21. Mai – Eingeschlafen

„Du, Harry?", fragte Ron abends im Gemeinschaftsraum.

„Ja?"

„Die Sperrstunde fängt gleich an und Hermine ist noch nicht da." Er klang besorgt.

„Hmm…" Normalerweise wäre sie schon längst zurück. Ob sie die Zeit vergessen hatte? Oder ob ihr vielleicht sogar etwas passiert war?

„Wollen wir sie suchen gehen?"

Harry nickte. „Ich nehm die Bibliothek, du das Lehrerzimmer."

Die Jungs wirkten determiniert, als sie aufstanden und sich auf die Suche nach ihrer besten Freundin begaben.

Harry eilte über die Flure – er hatte noch zehn Minuten, dann würde es nicht besonders klug sein, erwischt zu werden. Und zu seinem Glück hatten bestimmt Filch und Snape heute Nacht Aufsicht…

Als er die Bibliothek erreichte, war Madame Pince schon dabei, ihre Sachen einzupacken, um gleich abzuschließen.

„Ist Hermine zufällig noch da?", erkundigte er sich rasch.

„Oh, das weiß ich jetzt gar nicht so genau", erwiderte sie erschrocken – vielleicht hätte sie fast eine Schülerin über Nacht in der Bibliothek eingeschlossen! „Aber du kannst gerne einmal nachschauen."

Harry nickte dankend und durchschritt danach hastig die Gänge und Regale auf der Suche nach Hermine. Ganz hinten, in der Ecke an einem Tisch fand er sie. Er blieb kurz abrupt stehen, als er sie entdeckte, und grinste dann breit. Sie war eingeschlafen, ihr Kopf lag auf dem Tisch auf den vielen Büchern, die aufgeschlagen vor ihr lagen.

Harry schritt leise an sie heran und fand, dass sie schlafend eigenartig friedlich aussah. Keine Sorgenfalte auf ihrer Stirn, keine dunklen Augenringe, kein gestresster Ausdruck im Gesicht. „Hermine", sagte er leise. „Hermine."

Doch diese regte sich gar nicht.

Harry hob seine Hand und strich ihr damit über das buschige Haar. „Hermine, wach auf."

Langsam erwachte sie, sah sich dann verwundert um und fragte verwirrt: „Warum bin ich nicht in meinem Bett?"

Harry lachte leise, packte ihre Sachen in ihre Tasche, stellte die Bücher zurück ins Regal und fasste seine beste Freundin leicht am Oberarm, da sie so müde war, dass er ihrem Stehvermögen nicht ganz traute. „Komm mit", meinte er fürsorglich. „Ich bring dich in dein Bett."

„Okay", nuschelte Hermine nur, lehnte ihren Kopf an seine Schulter und ließ sich halbschlafend von ihm zum Gemeinschaftsraum führen.