3. April – Märchen

„So, mein Liebling, Zeit, ins Bett zu gehen", sagte die Mutter am Abend. „Wer soll dir denn heute eine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen?"

„Papa!", rief die Kleine, und Tochter und Vater gingen hoch ins Kinderzimmer.

„Welches Märchen möchtest du heute hören?", fragte der Vater dann und holte die Märchen der Gebrüder Grimm hervor. „Schneewittchen? Oder lieber Aschenputtel?"

Der Brunnen des wahren Glücks!", rief das Mädchen und holte ein anderes Buch hervor.

Der Vater nahm es verwundert in die Hand. Die Märchen von Beedle dem Barden. Er seufzte. Manchmal war es nicht so einfach, mit einer Hexe zusammenzuleben. Aber seiner Tochter zu Liebe las er ihr auch ein magisches Märchen vor. Nun ja, eigentlich waren Schneewittchen und Aschenputtel auch magische Märchen. Es war ein gutes Märchen mit einer positiven Moral, und schließlich las er den letzten Satz:

Die drei Hexen und der Ritter machten sich, Arm in Arm, gemeinsam auf den Weg den Hügel hinab, und alle vier lebten lange und glücklich, und keiner von ihnen erfuhr oder argwöhnte jemals, dass auf den Wassern des Brunnens gar kein Zauber lag. Ende." Das Märchen war beendet und das kleine Mädchen zufrieden eingeschlafen.

Aus Neugier nahm der Vater das Zauberermärchenbuch mit ins Wohnzimmer und las auch die restlichen Geschichten, doch zu seiner großen Überraschung waren die meisten grausam! Ein Glück, dass seine Tochter sich das angenehmste ausgesucht hatte.

„Na, Schatz", meinte die Mutter, als sie sich zu ihm auf das Sofa setzte. „Schläft unsere Kleine."

Ihr Mann nickte nur, völlig vertieft in die Anmerkungen des aktuellen Schulleiters von Hogwarts, Albus Dumbledore.

„Liest du gerade Beedle den Barden?", fragte seine Frau verwundert, als sie das Buch erkannte.

Wieder nickte er nur.

„Und, was hältst du davon?"

Er sah sie entgeistert an. „Die meisten Märchen sind schrecklich!"

„Wieso denn das?", wollte sie verwundert wissen. Sie hatte sie als Kind immer geliebt und mochte sie auch heute noch. Außerdem war es ihr wichtig, dass ihre Tochter sowohl magisch als auch als Muggel aufwuchs.

„In dem Märchen von den drei Brüdern geht es nur um Tod, und Des Hexers haariges Herz ist einfach abscheulich. Ich möchte nicht, dass meine Tochter so etwas hören muss."

„Aber Muggel-Märchen sind da besser, oder was?", eschauffierte sie sich nun.

„Ja", behauptete er fest.

„Schneiden sich bei Aschenputtel die bösen Stiefschwestern nicht Hacke und Zehen ab, um besser in den gläsernen Schuh zu passen?"

„Ja, schon", gab ihr Mann zerknirscht zu. Diesen Teil hatte er ganz vergessen „Aber-"

„Und bei Schneewittchen geht es die ganze Zeit nur darum, sie umzubringen. Das ist auch nicht besonders angenehm."

„Ja, aber-"

„Und von Hans Christian Andersen will ich gar nicht erst anfangen. Lässt arme Mädchen einfach erfrieren…"

„Na gut", lenkte ihr Mann schließlich ein. „Aber bitte nicht Des Hexers haariges Herz. Davon bekomm ja sogar ich Albträume."

„Ist gut, mein Schatz", gab sich seine Frau nun zufrieden.

„Meine Hexe", sagte er liebevoll und nahm sie in den Arm.

„Mein Muggel", strahlte sie zurück und küsste ihn.