13. Mai – Heimliches Schwimmen

Schon den fünften Tag in Folge war nun wunderbares Wetter. Die Sonne schien, die Temperaturen waren um die zwanzig Grad, was für Schottland schon als Hitzewelle gelten konnte, und die Schüler sehnten sich nach einem Eis.

Als Pansy sich zum späten Nachmittag von den anderen absetzte, ging sie mit einem Ziel, man könnte fast sagen mit einer Mission nach draußen: Sie wollte im Großen See schwimmen gehen. Eigentlich war es den Schülern verboten, ohne Aufsicht zu baden, wegen des Riesenkraken und anderer gefährlicher Kreaturen. Doch Pansy hatte sich mit dem Kraken schon vor Jahren angefreundet und konnte ihren Zauberstab an ihrem Bikini befestigen, sodass sie sich im Notfall verteidigen konnte. Außerdem wollte sie sich gar nicht so weit vom Ufer entfernen; sie wollte einfach nur mal wieder ein paar Bahnen schwimmen.

Bevor Pansy nach Hogwarts gekommen war, hatte sie viermal die Woche Schwimmtraining gehabt und sogar an einigen Wettbewerben erfolgreich teilgenommen. Als sie dann an dieser Schule feststellen musste, dass es nicht einmal ein einziges kleines Schwimmbecken gab, konnte sie nur noch in den Ferien schwimmen gehen – oder eben heimlich im Großen See. Natürlich wollte sie nicht erwischt werden, aber sie fürchtete eine Strafe auch nicht so sehr, als dass es sie von ihrem Vorhaben hätte abhalten können.

So wartete sie nun in der Nähe des Sees, bis sämtliche Schüler, die sich noch auf dem Gelände aufhielten, in die Große Halle zum Abendessen gegangen waren, bevor sie sich bis auf den Bikini, den sie sich schon in ihrem Zimmer angezogen hatte, auszog, ihre Sachen hinter einem Busch versteckte und zum See tapste.

Der erste Schritt ins Wasser war immer der kälteste. Danach rieb man sich ein wenig Wasser über Beine, Arme und Bauch, bevor man langsam weiterging und sich schließlich ganz unter die Oberfläche begab.

Ja, es war noch verdammt kalt um diese Jahreszeit, aber es war auch beruhigend und entspannend. Pansy genoss einen Augenblick die Stille, bevor sie sich nach vorne in die Fluten warf und anfing, schnell zu schwimmen. Schnell kam sie wieder in ihren alten Rhythmus und ließ das Ufer Meter um Meter hinter sich. Ehe sie es überhaupt bemerkt hatte, war sie fast bis zur Mitte des Sees geschwommen. Ein wenig erschrocken davon, kehrte sie schnell wieder um und schwamm danach ein paar Längen in der Nähe des Ufers auf und ab.

Auf einmal sah sie jedoch eine Person, die zielstrebig auf den See zukam. Da es schon dämmerte, konnte sie nicht erkennen, um wen es sich handelte. Erschrocken schwamm sie zum Ufer. Sie hoffte inständig, dass die Person sie nicht entdeckte hatte, doch dem schien so, denn sie kam nun direkt auf sie zu und winkte ihr sogar noch.

Sie winkte? Dann war es kein Lehrer.

Pansy atmete erleichtert aus, als sie die Person erkannte: Es war Draco Malfoy.

„Hast du mich vielleicht erschreckt", lachte sie, als er in Hörweite war.

Er grinste nur schelmisch. „Du warst nicht beim Essen", erklärte er. „Und da habe ich dich gesucht."

„Oh", machte Pansy nur und versuchte, ihre Freude über diese Aussage zu verbergen.

„Du zitterst", bemerkte Draco, nahm sich das Handtuch, das zwischen ihnen hinter dem Busch auf dem Boden lag und breitete es so aus, dass Pansy nur noch in seine Arme zu laufen brauchte.

Mit klopfendem Herzen tat sie dies auch und er legte seine Arme samt dem großen Handtuch um sie und rieb ihre Arme und ihren Rücken, um sie zu wärmen.

„Besser?", fragte er nach einer Weile lächelnd.

„Ja", hauchte sie. Sie sah ihm in die Augen, doch er wich ihrem Blick aus.

„Wir sollten wieder rein gehen", bemerkte er nur und ging einen Schritt zurück. „Damit du dich nicht erkältest."

Pansy nickte, sammelte ihre Sachen ein und versuchte eilends, ihre Enttäuschung zu verbergen…

Schweigend gingen sie ins Schloss und in den Slytherin-Gemeinschaftsraum.