1. April – Der ultimative Streich

An diesem herrlich sonnigen Tag erwachte Fred als erster, sodass er die glorreiche Ehre hatte, seinen Bruder mit einem Kissen zu bewerfen – eine alte Tradition der Zwillinge.

„Hey, George!", rief er. „Aufwachen, wir haben Geburtstag!"

Dieser war sogleich hellwach und grinste seinen Bruder an, bevor sein Blick auf das Bettende fiel. „Wo sind denn unsere Geschenke?", fragte er verwundert.

Fred runzelte die Stirn. „Glaubst du, es ist möglich, dass uns dieses Jahr niemand etwas schenkt?"

„Nein. Mum strickt doch so gerne."

Die Zwillinge standen auf, zogen sich an und gingen zum Frühstück in die Große Halle. Obwohl sie viele ihrer Freunde trafen, gratulierte ihnen niemand. „Die tun vermutlich nur so", raunte Fred George ins Ohr.

Dieser verdrehte die Augen. „So ein alter Trick."

Doch als sie kurze Zeit später einen Blick auf den Tagespropheten warfen, wunderten sie sich erneut.

„Fred, heute ist doch Montag, oder?"

„Ja, Montag, der 1. April. Wieso?"

„Der Tagesprophet behauptet, es sei der 2. April."

„Was?! Zeig mal her." Ungläubig betrachtete er die Zeitung, doch in der rechten, oberen Ecke stand es: Montag, der 2. April 1996.

„Hey, Lee", wandte sich George dann an den besten Freund der Zwillinge.

„Ja?"

„Welches Datum haben wir heute?"

„Den 2. April, glaub ich."

„Und welchen Wochentag?", wollte Fred wissen.

Lee sah ihn irritiert an. „Montag, was sonst."

„Aber müsste heute nicht der 1. April sein."

Lee sah sie nun noch verwunderter an. „Nein, der war doch gestern."

Fred und George runzelten die Stirn.

Lee lachte. „Jungs, erinnert ihr euch etwa nicht mehr an eure geile Geburtstagsparty gestern Abend."

Nun sahen sich die Zwillinge erschrocken an.

Zuerst hielten sie das Ganze noch für einen Scherz ihres besten Freundes, doch im Laufe des Tages trafen sie immer wieder Leute – und zwar nicht nur aus Gryffindor – die ihnen entweder nachträglich zum Geburtstag gratulierten oder von ihrer grandiosen Feier schwärmten.

„So toll war die Party nun auch wieder nicht", meinte Hermine mittags, als Ron gerade wieder einmal die Geschichte erzählt hatte, wie er zwei Butterbiere auf einmal geext hatte. „Ich konnte nämlich nicht schlafen, so laut, wie ihr ward. Und dann auch noch bis nach Mitternacht!"

Doch der absolute Knaller, der Fred und George wirklich an ihrem Verstand zweifeln ließ, war Professor McGonagalls Kommentar in der Verwandlungsstunde am Nachmittag: „Was sind Sie denn nur so müde! Wer lange feiert, muss auch die Konsequenzen tragen. Wenn ich Sie nicht alle um eins ins Bett geschickt hätte, hätten Sie die ganze Nacht durchgemacht, nicht wahr!?"

„Fred?", meinte George, als der Schultag beendet war. „Glaubst du, es ist möglich, dass wir unseren Geburtstag vergessen haben?"

Fred schüttelte mit dem Kopf. „Obwohl ich es mir nicht erklären kann, warum die halbe Schule behauptet, heute sei der 2. April…"

„Vielleicht wurde uns ja etwas untergemischt? Oder wir wurden heimlich mit einem Vergessenszauber belegt?"

„Ja, aber wozu? Warum will jemand, dass wir unsere eigene Party vergessen?"

„Vielleicht ist ja etwas Schlimmes passiert?"

Den Rest des späten Nachmittags nutzten die beiden, ihre Mitschüler nach der gestrigen Fete zu befragen und besonders, ob etwas vorgefallen sei. Doch alle berichteten nur von einer heiteren, ausgelassenen Stimmung.

„Vielleicht ist ja etwas so Schreckliches passiert, dass McGonagall allen die Erinnerung daran genommen hat und uns aus Versehen zu viel weggenommen hat?", überlegte Fred, als sie abends auf dem Weg zum Gryffindor-Gemeinschaftsraum waren.

„Oder es war etwas so Peinliches, dass alle ihr Stillschweigen gelobt haben."

„Sogar Lee? Der kann doch nichts für sich behalten."

George zuckte nur mit den Schultern, sprach das Passwort und die Zwillinge betraten den Gemeinschaftsraum.

Es war stockdunkel.

Sie waren sofort in Alarmbereitschaft, Zauberstäbe in der Hand – Dumbledores Armee schien seine Wirkung zu zeigen. Doch schon im nächsten Moment gingen strahlende Lichter an und Menschen brüllten: „Überraschung!"

Fred und George sahen sich entgeistert an, dann die Partygäste, dann wieder sich gegenseitig, bis Lee auf sie zusprang und grinsend meinte: „Na? War das nicht ein klasse Streich!?"

Die Zwillinge blicken noch ein paar Sekunden verwundert umher, bevor sie gleichzeitig anfingen, laut zu lachen. Man reichte ihnen Gläser und alle stießen auf ihr Wohl an.

„Und sogar McGonagall hat mitgemacht!", triumphierte Lee.

Die Zwillinge waren so beeindruckt von diesem Streich, dass sie es gar nicht in Worte fassen konnten.

Der ultimative Streich. Wow. Einfach unglaublich.