihn.

Er schluckte – und hatte plötzlich seine gut ausgefeilte Rede vergessen. „Ähm… ich… ich…" Er knetete nervös seine Hände und starrte auf den Fußboden. Nein, verdammt, dachte er dann erbost auf sich selbst. Jetzt wird nicht gekniffen – das Glück hilft den Mutigen! Entschlossen sah er ihr daraufhin in die Augen und verkündete: „Ich wollte dich fragen, ob du heute mein Valentinsschatz sein möchtest und eventuell auch das nächste Hogsmeade-Wochenende mit mir verbringen möchtest." Sein Herz schlug aufgeregt, während er angespannt auf eine Antwort wartete.

Marianne blinzelte ein paar Mal verdutzt. „Aber… aber das geht doch nicht", brachte sie schließlich hervor.

„Und warum nicht?", wollte er enttäuscht wissen.

„Na ja, du bist doch ein reinblütiger Slytherin", erwiderte sie verlegen.

„Ja und?"

„Und ich bin eine halbblütige Ravenclaw."

„Ja und?"

„Was sagen denn deine Freunde dazu?"

„Die raten mir alle davon ab." Er zuckte lässig mit den Schultern. „Aber das ist mir vollkommen egal."

„Wirklich?", fragte sie hoffnungsvoll.

„Auf jeden Fall", lachte er, erfreut über die Röte auf ihren Wangen. „Wenn es dich nicht stört, dass ich ein Slytherin bin…" Er sah sie ein wenig ängstlich an.

Aber sie schüttelte mit dem Kopf und grinste.

Er grinste nun ebenfalls.

„Nun gut, Jonathan", meinte sie schließlich, „dann lass uns mal deine und meine Freunde schockieren." Sie streckte ihm ihre Hand entgegen, die er freudig ergriff, und gemeinsam gingen sie in die Große Halle, um von entsetzten Gesichtern angestarrt zu werden.