19. Mai – Kräuterkunde

Neville ging mit hängenden Schultern durch das Schloss. Sie hatten eben Zaubertränke gehabt und wieder einmal hatte er einen Trank zum Explodieren gebracht. Professor Snape war immens erzürnt gewesen, hatte ihn verhöhnt, ob er wirklich so dumm sei oder ob sein Versagen Absicht sei. Danach hatte er Gryffindor dreißig Punkte abgezogen und Neville eine Woche Nachsitzen aufgebrummt. Und das, wo dieser doch eigentlich für seine ZAG-Prüfungen üben und lernen sollte. Hermine hatte ihm sogar angeboten, ihm ein wenig zu helfen – aber die nächste Woche würde daraus wohl nichts werden. Und ihm war jetzt schon schlecht, wenn er nur daran dachte, jeden Abend mit Snape verbringen zu müssen. Das würde wieder viele Albträume geben…

Nevilles Füße trugen ihn automatisch aus der Eingangshalle, über die Wiesen vor dem Schloss und zu den Gewächshäusern. Als sein Blick auf die gläsernen, von Pflanzen umgebenen Gebäude fiel, konnte er wieder zaghaft lächeln. Er hatte großes Glück mit seinem Stundenplan in diesem Jahr, denn immer, wenn Snape und der Zaubertränkeunterricht ihn fertigmachten, konnte er danach in Kräuterkunde wieder entspannen und sich ins Gedächtnis rufen, dass er doch kein vollkommener Versager war, denn Professor Sprout war sehr zufrieden mit seiner Arbeit.

„Wenn du dich weiterhin so anstrengst", hatte sie ihm letztens fröhlich mitgeteilt, „wirst du deine ZAGs mit links machen. Ein Erwartungen übertroffen oder sogar ein Ohnegleichen sind auf jeden Fall machbar."

Neville betrat das Gewächshaus und erkannte sofort, dass sie sich heute mit den Alarich-Blumen beschäftigen sollten. Er durchforstete sein Gedächtnis nach allen Informationen, die er über diese Pflanze wusste, um gleich in der Stunde glänzen zu können (und vielleicht zumindest ansatzweise die dreißig Punkte wieder wett zu machen), als Professor Sprout hereinkam, einen großen Topf mit Erde in den Armen, und ihn gutgelaunt wie immer ansprach.

„Na, Neville, alles klar?"

Normalerweise würde er nun mit „Ja, danke. Und bei Ihnen?" antworten, aber Professor Sprout war jemand besonderes, daher verdiente sie die Wahrheit. „Geht so." Und er berichtete von Snape und dem explodierenden Kessel.

Professor Sprout stellte den Topf auf den Tisch und seufzte mitfühlend. „Man kann ja nicht in allen Fächern gut sein."

„Ja…"

Langsam trat der Rest der Klasse ins Gewächshaus.

„Was ich dich eigentlich fragen wollte", wechselte sie plötzlich das Thema, „magst du mir heute in der Stunde helfen? Wie du sicherlich weißt, müssen Alarich-Blumen immer zu zweit behandelt werden, und da hätte ich gerne dich als meinen Assistenten."

„Mich?!", rief Neville erschrocken. „Aber warum fragen Sie nicht Hermine?" Sie war schließlich die Beste im Kurs.

„Sagen wir, Miss Granger hat vielleicht mehr theoretisches Wissen als du, aber dafür kannst du eine Pflanze besser beurteilen und weißt genau, wo und wie man sie anfassen darf."

Neville strahlte. „Ich bin gern Ihr Assistent."

„Spitze", grinste Professor Sprout und rief dann die Klasse zur Ruhe, damit der Unterricht beginnen konnte.

Neville war in diesem Moment noch nie so stolz gewesen. Das musste er gleich seiner Oma schreiben!