3. März – Ein ruhiger Ort

Severus Snape saß in seinem Büro und las in einem interessanten Buch über schwedische Heilpflanzen, als plötzlich seine Tür aufschwang, ohne dass jemand zuvor angeklopft hätte, und eine Stinkbombe hereingeworfen wurde, die sogleich explodierte.

„Argh!", schrie Severus angeekelt, sprang auf und ließ die Bombe mit Hilfe eines Zaubers entfernen. Der Gestank verflüchtigte sich jedoch nicht – zumindest nicht schnell – und so blieb dem Professor für Zaubertränke nichts anderes übrig, als sich sein Buch zu schnappen und nach einem neuen Ort zum Lesen zu suchen.

Wenn ich den erwische, der das gewagt hat, dachte er wütend, während er die Korridore nach einem geeigneten Platz absuchte.

Er könnte sich auf eine der Bänke auf den Fluren setzen, aber er wollte nicht von den Schülern beobachtet werden.

Die Klassenräume fielen leider auch weg, da die meisten zurzeit wegen des Unterrichts besetzt waren; er selbst hatte gerade eine Freistunde.

Er ging schnellen Schrittes zur Eingangshalle und überlegte, ob er sich nach draußen an den See setzen könnte, doch ein Augenblick draußen im Freien verriet ihm, dass es dafür heute zu kalt war.

In der Großen Halle waren ebenfalls Schüler, die hoffentlich an ihren Hausaufgaben arbeiteten und keinen Unsinn trieben…

Als nächstes versuchte er es in der Bibliothek, doch auch dort gab es keinen freien, halbwegs einsam gelegenen Tisch mehr, an dem er unbeobachtet hätte sein können.

Er grübelte weiter, ob er sich in einem der vielen Geheimgänge Hogwarts setzen könnte, doch dort würde er viel zu wenig Licht haben.

Als er über den Flur im fünften Stock wanderte, gingen ihm langsam die Ideen aus. Es kann doch wohl nicht so schwer sein, einen ruhigen Ort zum Lesen zu finden!, dachte er gerade verärgert, als er plötzlich hinter sich ein ungewohntes Geräusch hörte. Blitzschnell drehte er sich um, doch er war allein. Er folgte mit den Augen dem Geräusch und sah, wie die Wand zu seiner Linken auf einmal eine kleine Holztür hervorbrachte. Neugierig ging er auf sie zu, öffnete sie vorsichtig einen Spalt und steckte seinen Kopf hinein. Ungläubig von dem Anblick, der sich ihm bot, riss er die Augen auf.

Vor ihm befand sich ein gemütlicher, kleiner Raum mit einem prasselnden Kaminfeuer, einem grünen Ohrensessel und einer Stehlampe daneben. Es war ein Ort zum Lesen wie aus dem Bilderbuch.

Severus überlegte, ob dieser Raum eine Falle sein könnte, vielleicht so etwas wie eine Venusfliegenfalle mit einer Fata Morgana, die ihn verschlucken würde, sobald er sich hinsetzen würde – dieser Anblick war einfach zu traumhaft!

Doch dann fiel ihm ein, dass er sich im fünften Stock befand und dass Umbridge die Lehrer angehalten hatte, die Schüler hier genau zu beobachten, da sie der Meinung war, dass sie sich hier irgendwo heimlich treffen würden. Außerdem hatte er schon so manch Interessantes über den fünften Stock gelesen.

Severus glaubte es nicht, als er eins und eins zusammenzählte: Er hatte den Raum der Wünsche gefunden!

Triumphierend lächelnd schloss er die Tür hinter sich, drehte den praktischerweise vorhandenen Schlüssel herum, ließ sich in den Seel fallen, klappte sein Buch wieder auf und seufzte einmal zufrieden. Endlich Ruhe.

Nach einer Weile kam ihm plötzlich ein Gedanke: Würde er Umbridge von diesem Ort erzählen?

Hmmm… Nein, entschied er schnell und las vergnügt weiter.