30. April – Belästigungen

Es war wie fast jeden Abend ein reges Treiben in den Drei Besen und Madame Rosmerta hatte viel zu tun. Sie nahm Bestellungen auf, füllte Gläser, brachte diese ihren Gästen, unterhielt sich mit ihnen, wusch altes Geschirr sauberte, rechnete ab, ließ sich dabei natürlich Trinkgeld geben, und durfte auf keinen Fall vergessen, sexy auszusehen und zu lächeln, denn das war ihr geheimes Erfolgsrezept, warum die meisten Leute in ihren Pub gingen und nicht in den Eberkopf.

„Hey, Rosmertachen!", rief einer ihrer Stammgäste betrunken. „Bring mir mal noch nen Schnaps."

Rosmerta atmete einmal tief durch, bevor sie das Schnapsglas vorbereitete und mit einem liebevollen Lächeln auf den unangenehmen Gast zustöckelte. Er war fast jeden Abend hier und trank dann so viel, dass er nur noch nach Hause schwanken konnte. Anscheinend hatte er irgendwelche Probleme, die er versuchte, mit Alkohol zu lösen – vielleicht hatte er ja seinen Job verloren? oder seine Frau hatte ihn verlassen? Vermutlich beides. „Hier bitte sehr", sagte sie freundlich und stellte das Glas vor ihm ab.

Der Mann, der übrigens so übel roch, als habe er sich seit Wochen nicht mehr gewaschen, nahm das Glas und schüttete es in einem Zug runter. „Pah!", machte er danach und wischte sich mit dem Ärmel über den Mund. „Setz dich doch", lallte er schließlich und deutete auf den Platz neben sich.

Rosmerta musste schwer schlucken, um ihn nicht anzubrüllen. Stattdessen erwiderte sie gekünstelt: „Oh, das ist sehr freundlich von Ihnen, aber ich habe leider keine Zeit. Ich muss mich um die anderen Gäste kümmern."

„Ach was", meinte der Mann abfällig. „Sonst unterhältste dich doch auch mit den andern." Er packte sie am Arm und versuchte, sie zu sich zu ziehen.

„Nein, ich kann wirklich nicht", sagte Rosmerta nun schon etwas deutlicher und versuchte, sich zu lösen, doch der Mann war trotz seiner Betrunkenheit zu stark.

„Ach, hab dich nicht so."

„Nein!", rief die Wirtin und Panik stieg in ihr auf. „Lassen Sie mich los!"

Wie aus dem Nichts stand plötzlich ein Mann neben ihr, packte die Hand des Betrunkenen, die Rosmerta festhielt, löste sie von ihrem Arm und bog sie schmerzhaft nach hinten.

Der betrunkene Gast schrie auf, doch der Mann sprach nur bedrohlich: „Wenn eine Frau Nein sagt, dann heißt das auch Nein, verstanden? Haben Sie mich verstanden?!"

„Ja", knurrte der Gast beleidigt und der Mann ließ ihn los.

Rosmerta stand geschockt da und rieb sich ihren Arm. So etwas war ihr ja noch nie untergekommen!

„Alles in Ordnung bei Ihnen?", fragte ihr Retter sie nun besorgt. Er war groß, schlank, mit kurzen schwarzen Haaren, einer Brille und einem langen, fahlen Gesicht.

Rosmerta konnte nur nicken.

„Kommen Sie mit", meinte der Mann galant und führte sie mit der Hand leicht an ihren Rücken gedrückt zum Tresen. „Sie brauchen jetzt erst einmal einen Drink. Darf ich?"

Rosmerta nickte erneut und der Mann trat hinter den Tresen, um ihr ein Glas Whiskey einzufüllen. Sie trank den Schnaps in einem Zug.

„Besser?", wollte der Mann danach mit einem Lächeln wissen.

„Ja, danke", erwiderte Rosmerta ebenfalls lächelnd. Der Mann gefiel ihr… Doch da bemerkte sie plötzlich: „Wie heißen Sie eigentlich?"

„Antonin", grinste der Fremde. „Antonin Dolohow."