20. Mai – Erbsensuppe

Tom wollte gerade den Tropfenden Kessel schließen, als ein Mann hereinkam. Er trug, obwohl es draußen warm war, eine langen, schwarzen Mantel und hatte einen stoppeligen, ungepflegten Bart. Mühsam schleppte er sich zum Tresen.

„Habt ihr noch 'n Zimmer?", fragte er ohne jegliche Begrüßung.

Aber Tom war solche Sitten gewohnt. „Ja."

„Das nehm ich."

Tom gab ihm den Schlüssel und erklärte ihm, wie er dorthin gelangte. Wenn der Fremde Gepäck dabeigehabt hätte, hätte Tom sie ihm hochgetragen, aber der Reisende hatte anscheinend nichts außer sich selbst dabei.

„Kann ich noch was zu essen haben?"

Tom nickte. „Was hätten Sie denn gerne?"

„Erbsensuppe."

„Ich bringe sie Ihnen gleich hoch."

Der Fremde grunzte zustimmend und stieg dann gequält die Treppe hinauf und in sein Zimmer.

Tom schloss nun wirklich den Tropfenden Kessel ab und begab sich in die Küche. Als die Suppe fertig war, brachte er sie dem Gast und ließ sich ein paar Sickel dafür geben. Vielleicht hätte sich jeder andere gefragt, was der Fremde wohl hinter sich hatte, dass er so ausgelaugt war, aber Tom hatte mittlerweile schon so viele seltsame Gestalten in seinem Wirtshaus erlebt, da wunderte er sich über nichts mehr. Manchmal war es sogar besser, bestimmte Dinge nicht zu wissen…

Tom wischte nun unten alle Tische ab, hinterließ die Küche in einem sauberen Zustand, löschte alle Lichter und stieg mit seinem erleuchteten Zauberstab hinauf in sein eigenes Zimmer. Als er jedoch an dem Zimmer des neuen Gastes vorbeikam, hörte er seltsame Geräusche. Es klang, als würde jemand… ersticken!

Sofort riss Tom die Tür auf und konnte gerade noch erkennen, wie die Hand des Fremden aus dem Teller Erbsensuppe lugte und dann mit einem lauten Schlürfen eingesogen wurde. Der Rest war schon verschwunden.

Tom wich jegliche Farbe aus dem Gesicht und todeserschrocken blickte er auf den vermeintlich harmlosen Teller. Am liebsten hätte er laut geschrien, aber ihm war die Kehle zugeschnürt.

Die Erbsensuppe hatte seinen Gast verspeist!