6. Mai – Professor Lupin

Hermine saß in Verteidigung gegen die Dunklen Künste und musste eine Seite aus ihrem „Lehrbuch" drei Mal abschreiben. Das war Umbridges Lieblingsmethode und es interessierte sie auch leider überhaupt nicht, dass Hermine bereits das ganze Buch inhaltlich auswendig konnte. Offiziell hieß es: „Wenn man einen Text abschreibt, auch wenn man ihn schon kennt, eröffnen sich ganz neue Denkprozesse." Inoffiziell war Hermine der festen Überzeugung, dass Umbridge es sich nur bequem machte und absolute Stille verlangte. Und dass die Schüler ja nicht anfangen sollten zu denken…

Doch das funktionierte bei Hermine nicht. Gerade, wenn sie unterfordert war – so wie in diesem Moment – begann ihr Gehirn zu rattern. Sie dachte an eine neue Idee für Zaubertränke, dichtete sogar ein kurzes Gedicht und fragte sich selbst Alte-Runen-Vokabeln ab. Aber als ihr Gehirn anfing, ihr nervige Muggellieder aus ihrer Kindheit vorzusingen, hörte sie auf zu schreiben und blickte aus dem Fenster. Wie sie so auf die sonnendurchfluteten Wiesen um Hogwarts sah, dachte sie verärgert an Umbridge und wie viel besser man diese Zeit nutzen könnte, zum Beispiel für ihre ZAG, als ihr plötzlich Professor Lupin in den Sinn kam.

Er war mit Abstand der beste Lehrer gewesen, den sie je gehabt hatten. Er war begeistert von seinem Fach gewesen und hatte überragende Kenntnisse besessen; er war auf die Schüler eingegangen, hatte sie und ihre Probleme ernst genommen und hatte immer versucht, das möglichst Beste aus ihnen herauszuholen – und das alles, obwohl er ein Werwolf war und ihn die Verwandlungen von Monat zu Monat immer weiter schwächten. Wenn Hermine ganz ehrlich zu sich war, war sie wohl ein wenig verliebt in ihn (gewesen). Aber das war ja auch nicht verwunderlich, wenn so ein großartiger Lehrer die Lücke ausfüllen musste, die Lockhart hinterlassen hatte. Sie hatte niemandem davon erzählt und hütete sich auch davor, dass jemand etwas merkte – auch wenn sie nach und nach im Ordenshaus, wenn sie auf Lupin stieß, feststellte, dass sie ihn mittlerweile eher als einen guten Freund ansah denn mehr. Außerdem gab es ja noch Tonks…

Ein wenig war Hermine auch froh über den Umstand, dass sie sich manchmal in einen Lehrer verlieben konnte, denn dies gab ihr eine zusätzliche Motivation und Freude an der Schule und am betreffenden Unterricht ganz besonders. Doch nach Lupin war Moody gekommen (der war nun wirklich kein Mensch zum Verlieben) und danach Umbridge… Hermine seufzte. Vielleicht würde ja im nächsten Jahr wieder ein gutaussehender, begabter und freundlicher Mann Professor für Verteidigung gegen die Dunklen Künste werden.