14. April – Animagus

Der Traum vom Fliegen haftet wohl jedem Menschen an. Flugzeuge, Thestrale, Hippogreife und Besen haben es schon möglich gemacht, doch es geht nichts über die persönliche Fähigkeit des Schwebens. Ein Geist müsste man sein – oder ein Vogel.

Terry Boot hegte schon seit frühster Kindheit den innigsten Wunsch, fliegen zu können, und zwar nicht mithilfe eines Gegenstandes oder anderen Tieres, sondern ganz allein und von sich aus. Frei wie ein Adler wollte er sein, so elegant wie eine Eule und so schnell und flink wie ein Spatz.

Als er vor ein paar Jahren nach Hogwarts gekommen war, hatte er intensiv in der Bibliothek nach Möglichkeiten geforscht. Er hatte auch die Geister befragt, doch die hatten ihm alle geraten, besser am Leben zu bleiben. Erst ein Buch in der Verbotenen Abteilung half ihm weiter: Wie man ein Animagus wird. Es ist nicht verboten, sich diese Eigenschaft anzueignen, sondern nur nicht besonders gut angesehen (da diese Fähigkeit missbraucht werden kann) und man muss dem Ministerium Bescheid sagen, sobald man es geschafft hat.

Seit jenem Tag, als er zum ersten Mal von Animagi gelesen hatte, übte er in jeder Freistunde und jeden Abend, sich in einen Vogel zu verwandeln. Die Vogelart war ihm sogar relativ egal (außer Pinguinen zum Beispiel, da diese nicht fliegen können), aber eine Taube wollte er gerne vermeiden, weil sie ihm so unwürdig erschien. Terry hatte dadurch nicht besonders viele Freunde, weil er nie Zeit hatte, aber das störte ihn nicht – für seinen tiefsten Traum und innigsten Wunsch würde er alles tun. Stünde er vor dem Spiegel Nerhegeb, würde er sich als Vogel fliegen sehen.

Es dauerte ein paar Jahre, bis seine Zauberkraft ausreichend war, um die Verwandlung zu vollziehen, und in all dieser Zeit hatte er nie ans Aufgeben gedacht. Jetzt, ein Fünftklässler aus Ravenclaw und stolzes Mitglied von Dumbledores Armee, war es endlich soweit. In dieser Nacht verwandelte sich Terry Boot zum ersten Mal in – einen Habicht. Er betrachtete sich in einer Fensterscheibe und war sehr zufrieden mit seinem Äußeren. Dann breitete er zum ersten Mal seine Flügel aus – was für ein wunderbares Gefühl! – und hüpfte zu einem anderen Fenster, welches er, klug wie er war, vorher geöffnet hatte. Er blickte hinunter in die schwarze Tiefe, doch durch seine scharfen Augen sah er weit und klar. Höhenangst verspürte er keine. Er war ein Vogel und Vögel können fliegen. Also machte er sich bereit und stieß sich nach vorne. Seine Flügel breiteten sich wie von selbst aus und der Wind trug ihn. Er flog! Er versuchte zu jauchzen, doch aus seinem Schnabel trat nur ein Habichtsschrei.

Glücklich umflog er den Ravenclawturm, ließ sich über den Großen See gleiten und betrachtete Hogwarts und seine Umgebung von oben. Endlich war sein Traum in Erfüllung gegangen!