29. Mai – Freiheit

Der Drache erwachte und blickte sich um. Er befand sich in einem Wald; die Sonne schien ihm vereinzelt durch das Blätterdach auf den Kopf. Er erhob sich und streckte sich. Sein Magen grummelte und so roch er seine Umgebung nach etwas Essbarem ab. Als er ein Reh entdeckte, schlich er sich heran und verspeiste es mit einem Bissen. Danach suchte er den nächsten Bach auf, um seinen Durst zu stillen. Nun wollte er den Wald verlassen, um sich einen neuen Ort zu suchen und hoffentlich so bald auf eine Partnerin zu treffen, denn er wollte nicht auf Dauer allein leben, sondern eine Familie gründen. Er lief zu einer großen Lichtung, breitete seine mächtigen Schwingen aus und hob mit seinen kräftigen Hinterbeinen vom Boden ab. Er schlug mit den Flügeln und flog von Sekunde zu Sekunde höher. Als er mit seiner Flughöhe zufrieden war, ließ er sich vom Wind nach vorne treiben. Viele Kilometer erstreckte sich der dichte Wald unter ihm, doch das war für einen Drachen keine Entfernung. Er genoss den Wind im Gesicht und in seinen Flügeln. Das war wahre Freiheit! Und vor Zufriedenheit stieß er einen Laut aus, der anderen Drachen Freude signalisiert hätte, die Tiere unter ihm im Wald jedoch zu Tode erschreckte.