26. Februar – Zaubertränke

Snape stand vor der Klasse, erklärte den Schülern den heutigen Zaubertrank, bellte ihnen schließlich die richtige Seitenzahl zu und ließ sie für den Rest der Stunde brauen, während er selbst achtsam um die Kessel schlich, um sicherzustellen, dass nichts Schreckliches geschah, also dass kein Kessel explodierte oder ein giftiges Gas den Raum verpestete.

„Sehr gute Arbeit bis hierhin, Mr Malfoy", lobte er Draco und gab Slytherin zehn Punkte.

„Erbärmlich", meinte er, als er in Potters Kessel schaute. Was eigentlich eine grüne Flüssigkeit sein sollte, war nichts als eine lilafarbene Pampe! Wenn der Junge sich wenigstens anstrengen würde, könnte er sich vielleicht zurückhalten mit seinen Kommentaren, aber so… Obwohl, vermutlich selbst dann nicht.

Zaubertränke war ein schwieriges Fach, das gab er zu, denn es benötigte unglaubliche Konzentration und Präzision – zwei Fähigkeiten, die die meisten Schüler leider nicht besaßen. Oder zumindest nicht während ihrer Pubertät…

Manchmal gab es jedoch den einen Schüler, der das nötige Handwerk und den nötigen Verstand besaß, um außergewöhnliche Tränke zustande zu bringen. Zu seinem Leidwesen waren sie jedoch selten in Slytherin, sodass er sie nicht genügend loben und fördern durfte, da der Dunkle Lord sonst misstrauisch werden könnte, besonders wenn sie nicht reinblütig waren.

Er ging zum nächsten Kessel, blickte hinein und entdeckte – wie immer – einen perfekten Trank.

Miss Granger sah ihn an, als hoffe sie noch immer auf ein Lob – war sie nicht schon oft genug enttäuscht worden?! –, doch er konnte, durfte ihr keines geben, da sie in Gryffindor war und auch noch muggelgeboren.

Stattdessen ging er weiter und beobachtete sie heimlich, bis er sie dabei erwischte, wie sie Longbottom bei seinem Trank half. „Miss Granger!", rief er und stürmte auf sie zu. „Sie wissen ganz genau, dass es Ihnen untersagt ist, in andere Kessel einzugreifen, besonders in den von Mr Longbottom."

„Ja, Sir", murmelte sie unterwürfig und sah ihn an. Plötzlich breitete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus, das sie vergeblich zu verstecken versuchte.

„Was grinsen Sie denn so?", fragte Snape irritiert. Diese Situation kam eher nicht vor, wenn er gerade dabei war, einen Schüler zur Schnecke zu machen.

Die Klasse war mucksmäuschenstill und blickte gespannt zu den beiden.

„Ich habe nur gerade herausgefunden, dass es mir nicht mehr wichtig ist."

„Was, Miss Granger?", hakte er verärgert nach. Er hasste es, wenn man jemandem alles aus der Nase ziehen musste.

„Dass Sie mich für meine gute Arbeit loben", erwiderte sie jedoch vergnügt und lächelte ihn jetzt offen an. „Ich brauche Ihr Lob nicht mehr."

Snape musterte sie mit zusammengekniffenen Augen, bis er beschloss, nicht weiter auf sie einzugehen, und sagte nur: „10 Punkte von Gryffindor für das Eingreifen in einen fremden Kessel."

Hermine nickte, als würde sie diese Bestrafung akzeptieren, und wandte sich wieder ihrem Kessel zu.

Die ganze Klasse starrte fortwährend zu den beiden, daher bellte Snape: „Weitermachen!" und alle widmeten sich wieder ihren Tränken.

Snape setzte sich an seinen Tisch und versuchte, dieses außergewöhnlich begabte Mädchen zu begreifen. Seltsames Ding…