8. April – Ostermontag

Um das traditionelle Ostereiersuchen der Muggel darzustellen, hatten Fred und George gestern von jedem Gryffindorschüler einen Gegenstand im Schloss versteckt. Die meisten hatten mittlerweile ihre Sachen wiedergefunden, doch Ron suchte immer noch. Am Abend zuvor hatte er sich einen Tipp von seinen Brüdern abgeholt.

„Geh dorthin, wo du niemals bist", hatte Fred gelacht und George gezwinkert.

Ron hatte viel darüber nachgedacht, aber es gab eine Menge Orte in Hogwarts, bei denen er noch nie oder nur sehr selten gewesen war. Daher hatte er heute verschiedene Besenkammern, Vorratsräume und verlassene Flure und Klassenzimmer aufgesucht, doch nichts gefunden. Zwar hatten die Zwillinge versprochen, den Schülern, die bis zum heutigen Abend ihren Gegenstand immer noch nicht gefunden hätten, diesen wiederzugeben, aber da Ron ihr Bruder war, traute er dem Versprechen nicht so richtig.

Vielleicht im Lehrerzimmer?, überlegte er am Nachmittag. Aber da kommt ja kein Schüler hin. Das ist ja dann unmöglich! Er hielt inne. Ja, das war der perfekte Ort… Also ging er niedergeschlagen zum Lehrerzimmer und klopfte an.

Professor McGonagall öffnete ihm. „Ja, was gibt's Weasley?"

„Ähm…" Rons Wangen färbten sich rot. „Befindet sich zufällig im Lehrerzimmer ein Gegenstand, der mir gehören könnte?"

McGonagall zog die Stirn in Falten. „Können Sie dies auch noch ein wenig präzisieren?"

„Ähm, leider nein."

Sie blickte ihn missbilligend an, schaute einmal schnell ins Lehrerzimmer und meinte kurz angebunden: „Nein, ich denke nicht", bevor sie die Tür wieder fest schloss.

„Bloody hell", murmelte Ron frustriert und schlurfte schließlich zurück in den Gemeinschaftsraum, wo er sich neben Harry aufs Sofa schmiss. „Ich geb's auf!"

„Was denn?", fragte Harry verwundert.

„Meinen Ostergegentand zu finden."

„Immer noch nicht?"

„Nee…"

„Na ja, Fred und George geben ihn dir ja heute Abend zurück."

„Als ob", murrte Ron und starrte deprimiert in die Flammen des Kaminfeuers.

Harry wusste darauf nichts Kluges zu erwidern und machte sich wieder an seinen Verwandlungsaufsatz.

Zehn Minuten später erschien Hermine und gesellte sich zu ihnen. „Hey, Jungs."

„Hey", grüßte Harry kurz zurück, schaute dann aber bald wieder auf seinen Aufsatz.

Ron reagierte überhaupt nicht.

„Was ist dir denn über die Leber gelaufen?"

Dieser regte sich noch immer nicht, also schnipste Hermine ihm vor der Nase herum, bis er ihr den Kopf zuwandte. „Hm?", murmelte er nur und sah dann wieder ins Feuer.

„Harry?", wandte sich Hermine an ihren anderen besten Freund und dieser erklärte ihr Rons Unstimmigkeit.

Doch zur Überraschung beider fing Hermine plötzlich laut an zu lachen.

„Was ist denn mit dir los?!", rief Ron da verwundert.

„Ich weiß, wo dein Gegenstand ist. Ich hab ihn heute gesehen."

„Was?! Wo das denn?"

„In der Bibliothek, hinten auf dem vorletzten Regal. Es ist dein Chudley-Cannons-Fan-T-Shirt."

Ron sah sie einen Moment mit weit aufgerissenen Augen an, bevor sich sein Gesicht rot färbte – dieses Mal aber nicht vor Scham –, er aufsprang, zu den Zwillingen stampfte, ihnen wütend ins Gesicht rief: „Ich bin sehr wohl in der Bibliothek!" und den Gemeinschaftsraum mit einem lauten Zuschlagen der Tür verließ.

„Oh", machte Hermine plötzlich erschrocken.

„Was ist denn nun?"

„Ähm, ich… ähm… wollte nur, dass Ron auch mal wieder in die Bibliothek geht", gab Hermine leise zu, während sie nervös auf ihrer Unterlippe kaute.

„Das heißt, Ron läuft gerade umsonst in die Bücherei?!", wollte Harry ungläubig wissen.

„Ähm… ja…"

Harry und Hermine sahen sich erstaunt in die Augen, bis Harry anfing zu lachen.

„Aber er wird doch super sauer auf mich sein, oder?", hakte Hermine ängstlich nach. „Das hab ich nicht gewollt."

„Ach, das wird schon wieder", meinte Harry zuversichtlich. Im Stillen jedoch dachte er, dass dies ja nicht der erste Streit der beiden war. Was sich neckt, das liebt sich eben…