6. April – Osterfeuer

Dean Thomas war über die Feiertage nach Hause gefahren. Obwohl er selbst nicht an Gott glaubte, war Ostern schon immer ein Familienfest bei ihnen gewesen – und bei vier jüngeren Geschwistern, die natürlich auch jetzt noch Ostereier suchen wollten, war das auch nicht besonders verwunderlich. Doch das würde erst morgen anstehen. Heute war erst Samstag, also der Tag des traditionellen Osterfeuers.

„Kommst du auch nachher mit, Dean?", fragte ihn seine Mutter beim Mittagessen.

„Nee, ich zeichne lieber", erwiderte ihr Sohn. Er wollte lieber allein sein und nachdenken. Bei allem, was sich zurzeit in der Zaubererwelt zusammenbrodelte, brauchte er ein wenig Ruhe. Und seine nicht-magischen Eltern konnten ihm leider nicht helfen.

Nach dem Abendessen ging Dean hoch in sein Zimmer, schnappte sich ein leeres, weißes Blatt Papier und einen Bleistift und begann zu zeichnen. Er dachte kaum darüber nach, was er mit dem Stift tat, während er seine Gedanken strömen ließ, und war daher ein wenig verwundert, als er plötzlich ein Portrait von Ginny Weasley vor sich hatte.

Da klopfte es an der Tür und Gary, Deans Stiefvater, trat herein.

„Na, alles klar bei dir?", fragte er freundlich; die beiden waren immer gut miteinander ausgekommen.

Dean zuckte nur mit den Schultern.

„Deine Mutter und ich machen uns Sorgen um dich. Du bist so still und trübselig in letzter Zeit. Ist etwas passiert?"

Dean seufzte nur schwer.

Sein Stiefvater setzte sich aufs Bett. „Hast du Kummer in der Schule? Geht es um dieses Mädchen?" Er nickte hinüber zu Deans Zeichnung.

Dieser musste plötzlich schmunzeln. „Nein, Ginny ist klasse." Sein Grinsen verbreiterte sich. Und wie sie das war!

„Was ist es dann?"

Das Lächeln erstarb sofort wieder. „Es wird bald Krieg geben", erwiderte er direkt.

„Was?!", rief Gary erschrocken und Dean erzählte ihm von Voldemort, den Todessern, Umbridge und Dumbledores Armee.

„Keiner weiß, wann er kommen wird, aber alle wissen, dass es passieren wird."

„Und dieser Harry Potter hilft euch, euch zu verteidigen?"

Dean nickte zuversichtlich. „Aber bitte nichts Mum sagen, ja?", fügte er schnell hinzu. Sie würde vor Sorge wahnsinnig werden und ihn vermutlich von der Schule nehmen – obwohl das gegen die Todesser auch nichts nützen würde…

„Nein, mach ich nicht", versprach Gary, auch wenn er ziemlich blass geworden war.

„Keine Sorge, das wird schon alles. Ich kämpf ja nicht allein gegen den Rest der Welt", versuchte Dean, die Stimmung aufzulockern.

„Musst du überhaupt kämpfen?", fragte Gary nun und wahre Sorge stand in seinem Gesicht geschrieben.

„Ja", meinte Dean sofort. „Ich muss. Gerade mich als Muggelgeborenen will diese neue Weltordnung unterdrücken und das muss ich unter allen Umständen verhindern. Nicht nur für mich, sondern auch für meine Freunde und die nächste Generation."

„Und für Ginny?", meinte Gary und grinste nun schelmisch.

Dean lachte kurz auf. „Ja, auch für Ginny." Obwohl Ginny ja reines Blut hatte. Naja, ob Voldemort die Weasleys so gut behandeln würde?...

Gary stand auf und ging zur Tür. „Ich glaube, deine Mutter würde sich sehr darüber freuen, wenn du mit zum Osterfeuer kommst."

Dean lächelte und legte den Stift auf den Schreibtisch. „Ja, ich glaube auch", stimmte er zu, stand auf und ging mit seinem Stiefvater nach unten in die Küche, wo er dann seine Mutter einmal fest in den Arm nahm.

„Huch", meinte diese überrascht, aber erfreut. „Wo kommt das denn plötzlich her?"

Dean zuckte mit den Schultern. „Einfach nur so, Mum. Einfach nur so."