7. April – Ostersonntag

„Guten Morgen, liebe Mitschüler aus Gryffindor", riefen die Weasley-Zwillinge beim Frühstück und die Große Halle verstummte. „Heute feiern die Muggel Ostern und wie unsere kleine Schwester in Muggelkunde gelernt hat, gibt es dort traditionell eine Ostereiersuche."

Ginny verdrehte die Augen. Sie musste lernen, nicht alles ihren Brüdern zu erzählen… Zum Glück waren die Lehrer noch nicht anwesend, sonst würden die beiden sofort Ärger bekommen. Und sie wohl ebenfalls…

„Jedenfalls haben wir uns dieses Jahr gedacht", erklärte Fred grinsend, „dass wir das auch einmal ausprobieren sollten."

„Daher haben Fred und ich", ergänzte George, „letzte Nacht jedem von euch einen Gegenstand stibitzt und ihn irgendwo im Schloss versteckt. Keine Sorge, es war bei keinem etwas Dringendes, wie zum Beispiel ein Aufsatz."

„Oder ein Apfel."

„Oder eurer Lieblingsbuch."

„Aber dennoch werdet ihr es früher oder später vermissen."

„Also durchsucht das Schloss nach euren Dingen!"

Der Gyffindor-Tisch starrte die Zwillinge ungläubig an. Sie sollten das ganze Schloss durchkämmen, um irgendwo ihre Sachen wiederzufinden?!

„Aber Finger weg von Dingen, die euch nicht gehören", warnte Fred nun.

„Daher haben wir eure Gegenstände mit einem Zauber belegt, sodass nur ihr selbst ihn berühren könnt."

Hermine nickte anerkennend. Auch wenn diese Idee vollkommen hirnrissig war, musste sie die Zauberkunst dahinter dennoch würdigen.

„Also los, worauf wartet ihr!", rief George begeistert. „Sucht!"

Kaum einer rührte sich. Neville war sogleich aufgesprungen und fing hektisch an zu suchen.

„Ihr seid doch blöde", meinte Ron. „Wie soll man denn das ganze verdammte Schloss absuchen?"

„Na, so schwer sind die Verstecke nun auch wieder nicht", meinte Fred versöhnlich.

„Und wir wissen ja noch, wo wir was versteckt haben", ergänzte George. „Wer seinen Gegenstand bis heute Abend nicht gefunden hat, dem geben wir einen kleinen Tipp."

„Und wer ihn bis morgen Abend immer noch nicht hat, dem sagen wir es ganz einfach."

Jetzt waren die meisten wieder beruhigt, aber trotzdem stand niemand auf.

„Los, spielt mit", ermunterte Fred. „Das macht echt Spaß."

„Es soll euch auf andere Gedanken bringen", fügte George ernst hinzu.

Da stand Harry langsam auf. „Na gut, dann fang ich mal an." Er startete in der Eingangshalle und suchte auf Bilderrahmen und hinter Rüstungen, in kleinen Besenkammern und in Pflanzenkübeln. Wenn Dudley früher Ostereier gesucht hatte, hatte er, Harry, natürlich nie mitmachen dürfen. Irgendwie hatte er das immer bedauert.

Er fand im Laufe der nächsten halben Stunde intensiven Suchens mehrere Gegenstände von anderen Schülern und gab den Zwillingen recht, dass die Verstecke fair waren. Aber seinen eigenen fand er nicht.

Nach einer Weile beschloss er seinen geregelten Tagesablauf weiter zu leben: Er recherchierte in der Bibliothek für einen Aufsatz, besuchte Hagrid und schrieb später besagten Aufsatz. Immer wieder suchte er auf dem Weg, als er sich dachte, ein besonders geeignetes Versteck gefunden zu haben, doch erst auf dem Weg ins Badezimmer hatte er Glück und fand seinen Gegenstand: sein Besenreinigungsset, das er vor ein paar Jahren zu Weihnachten bekommen hatte. Das brauchte er nun wirklich nicht dringend, da Umbridge das Quidditch ja untersagt hatte.

„Und?", fragte er Ron und Hermine abends im Gemeinschaftsraum. „Habt ihr euren Gegenstand gefunden?"

„Ja", erwiderte Hermine mit Groll in der Stimme. „Es war Geschichte Hogwarts'. Und die meinten, sie würden keine Lieblingsbücher verstecken!"

Harry unterdrückte ein Lachen. „Und bei dir, Ron?"

Dieser zuckte mit den Schultern. „Vielleicht morgen. Ich kann mir ja nen Tipp abholen."

Ron grinste, Harry lachte und Hermine verdrehte nur genervt die Augen, bevor sie in Geschichte Hogwarts' begierig weiterlas.