15. April – Geschichte der Zauberei

Jeder Schüler hasste Geschichte der Zauberei. Professor Binns hatte eine so einschläfernde Stimme und verlangte ganz und gar nichts von seinen Schülern (außer ihrer Anwesenheit und Ruhe), dass es auch nicht besonders verwunderlich war. Wenn sie schliefen, war es ihm gleich oder er bemerkte es erst gar nicht. Er kannte ja noch nicht einmal ihre Namen, nicht einmal nach sieben Jahren…

Doch es gab eine Schülerin, die großes Interesse an dem Fach selbst hatte – und wir reden hier nicht von Hermine Granger, die sich nur Notizen macht, um die Prüfung zu bestehen und nicht weil sie eine intrinsische Motivation hätte – sondern von Cho Chang. Als kleines Mädchen schon hatte sie sich am liebsten historische Geschichten vorlesen lassen und als sie mit zehn Jahren ein umfassendes Geschichtsbuch geschenkt bekommen hatte, gab es für sie eine ganze Weile kein anderes Buch mehr. Und so war sie eine der wenigen, die Professor Binns gespannt an den Lippen hingen, denn immer mal wieder gab er Informationen von sich, die nicht in ihrem Buch standen und die daher neu für sie waren.

Doch schon früh hatte Cho feststellen müssen, dass es äußerst uncool war, sich für Geschichte zu interessieren.

„Was?! Du findest das spannend?!", hatte sie sich schon in ihrem ersten Schuljahr anhören müssen. Deshalb hatte sie irgendwann angefangen, so zu tun, als würde sie gar nicht zuhören, sondern dösen, während sie in Wahrheit jedes Wort konzentriert aufnahm. Ihre Notizen hatte sie so verzaubert, dass es aussah, als würde sie wahllos Gegenstände kritzeln, obwohl sie tatsächlich sich ausführliche Notizen und Diagramme erstellte.

Es war nicht ideal für sie, sich so verstecken zu müssen, aber für ihr absolutes Lieblingsfach konnte sie solche Strapazen schon auf sich nehmen.