5. Mai – Autogrammkarten

Gilderoy Lockhart saß auf dem Bett in seinem Zimmer im Sankt Mungos Hospital und las einen alten Artikel über sich selbst aus der Hexenwoche von vor fünf Jahren. Er hatte schon immer alles aufbewahrt, in dem er erschien, und nun war er deswegen äußerst froh: Zum einen, um sich sinnvoll beschäftigen zu können, zum anderen, um wieder der Mann zu werden, der er vor seinem Erinnerungszauber gewesen war. Als er so in seine Lektüre vertieft war und sich erneut wunderte, was für ein toller Typ er gewesen sein musste, klopfte einer der Heiler an seine Tür und trat ein.

„Mr Lockhart? Ihr Paket ist angekommen."

„Endlich", freute sich Gilderoy, sprang auf, nahm das Paket, ging zum nächsten Tisch und öffnete es. Ihm stieg der wohlbekannte und geliebte Geruch von frisch gedruckten Plakaten in die Nase – seine neuen Autogrammkarten waren eingetroffen! Im Laufe der letzten Jahre hatte er seine alten Karten nur schleppend verteilen können, doch schließlich brauchte er neue. Eine nette Heilerin auf der Station – ein geheimer Fan von ihm – war mit ihm zu einem professionellen Fotografen gegangen, der nun auch diese Karten für ihn gemacht hatte. Man sah den gutaussehenden Zauberer, wie er verschmitzt lächelnd in die Kamera zwinkerte…

Gilderoy setzte sich an seinen Schreibtisch, nahm seine beste Feder und seine schönste Tinte hervor und begann, die tausend Autogrammkarten zu unterschreiben. Stundenlang schrieb er ununterbrochen seinen Namen in schnörkliger Schreibschrift auf die Karten, ohne dass es ihn ermüdete oder anödete – für seine Fans würde er alles machen. Zum Abend musste er seine Tätigkeit für eine Weile unterbrechen, weil die Heiler darauf bestanden, dass er etwas aß. Doch danach machte er sich sofort wieder an die Arbeit und erst als alle Karten beschrieben waren (dies war kurz nach Mitternacht der Fall), konnte er glücklich zu Bett gehen und schlief einen angenehmen, träumerischen Schlaf.

Am nächsten Tag begann seine Mission durch das Krankenhaus und er verteilte an jeden Besucher und jeden Patienten eine Autogrammkarte – ob sie es wollten oder nicht. Und wer schon eine alte hatte, bekam trotzdem eine neue – denn dieses Bild sei ja sehr viel aktueller und, um ehrlich zu sein, doch auch viel schöner als das vorherige, nicht wahr?