17. April – Hey, Schlammblut

Hermine war auf dem Weg in die Große Halle zum Frühstück. Der Korridor war leer, bis sie eine vertraute Stimme hinter sich rufen hörte: „Hey, Schlammblut, wo sind denn deine sabbernden Hunde?"

Hermine drehte sich um und sah zu ihrer Überraschung nur Draco Malfoy. „Und wo sind deine?", erwiderte sie daher und ließ sich gar nicht von ihm aufhalten.

Doch Draco überholte sie schnell und stellte sich ihr in den Weg. „Ich brauch die nicht", höhnte er. „Sind sowieso nur Idioten."

Hermine hob ihre Augenbrauen an. „Ach, wirklich?", fragte sie skeptisch.

„Ja, klar. Glaubst du etwa, ich kann es nicht alleine mit dir aufnehmen?" Er lachte laut auf, doch es klang gekünstelt.

Hermines rechter Mundwinkel zog sich nach oben. „Sicher?", sagte sie wieder in dem gleichen Ton. „Hast du etwa meine Ohrfeige vergessen?" Blitzschnell hob sie die Hand und Draco zuckte zusammen. Sie ging auf ihn zu, er zurück, bis er eine Wand erreicht hatte. „Außerdem wissen wir beide, dass ich besser im Zaubern bin als du." Sie stand jetzt ganz dicht vor ihm. Obwohl er größer war als sie, schien es, als würde er zu ihr hinaufsehen.

Draco schüttelte mit dem Kopf. „Ganz sicher nicht, Schlammblut."

„Tja dann schlage ich ein Duell vor", meinte Hermine und ging wieder ein paar Schritte zurück. „Jetzt gleich und hier."

„Okay!", rief Draco verärgert und wollte nach seinem Zauberstab greifen, doch dieser steckte nicht mehr in seiner Hosentasche wie sonst. Verwundert suchte er alle anderen Taschen ab, doch nichts.

„Suchst du den hier?", fragte Hermine gelassen und wedelte mit Dracos Zauberstab herum.

„Was? Wie?", stammelte dieser verdattert. Dann wurde er wütend und stapfte bedrohlich auf sie zu. „Gib ihn mir sofort wieder, Granger!"

„Ich denk ja gar nicht dran! Und wenn ich du wäre, würde ich mir nicht näherkommen." Sie richtete den Zauberstab auf seinen Herren und Draco blieb stehen.

„Du elendes Schlammblut!"

„So bekommst du ihn ganz sicher nicht wieder."

Draco gab sich geschlagen. „Okay, Granger, was willst du?"

„Sei heute den ganzen Tag nett zu mir, Harry und Ron, und dann bekommst du ihn vielleicht heute Abend wieder."

„Aber wir haben gleich Unterricht", stammelte Draco verzweifelt. „Ich brauch den doch!"

„Das ist mir doch egal. Du kannst ja gerne den Lehrern sagen, dass ich ihn dir abgeluchst hab, wenn du möchtest."

Draco zog eine Grimasse. Dann seufzte er einmal schwer, bevor er niedergeschlagen fragte: „Hermine? Darf ich dir deine Tasche abnehmen?"

Da lächelte Hermine und erwiderte theatralisch: „Oh, vielen, lieben Dank, Draco. Das ist so überaus freundlich von dir." Und sie gab ihm ihre Büchertasche und gemeinsam gingen sie in die Große Halle.

Das würde der demütigenste Tag in seinem Leben werden, dachte Draco deprimiert.