8. Mai – Dunkle Vorahnungen

Narzissa träumte. Unruhig wälzte sie sich hin und her, denn ihr Traum bestand aus grauem, undurchlässigem Nebel. Verwirrt tastete sie sich voran, doch alles blieb, wie es war. „Lucius?", rief sie. „Draco?"

Da lichtete sich der Nebel an einer Stelle und sie erblickte ihren Mann. Voller Freude stürmte sie auf ihn zu, doch kurz bevor sie ihn erreichen konnte, hielten Gitterstäbe sie auf Abstand. „Was-?", machte sie verwundert, als sie bemerkte, dass Lucius in einer Gefängniszelle saß. Sein Gesicht war ausgemergelt und fahl, seine Haare stumpf und grau. Erst als sie einen Dementor in der hinteren Ecke des kleinen Raumes entdeckte, wusste sie, dass es sich um Askaban handelte. „Nein!", schrie sie verzweifelt und versuchte, Lucius mit den Händen zu erreichen, doch er war zu weit weg. Mit leerem Blick starrte er ins Nichts. Narzissa weinte nun, als sie plötzlich ein hohes Lachen hinter sich vernahm und sich erschrocken umdrehte.

„Er hat mich enttäuscht", höhnte der Dunkle Lord mit einem fiesen Grinsen. „Dafür muss er nun hier verrotten – und Draco wird seine Schuld begleichen."

Wie aus dem Nichts tauchte der jüngste Malfoy im Nebel auf. Voldemort packte ihn am Arm und zerrte ihn mit sich.

„Nein!", schrie Narzissa wieder. Sie versuchte aufzustehen, doch es gelang ihr nicht, und hilflos musste sie mitansehen, wie ihr einziges Kind entführt wurde. Sie schluchzte nun laut, hatte das Gesicht in den Händen vergraben, als sie eine starke Hand auf ihrer Schulter spürte.

„Komm mit", sagte Severus emotionslos, half ihr auf und führte sie an der Hand fort von der Gefängniszelle.

„Wohin gehen wir?", wollte Narzissa nach einer Weile verängstigt wissen.

„Weg", erwiderte Severus nur, ohne sie anzusehen. Immer weiter brachte er sie davon.

„Aber ich muss zurück", protestierte sie. „Ich muss zu meiner Familie."

Severus blieb plötzlich wie angewurzelt stehen. „Dafür ist es zu spät. Sie sind beide tot." Und im nächsten Moment ließ er ihre Hand los und Narzissa fiel durch den Nebel, immer weiter abwärts, hinein in ein schwarzes, dunkles Loch…

Mit einem lauten Einatmen, als ob sie minutenlang unter Wasser gewesen wäre, erwachte Narzissa und sah sich panisch um. Doch als sie nach und nach erkannte, dass sie sich in ihrem Schlafzimmer befand und Lucius ungestört neben ihr schlief, beruhigte sie sich allmählich und verstand, dass es nur ein Albtraum gewesen war. Lucius lag hier neben ihr, Draco war in Hogwarts geschützt. Alles war gut.

Sie strich ihrem Mann behutsam über die Wange, bevor sie sich neben ihn kuschelte und weiterschlief.