24. Februar – Ein Einhorn

Luna war oft im Verbotenen Wald. Sie ging zu allen möglichen Zeiten dorthin, manchmal sogar nachts, mal tiefer hinein, mal nur an den Rand – und sie war noch nie erwischt worden. Ob das nun Glück war oder an ihrer Klugheit lag, konnte sie selbst nicht genau sagen. Meistens kam sie, um die Thestrale zu besuchen, doch mittlerweile hatte sie viele andere wunderbare Tierwesen im Wald kennengelernt, die sie immer wieder sehen wollte. Hier war die Welt, von der ihr Vater ihr immer vorschwärmte.

So war sie auch an diesem Nachmittag unterwegs. Ohne Angst hüpfte sie vergnügt durch den Wald – bis sie plötzlich etwas Schneeweißes in der Ferne entdeckte. Verwundert blieb sie stehen. Diese Farbe hatte sie noch nie zuvor im Wald gesehen. Sie versuchte zu entziffern, um wen oder was es sich handelte, als das weiße Etwas sich bewegte und ein Einhorn hinter einem Baum hervortrat.

Es schien Luna nicht bemerkt zu haben, denn es streifte seelenruhig zu einem Busch mit blauen Beeren, die es begann abzuknabbern. Bis auf das silberfarbene Horn sah es wirklich wie ein ganz normales Pferd aus.

Die blonde Ravenclaw trat einen kleinen Schritt näher heran, dann noch einen und noch einen, bis sie auf einen dünnen Ast trat, der laut zerbrach.

Das Einhorn blickte zu ihr, betrachtete sie, und Luna blieb vollkommen regungslos stehen. Es lief nicht weg, sondern legte stattdessen seinen Kopf ein wenig schief, als würde es das Mädchen fragen, was es hier mache.

„Hallo", flüsterte Luna nach einer Weile. „Es ist alles in Ordnung. Ich tu dir nichts."

Langsam, sehr langsam kam das Einhorn näher, blieb immer wieder verunsichert stehen, doch die beruhigenden Worte des reinen Mädchens ließen es weitergehen, bis es nur noch einen halben Meter entfernt stand.

Luna hob so langsam und behutsam, wie sie es nur konnte, ihre Hand und legte sie auf den Nasenrücken des Einhorns. Vorsichtig begann sie, es zu streicheln.

Das Einhorn ließ sich dies gefallen, bevor es vergnügt wieherte und Luna übermütig anstupste.

Diese lachte. „Wir werden bestimmt gute Freunde sein", meinte sie und umarmte das schüchterne Tier.