13. April – Muggelschach

Es war ruhig im Lehrerzimmer – ausnahmsweise einmal! – aber es war ja auch schon spät und das bedeutete, dass die meisten Kollegen schon zu Bett gegangen waren.

Severus saß auf einem der Sofas und las im Abendpropheten. Obwohl alles an seiner Haltung eine Abneigung gegen jegliche Störung symbolisierte, war Minerva doch tatsächlich vor einer Stunde zu ihm gekommen und hatte ihn gefragt, ob sie eine Runde Schach spielen wollten.

„Nein", hatte er nur erwidert, ohne von seiner Zeitung aufzublicken. Aus dem Augenwinkel hatte er danach beobachtet, wie Charity Burbage, die neben ihm auf dem Sofa saß und irgendeinen Muggelroman („Stolz und Vorurteil" von Jane Austen) las, sich hatte ein Lachen verkneifen müssen.

Minerva war beleidigt abgestampft und schon bald ebenfalls zu Bett verschwunden. Nachdem auch Filius und Pomona gegangen waren, blieben Severus und Charity allein zurück.

Sie klappte ihr Buch laut zu und fragte ihn direkt: „Wollen wir Schach spielen?"

Severus legte seine Zeitung zur Seite und erwiderte: „Sehr gerne."

Charity lächelte erfreut, baute am Tisch ein Muggelschachspiel auf, sie und Severus setzten sich gegenüber, und Charity durfte den ersten Zug machen.

„Warum spielst du eigentlich lieber Muggelschach als Zaubererschach?", wollte sie nach einer Weile wissen.

„Als ich acht Jahre alt war", erzählte Severus, ohne ihr konzentriertes Spiel zu unterbrechen, „brachte mein Vater mir Schach bei. Da er ein Muggel war, spielten wir natürlich auch Muggelschach. Dies ist die einzig positive Erinnerung an meinen Vater, die ich habe. Durch ihn habe ich logisches Denken und rationales Vorausplanen gelernt."

Charity sah ihn entsetzt an, doch er hatte seine Augen fest auf das Spielfeld gerichtet. Sie wusste nicht, was sie ihm antworten sollte. Er verabscheute Mitleid und was sonst hätte sie ihm jetzt sagen oder geben können? Daher schwieg sie besser und brachte ihren Turm im nächsten Zug absichtlich nicht in Sicherheit, sodass Severus ihn schlagen konnte.

Das ging eine Weile hin und her, bis Severus trocken „Schach" verkündete.

Charity sah, dass sie verloren hatte, daher traute sie sich etwas zu sagen, was sie noch nie in dieser Art erwähnt oder auch nur angedeutet hatte: „Ich finde es schade, dass wir nur im Verborgenen Freunde sein können."

Da blickte er endlich hoch und sah ihr ernst in die Augen. „Ich auch."

Sie lächelte, weil er bestätigt hatte, dass sie Freunde waren, und zog wahllos irgendeine Figur.

„Schachmatt", murmelte Severus daraufhin verhängnisvoll.