4. März – Zehn Minuten Freunde

Hermine durchforstete die Abteilung für besondere Zaubertränke in der Bibliothek, auf der Suche nach einem bestimmten Buch über die Zubereitung eines schwierigen Schrumpftrankes, als sie plötzlich mit jemandem zusammenstieß.

„Oh, Verzeihung", sagte sie sofort und blickte erst dann zu der Person.

„Kein Problem", erwiderte Pansy Parkinson, anscheinend automatisch, bevor ihr auffiel, wer da eigentlich vor ihr stand.

Einen Augenblick standen die beiden Mädchen betreten voreinander, bis Hermines Blick auf das Buch glitt, das Pansy in der Hand trug.

„Hey!", rief sie aufgeregt. „Das ist genau das Buch, nach dem ich suche!"

„Oh, ja, es ist wirklich praktisch", erwiderte die Slytherin nicht unfreundlich. „Hier, du kannst es haben. Ich bin fertig damit und wollte es sowieso gerade ins Regal zurückstellen." Lächelnd reichte sie Hermine das Buch.

„Danke", strahlte diese, ganz überrascht von der plötzlichen Nettigkeit der anderen. „Und hat es dir für Snapes Aufsatz geholfen?"

„Ein wenig, denke ich", meinte Pansy und begann, ins Fachliche abzudriften.

Hermine stieg beherzt mit ein in die hochkomplexe Diskussion über die angeblich bessere Wirkung des Schrumpftrankes, wenn man Florfliegen statt Schneckenschleim hinzugab. Wer hätte gedacht, dass die Slytherin solch eine Ahnung von Zaubertränken hatte?

„Ich verstehe nicht, warum die Forschung der Meinung ist, das wäre klug", sagte Hermine gerade.

„Ich weiß!", ließ sich auch Pansy aus. „Und uns glaubt keiner, weil wir nur Schüler sind."

„Und dann auch noch Mädchen!"

Die beiden verfielen plötzlich in ein leises Lachen und grinsten sich danach an. Es war, als würden sie sich mit einer Freundin unterhalten…

Offensichtlich kam beiden gleichzeitig dieser Gedanke, denn ihr Lächeln verflog und eine unangenehme Stille breitete sich aus. Hier standen sich also die beste Freundin von Harry Potter und die beste Freundin seines Erzfeindes Draco Malfoy gegenüber. Gryffindor und Slytherin. Dumbledores Armee und das Inquisitionskommando…

„So", meinte Pansy nach einer Weile. „Ich, ähm, geh dann mal wieder."

„Ja, okay", erwiderte Hermine in demselben Tonfall. „Ähm, danke für das Buch."

„Ja, klar. Kapitel zehn ist interessant."

„Okay, danke nochmal."

„Ja…"

Und Pansy verschwand und ließ eine grübelnde Hermine zurück: Was wäre vielleicht geworden, wenn das Slytherinmädchen damals in Gryffindor einsortiert worden wäre oder sie selbst in Slytherin?